Logbuch

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FAQ (frequently asked questions)

Datum / Position Text
18.01.2015, Wien

Gefühlsblase Numero 13

Da schau her, jetzt sind doch glatt fast drei Jahre seid dem letzten Gefühlsblasen Eintrag vergangen. An Land rennt die Zeit. Und das liegt wohl daran, dass viel zu tun ist. Arbeiten zum Beispiel, um Geld zu verdienen. Und Schule gehen, um die Matura zu machen.
Ja der Alltag ist eingekehrt, aber er hat uns noch nicht verschluckt, lieber Gästebuchbesucher Achim. Wobei die Gefahr stets allgegenwärtig ist. Dieser Alltag ist doch wie ein großer Walfisch, der sein Mäulchen aufmacht und wir lachen noch über das Grinsen, das sein Gesicht überzieht und freuen uns, weil klar ist: da drinnen ist es sicher und warm und viel an Wind kann auch nicht kommen. Aber kurz bevor der Wal oder eben Alltag uns runterschluckt, denken wir: Noch lieber sehen wir einen Wal doch von draußen, oder? Am liebsten von unserer Risho Maru aus, in der Ferne, vielleicht auf Tonga, mit großer Fontäne und wenig Einfluss auf unser abenteuerliches Bordleben.
Ein paar Wochen jedes Jahr schaffen wir es schließlich doch auf unsere Risho Maru, die im Trockendock nicht weit von Lignano mit ihren Rümpfen scharrt, um endlich wieder auf große Fahrt zu gehen. Risho was sagst du dazu?
"Naja, diese kleinen Spritztouren im Sommer im nahen Kroatien und noch näheren Italien sind schön und gut. Aber ist das euer Ernst?! Habt ihr denn keine Lust auf türkisfarbene Lagunen? Ozeanwellen? Frische Thunfische? Nette Delfine ? Bisschen Vanuatu, oder Tobago oder Neuseeland? Und bitte was ist mit Finn passiert, wieso passt er nicht mehr in seine Schlafkoje? Seine Füße stehen doch bis in die Navigationsecke? Oder sind das Flossen? Dafür steuert er wie ein Profi und macht meines Erachtens super gechillte Bojen Anlegemanöver. Wobei: Wenn mir etwas nicht fehlen würde, dann Bojenfelder und Ankergebühren! Und wo sind eigentlich all diese netten Fahrtenseglerschiffe hin? Die hier herumschippern, wirken nicht gerade sehr abenteuerlich und kommunikativ."
Was unser schönes Schiff nicht erwähnt ist, dass wir in den letzten zwei Sommern einige Umbauten und Renovierungsarbeiten durchgeführt haben. Das Mittelcockpit ist wieder wie im Originaldesign ohne Hundekoje und das Vorschiff bis ins kleinste Detail renoviert. Dieses Jahr geht's ans Heck - der Motorblock steht nun vor der Renovierung. Nachdem unser Dieseloutborder ganz frech nach 25 Jahren den Geist mitten in einer kroatischen Flaute aufgegeben hatte und uns eine Bora vorm sicheren Verhungern rettete, wird nun eine neue Motorgondel konstruiert mit einem zusätzlichen Hilfsmotor. Für diverse Flauten in dieser Welt. Ganz schön viel Arbeit an einem Schiff, das klingt ja fast so als würden wir auf große Fahrt gehen wollen! Vielleicht! Was in ein paar Jahren sein wird, steht noch in den Sternen, wird aber sicher etwas mit Karibik, vielen Seemeilen und Brasilien zu tun haben.
Kann ich mir gut vorstellen. Vor allem, weil ich gerade die taufrischen Druckfahnen meines neuen Segelbuches vor mir liegen habe und Fotos und Text mich sehnsüchtig werden lassen. Erscheinungsdatum: März 2015! Alle News werden hier zu lesen sein!
Peter kann sich das Wegsegeln noch viel besser vorstellen. Praktischer. Er war gerade im Keller, um den neuen Motorblock zu schleifen.
Und auch Finn, mit rauchenden Kopf kurz zwischen den Lateinvokabel aufgetaucht, sieht eine mögliche Auszeit durchaus realistisch. Er nimmt sicherheitshalber als Wahlpflichtfach gleich mal Spanisch. Weil Südamerika liegt ja am Weg und man sollte sich doch überall mit jedem unterhalten können.
Unterhalten tun wir uns übrigens auch im Alltag ganz gut. Immer wieder treffen wir auf Menschen die seelische, geistige, technische Unterstützung bei ihren Vorbereitungen zur großen Fahrt suchen.
Was auffällt ist, dass sehr viele Segler von diesem Abenteuer träumen, sogar ein Stück segeln und dann merken, dass es nicht so ist, wie erträumt. Warum? Jeder muss letztendlich seinen eigenen Weg gehen, seine eigenen Seemeilen segeln.
Man kann die Erlebnisse anderer nicht nachleben. Denn schon ein blöder Wind von der falschen Seite reicht, um einen Lieblingsplatz zu einem Albtraum Platz zu machen.
Trotzdem ist es schön von den abenteuerlichen Zeiten zu erzählen, zu schwärmen, die Bilder durchzugehen und - was ich erst seit Kurzem wieder mache - in Blogs anderer Segler zu stöbern. Den Alltag kurz auszuschalten, nach einem Wal Ausschau zu halten, Spanisch zu lernen, die CD von dem neukaledonischen Reggaesänger aufzulegen und im Grasrock aus Vanuatu einen richtig wilden Südseetanz hinzulegen. Mitten im Wohnzimmer. In Wien.
Peter geht inzwischen dem Dieseloutborder in unserer Abstellkammer gut zuzureden. Aber Kapitän, wer braucht schon einen Motor? James Cook hatte auch keinen, und einige seiner entdeckten Buchten kennen wir ja schon in und auswendig!
Ausserdem sollten wir sowieso mal wieder Ablegen unter Segeln üben. Weil die nächste Große Fahrt muss wieder gut vorbereitet sein!

08.10.2012, Wien

Gefühlsblase Numero 12

Auf der Suche nach Freizeit oder Sind wir schon so lange wieder da?

Na endlich! Da ist sie, die längst fällige Gefühlsblase!
Schuld ist die Zeit, nicht ich. Die vergeht nämlich so schnell, wenn man nicht am Schiff lebt. Gerade noch hab ich die Wohnungstür-Anti-Zugluft-Filzvorhänge abgenommen und bin jetzt wieder dabei, den Filzaushang aus dem antimottenduft-müffelnden Winterkasten zu kramen. Was ist dazwischen passiert? Einiges - nun:
Nach Ostern ging es ziemlich los bei mir, der Skipperin, ich steure nämlich seit April einer neuen Küste entgegen: der Freizeitpädagogik. Wenn sich wer fragt, wer das braucht… nun ja, wohl kaum Leute, die Weltumseglerseiten durchstöbern. Die haben nämlich noch Träume, diese Leute und deren Kinder haben Ideen und Vorstellungen, was man noch machen könnte aus seinem Leben. Und dass es nicht immer so sein muss, wie gerade und wie gestern und vorgestern. Die Freizeitpädagogik ist für diejenigen, die vergessen haben, was noch alles drinnen steckt im Leben, außer Fernsehen, Essen, Computer und Co. Mein Klientel nach abgeschlossenem Studium nächsten Februar werden Schulkinder sein - um es böse zu formulieren: da greift die Rettung vielleicht noch! So manchmal habe ich das Gefühl, in der Schule könnte mir, mit meinem Sinn für Neues, Anderes, ein bisserl Verrücktes, ein strenger Gegenwind entgegenwehen. Doch als erfahrene Seglerin bin ich guter Dinge. Ja, es gibt sie, die mühseligen Tage. Aber die guten eben auch. Die 15 Knoten von hinten mit Spinnaker und flacher See. Der Ankerplatz im Türkiswasser mit Sandgrund. Das Hurricane Hole, wo selbst schlimme Stürme erträglich vorbeiziehen. Hab ich doch alles schon erlebt!
Nach Studienbeginn wurde es recht intensiv, als unsere PAF-Konzerte am Plan standen. Das Publikum freute sich, dass wir es mit ins Land der musikalischen Träume und Sehnsüchte genommen hatten und einige noch nicht erzählte Geschichten und Anekdoten auspackten. Es tat gut, mit Freunden auf der Bühne zu stehen und wohlwollende, zufriedene Gesichter im Dunkeln zu wissen.
Schließlich war der Sommer da und damit, wenn auch wegen des Studiums verkürzt, Schiffszeit! Kroatien erfüllt natürlich nicht gerade Weltumseglerträume, aber irgendwie haben wir uns damit nun ausgesöhnt. Mit den vielen rücksichtslosen Motoryachten, den wenigen kommunikativen Segelyachten und den gierigen Bojenbesitzern. Wir verbrachten die Tage entspannt und extrem faul an Bord. Ließen uns von unserem engagierten Skipper namens Finn (1,65 m groß, Schuhgröße 44) durch die immer noch bezaubernde Inselwelt kutschieren. Der Junge ist gerade in dieser interessanten Phase, Pubertät genannt, und bislang sind die einzigen Auswirkungen, dass es schwierig ist, nicht über seine langen Haxen im Cockpit zu stolpern. Vielleicht auch noch die Tatsache, dass, egal auf welchem Ankerfeld oder Hafen, benachbarte weibliche Girlies sich extrem oft an Deck zeigten und kichernd zu uns (?) rübersahen.
Der Sommer war schön, die Arbeit in der Marina gering, die Risho Maru bereit für einen längeren Trip, Fast beleidigt blickte sie uns nach, als wir bereits Mitte August ins Auto Richtung Wien stiegen. Während ich über Kommunikation, Konfliktbewältigung, Spielpädagogik und künstlerische Nachmittagsgestaltung aufgeklärt wurde, gingen die beiden Männer Segeln, Radfahren, spielten Schach, kochten oder übten sich als Gitarren Duo im Gipsy Groove. Eigentlich frage ich mich, ob es für meine Berufsbild nicht besser wäre, den Nachmittag genau wie die beiden zu verbringen...
Gemeinsam bestiegen wir nun vor einer Woche den Nachtzug nach Friedrichshafen zur INTERBOOT, um als Vortragende bei Bobby Schenks Blauwasserseminar aufzutreten. Finn fragte, wozu diese Leute denn so ein Seminar machten. Wir antworteten, dass nicht jeder mit Weltumseglern im Freundeskreis aufwächst. Was er denn vorschlagen würde, was angehende Weltumsegler als Vorbereitung tun sollten? "Segeln gehen" war die schnelle Antwort.
Segeln gehen tun meine Herren auch in Wien viel in letzter Zeit. An der alten Donau, dort, wo ich einst den Kapitän versenkte (Zitat aus WELLENZEIT - das Buch von PAF). Sie haben dort auch schon eine Regatta abgewettert und den "ok" Platz Nummer 7 erlangt. Dies stachelte Finns Ehrgeiz so sehr an, dass er bereit war, den A Schein anzusteuern. Ging nicht. In Österreich muss man als Jugendlicher zuerst einen Junior-Grundschein ab 10 Jahren, dann den Grundkurs ab 14 Jahren machen, schließlich ist man reif für den A-Schein. Na wenigstens hat Skipper Finn schon genug Seemeilen, 29000 nämlich.
Wie auch immer, so ging die Zeit dahin. Übrigens, wir erzählen unsere Geschichte um die Welt demnächst wieder und zwar im schönen Niederösterreich in Ternitz (siehe Termine).
Was nämlich wirklich schön ist - selbst wenn unsere Reise bald drei Jahre zurückliegt - sobald wir unsere Musik hören, die Bilder und unser Schiff sehen, sind wir wieder dort, auf den Inseln, Atollen, in Lagunen und sehnsüchtig machenden Buchten - dort wo Freizeit Leben bedeutet und Segeln ohne Schein durchaus eine Option ist!

19.03.2012, Wien

Gefühlsblase Numero 11

Von Ostereiern, Michael Schanze und perfektem Segeltuch.

Ahhh, Frühling!
Immer wenn wir wieder Zeit an den Wochenenden haben, wissen wir, dass der Frühling kommt. Die Showtermine werden weniger, die Boots Messe Tulln ist vorbei und die Sehnsucht nach Schiff und Meer wird immer stärker.
Ich lasse mich exorbitant von diversen Weltumsegler Blogs ablenken. Mein Favorit: ein amerikanisch/kanadisches Pärchen mit ihrer langsamsten Weltumsegelung.
Drei Monate nach Abfahrt aus New York waren die Zwei noch in der Nebenbucht.
"Super Ankerplatz" war der knappe Blogkommentar. Inzwischen, nach sieben Jahren, segeln sie in der Südsee. Das nenne ich entspannt. Natürlich schaudert es mich, lese ich den Blog von jenen Seglern, die gerade in Kolumbien gestrandet sind und deren Schiff völlig ausgeräumt wurde, nachdem sie von der Coastguard abgeborgen wurden. Mit der Versicherungssumme haben sie sich dann auf den Virgin Islands einen viel komfortableren Katamaran mit wenig Tiefgang gekauft. Nicht tauschen möchte ich mit denen, die in Chile auf einem vereisten Boot mit Leck sitzen. Nein danke. Chile ja, aber lieber am Rücken eines Pferdes oder Motorrades als per Schiff. Dort ist es mir zu stürmisch, auch wenn meine Männer gerne von Kap Hoorn sprechen. Der jüngere der beiden ist ja bekannterweise mein Sohn und inzwischen überragt Finn seine Mutter nicht nur im Bruchrechnen. Das Interesse an Jugendlichen bzw. Kindern, die die Welt umsegelt haben, reißt ja nicht ab. Die Holländerin Laura Decker (14 Jahre) ist ebenso wie Jessica Watson (16 Jahre) eine kompetente junge Frau und beide haben meinen vollen Respekt.
Unser fast Teenager Weltumsegler Sohn redet wenig über seinen Trip, wird aber immer noch zu Interviews eingeladen. Nächsten Monat im ZDF für die Sendung "Eins, zwei oder drei." Ich liebte die Sendung als Kind mit dem lockeren Michael Schanze! Wie der neue Moderator das macht, werden wir uns anschauen. Der Finn wird nicht das Kamerakind geben oder so einen Kram, er ist Gast und redet über polynesische Segelboote. Noch lieber würde er über Gitarren reden, aber das ist den Herr- und Frauschaften vom ZDF zu wenig reisebezogen. Wenn die wüssten... Der Grundstein zu Finns Musikalität liegt in dieser Reise. Nicht nur seine musikalischen Eltern trugen dazu bei, sondern sicher auch die Ukulelen Lehrerin in Neuseeland in der Schule in Opua, die den damals achtjährigen sofort in der Südseeband haben wollte.
Die Eltern von Finn sind auch fleißig, wie vielleicht aufmerksamen Risho Maru Blog Fans nicht entgangen ist. PAF die Live Band steuert die ersten Konzerttermine an. Bislang proben wir regelmäßig im Wohnzimmer, dass die Wände wackeln und die Nachbarn applaudieren, aber bald geht's auf Tournee- also nicht verpassen - demnächst in eurer Nähe!
In unsere Nähe rückt auch Ostern und damit die Risho Maru. Wir werden wieder in der Marina Ostereier suchen - oder nur ich, weil mein 12 jähriger Jungmann wahrscheinlich nicht mehr an den Osterhasen glaubt. Was soll's, ich werd die Eier auch alleine finden - vor allem wenn ich sie der Nähe des Mini Dorfcafés vor den Toren der Marina versteckt habe, dazu ein Cappuccino, viele entspannte Italiener und hoffentlich die warme Frühlingssonne. Dolce Vita!
Die Risho kriegt neue Lugdeckel - ab Neuseeland wurden die alten nämlich mit Plastikplanen und Stoffcovern extra abgedichtet. Wir hatten uns an die Verhüllungsprozedur fast schon gewöhnt aber unser gutes Schiff verdient nun mal mehr! Ja, auch das Deck muss mal wieder abgeschabt und gestrichen werden, aber erst kürzlich bemerkte mein Skipper. "Segeln können wir ja auch mit einem zerkratzen Deck, wir lassen uns Zeit." Find ich auch.
Wichtig sind die Segel. Mein Mann ist ja ins Segel Business eingestiegen und betreut UK Sails Austria. Auf der Bootsmesse in Tulln stand er sich die Beine in den Bauch.
Zwar fasste er dabei ein ordentliche Grippe aus, aber war glücklich den ganzen Tag mit Leuten über Segel und Segeln reden zu dürfen, die auch nur über Segel und Segeln reden wollten. Mein Blick fiel wieder auf die müden Augen der Segelfrauen. Die nach zahllosen Tape Driver- / Code Zero- / Gennaker-Diskussionen sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Ich dachte mir, wie wäre es jetzt mit einem fröhlichen Kochkurs - schnelle Küche - auch bei Seegang. Kleine Snacks, schnell gemacht, die supergenial schmecken und ausschauen, aber keine Arbeit machen.
Plaudern. Kochen. Lachen, Tratschen - ach, was bin ich doch für ein Weibchen - denk ich mir immer auf Bootsmessen. Aber dann traf ich die berühmte Karla Schenk, die zwei Mal um die Welt segelte und sicher 40 Jahre auf den Weltmeeren verbrachte. Gemütlich kuschelte sie sich in die Couch beim OCEAN7 Stand und grinste: "Interessieren mich überhaupt nicht, solche Bootsmessen." Alles klar, und wir gingen einen Cappuccino trinken.
Unsere Männer waren glücklich. Der junge Mann checkte die Kap Hoorn sicheren Modelle und ich stellte wieder fest, dass die Segelmode immer noch langweilig ist. Also Kochkurs und Segelmodedesign Kurs in Planung. Arbeit genug in Zukunft. Wie herrlich OCEAN Woman zu sein!

22.01.2012, Wien

7 Weltumsegler

Was haben diese Leute gemeinsam?

Alle haben die Welt umsegelt!
und
per Schi und Fell den Blahstein erklommen!
(12.1. 2012, 13 Uhr, Mürztal)

PAF
IDEMOS (Robert, Ingrid)
SEENOMADEN (Wolf , Doris)

Mehrere hunderttausend Seemeilen auf 1563 Höhenmeter!

Fair Winds!

19.12.2011, Wien

Gefühlsblase Numero 10

Über unvergessliche Augenblicke und Hauskonzerte

Bald ist die schönste Zeit ihm Jahr, immer wenn es Weihnacht wird!
Wobei, wir können behaupten, ein bisschen Weihnachten hatten wir schon. Und zwar letzten Samstag. Wir haben gefeiert mit Freunden, Musik, Chili con Carne und Wein. Und ich hab mich mit unserer Band PAF erstmals im eigenen Wohnzimmer verbeugt. Ja, es gibt Neues zu berichten.
Eingeweihte wissen ja, dass PAF aus Peter, Alex und Finn besteht. Dies wurde nun um eine Bedeutung erweitert - Peter, Alex and Friends, wenn wir mit Musikern auf der Bühne stehen. Wobei ja Finn auch der Musik frönt und aus PAF dann wohl demnächst PAFF wird!
Ja, es gibt sie nun ganz offiziell die Live Band PAF. Bislang waren wir ja zu zweit im Studio, der Peter und ich, doch nun sind wir zu viert und das geschah so:
Durch unsere zahllosen Showauftritte bestärkt wuchs der Wunsch, unsere Musik auch live vorzutragen. Doch dazu wollten wir noch Crew organisieren. Mit der Percussion Gruppe war es leicht. Hari, allen als Webmaster der Risho Maru Site ein Begriff, ist seit immer schon, durch zahlreiche Bands in unserem Leben unser Schlagzeuger. Wir wollten ihn für PAF, er ließ kurzerhand sein Schlagzeug stehen und erschien zur Probe mit einem Cajon - einem kleinen Holzkastl, auf dem man sitzen und trommeln kann. Was noch fehlte war ein Cello, so der einhellige Wunsch von Frau und Herrn Kapitän. Ein Cello zur Stimme! Doch wo kriegt man ein Cello her?
Segler sind gut im organisieren und so fand ich durch Max, den Geiger, der in der Musicalschule in der ich unterrichte Klavier spielt, seine klassische Duopartnerin mit der er Liszt, Beethoven und andere Komponisten vom Himmel holt! Vida, die Serbin und ihr 300 Jahr altes Cello füllen seitdem unser Wohnzimmer mit himmlischen Klängen. Alles klar?
Vida, die Teufelscellistin, arrangierte ihre Cellostimme in einer Woche zu unseren Songs und wir hoben ab. Nach 7 Proben war klar: das durfte nicht ohne Publikum vor sich gehen. Die achte Probe wurde zum Hauskonzert umbenannt und so sammelten sich in unserem Wohnzimmer kurz vor dem 4. Advent circa 20 liebe Menschen - alte Freunde, Nachbarn, blinde Passagiere, Oscarpreisträger (ja, Finns Patenonkel heimste doch glatt einen Oscar für "Der Fälscher" als Ausstatter ein! - ein bisserl angeben muss ich halt!) .
Wir fiedelten los und das Publikum war uns ausgesprochen wohl gesonnen. Einige sangen mit, was wir mit Wohlgefallen bemerkten, andere wiegten sich im Takt und einige blickten traumverloren in die Ferne. Experiment gelungen - waren sich alle nach dem Konzert bei Chili, serbischen Teigtaschen und Apfelkuchen einig.
Wir, PAF, genossen den Abend gemeinsam vor dem Erkerfenster unseres Wohnzimmers, wenige Parkettbodenquadratmeter, die in diesem swingenden, klingenden Augenblick die Welt bedeuteten. Später sinnierte der Finn, dass unsere Band soviel Platz braucht wie im Mittelcockpit der Rishomaru vorhanden wäre. Stimmt!
Wie wäre es mit einer Konzerttournee über die Weltmeere? Vida streichelte ihr Cello, das mit Mozart sein Geburtjahr teilt, und äußerte einige Bedenken wegen der Salzwasserspritzer. Finn meinte - na dann eben in der Marina in Italien! Die Rishomaru als Bühne! Wir werden euch rechtzeitig bescheid geben! Und wem der Weg nach Italien zu weit ist, im nächsten Jahr des Drachen gibt es einige Chancen unser Konzert in Österreich zu besuchen. Und unsere Nachbarn? Das Gute war, sie konnten sich wegen Lärmbelästigung an diesem Samstagabend nicht beschweren, denn sie waren ja alle eingeladen. Wobei, unsere perfekten Nachbarn haben sich noch nie beschwert. Schon als wir gerade wieder heimgekehrt waren äußerten sie, dass es schön ist, wieder Musik aus unserer Wohnung zu hören. So manchen waren die Klänge in den Jahren unserer Abwesenheit abgegangen! Zwei unserer Hausbewohner haben übrigens vor Kurzem auch den Atlantik überquert - per Kreuzfahrtschiff! Unser Haus entwickelt sich mehr und mehr zu einer WG aus Seefahrern, Musikern und Partymenschen!
Und zum Schluss stimmten wir natürlich Christkind in Tobago an. Der Hari ließ sanft unsere aus der Karibik eingeführte Steeldrum erklingen - wir hatten sie mit einer Lichterkette geschmückt , die uns dann ganz außerordentlich an die Riesenleuchtkäfer in Tobago erinnerte, als wir unsere ersten Weihnachen auf der Rishomaru feierten. Das war damals ein unvergesslicher Augenblick, so wie der letzte Samstag! Schöne Weihnachten an alle Träumer, Abenteurer, friends, sailors da draußen! Lasst es euch gut gehen!

Fair Winds
PAF

Weihnachten in Thailand

24.10.2011, Wien Gefühlsblase Numero 9

Von Regen, Rügen und Risho Maru Shows

Hallo, hier bin ich mal wieder. Hatte einige Rügen einzustecken, weil sich hier nichts getan hat - gefühlsblasenmäßig, mein ich. Mea Culpa - aber auch nicht völlig. Wir sind ganz schön im Einsatz, die PAFs von der Risho Maru.
Erstens mal wieder "on the road" mit unserer Show. Unser Plakat "PAF - Eine Familie segelt um die Welt" wird bald in ganz Wien zu sehen sein! Gut so, denn am 2. Dezember sind wir damit im Audimax! Hatten aber bereits einige Shows in diesem Herbst, in Salzburg gleich 2 und nächste Woche werden wir die Grazer beehren. Also ihr lieben Gefühlsblasenleser - wenn ihr irgendwo da so in der Nähe seid - wir freuen uns euch dort zu sehen! In echt! Aber nicht nur euch. Es stellt sich nämlich immer mehr heraus, dass unser Buch WELLENZEIT in Richtung Bestseller rückt. Erst vor wenigen Tagen in Salzburg gestand mir eine Dame aus dem Publikum, mein Werk bereits drei Mal gelesen zu haben und es als Nachtkästchenlektüre zu benützen, so zum Entspannen und Aufbauen. Klingt nach Bibel! Besonders erfreute mich bei unserem Kroatien Segeltörn im Juli, dass an einem der, wie üblich, völlig überfüllten Ankerplätze ein Motorbootfahrer sich schüchtern unserem Boot näherte und mit leicht zitternden Händen um eine Widmung in sein abgegriffenes WELLENZEIT Buch bat. Weiters traf ich kürzlich Leute, die auf meine Kolumnen im OCEAN 7 Magazin sehnsüchtig warten. OCEANWOMAN erfreut Segelfrau und Segelmann in gleichem Maße. Wie schön ist es Feedback zu kriegen. Ich hab mich sogar über die Gefühlsblasen-Rügen gefreut! Da draußen ist jemand der mich, der uns liest und vermisst. Denn ich sage euch, ihr lieben Leser, man sitzt oft so einsam in seinem Kämmerchen und hämmert in die Tasten und denkt sich: für wen? Natürlich freut sich mein Skipper Peter, wenn ich ihm meine heiteren Stories vorlese und er mir seine Segelberichte, aber so eine Stimme von draußen ist auch sehr aufbauend. Im Sommer wurden es übrigens zwei Jahre, dass wir wieder da sind. Das sagt zumindest der Kalender, denn ganz da sind wir nach wie vor nicht. Immer wieder rückt die Südsee in unsere Gedanken, das Blau der Lagunen, die Ukulelenklänge, diese freie, feine Segelzeit. Kroatien war immerhin nach 2 Jahren Segelabstinenz mal wieder Dreisamkeit und Rishomaru Kajütenduft. Herrlich! Die Bojengebührkassierer und vollen Ankerplätze versuchten wir einfach auszublenden. Gelang natürlich nicht. Wir hatten vor gehabt, ganz in den Süden zu segeln, weg von allen anderen! Ha! Vergiss es. Alle hatten dieselbe Idee - je weiter wir Richtung Süden gelangten, desto beengter und unwillkommener fühlten wir uns. Man darf nicht ungerecht sein. Kroatien ist wunderschön und nicht alle Kroaten sind unfreundlich und grantig. Wir haben einen echt netten Kroaten in der Veruda Bucht bei Pula getroffen und auch eine ganz liebe Bäckerin in Premuda.
Gastfreundlich waren auch die türkischen Kebab Standler in Murter. Mit den übrigens besten Hamburgern im Umkreis von zig kroatischen Seemeilen.
Wir drehten dann irgendwann um und bogen ums Eck und vor uns lag da plötzlich Cres. Kindheitserinnerungen für mich. Zahllose Sommerferien verbrachten wir auf den Campingplätzen der Insel, das Wasser war damals klar, die Luft rein, Segelboote selten. Da schau her. Wir ankerten allein im klaren Wasser, um uns ein paar wenige Motorjachten, die sich in die Marinas der Insel zum Übernachten verzogen. Es war schön. Und wir gestanden uns ein, man muss manchmal einfach loslassen und sich treiben lassen. Kroatien ist halt nicht die Südsee. Was auch Vorteile hat. Man kann hier nicht gegessen werden. Auf Nuku Hiva, auf den Marchesas nämlich, hat man vor einigen Wochen die sterblichen Überreste eines Seglers gefunden. Angeblich Opfer eines Kannibalen. Den Kannibalen sah man kurz auf einem verschwommenen Foto. Irgendwie kam er uns bekannt vor. Unheimlich. Ja dort gibt es sie noch, die Geheimnisse und das Unausgesprochene, die Tabus. Wir fühlten das damals auch als wir eine angeblich 2 Meter große Tiki Steinfigur irgendwo in den Bergen zu finden versuchten. Keiner der Einheimischen wusste, wo diese heilige Figur genau war. Ich glaube keiner wollte es sagen. Und das war auch ok. Eine Welt, in der es noch Geheimnisse gibt. Das ist auch so etwas, das einen nie hier ankommen lässt. Das Mystische, die Weite, die Klarheit, das ist was, wirklich, wenn man nach zwei Jahren wieder an Land und im Alltag lebt. Der Sternenhimmel, der Ozean, das Gefühl zu Segeln. Wie sollte man das je vergessen und vor allem warum?
Nichts desto trotz sind wir mitten im Leben hier. Schon allein durch den Finn, der die Pubertät interessiert beäugt. Er trägt die Hosen so locker wie die großen Jungs aus der Schulband und lässt sich die Haare wachsen, wie die noch größeren Jungs der Red Hot Chili Peppers. Er ist so groß wie seine Mutter, was kein Meisterstück ist, aber trägt die Socken seines Vaters - oder umgekehrt. Er wird demnächst zwölf. Und er liebt sein Schiff. Die Risho Maru. Im Sommer wich er keinen Zentimeter vom Steuer, die ganzen 3 Wochen über. Fuhr jedes Manöver und war beleidigt, wenn ich mich mal dazwischendrängte. Er gibt als zu Hause die Wohnung in Wien an und die Koje auf der Risho Maru. Nachdem er die Tropen zu Genüge kennt träumt er jetzt von einer Residenz am Nordpol oder irgendwo auf einem hohen Berg. Regen und Kälte sind ihm völlig egal. "Wieso schiach? Is eh gemütlich!" Er verdient sein Geld beim Auf- und Abbau bei den Shows und bastelt an eigenen Songs. Und ärgert sich, wenn ein Veranstalter blöd schaut, weil der fast Zwölfjährige sich nach der Bühnenbeleuchtung erkundigt. Das Licht ist nämlich sein Job. Aber manche Erwachsene sind eben schwierig - vor allem in der Pubertät.
Draußen regnet es jetzt. November du kannst kommen. Es ist schiach, ja, aber es kann euch egal sein. Denn es gibt good news! Denn ihr Gefühlsblasen Friends, WELLENZEIT und OCEAN7 Kolumnen Leser habt die Möglichkeit, mit uns an einem Abend um die Welt zu segeln. Da können wir euch ein bisschen was von der Weite, dem Ozean, der Klarheit und den Geheimnissen dieser Welt zeigen.

So long
Eure PAFs

10.05.2011, Wien Gefühlsblase Numero 8

Frühstück in Italien

Gymnasium, 18. Bezirk.
Frau Professor: "Und Finn, was hast du in den Osterferien gemacht?"
Finn: "Wir waren beim Schiff in Italien."
Frau Professor: "Schön! Segeln?"
Finn: "Nein, Küche renovieren."

Frau Professor ist mit Finns weltumseglerischer Vergangenheit inzwischen vertraut und wundert sich nicht mehr. Glaub ich zumindest. Vielleicht hat sie ja ein altes Haus und muss es auch renovieren und versteht dann die Sache mit der Küche.
Was aber manchmal schwer zu verstehen ist, dass wir uns sogar freuen aufs Küche renovieren, Marina arbeiten, Schiff polieren.
Ersten geht es hier um "unsere" Risho. Und wir brauchen nur den Kojenduft zu schnuppern und kippen wieder hinein in dieses ganz andere Leben, das wir auf ihr führten. Zweites liegt die Marina mitten in Friaul, in einer der schönsten Gegenden Italiens. Wir gehen nach getaner Arbeit zur "Mama" Spaghetti essen, dieser schnuckeligen Spaghetteria mitten in den Feldern bei Piancada oder futtern beim "Schwan" in Latisana, wo uns der Kellner wie alte Bekannte begrüßt und die Bestellung nur mehr pro forma aufnimmt, denn immer essen wir das gleiche: Due Margarita für die Herren, Vongole für die Dame! Gruß aus der Küche in Form von knusprigen Bruschetti ist schon Standard. Die Segler sind wieder da!
In der Stella Marina, wo wir unserer Risho eingemietet haben, herrschte zu Ostern richtige Aufbruchstimmung. Rund um uns waren die Schiffe belebt, wurde gemalt, gehämmert, geschraubt und geschwitzt. Denn wir hatten schöne 25 Grad, trugen T-Shirt und fragten uns, wie es möglich war, dass knappe 6 Stunden von Wien das Leben so anders sein konnte. Vielleicht liegts ja an den Italienern. Oder am Licht, das das nahe Meer verspricht und uns Segler eben so anzieht.
Womöglich lag es an "Mauro's" Cappuccino. Denn: Keine Küche - kein Kochen - kein Frühstück, was natürlich die Ferienfreuden bei mir noch um einiges steigerte. Also saßen wir um 9 Uhr im Dorfcafé in Piancada und sahen den Italienern beim Aufwachen zu. Auf der Terrasse des Cafés, hingestreckt auf wackelige Plastikstühle bediente uns Agnese, die schöne Kellnerin und sah über die mitgebrachten Cornetti hinweg. Ich war kurz in der Bäckerei nebenan gewesen bei -nennen wir sie Maria - und hatten die frischen "Cornetti" gekauft. Maria lächelte mir beim Reinkommen zu. Sie lächelte! Das erste Mal! Ich kenne sie schon lange und sie schaute immer so griesgrämig all die Jahre, dass ich immer dachte, sie hasst Segler, denn andere Touristen verirren sich nie in diese Gegend. Aber diesmal nickte sie und ein leises Lächeln formte sich in ihr " 4 Uhr Früh aufgestanden und Brote gebacken" Gesicht.
"E un Baguette, per favore" versuchte ich mein Italienisch. "No Baguette", das Lächeln verschwand. Aber sie nickte mir kurz zu als ich durch den Perlenvorhang der Eingangstür hinausrasselte. Beim ersten Schluck Cafe öffnete auf der gegenüberliegenden Straßenseite das "Alimentari" Geschäft. Die Besitzerin schob die Gittertür beiseite und stellte Angebotsplakate auf den Gehsteig. Eigentlich sind es 2 Besitzerinnen, glaub ich zumindest, weil die beiden wie zusammengewachsen wirken. Vielleicht sind es auch unverheiratete Schwestern. Alte Jungfern, die eine dick und fröhlich, die andere hager und still. Das sind reine Spekulationen, denn solange ich nicht endlich ordentlich italienisch lerne, werde ich die Wahrheit wohl nicht herausfinden. Noch ein Cappuccino und Peter trieb die Mannschaft an, um zur Ferretaria nach Palazollo zu fahren. Was mir der Kaffee, ist dem Peter das Eisenwarengeschäft. Mario und Gabriella sprechen beide wunderbar deutsch, was das Auffinden diverser Schrauben, Schleifpapier, Farbtöpfe, Ersatzbohrer ziemlich erleichtert. Und irgendwie ist diese Ferreteria so ganz anders als meine sehr gehassten Baumärkte dieser Welt. Sie ist klein, eng und stickig, und es gibt fast alles. 1. Gang: Schleifzeug und Bohrer und Schrauben, 2. Gang: Schläuche, Putzmittel, Arbeitkleidung, 3. Gang: Maler Utensilien, Abdeckfolien, Lacke, Aceton, Plastikkübel und Halleluja! der 4. Gang: Geschirr, Espressomaschinen, Milchschäumer Dosen, Schlüsselanhänger, Kleingeschenke, Geschirrtücher, Messer, Holzbretter, Küchenwecker. Das Sortiment ist noch viel größer, und immer gibt es was zu entdecken. Einen Parmesanhobel. Wespenspray, Holzkochlöffel, Silikonkuchenformen. Auch Finn verschwindet immer in diesem kleinen Wunderland!
Danach ging's endlich ab in die Marina! Oder sagen wir Werft - denn die Schiffe stehen hier an Land. Der sanft Fluss Stella schlängelt sich von den Lagunen Lignanos durch Felder, Wiesen und Auen nach Piancada. Unser Ausblick vom Schiff: Felder soweit das Auge reicht, in der Ferne manchmal seltsame Fluggeräte - ein Hobbyflugplatz!
Wir schliffen die Küche 2 Tage ab, Peter epoxierte, und dann malten wir neu aus! In Weiß und Rasta Gelb - auf zu neuen Wegen! Der Finn und ich hatten Außendienst mit Schiffsrumpf waschen und aufpolieren - die Risho blitzte bald zwischen den eingewinterten Schiffen wie ein Königin! Und die Zeit rannte. Schon radelten wir zu den Duschen und wieder war ein Tag vorbei. Peter verspätete sich wieder durch die abendlichen Tratschereien bei benachbarten Schiffen. Vor uns 2 Steirer beim Folieren einer Motoryacht, neben uns 2 Bayern beim Reparieren des Teakdecks, andere Seite Freund Kurt mit Familie und Freunden beim Grillen. Was?! Ja, irgendwie war es wie im Schrebergarten. Einem etwas schrägen Schrebergarten, aber doch.
Gegessen wurde diesmal bei "da Michele" an der Hauptstraße. Tiramisu zum Niederknien. Und schon fielen wir in unsere Betten. Es war gerade 21 Uhr - da schau her! - kaum auf der Risho und Sailors Midnight trat wieder voll in Kraft.
Wenn die Italiener essen gehen, gehen die Segler schlafen.
Es war einfach schön, mal wieder "zu Hause" zu sein. Und immer noch bleibt die Frage unbeantwortet: "Wie ist es möglich, dass das Leben nur 6 Stunden entfernt von Wien so anders sein kann?" seufzte die Seglerin zurück im 18. Bezirk, schloss die Augen und träumte vom Frühstück in Italien.

09.02.2011, Wien Gefühlsblase Numero 7

Es wird mal wieder Zeit, sich hinzusetzen und zusammenzufassen und zu reflektieren und resumieren, und natürlich würde sich das sehr gut antun am Schiff.
Das Schiff. Unsere Risho. Was macht sie bloß gerade? In der Stella Marina in Italien wartet sie auf uns. Ob sie sich ausruht, oder langweilt? Der Osterhase wird uns zu ihr bringen und es wird mir herzlich egal sein, wenn es so verregnet ist wie im letzten Jahr. Einfach Kajütenduft schnuppern, in uns gehen. Ausatmen und echt gut einatmen. Auch ein bisschen Baustellenduft beim Kombüse renovieren.
Die letzen Monate seit der Showpremiere in der Steiermark waren schon aufregend. Das war im September und scheint wie vorige Woche. Natürlich sind inzwischen einige RISHO MARU Shows über die Bühne gegangen, immer leichter und entspannter von unserer Seite und immer wieder voller Begeisterung des jeweiligen Publikums. Die Steirer haben uns gefeiert - im Sensenwerk. Sogar eine Risho Maru aus Lebkuchen wurde für uns fabriziert und die lange Schlange vor der Kasse war einfach ein unglaublicher Anblick.
Dann die Linzer, der Organisator nach der Show mit Tränen in den Augen und gekippter Stimme. Er war so berührt und hat es auch gesagt vorm gesamten Publikum.
Schließlich in Mondsee im Pfarrsaal, der Herr im Anzug, der nicht mehr gut genug sieht zum Lesen und sich bedankte für den Abend und erzählte, dass auch er weit in der Welt herumgekommen ist als Kapitän auf Cargoschiffen. Und die Segler immer bewundert hat. In ihren kleinen Schiffen.
Die Frauen von Gresten, die mich ausquetschten nach allen Regeln, wie das denn so sei mit dem Kochen, mit dem Kind, mit der Liebe. Unglaubliche Begeisterung, erfrischender Humor.
Dann die Grazer, etwas zurückhaltend, gespannt, fast atmenlose Aufmerksamkeit. Viel Applaus! So wie bei den Tirolern, die die Tische mit Kerzenlicht, Bambus und Muscheln schmückten- so wie es im Zillertal sicher nicht sehr oft passiert!
Und schließlich das NIG in Wien - von uns ängstlich entgegengefiebert. Werden genug Leute kommen? Bis zum letzten Platz drängten sich alle und segelten mit uns um die Welt, lachten, schnieften, klatschten und trugen uns durch den Abend.
Das, was ich an der Reise so besonders gefunden hatte - nämlich die Menschen - ihre Offenheit, ihre Neugier, fanden und finden wir immer wieder bei unseren Shows. Nicht nur dort. Die WELLENZEIT Lesungen in der Thalia versammelten immer eine schöne Gruppe interessierter Lesender. Eine alte Dame, deren Sohn gerade die Weltmeere besegelt, ein junger Vater, der träumt wegzusegeln, eine Frau , die sich fürchtet, den Schritt mit ihrem Mann zu machen, ein Fan, der uns ein Brettspiel mit polynesischen Segelbooten und Delfinen schenkte - "... weil wenn das zu jemandem passt, dann zu euch!"
Und immer wieder Emails von Unbekannten, die sich bedanken, uns Gutes wünschen, und uns einfach wohl gesonnen sind. Einfach so. Vielleicht ist es eben das. Dass man jemandem wohl gesonnen ist. Vielleicht hilft das, wenn ich das nächste Mal in die vollgestopfte U-Bahn steige. Vielleicht ist es genau das, was uns abhanden gekommen ist. Oder ab und zu abhanden kommt. Wenn es so grau ist und grauslich, und endlos, und doch zu schnell.
Bei den Shows hab ich immer das Gefühl, die Zeit bleibt für alle, die da sind, kurz stehen. Die Alltagszeit mein ich. Und schaltet um auf, zum Beispiel, Vanuatu Time. Zeit zum Schauen, Hören , Erzählen, Lachen und Weinen.
Bin echt froh, dass wir Teil davon sind. Da was herschenken können, das die meisten wohl glücklich macht. Den einen oder anderen wehmütig und ganz selten jemanden neidisch. Passt auch. Das gibt's doch überall auf der Welt.
Ich freu mich auf die nächsten Shows. Denn die Zeit dort baut uns auf.
Und natürlich freu ich mich, dass bald , sehr bald der Frühling kommt. Zumindest schauts heute so aus. Und wenn nicht, fahren wir halt nach Italien zur Risho. Bei der ist es immer Sommer oder Frühling oder Vanuatu Time, auch im Winter!

12.01.2011, Wien

Willkommen im Neuen Jahr!

Dachte ich mir heute als ich frühmorgens zum finnischen Schulappell die Augen aufschlug. Nicht ganz freiwillig, der Radiowecker hatte sich eingeschalten und eine Dame zählte die Vorzüge der neuen Mittelschulreform auf. Empfehlungen, mittlere Prüfungen, ganze Prüfungen. "Mama, ich will ein Jahr Ferien haben", grunzte Finn aus seinem Zimmer. "Ich viereinhalb" brabbelte Peter unter seiner Decke hervor. Also ging ich Frühstück machen. Tat ja sonst keiner. Ich sollte da dringend eine Reform ausarbeiten, dämmerte es durch meine schlaftrunkenen Gehirnzellen. Draußen vor dem Fenster finster. Gestern noch hatte ich mir überlegt, wo es denn in Österreich die meisten Sonnentage gab und ob ich nicht dorthin ziehen sollte mit Sack und Pack. Aber selbst an diesen besonnten Plätzen würde es jetzt stockdunkel sein. Neuseeland. Da gehen sie erst um 9 in die Schule, aber ich glaube da wiederhole ich mich jetzt. Sonne. Blauer Himmel. Wärme. Gefroren hab ich nicht beim Schifahren in Mondsee zu Silvester. Das war herrlich! Peters Schwester Andrea öffnete wieder ihr Weihnachtsferien Bed and Breakfast für Family und Friends. Sehr zu empfehlen. Diese Frau ist wirklich was Besonderes. Das dürfte bei den Schölers in der Familie liegen. Genug des Lobes. Ich wedelte also den Hang hinunter. Vor mir schneepflügend der Finn, hinter mit schneewedelnd mein Mann und 2 Berliner. Unsere VERAs, Michael und Britta, waren wieder da und wollten sich einfach nicht von uns trennen. Nicht mal Schihang oder Lifttechnisch. Seglerpack eben - kleben zusammen wie die Kletten! Was für ein Anblick - die Bergspitzen leuchteten weiß in der strahlenden Sonne und unten im Tal der Nebelsumpf. Da tauchten wir dann wieder ein und schmissen eine grandiose Silvesterparty. Peters Nichten steuerten Jugend bei und wir internationales Weltumsegler Flair. Der Finn goss ein Bleiungeheuer, und mein noch vom innigen, aber zu üppigen Weihnachtsfest in der Steiermark verstimmter Magen verdaute beleidigt 3 Linsen. Linsensalat. Der soll nämlich Geld bringen im nächsten Jahr und war ratzeputz weggegessen - schnellstens. Alle wischten sich noch das Kernöl von den Lippen, und schon leuchtete draußen der Himmel in allen Farben und es war 2011. Die Zeit rast. Aber da wiederhole ich mich schon wieder.
Der erste Weg am zweiten Jänner in Wien führte uns zum Flughafen, und da standen sie: Unsere SABBATICALs - Laura und Mark. Zuletzt hatten wir uns vor zweieinhalb Jahren in Neuseeland umarmt und dann traurig Adieu gewunken. Da waren sie. mit einem Around the world Ticket von Australien über Israel , Wien, Berlin, heim nach Amerika. Die vielen Stop-overs wegen der Segelfreunde, der RISHOs, der VERAs.
Und es war als wären wir gerade gestern mit den Dinghis zu unseren Schiffen gefahren.
Die VERAs waren auch noch immer da. Wie gesagt Segler eben, und so klebten wir aneinander vorm Kamin in der Gersthoferstraße und redeten bis uns die Augen und Münder zufielen. Die nächsten Tage wurden zwischen Kaffeehausbesuchen und "Wien schauen" eingeteilt. Zwischen Scheiterhaufen und Schönbrunn da hab ich dann gefroren. Zwischen Gloriette und irgendeinem der verschleierten Springbrunnen blies uns der eisige Nordwestwind auf die Nase, und auch hartgesottene Segler hatten bald nur mehr Lust auf einen warmen Heurigen. Surbraten - salzig wie der Pazifik, Pischinger Schnitten - süß wie die Lüfte der Südsee. Nichts ist schöner als gemeinsame Erinnerungen. Wobei die an diesen Abend etwas entschwanden, hatten Laura und Mark doch eine riesige Flasche Baileys vom Schiff gebracht. Als Erinnerung an einen ganz speziellen Abend in Tonga, als Laura und ich über den stockdunklen Ankerplatz mit Dinghi-Höchstgeschwindigkeit kichernd düsten, um Eiswürfel aus dem Kühlfach der SABBATICAL für einen ordentlichen Baileys zu holen. Wenn es eine Verallgemeinerung über Amerikaner gibt, dann ist nur diese einzige wirklich wahr: Immer und überall haben Amerikaner Eiswürfel dabei. Und das ist ja nun wirklich kein Makel. Oder?
Und jetzt ist es also bald Mitte Jänner und noch lange nicht Frühlingsbeginn. Das Gute daran: für unsere Risho Maru Show ist Highseason - jeder flüchtet am liebsten in blaue, wärmende, sanfte Bilder aus der Ferne - wir auch. Sissi ist ja auch aus Schlöss Schönbrunn nach Korfu geflüchtet. Ich kanns ihr nicht verdenken.
Laura und Mark sind schon wieder auf dem Weg an die amerikanische Ostküste. Auch kalt dort, und die VERAs sitzen im verschneiten Berlin. Aber unsere Herzen sind gewärmt, durch unsere Freundschaften, die - egal wieviele Jahre dazwischenliegen - niemals zu Ende sein werden. So wie die Erinnerungen an unsere Reise.
So und jetzt zu den Reformgesprächen. Ups, meine Männer schlafen schon.
Es ist schon wieder finster vorm Fenster.
Oder noch immer?

03.11.2010, Wien Es wird alles gut! oder "Friends and family"

Was für ein Wochenende! Sitzt man in Wien, glaubt man an manch trübem Wochentag-Vormittag, dass es da draußen nichts gibt außer Grau, Grant & CO, und dann fliegt man nach Hamburg und ist fast am Meer, geht durch das Rotlichtviertel beim Steindamm zu seinem Künstlerhotel, wo auch die Nina Hagen schon abgestiegen ist, vorbei an zwilichtigen Figuren und Shops, in denen man Dinge kaufen kann, die ich dem Finn dann doch nicht erklärt habe. Hanseboot in Hamburg. Wieso Hanse? Fragten wir unsere Hamburger Weltumseglerfreunde Svenja und Mark, die, wie wir, gerade vor einem Jahr wieder heimkehrten. Wegen der speziellen Handelsabkommen deutscher Hafenstädte im Mittelalter. Boot ist klar. Die große Hanseboot Messe war der Grund, warum wir mal seit langem wieder in einen Flieger stiegen und feststellten: Fliegen ist inzwischen wie mit der S-Bahn in Wien zur Stoßzeit fahren. Finn fand es sehr cool und fragte mich, wann es eher zur Explosion der Maschine kommen kann, beim Start oder bei der Landung? Ich mag Fliegen ja gar nicht. Short Distance lieber Zug, long Distance lieber Segeln - das ist es für mich. Aber was soll's - nach wenigen Stunden waren wir in Hamburg, streckten uns auf unseren quietschenden Hotelbetten aus und ich stellte mir Nina Hagen vor, wie sie mit dem grauslichen Plastik-Duschvorhang kämpfte. Am Tag drauf nach einem beuschelzermürbenden deutschen Kaffeeeeeee trotteten wir zur Messe. Zwei interessante Ereignisse erwarteten uns.
Ein Auftritt in Bobby Schenks Blauwasser Seminar und das erste persönliche Kennenlernen mit unserem Buchverleger Uli Kronberg vom Palstek Verlag
In Zeiten des Internet kann man nämlich schon jahrelang miteinander kommunizieren, ein Buch verlegen, verhandeln, blödeln, sich fast gut kennen ohne sich je kennengelernt zu haben. Wir betraten also die weitläufigen Messehallen und mit unglaublichem Wohlwollen bemerkte ich das hohe Aufkommen von Coffeshops.
Das war nun wirklich gleich ein frappanter Unterschied zu der einzigen Bootsmesse, die ich je betreten hatte - die Boot Tulln. Dass hinter mir ca 40 große Yachten die Halle verstellten, fiel mir erst nach dem ersten Milchschaumschluck auf. Peter verschwand sogleich auf der neuen Solaris, einem Riesensegelboot, wohl elegant, aber auch nicht gerade billig. Auch Finn war im aufgebockten Schiff verschwunden, mir gegenüber stand eine Blondine, den müden Blick in die Ferne Richtung Kaffeeduft gerichtet. Aber, das war doch Svenja! Wir fielen uns in die Arme. Svenja und ihr Mann Mark waren, wie wir, um die Welt gesegelt, wir kannten uns aus Neuseeland, Thailand und dem Roten Meer. Mark entstieg mit Peter und Finn der Solaris und, oh Freude, im Schlepptau unsere VERAS: Michael und Britta. Die VERAS hatten wir auf Galapagos kennengelernt und seither verband uns über die Südsee, Neuseeland, Thailand bis nach Suez und Salzburg eine innige Freundschaft. War das schön, da standen wir im Cockpit und plauderten angeregt. Die Schiffsverkäufer wirkten etwas entnervt, da in der Reihe vor dem Schiff gedrängt wurde, man wollte auch da rauf, zur Besichtigung!
Die Solaris schien ziemlich überrascht, noch nie im Ozean geschwommen und schon von Weltumseglern bevölkert. Nach ausgiebiger Kaffeepause und ausgestauschten Handynummern erreichten wir den Palstek Stand. Dort mit breitem Lächeln, Schalk in den Augen und Haaren in alle Richtungen: Uli Kronberg. Neben ihm, dunkelhaarig, fesch und charmant: Imke Fedderson, Imke, die ich auch nur von den E Mails gut kannte. Das Wellenzeit Team stand sich erstmals in echt gegenüber!
Typisch fahrtenseglermäßig verstanden wir uns sogleich bestens, plauderten wie alte Bekannte, die wir ja auch irgendwie waren, und tranken Kaffee.
Freuten uns über die guten Verkaufszahlen von Wellenzeit und Uli merkte wie immer bei seinen Emails an "Alles wird gut - hab ich euch doch gesagt!"
Heiter schlenderten wir Richtung Konferenz Raum Chicago um Blauwasserseminarchef Bobby Schenk Hallo zu sagen. Unser Vortrag "Kinder, Küche, Katamaran" war am nächsten Tag am Programm.
Am Weg dorthin passierten wir ein mobiles Massagebett gegen Seekrankheit und einen Heißwasserboiler fürs Schiff, präsentiert vor einem Südseeatoll Plakat.
"Immer heißes Wasser!" Wer will schon heißes Wasser, wenn die Meerwassertemperatur 30 Grad ist?!
Wir betrachteten eine Sandstrahl Bürste mit der man laut euphorischem Verkäufer locker 30 Schiffe ohne Sand sandstrahlen könne, stoppten bei einer Charterfirma, die das menschenleere Kroatien anpries und kein Weg führte vorbei an den üblichen pastellrosa Segelschuhen und gestreiften Seemannspullis, kombiniert mit weißen Seemansleinenhosen. Finn gefielen, wie schon auf der Boot Tulln, am Besten die Stände der Schiffsversicherungen, wegen der Videos brennender, versunkener, am Riff leidender, auseinandergebrochener Segelboote. Ein Pool mit Kunstwind in dem gerade 2 Optimisten-Boote sich matchten, und dann die Ausrüstungshalle, die Peter zu den großen Worten beflügelte: "Es ist toll, ich brauch wirklich gar nichts für die Risho!" Was ihn aber nicht daran hinderte, alle ganz genau zu inspizieren.
In der Surfhalle wurden wir dann doch fündig, zwei coole Sweater im Abverkauf und ein Rollerbag, irgendwie hatten wir nämlich die Nase voll, unser Zeug durch die Gegend zu tragen.
Als wir bei Booby Schenk ankamen hielten gerade Svenja und Mark ihren Vortrag über Piraterie im Golf von Aden vor einem nervösen zukünftigen Blauwasserseglerpublikum. Wir schwelgten mit den VERAS in alten Zeiten. "War schon toll das Rote Meer, dieser Jemen, nette Leute dort, diese Riesenfladenbrote…" Wie schnell wir das Bauchweh dieser Strecke vergessen hatten!
Nach einem Riesenlaugenbrezl neben einem Elektromotoren Stand traf sich unsere kleine Weltumseglergruppe und wir flogen aus ins spätnachmittägliche Hamburg, übrigens auch grau und noch dazu nieselig, aber man muss sagen: wenig Grant dortzulande! Das Karolinenviertel ist mein derzeitiger Lieblingsplatz in Europa - fast wie das New Yorker Greenwich Village. Jahrhundertwende Häuser leicht vernachlässigt, in jedem Eck ein schnuckeliges Café, verrückte Kleiderläden, indische Imbissbuden, weiter ging es quer durch Hamburg zum Elbufer ins Portugiesenviertel mit einem sanften Fischgeruch als Dauerbegleiter zum stärker werdenen Nieselregen. Am Abend fanden wir uns auf Bobbys Einladung hin im Nido ein, einem schönen Lokal in der innersten Innenstadt Hamburgs mit seinen schiefen Fachwerkhäusern und angeblich mehr Brücken als Amsterdam und Venedig zusammen. Wir aßen Thai-Österreichische Küche. Im Ernst. Vorspeise Sushi, Hauptspeise Wiener Schnitzel, Nachspeise Kaiserschmarrn. Und saßen im Extrazimmer wie im Cockpit einer geräumigen Yacht - naja klar, Bobby Schenk weiß, was Segler wollen!
Ein schöner Abend wie am Ankerfeld, Geplauder, Lachen und etwas zuviel Wein!
Heim tänzelten wir fröhlich an den Schönen der Nacht (etwas abgeschwächte Ausdrucksweise für Finn gewählt) vorbei und fielen in unsere Hotelbetten.
Unser Vortrag am nächsten Tag ging locker über die Bühne. "Kinder, Küche, Katamaran" - unser Erfahrungsbericht für angehende Blauwassersegler, den wir mit einem Song und ein paar Buchpassagen verfeinerten. Es gefiel den ernsthaften Zuhörern und wir brachten sie zum Schmunzeln. Auch Bobby war beglückt: "Was ganz anderes" meinte er zufrieden, hat genau gepasst.
Natürlich ließ es sich unsere Güthersloher Verwandschaft, Schwager Klaus und Schwester Karin nicht entgehen, uns nach einem Jahr auch mal wieder Live und nicht auf Skype zu sehen.
Diesmal nicht in Hallen voller Schiffe sondern voller Züge beschlossen wir mit den beiden unsere Kurzreise. Finn träumt jetzt noch von den 800 Quadartmeter Modeleisenbahnlandschaften und 12 km Gleisen in der Hamburger Speicherstadt. Und so träumen die Blauwasserteilnehmer vom blauen Ozean, der Bobby träumt von Polynesien, der Ulli von guten Wellenzeiten, der Peter von der Risho und ich träume von der fernen oder nahen Zukunft, in die man sich statt zu fliegen einfach hinbeamen kann. Wobei: Segeln ist mir immer noch am liebsten - trotz Bootsmessen!

19.09.2010, Wien Gefühlsblase Numero 6 - mit besonders viel Gefühl diesmal!

Hallo Leute, ich muss sagen wir, die Rishos, sind sehr glücklich. Woran das liegt? Weil ihr da draußen uns glücklich gemacht habt mit eurer Anwesenheit bei unserer absolut ausverkauften Show im Sensenwerk oder, falls ihr physisch nicht dort sein konntet, mit euren positiven, aufbauenden Gedanken! Es ist vollbracht und es hat geklappt. Die Risho Maru Show ist über die Bühne gerollt. Aufregend war es schon, uff!
Wie das eben so ist bei Premieren, denn was im Theater gilt, gilt auch bei unserer Show. Das Publikum ist eben ein Teil von dem Ganzen und rundet die Sache erst ab. Und deswegen lass ich das Publikum heute hier auftreten. Denn auch beim Logbuch gilt: wenn's keiner liest, ist es für die Fisch. Gilt auch für's Buch, und auch da haben einige von euch schon reingelesen! Also ihr da draußen seid Teil von dem Ganzen! Von der Weltumsegelung, den Abenteuern, den Hochs und Tiefs!

Vorhang auf für Euch!

"Wir haben am Samstag mit euch die Welt umsegelt. Danke für den wunderschönen Abend, der mich berührt, inspiriert und beeindruckt hat. Ich finde es einfach großartig, dass ihr euren Traum gelebt habt."
Susanne, Tourismus Managerin

"Der Dia Vortrag war super, und die Idee mit Chanson und Musik umwerfend."
Dietmar, Pensionist

"War echt super, habts voll gut gemacht, … voll klasse!!!!!!!!!!!"
Kathi, frisch gebackene Mama

"Wahnsinns Show! Respekt! Um so was auf die Beine zu stellen, muss man schon ein Organisationstalent sein...;)))"
Arthur, Gymnasiast

"Ich war gerührt"
Franz, Musiker

"Tolle Show! Ganz was anderes!"
Klaus, Weltumsegler

"Bei den PAFs mit ihrer RISHO MARU ging es um keinen einzigen Rekord. Um kein bisschen Eitelkeit. Sie sind einfach nur charmant, sympathisch, menschlich. So einfach und unkompliziert, wie wir es schon immer gerne gehabt hätten, wenn uns von einer Weltumsegelung berichtet wurde, und sie sind doch so erfrischend anders. Neu. Eben ganz und gar 21. Jahrhundert. So müssen Shows heutzutage sein."
Thomas, Chefredakteur

"Super spannend euer Buch, ich lieg gerade in der Badewanne, man kann nicht aufhören."
Barbara, Kitesurferin

"Ich bin extra um 5 Uhr früh aufgestanden, damit sich noch ein paar Seiten ausgehen."
Michaela, Trafikantin

"Hab noch bis zwei in der Früh nach der Show gelesen - so richtig nett erzählt!"
Reingard, pensionierte Volkschullehrerin

"Liest sich wie ein Reisetagebuch!"
Karin, Juristin

"Das war echt eine schöne Vorstellung! Ich beneide euch immer noch…"
Nora, Schülerin

"Dieser Vortrag war ein Hammer. Sitze bei Cd und Buch und lasse mich in Träumen schwelgen..."
Hubert, Bürgermeister

"Sehr lebendig geschrieben. Man fährt auf der Reise mit."
Gerhild, Seelsorgerin

"Alex, Du hast wirklich eine VERDAMMT WITZIGE und SPRITZIGE Art zu schreiben, und wenn ich das sag, heißt das was, hab doch schon die eine oder andere Zeile von dir gelesen!"
Hari, Webmaster

"Habt mir schon schöne Stunden beim Lesen eures Buches bereitet, auch schon auf der gestrigen Rückfahrt im Zug nach Wien… Sehr blumige Sprache, wunderschön! Sorgt für Auszeit im Hirn! Danke, auch für den tollen Vortrag am Samstag!"
Inge, Grafikerin

"Danke für eure wundervolle Präsentation!"
Monika, Sägewerksbesitzerin

"Eure Multivisionsshow hat mir sehr gefallen, war sehr berührend! Lese gerade Euer Buch und so tauche ich ein in die Welt der Weltumsegler - ein schönes Buch."
Doris, Künstlerin

"Aus Arbeitszeit wurde Wellenzeit... ich würde im Gehen lesen, wenn ich das nur könnte. So lebendig geschrieben, richtig zum Mitleben, Mitfiebern, Mitfreuen und Mitgenießen. Ich schluckte, als euer Schiff das Riff rammte und war froh, als ihr ihm wieder entkommen seid, freute mich über neue Freundschaften und Blüten auf der Computertastatur. Ich beginne zu träumen, erinnere mich an unsere Reisen und werde automatisch bewusster und langsamer... ein tolles Buch!
Unlängst lag ich auf meinem Sofa und las gerade die Eric Clapton Geschichte... da holte mich eine eigenartige Stimme in mein Wohnzimmer zurück. Ich sah auf und blickte in das Gesicht des uralten Mannes... äh Klassikers. "Eric Clapton - das neue Album...", tönte es aus meinem Fersehapparat. So wurde mir das Bild zur Geschichte geliefert!
Jetzt werde ich mich dem Red-Sea-Konvoi anschließen!"
Ingrid, Kosmetikerin


Tja, Leute - Danke! Und jetzt sind WIR gerührt…

06.09.2010, Wien Immer ein Morgenkuss und immer ein Abendkuss!

Der Durchschnitts Sommerfrischler im Ausseerland dürfte an diesem speziellen Wochenende im August bisweilen verwirrt gewesen sein.
Als er/sie zum Beispiel am strahlend blauen Sommersamstag den Toplitzsee mit einer traditionellen hölzernen Plätte querte und sein vor Energie sprühender Sitznachbar beim Anblick der zauberhaften Umgebung ausrief "Da schaut's aus wie auf den Azoren!" Azoren? Wer fährt den dahin auf Urlaub? Sicher so eine Bildungsreise, rätselte der Tourist im Stillen als die Dame gegenüber verlautete "In Neuseeland kannst du das auch haben." Hinter ihm in der 2 .Plätte, die mit der ersten mitgeführt wurde, um möglichst viele Interessierte gleichzeitig zu transportieren, also hinter unserem Touristen war einen Diskussion zwischen zwei Herren entbrannt:
"Wir kennen uns aus Thailand" "Na, des warn die Malediven" "Des kann net sein, die haben wir ausgelassen, wart ihr auf den San Blas Inseln?" "Jetzt weiß ich's, in Panama sind wir nebeneinander gelegen."
Das Weltumseglertreffen 2010 war voll im Gange! Die Truppe von ca 150 Seglern, die an diesem Wochenende der Einladung des genialen Organistors Ernst Köberl gefolgt war, fühlte sich hier am Grundlsee wohl wie die Fische im Wasser, oder die Segler am Ozean. Denn sobald Segler Segelboote und Wasser sehen sind sie froh, egal, ob es die Heimat von Nicht Segler Erzherzog Johann ist oder die Berge rundherum weit spektakulärer sind als die See!
Die Gastgeber hatte sich ins Zeug gelegt man wartete mit einem perfekten Sightseeing Programm auf, sodass die gerade heimgekehrte Weltumseglerin Evi von der Sleipnir verzückt hauchte:"Meine Güte, dieses Österreich ist soooo schön".
Das Rahmenprogramm enthielt auch steirischen Volkstanz, die berühmten Seglerinterviews auf der Roten Couch und Saibling.
Und wir, die PAFs, ließen den ersten Teil der Risho Maru Show über die Leinwand flimmern, ernteten dafür viel Applaus und Wolf von den Seenomaden lobte "Das ist mal ganz was anderes wie ein Musical!" Ja, genau das hatten wir auch im Sinn! Wir waren erleichtert ob der positiven Reaktionen und freuen uns schon auf unserer Premiere am 11. September im Sensenwerk in Deutschfeistritz.
Die Seenomaden gaben dann Einblicke in ihren spannende neuen Südsee Vortrag - erstmals Open Air vor der großartigen Kulisse des Gössl.
Ein junges Paar, das sich unter die Segler gemischt hatte, um Erfahrungen für ihren Ein-Jahres-Segeltörn zu sammeln war berührt und beglückt von beiden Seglershows.
Als dann am letzen Tag zum Ausklang noch 2 Kurzvorträge mit Thema "Sturm und Piraterie" von deutschen bzw italienischen Crews gezeigt wurden, waren die beiden zukünftigen Fahrtensegler beruhigt, da sie wussten - sowas kann vorkommen, ist aber bei weitem nicht Fahrtensegleralltag!
Das junge Paar staunte viel mehr über die Segler, die sich zu ihrer Liebe, zu ihren Partnern bekannten vor Publikum!
Weltumseglerin Edith - Mittsiebzigerin von der Jöke lachte mit blitzenden Augen. "Streit an Bord kommt vor - aber immer ein Morgenkuss und immer ein Abendkuss - das ist wichtig, auch im Landleben!" Damit drückte sie die Hand ihres Michael und machte aus ihrem Mastbruch auf dem Weg nach Neuseeland keine große Sache. "Mit meinem Michael schaff ich sowas".
Zum Thema Streit sinnierte Weltumseglerin Doris "Die Menschen sollten überhaupt lieber Segeln gehen, statt streiten - dann kommt da eine Gewitterfront und plötzlich ist ganz klar, was wichtig ist."
Interviewer Thomas Fuhrman, der die Crews auf dem Roten Sofa befragte, blickte in fröhliche Gesichter, hörte spannende Geschichten, Pläne, Träume, und stellte fest, dass dieser speziellen Gruppe von Menschen eines besonders wichtig ist: Der Zusammenhalt untereinander auf See, im Notfall, beim Sundowner oder einfach beim gemütlichen Zusammensein am Weltumseglertreffen.
Toll, dass es Leute wie Ernst Köberl und seine Frau Heidi gibt, die bereit sind, sich den Freuden, aber auch Mühseligkeiten solch eines Events zu stellen! Und Fahrtenseglern die Freude bereiten, sich an Land kennenzulernen oder endlich wiederzusehen!
Nur einem machte das Wochenende keine Freude. Dem Saibling.
Tja, selber schuld, wenn er so gut schmeckt und so frisch ist, dass selbst fischerfahrene Blauwassersegler nicht widerstehen können!

02.07.2010, Wien Gefühlsblase Numero 5

Schulschluss!!!! Der Finn hat das erste Jahreszeugnis seines Lebens in der Hand und ist der Held seiner Schule. Ein Erstklasser blickte ihn heute nach der Zeugnisverteilung im Gang an, wo Finn gerade mit stolzen Eltern stand, und hauchte: "Bist du der, der E-Gitarre gespielt hat?"
Ist er. Der Finn hatte nämlich seinen ersten Rockgitarristen Auftritt. Man feierte das Musikfest der Singschule. Alle waren sie da, die Omis und Mamis, Papas und Geschwister und lauschten den holpernd bis fließenden Variationen ihrer Sprösslinge auf Klavier (Alle meine Entlein) und Blockflöte (Fuchs du hast die Gans gestohlen), Triangeln waren fest im Einsatz und einige Geigen sangen noch nicht ganz wie im Himmel. Und dann passierte es. Nach konzentrierten 50 Minuten betrat der letzte "Act" die Bühne. Ein 4. Klassler. Mit Sommersprossen und T-Shirt à la Red Hot Chili Peppers drehte er am Verstärker und mit dem ersten Akkord seines elektrische Ruders wummerten die Schallwellen wie noch nie durch den sommerschwülen Turnsaal der VS Cottagegasse. Die Omis erwachten, die Opis regulierten die Hörgeräte, die Eltern staunten. Und schlagartig war klar: Hier wurde einem der Grössten die Ehre erwiesen. Jimi Hendrix lebt! Der 4. Klassler ließ sich vom allgemeinen Aufruhr nicht aus der Ruhe bringen und geigte, was das Zeug hielt. Selbst die Singschul Lehrerin schwang zaghaft die Hüften im ungewohntenTakt. Die Schulkollegen erwachten aus ihrem "Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach" Dämmerschlaf und sprangen auf ihre eingeschlafenen Füße.
Die Erstklasser wussten endlich, was sie sich zum guten Zeugnis wünschten.
Nur zwei reagierten seltsam auf diesen fulminaten Auftritt. Zwei, die, an die Sprossenwände gelehnt, sich die Tränen der Rührung aus den Augen wischten. Hendrix und Tränen? Finn hatte gewusst, warum er seinen Eltern den Zutritt zum Konzert nur nach langem Betteln erlaubt hatte. "Ihr seid sowas von uncool" schnaubte er und gönnte seinem Schulfreund, den Verstärker zu tragen.
Das Ruder gab er nicht aus der Hand und Fragen wie "Wann gründest du deine eigene Band?" oder "Kannst du mir das auch beibringen?" beantwortete er nicht. Welcher Rockstar gibt schon Gitarrenstunden? Das mit der eigenen Band könnte bald klappen. Einige Klavierjungs überlegen auf Schlagzeug umzusteigen und die Blockflöten Mädels denken an Gesangsstunden.
Angeblich sind heut im Musikhaus Tinter die E-Gitarren restlos ausverkauft. Und die Bewohner der Gersthoferstraße schliessen trotz Hitzewelle die Fenster. Denn es hat den Anschein, als ob in der Gegend ein Jimi Hendrix eingezogen ist.
02.06.2010, Wien

Gefühlsblase Nummer 4

Und schon wieder viel zu lange nicht geschrieben. Schreiben tu ich aber dennoch genug zur Zeit! Die aufmerksamen Fans werden ja inzwischen wissen, dass ich die neue Kolumnistin im Magazin OCEAN7 bin unter der Devise "OCEAN Woman berichtet". Im DELUXE Magazin des Wirschaftsblattes erscheint diesen Monat auch eine Rishomaru Story und jetzt gerade so zwischen Gefühlsblase und Kolumnengedanken ziehe ich mir die (wirklich tollen) Fotos unserer Multivisions Show rein und überlege, was für Stories wir euch bei unseren Vorträgen zum besten geben werden.
Das alles ist ganz schön viel Arbeit, aber auch ganz schön. Außer dass man zwischendurch leichte Sehnsuchtattacken überwinden muss, blickt man auf Ozeanwellen, Lagunengeglitzer, ferne Menschen und Länder.
So wie in Wien inzwischen doch der Frühling eingezogen ist (oder so etwas in der Art) hat sich bei uns still und heimlich der Alltag eingeschlichen.
Jetzt lassen wir uns auch per U Bahn durch die Gegend schippern, schauen an manchen Tagen genau so grantig wie der Rest, jammern ab und an über da Wetter und freuen uns sehr auf die Wochenenden. Da hauen wir dann nämlich meistens ab. Waren Klettern auf der Hohen Wand, Paddeln am Ottensteiner Stausee und - man höre und staune - Segeln auf der Alten Donau! Die nette Dame bei der Segelschule fragte nach Finns Segelvorkenntnissen. "29000 sm rund um die Welt", meinte sein stolzer Vater. Jetzt darf er den Grundschein überspringen und sich ab seinem 14. Lebensjahr den A Schein holen.
Oder wir gehen Radfahren. Was letzen Sonntag in ein wahres Abenteuer ausartete. Fuhren wir guten Mutes bei bedecktem Himmel los, mussten wir am Berg stoppen und wurden so nass, wie zuletzt bei der Überfahrt nach Neuseeland oder beim Monsunregen in Indonesien. Wir standen dann irgendwann oben in Pötzleinsdorf unter einer Veranda, neben uns 4 Herrschaften auf dem Weg zu einem Sonntagsbrunch. Alle waren recht aufgeregt. Es donnerte und schüttete und wahre Sturzbäche flossen die Straßen hinab. Einer der distinguierten Herren zitierte Asterix auf Latein und murmelte, was das doch jetzt für ein schönes Abenteuer wäre, das hier im Trockenen stehen und warten und nicht weiterkönnen. Die Dame in der Gruppe zog ihren trockenen Frühlingsmantel fröstelnd enger und blickte mitleidig auf die drei an der Hausmauer lehnenden waschelnassen Gestalten. Aber die drei sahen irgendwie heiter aus! Lachten und irgendwas brabbelte der ungefähr 10 jährige Junge von Monsun und Indonesien. Die Frau neben ihm - den Sommersprossen nach zu schließen offensichtlich seine Mutter - meinte, es wäre klug, sich die Geldtasche und die Autoschlüssel in die Unterhose zu stecken. Was der Mann - offensichtlich der Vater - prompt tat. Dann blickte der Kapitän, pardon Mann, in den Himmel und statuierte "Das schaut nach kurzer Regenpause aus -wir wagen es." Und die drei Verrückten fuhren los, genau dorthin wo sich die nächste graue Wand aufbaute. Aber - sieh an - tatsächlich regnete es exakt 20 Minuten nicht. Die Herrschaften warteten wohl zu lange und als sie tropfend beim Brunch ankamen, wird sich die Frühlingsmanteldame wohl gedacht haben "Woher wusste der Typ, dass es eine Regenpause geben würde?"
Naja, das ist zum Beispiel eines von den Dingen, die man gut kennenlernt auf einer Weltumsegelung: das Wetter. Mit dem Schiff wäre der Peter am Morgen nicht losgesegelt. Aber mit dem Rad! Und es war ja keine Nachtfahrt geplant. Und Regen hin oder her -es war doch ein bisschen Abenteuer an diesem trüben Sonntag!
Die Schuhe stehen heute noch mit Zeitungspapier ausgestopft am Balkon. "Wenigstens war es kein Salzwasser, dann könnten wir sie nämlich wegschmeißen" meinte der Junior Kapitän und widmete sich weiter seinem Sternenzerstörer. Na bitte, wenigstens ein guter Grund nicht am Boot zu leben! Stinkschuhe. Ich musste aber kontern, denn am Schiff hätten wir die Crocs angehabt und die stinken nie. Weil am Schiff kann man nämlich ganzjährig Crocs anziehen, und zumindest auf unserer Route hatten wir nie kalte Füße. Kann man sich das vorstellen... GANZJÄHRIG keine kalten Füße?!!!! Ich denk da jetzt lieber nicht weiter und geh schreiben. Und für meinen Schüler geh ich schnell kochen.
Wieder so eine Fertigkeit vom Weltumsegeln. Schnell muss es gehen. Wer will schon bei Wellengang lange in der Kombüse stehen? Oder im Alltag in der Küche? Hey, vielleicht sollte ich ein Schnell-Kochbuch schreiben, dann hätten die Leute mehr Zeit zum Radeln und Abenteuererleben. Aber ein Risiko bleibt: man könnte sich kalte Füße holen!

26.01.2010, Wien

Gefühlsblase Numero Dreieieieieiei

So, der Jänner ist da!

Also die Ferien waren wirklich vom Feinsten. Zuerst weihnachtliche Steiermark mit allem Christkindl, Truthahn, Vanillekipferl Drum und Dran. Danach Mondsee bei Peters Schwester Andrea, mit Sivesterfeuerwerk und frühlingshaften Spaziergängen. Und die VERAS waren auch da. Schon komisch Segelfreunde so fernab des Schiffes zu treffen. Zuerst erkennt man sich ja kaum hinter all den Daunenjacken, Wollmützen und Schalverkleidungen. Etwas bleicher, aber haarfarbmässig weniger ausgebleicht. Aber dennoch voller Witz und Charme genossen wir unsere Berliner Michi und Britta.
Zuletzt hatten wir einen stürmischen Abend im Roten Meer, versteckt hinter dem Riff verbracht. Und Jetzt saßen wir im gemütlichen Haus von Andrea vor dem Kaminfeuer, und rieben uns die vom Spaziergang über den Berg nach St.Wolfgang schmerzenden Haxn.
Dass die beiden die rapide Lebensveränderung vom Segelabenteurer zum Stadtindianer gut überstanden hatten, war klar, natürlich jammerten wir ein bisschen über graues Wetter und frühes Aufstehen, aber im Grunde waren wir alle lebensfroh und heiter. Andreas Freunde dürften wohl etwas überrascht gewesen sein, als ihnen gleich 2 Weltumseglerpaare vorgestellt wurden, dann saßen diese Abenteurer halb verschlafen vor dem Fernseher und schauten Robin Hood.
Michael meinte, wir machten keinen besonders aufregenden Eindruck, aber so war das eben, wenn man zu Hause keinen Fernseher hatte, wir alle mussten doch einiges nachholen! Wir haben übrigens nach wie vor keinen im Haus. Sind da wirklich froh! Es geht uns nichts ab, was man nicht auch im Internet finden könnte. Und brauch ich ein bisserl das "vorm Fernseher abhängen", vor allem wenn ein Berg Bügelwäsche droht, dann hocken wir drei wie auf der Risho zu dritt vor dem Computerbildschirm und schauen eine DVD.
Aber ich war fleißig, wenn auch nicht gerade homepagemäßig, was mir ein eingefleischter Logbuchfan zurückhaltend vorwarf. Mea Culpa - aber ich hab eine super Ausrede!
Das Risho Maru Buch ist fertiggeschrieben. Die Rohfassung liegt vor mir im Computer und wartet darauf, durchgearbeitet zu werden. Der Verlag wartet auch darauf, also kann ich getrost weiterhin ein schlechtes Gewissen pflegen! Der Peter sitzt vor dem Berg von Fotos und versucht Ordnung zu machen. Alle Videos sind auch bereits gesichtet und das machte echt Spaß und furchtbares Fernweh!
Welches wir mit Wochenendausflügen kurzfristig vertreiben! Der Finn lernt gerade Schifahren und von Loosenheim bis zur Hinteralm wackeln die Pisten von seinem Enthusiasmus und Herzklopfen.
Mir sind vor allem die Zehen eingefroren, und ich frage mich, wie ein derart umständlicher, kalter, aufwendiger Sport es soweit bringen konnte. Kalte Ohren, taube Finger, nach einer Stunde die Sehnsucht, meine Zehen in warmen Sand zu stecken. Aber dann plötzlich kam die Sonne hervor und der weiße Schnee glitzerte wie verrückt. Die weißgepolsterten Äste streckten sich in den blitzblauen Himmel und die Sonne wärmte meine Nasenspitze und ich dachte "Schon, schön. Mhmm!"
Gut ist natürlich auch, die Seenomaden, Wolf und Doris, nicht weit weg zu wissen. Da rufen wir uns alle paar Tage an, jammern ein bisserl, blödeln, bauen uns auf und das Leben sieht schon wieder besser aus. Und die Ehrnhofers natürlich mit Kind und Kegel, die wie ein Wirbelwind daherfegen und stets voll Energie und Aktion sind. Der Hari, der bereits die ersten Risho Maru Lieder kennt und ganz wunderbar per Schlagzeug begleitet. Und zum Dinner kommt, um über Leben, Liebe und Computer Auskunft zu geben. Natürlich war für Finn der Besuch bei Onkel Isi in Röhrabrunn das Highlight in den ersten Tagen des Neuen Jahres. Modellzüge soviele das Herz begehrt! Wir saßen im entzückenden schwedischen Saltettl im Wintergarten, aßen Szegediner Gulasch und sprachen über Gott und die Filmwelt. Und jetzt ist da wieder so ein Montag, ich bin beim 3. Capucciono - eine Leidenschaft, die selbst nach unserer Reise unverändert anhält. Wobei ich natürlich mit neuer Espressomaschine vom Christkind - nein keiner George Clooney mäßigen, sondern einer hundsnormalen, die man noch auf den Ofen stellen muss - meine Kaffeesucht nicht gerade überwinden werde. Macht ja nix! Hab ja festgestellt, den besten Kaffee der Welt gibt es in Italien und den zweitbesten in Wien. Das ist ein unglaublich großer Trost! An grauen Montagen und bei Rohfassungen, die bearbeitet werden wollen.
Mist, der Kaffee ist aus... na gut, dass ich jetzt nicht am Pazifik bin. Andererseits dort hätt ich jetzt sicher keine kalten Füße.

So long. PAF

14.12.2009, Wien

Gefühlsblase Numéro deux

Hab gerade Rumkugeln gekugelt und ein Lebkuchenhaus fertig verziert. Wie jedes Jahr - das Lebkuchenhaus, jaja auch in den Tropen, wurde weihnachtlich gebacken und geziert, genascht und aufs Christkind gewartet. Das Lebkuchenhaus bog sich zwar meist in der Luftfeuchtigkeit durch und blieb nur mit Zahnstochern fixiert stehen. In Tobago, auf den San Blas Inseln, in Neuseeland und in Thailand. Das Lebkuchengewürz hatte ich für all diese Jahre mitgenommen. All die Jahre...
Und, ehrlich gesagt, dachte ich früher immer, wie furchtbar öde so ein Weihnachten in den Tropen seid würde, und jetzt stelle ich mit Schrecken fest, dass ich so gar nicht weihnachtlich eingestellt bin, obwohl ich Schneeflocken vor dem Fenster sehe und Glitzerschmuck in den Straßen.
Was ist bitte los?
Vielleicht liegt es daran, dass ich seit einer Woche die Wohnung nur sporadisch verlassen habe, da sich sowohl Captain als auch Junior Captain die Grippe eingefangen haben. Noch ist kein Rüssel gewachsen, aber eine Woche flach zu liegen, fiel den beiden auch nicht gerade leicht.
Peter ging einige Abende zu Bett, als müsste er sich für eine Nachtwache auf der Überfahrt nach Neuseeland bereitmachen: Mütze, Schal, Pullover, dicke Fließhose. Die Nachtwachen übernahm dann doch ich - Aspirin lösend, Essigpatscherl machend und Wasser bringend. Machte ich gerne, weil ich auch froh war, nicht auf einer Überfahrt zu sein , einfach nur in der Wohnung, mit Hausarzt vor der Tür und Apotheke nebenan. Sicher, das war gut. Bis zu dem Augenblick, wo ich beim Buchschreiben das Kapitel Thailand begann. Vor einem Jahr saßen wir dort am Strand in Tropenwärme und aßen Curry. Die Sonne versank pink im Indischen Ozean und das Leben war leicht. Sicher hab ich das Bauchweh vor dem Roten Meer nicht vergessen. Aber es war dennoch leicht.
Werde jetzt nicht anfangen herumzusudern, aber, ehrlich gesagt, die Kälte und die Dunkelheit hierzulande macht uns ordentlich zu schaffen. Früher, vor der Reise, war das auch nervig, aber jetzt, mit dem Wissen dass da irgendwo draußen die Sonne scheint und man barfuß unterwegs ist, nein ich darf nicht daran denken. Weihnachten in den Tropen... wie herrlich das war. Da sieht man wieder: so eine Reise verändert einen schon sehr!
Aber ich sollte wirklich die positiven Seiten hervorheben.
Zum Beispiel: das Lebkuchenhaus steht starr und still, und die Butter ist nicht salzig, ranzig.
Die ersten Schneeflocken auf der Nase waren echt schön, wenn auch echt kalt. Der Finn fragt, ob es Strumpfhosen für Kinder gibt, und ich habe kapituliert und trage jetzt doch Strumpfhosen unter der Hose. Tja. Die Seenomaden machen ein Hüttenfest, und die Veras aus Berlin treffen wir nach Weihnachten zum Schifahren. Und mit Laura von den Sabbaticals haben wir geskyped. Sie frieren sich den Popo in Boston ab, nachdem sie gerade ihr Schiff in Australien eingewintert haben.
Ian von der Afriki bleibt ein Jahr auf den Kanarischen Inseln. Und Jasper und Astrid von der Antares heizen den Dieselofen auf der Antares in Amsterdam.
Der Peter und der Finn schneuzen sich im Duett und ich geh zum DM Taschentücher kaufen.
Das Leben geht weiter. Und ich werde nicht sudern, ich werde nicht sudern, oh nein, ... oh nein, oh nein, ... oh du Fröhliche...

SCHÖNE WEIHNACHTEN AN ALLE DA DRAUSZEN!
OB IN TIROL, PALMAS, BERLIN, FIJI, NIEDERÖSTERREICH, NEUSEELAND, TÜRKEI, SALZBURG, THAILAND!
DAS CHRISTKIND FINDET ÜBERALLHIN - DAS WISSEN WIR GANZ SICHER!!!!!!

23.11.2009, Wien Ode an den Blinden Passagier oder "Gefühlsblase Nr. 1"

Die diese Homepage die letzten 5 Jahre brav studiert haben, dürften in die Geheimnisse der Risho Maru recht gut eingeweiht sein.
Aber doch, passend zur langsam näherrückenden Christkindlzeit hier noch eine Enthüllung!
All die Jahre hatten wir einen Blinden Passagier an Bord! Der war gestern sonntags ganz offiziell bei uns zum Frühstück .
Denn, wie es so ist, bleiben Blinde Passagiere - sind sie gute Blinde Passagiere - verborgen. Sie haben sich ihr Plätzchen am jeweiligen Schiff ausgesucht, und dank der herrvorragenden Computerfortschritte kann dieses Plätzchen durchaus ein Virtuelles sein.
Unseren blinden Passagier vermuteten wir immer in der Segelkammer. Weiß nicht so genau warum. Der Peter hatte mal erwähnt, dass derjenige einmal sogar ganz offiziell auf der Risho geweilt hatte und wegen eklatantem Platzmangel in die Segelkammer ausgewichen war, was ihm wirklich keinerlei Probleme machte, nein sogar mit einer stillen Freude erfüllte, da er eine eigene Kajüte ganz für sich hatte. Gebettet auf Sturmfok, Ersatzgenua, Gennaker und kuschelweichem Spinnaker träumte er von den Ozeanen dieser schönen Welt. Und sieh an, seine Träume erfüllten sich und dieses Schiff, diese Risho Maru, die ihm offensichtlich viel Freude in sein Leben gebracht hatte, segelte um die Welt.
Er, der Blinde Passagier, zurückhaltend und bescheiden wie er von Natur aus ist, wollte nicht aufdringlich sein und übernahm die Segelkammer, wie gewohnt. Denn der Platzmangel war auf einem Wohnschiff noch größer als auf einem Urlaubsschiff. Zwar war sein Plätzchen eng geworden, waren zu den Ersatzsegeln noch Taue, Segelstoff, Neoprenanzüge dazugekommen, aber dafür, wenn er schnell und heimlich seinen Kopf aus der Segelkammer steckte, sprühte ihm die Gischt des Atlantiks ins Gesicht oder ein fliegender Fisch aus dem Pazifik brachte Abwechslung in sein tägliches Mahl. Es wurde schon recht ruppig an manchen Tagen , da vorne und durch die Fugen des Segelkammerdeckels drückte sich manchesmal etwas Salzwasser, befeuchtete sein Haupt. Wellen trommelten Südseerhythmen auf dem Lugdeckel, aber es war die Südsee! Der Blinde Passagier schlich sich in so mancher Tropennacht an den Strand, atmete dann Landduft ein, schnappte sich ein paar Kokosnüsse und andere Südseegeheimnisse, und kaum graute der Morgen war er wieder in seinem Nest und freute sich auf das, was noch vor ihm lag.
Regelmäßig schickte er unverfängliche Mails an die Crew der Rishomaru, erzählte vom Wiener Winter, den ungeliebten Punschstandeln, der nervigen Fussballmeisterschaft, aber auch von der Apfelernte im Garten der Eltern oder seinem VW Golf der leider zwischen zwei Kotflügel eingequetscht nach 20 Jahren seinem Abschied nahm.
Der Blinde Passagier war natürlich über die Vorgänge auf der Rishomaru stets besten informiert. Er wusste, dass Webmaster Hari Guzzi-Fan ist, dass Neuseeland beinahe zur zweiten Heimat der Rishos wurde, dass Finn mehr und mehr vom Kleinkind zum großen Buben heranwuchs, aber auch dass Internetcafes in Sri Lanka Mangelware waren.
Und dass die Weltumsegler sich schon bei ihm melden würde, wäre der erste Ankommensstress abgeklungen. Er hatte recht. Mit sehr schlechtem Gewissen wählten wir endlich seine Nummer, wobei er ja irgendwie doch immer mit uns in Verbindung gewesen war . Ein sonntägliches Frühstück wurde fixiert.
Seine erste Frage galt dem Schiff, bevor er noch den Milchschaumturm (kreiert mit dem Milchschäumer aus Neuseeland - ob er von dem auch wusste? aber sicher!) auf seinem Cappuccino lobte. Das Schiff, war es wohlbehalten in der Marina, alle Kojen gut eingewintert, auch die Segelkammer?
Natürlich, alles bestens. Die paar Riffkratzer halb so schlimm. Gehört dazu, meint der blinde Passagier, wusste er doch genau von den Gefahren und Abenteuern dieser Reise. Die Kratzer, das sind so wie bei uns die Falten!
Und dann löffelte er seinen Milchschaum und irgendwie sah man ihm an, dass er bereit wäre für die nächste Runde.
Denn wenn er auch ein Blinder Passagier war, war er nicht blind für die Schönheiten dieser Welt!
Und weil er uns so treu gewesen ist und bald das Christkind kommt, werden wir ihm einen Wunsch erfüllen, unserem Wulf, den wir sehr gerne auf der Risho als Blinden Passagier hatten! Und auch gern beim Frühstück in Gersthof!
Er wünscht sich "Gefühlsblasen" der Rishomaru Crew auf der etwas vereinsamten Homepage. Gefühlsblasen aus dem alten Wien, aus den Hirnen der Heimgekehrten Weltenbummler. Ist notiert! Wird gemacht.
Und hier die erste dieser Serie!

"Gefühlsblase Nr. 1" - Sonntag, 22. November

Hab Halsweh. Waren wunderbar mit den Ehrnhofers auf der Hohen Wand wandern. Das tat ziemlich gut, auch wenn der Hüttenwirt 3 Stunden für unsere Schnitzel brauchte und wir die schönsten Sonnenstunden in der staubigen Gaststube saßen. Hoffentlich krieg ich nicht die Schweinegrippe. Fängt die nicht auch mit Halsweh an? Kann man sich die in staubigen Almhütten einfangen. Oder hab ich mir nach dem Klogang die Hände nicht ordentlich gewaschen?
Seit ich täglich die Zeitung hier lese, fühl ich mich ziemlich bedroht. Von sämtlichen Grippen und anderen Katastrophen. Das Leben in Wien ist laut Zeitung offensichtlich gefährlicher als eine Fahrt durch den Golf von Aden. Dem Finn ist das wurscht. Hat einen Einser auf die Matheschularbeit. Und ich machte mir 4 Jahre Sorgen um seinen Schuleinstieg in Wien! Inzwischen mach ich mir eher Sorgen um den Schuleinstieg der Eltern der Schüler, die im nächsten Herbst ein Gymnasium besuchen.
Am Tag der offenen Tür eines Gymnasiums in unserer Nachbarschaft bewunderte ich die Direktorin ob ihrer Geduld und ihres Durchhaltevermögens, als sie Fragen der zukünftigen Schülereltern beantwortete. Ich fühlte mich wie im Kindergarten. Ich, umgeben von dreijährigen Eltern. Die Direktorin stellte klar, dass mit einem Dreier im Jahreszeugnis der Eintritt in ein erwünschtes Gymnasium schwer bis unmöglich sein würde. Darauf Frage einer Mutter "Kann man mit einem Dreier in das Gymnasium seiner Wahl eintreten?" - "Nein. Kann man nicht." - "Und wenn das Kind 2 Dreier hat und eine Legastheniebescheinigung?" - "Nein. Kann man nicht" - "Das dachte ich mir" feindlicher Ausruf der Mutter. Die Direktorin schluckte und versuchte den Eltern klarzumachen, sich bitte für die Hausaufgaben der Kinder auch im Gymnasium noch zu interessieren.
Ein Handy klingelte. Der Mann neben mir schaltete irgendwas an der Tastatur herum. Sein Gymnasiumsanwärter-Sohn saß neben ihm. 5 Minuten später läutete das Handy wieder. Diesmal hob er ab.
Die Direktorin schluckte und erklärte freudig, das seit 2 Jahren statt Latein, Französisch in der Dritten Klasse angeboten wird.
"Und was ist mit Chinesisch und Russisch?" fragte der Handy Vater. Inzwischen spielte sein Gymnasiumsanwärter-Sohn ein Computerspiel am iPhone. Der Finn flüsterte mir ins Ohr "Die ist nett die Direktorin. Ich mag da in die Schule gehen." "Dieser Schauspielkurs, hat das was mit Theater zu tun?" fragte eine Mutter mit Kleinkind am Schoß. "Ja, mit Theater." - "Bei unserer Kleinen ist es zwar erst in ein paar Jahren so weit, aber wir wollen uns gut informieren" dabei tätschelte sie das Gymnasiumsanwärter-Kleinkind , das gerade mit Mamas Handy den Schultisch demolierte.
Peter stand mit glasigem Blick neben mir. Ich glaub, er war gerade in der Südsee. Wir trotteten in den Keller der Schule, wo gerade die Schulband sich abdröhnte. Gar nicht schlecht die Jungs und Mädls. Wirkten ganz normal. Die Schule musste gut sein, denn die Lehrer dürften die Eltern gut im Griff haben.
Vielleicht sollte ich eine Schule für Eltern von Schülern gründen? Mit Russisch und Chinesisch als Wahlfach und Schauspiel- und Harvard-Vorbereitungsseminaren, einem wöchentlich geblocktem Modul für BWL und Jus. Dann könnten die Schüler in Ruhe ihr Schulleben genießen und Englisch und Latein lernen, und Bass spielen in der Schulband.
So, ich geh jetzt eine Runde in den Park, joggen. Aber vorher informiere ich mich über Zwischenfälle in Parks im 18. Bezirk in den letzen 2 Wochen. Sicher ist sicher. Aber im Notfall kann der Peter mich ja mit dem GPS am Handy orten, wenn ich einen Notruf aussende.
Ach was, ich lass das Handy zu Hause. Gegen Schweinegrippeviren haben sie da ja noch nix eingebaut, oder doch?

20.11.2009, Wien Seit 19.11.2009 ist die Ausgabe 11-12/2009 des Magazins Ocean 7 im Handel, da drinnen ist von uns die 10 Seiten Story "Wie es ist, Weltumsegler zu sein".
21.09.2009, Wien In Wien und rundherum

Der 2. Monatstag der Heimkehr ist gerade vorbeigegangen. Draußen grau und grauslich. Uiuiuiuiu. Das ist, was wir gar nicht hier mögen, aber natürlich haben wir es erwartet und natürlich mögen wir es trotzdem nicht. Das graue, kalte, Wiener Wetter! Suder, suder, suder... Schluss damit!
Ich schreib jeden Tag am Vormittag schön brav am PAF Buch, das ja bitte unbedingt ein Bestseller werden soll. Was haben wir für grandiose Abenteuer erlebt! Gerade war ich wieder mal dabei, den Pazifik zu überqueren. Na der Autopilot geht mir hier sicher nicht ab. Aber sonst so richtig alles. Das laue Lüftchen, die Blumen der Südsee, das Licht. Am Wochenende haben wir unsere lieben Seenomaden abgeholt in Slowenien. Da schien die Sonne wenigstens, die Bora blies und wir schliefen wohlig auf der Nomad, die schon das 2. Mal die Welt umsegelte und die jetzt zu Hause ist, wie unsere Risho. Der Risho haben wir natürlich in Italien auch einen Besuch abgestattet.
Da steht sie, der schöne Schwan an Land. Riecht so gut und heimelig wie immer. Der Kurt war auch da und hat auf seinem Schiff gearbeitet. Sonne schien. Richtige Marinastimmung wie in Neuseeland.
Die Seenomaden Doris und der Wolf sind braun und fesch, und wir haben versucht, ihnen die Heimfahrt ein bisserl zu versüßen. Neapolitaner Schnitten, Ö1, Erzählungen von bunten Herbsttagen in den Bergen. Der Wolf hat sich dann am ersten Tag in Wien gleich drei paar Bergschuhe gekauft!
Und noch am selben Abend trafen sich in einem Wiener Beisel gleich 5 Paar Weltumsegler. Die Uhurus, die Idemos, die Cocos, die Seenomaden und wir schauten sich wissend an, nippten am Apfelsaft gespritzt und plauderten möglichst locker, alle die Sorgen und Bauchwehs außer Acht lassend, die das Landleben nun einmal bringt. Gemeinsam sind wir stark!
Bei den PAFs zu Hause unterhielt sich Finn blendend mit seiner Ex Babysitterin Lisa, die er in punkto Schuhgröße schon weit überholt hat. Vielleicht überraschen wir die beiden demnächst beim Candlelight Dinner und habens dann auch kapiert, dass der Junge groß geworden ist.
Der Finn geht ja in die Schule und zwar mit größtem Vergnügen. Noch immer! Er hat diese ganze Umstellung wohl am besten geschafft. Ich hab mir die größten Sorgen gemacht, da sagt mir jetzt der junge Mann "Mama, geh weg, ich mach meine Aufgabe allein, du bist nicht mehr meine Lehrerin" So schnell geht's. Warte auf den Tag, wo er mich aus der Wohnung schickt, weil seine Freundin zu Besuch kommt.
Der Peter und ich sind verschnupft und suchen jeden Tag die noch wärmeren Jacken heraus. Hoffe es wird nicht noch kälter, ich kann doch nicht jeden Tag mit Angora Schiunterwäsche verbringen!
Schifahren! Der erste Schnee ist uns hier ja auf die Nase gerieselt und am Semmering war alles angezuckert und der Finn fand das voll schön.
Überall rundherum um Wien, in alle Himmelsrichtungen verstreut, warten Familie und Verwandte allwochenendlich auf uns. Überall sind wir eingeladen, werden verwöhnt, bekocht, bemuttert.
Vielleicht sieht man uns eine gewisse Müdigkeit, Verwirrtheit an, die das plötzliche Stadtleben mit sich bringt.
Aber auch in der Stadt sorgt man für uns. Die Karin Graser kam mit einer Willkommensschlagoberstorte mit Spritzkerze, die Betty mit Kopfmassagegerät, die uns das Leben versüßen sollen, die Ama machte 3 Riesengläser Mariellenmarmelade, und der Hari lichtet für uns nach wie vor den Computerdschungel. Die Ehrnhofers haben uns schon mehrmals kulinarisch und seelisch in ihrem schönen Heim in Seebarn versorgt.
Der Finn hat endlich sein Bett- und der Beweis ist erbracht, dass, selbst wenn man eine Weltumsegelung geschafft hat, man noch lange kein Ikea Spezialist ist. Der Peter fuhr 3 Mal wegen Falschkäufen hin. Für Drehstuhl Rune war der Drehteil Jule nur für Junioren bestimmt und der Lattenrost Ture nur für Senioren. Peter hätte Dörre nehmen müssen, der wiederum lag falsch beim Junior Snorre. Naja. Man lernt ein Leben lang, oder? Haben dann doch herausgefunden, wie man den Gratis Familycard Kaffee bei den neuen Automaten im Restaurant macht. Und irrtümlich Teelichter mit grausigem Vanille Duft gekauft. Passen aber gut zu den neuen Ikea Gläsern - leider mit leicht Rosa Stich - lagen irrtümlich bei den Farblosen.
Manchmal frag ich Peter, wo er das Schiff geparkt hat und er sagt dann, das Auto steht da und da. Viel Musik erschallt in unseren vier Wänden, die Nachbarn freut's, sie meinen es ist wieder so, wie es mal war. Aber ist es wirklich so?
Hm. Nein, Leute, ist es nicht. Aber das war nun wirklich zu erwarten. Und wir schaffen das, wir sind stark, wenn auch verschnupft, und wir arbeiten daran, unsere Reise bald allen da draußen in Ton und Bild und Buch zu zeigen. Denn der Pazifik ist wirklich wunderschön und das Licht der Südsee sowieso. Und manchmal, wenn dann im Türkenschanzpark die Sonne auf die goldgelben Blätter scheint, dann fühlt man sich ein bisserl mehr angekommen in diesem alten, neuen Zuhause.

Eure PAFs

24.09.2009, Wien Es gibt jetzt einen Menüpunkt FAQ (Frequently Asked Questions) mit Antworten auf die Fragen, die Ihr immer schon mal stellen wolltet!
17.09.2009, Wien Hier der Beitrag über PAF, der am 14.9.09 im Ö3-Wecker gelaufen ist: PAF_im_OE3_Wecker_20090914.mp3
14.09.2009, Wien PAF in Wien oder Wir sind nämlich neu in Österreich

Wir sind wieder zu Hause in Wien.
Die Welcome Party in der Stella in Italien war LEGENDÄR!!!!!!.
Mit Pauken (Peters Neffe) und Trompeten (Peters Bruder), mit Bildern und Plakaten geschmückte Anlegestelle (Peters Nichten), mit gedeckten Tischen und Weltumseglermenu (Organisation: Mama und Schwester von Alex), mit professionellen Filmkameras (Alex Bruder) und allem Tam Tam wurden wir angefeiert. Sogar ein Feuerwerk wies uns den Weg zur Anlegestelle.
Mit Küssen, Liebe und Geschenken wurden wir überhäuft und auf Armen getragen.
Überraschungsgäste erwiesen uns die Ehre (Der König von Kartagena!!!), man machte uns die Heimkehr schmackhaft mit Tiroler Speck und Kaas, Milka Schokos, Sachertorte, H und M Gutscheinen, Wien Stadtplan, Geschenktem Kurierabo, Wiener U-Bahnfahrscheinen, zahlreichen selbstgemachten Mariellenmarmeladen .
Peters Schwester Karin zückte ihr gerade zu unglaublich grandioses Geschenk für uns: PAFs Abenteuergeschichten von der Homepage, gebunden, mit allen Fotos und Blauwasserartikeln!!! (Ja, Leute! Ich sitze bereits täglich und schreibe das Buch "PAF und die Abenteuer einer Weltumsegelung"!)
Ein bisserl hatte das ganze Fest etwas von einer großen Hochzeit. Familienmitglieder trafen sich erstmals. Freunde lernten Familien kennen und umgekehrt. Mit jedem redet man nur ca. 5 Minuten - aber das lässt sich ja schon bald nachholen!
Neue Babys drückten wir an uns (Ilvy die Süße und Fabian den Charmanten), über ehemalige Babys staunten wir, weil sie bereits in die Schule gingen oder die Risho unsicher machten.
Buben waren junge Männer geworden, Mädels junge Frauen, hie und da ein Schopf etwas grauerer Haare, aber vorwiegend Lachen, Freude, Begeisterung.
Es war sooooooooooo schön!!!
Der Finn versteckte sich zwar ob des Rummels bei der Einfahrt hinter dem Mast - soviel Verwandtschaft auf einem Haufen gab es ja schon lange nicht und, meine Güte, es ist halt soooooo peinlich im Mittelpunkt zu stehen!
Wir schwebten auf Wolken, feierten die Nacht durch und den Vormittag. Dann Abschiede - aber keine langen mehr! Wir sehen uns wieder und zwar bald! Herrlich!
Die Risho wurde tagsdarauf herausgehoben. On the Hard. Die Taschen gepackt, Dank vieler leerer Autos aus Wien und aus dem Rest Österreichs schafften es alle unsere Sachen in die Gersthoferstraße. Und wir bis in die Steiermark (Danke Franz und Hiroko).
Mehrtägiger Zwischenstopp in der Steiermark bei meiner Mama, Schwammerlsuchen, Würstlessen, Leberkäse für Finn, Opipiknödl, eingeladen in wunderschönen Gärten zum Essen, spazieren in Wald und Wiese, der ach sooo grünen Steiermark.
Beim Spar in Peggau bei der Trafik wollten wir dann eine SIM Karte fürs Wertkartenhandy. "Hamma nicht. Vielleicht aufd Graz oder bei da Post" - "Okay Danke, wissen Sie, wir sind nämlich neu in Österreich" entschlüpfte es mir. Das Fräulein umrahmt von Kleiner Zeitung und Steirerkrone starrte Peter und mich etwas irritiert an: "Aha."
Aja Kleine Zeitung - als waschechte, frischgebackene steirische Weltumseglerin krönte man mich zur Steirerin des Tages und die nette Frau Carmen von der Redaktion schrieb einen schönen Artikel über uns. Wir sind berühmt! (Danke Margit!)
Aber selbst Berühmtheiten müssen wieder ins Alltagsleben zurück und so borgte uns Schwägerin Synnova ihren Kangoo (Danke! Danke! Danke!) und wir machten uns auf nach Wien.
Wieder Zwischenstopp - diesmal in Ternitz beim Franz, um das absolut endgültige Ende dieser Reise noch ein bisserl hinauszuzögern. Selbstgebackenen Apfelkuchen in allen Variationen unter dem Nussbaum genossen, und schließlich doch ab auf die Südautobahn.
Wien hatte beschlossen, uns in seiner schönsten Pracht mit schimmerndem Abendlicht zu begrüßen. So als wollte es sagen: "OK, ihr kommt zwar jetzt nicht per Schiff und ich bin keine Südseeinsel, aber ich bin wunderschön und bereit euch wieder aufzunehmen, und ihr brauchts nicht einmal zum Zoll und zur Immigration und Marina könnts euch auch sparen. Also machts keinen Spompanadln und schauts euch den Ankerplatz in der Gersthoferstraße an!"
Da waren wir dann. Die Sonne wurde von den Gebäuden verschluckt, in der Dämmerung kam zufällig unser Nachbar Karl per Rad daher und traute seinen Augen nicht, als er sich dem Haus näherte! Die Segler waren tatsächlich wieder da! Prosecco!
So saßen wir also am ersten Tag in Wien nach 4 Jahren im Wohnzimmer unserer Nachbarn Karl und Andrea und stießen auf unsere Rückkehr an!
Am nächsten Tag wusste Gersthof bescheid - von der Trafikantin bis zum Fleischhauer - die Schölers sind wieder da!
Und bis heute haben wir erst ein Mal in der Wohnung gekocht. Jeden Abend lädt uns jemand zum Essen, es gab schon Lammkeulchen bei Barbara und Klaus, Hühnerkeulchen in Seebarn bei Karin und Mario, Grill in Pötzleinsdorf bei Franzi, Maccheroni bei unserem Webmaster Hari, Heurigen da, Kebab dort. Natürlich Burenhäutl beim CA Würstelstand und Fleischbällchen beim Ikea auf der Suche nach einem Bett für Finn, Kalbseintopf bei Kurt und Ani, Gartenfest beim Patenonkel Isi, Frühstück mit Nichten und Tanten beim Rathaus, viele Telefonate, viele Geschichten, viele Begegnungen.
Und die Schule?
Der Finn geht seit einer Woche in die 4a und seine Direktorin hat ein Segelboot am Neusiedlersee.
Seine Lehrerin findet er sehr nett, es gibt da den Ali, den Bernhard, die Barbara, die Hanna, den Osman - alle aus seiner Klasse.
Ich hab schon die falschen Schulbücher eingebunden und vergessen das Mitteilungsheft zu unterschreiben - auch den Notproviant für einen möglichen Strahlenalarm muss ich erst besorgen (vielleicht nehm ich die alten Datteln und Erdnüsse aus unserer Rettungsinsel).
Ich denke zur Elternvertreterin werden sie mich nicht wählen.
Finn scheint zufrieden, außer heute war es ihm peinlich, weil einige Schüler sein Interview im Ö3 Wecker gehört hatten. Wir nicht, übrigens. Haben den Sender nicht gefunden...
Wir schaffen das! Irgendwann und mit etwas Geduld aus unserer Umgebung.
Das Dickicht der Handyanbieter haben wir überwunden und sind nun dabei im Nummernzirkus.
Dass wir mit einer Stereoanlage sowas von out sind, haben wir bei der Babs gesehen, die nur mehr mit Handy und 2 Boxen Musik hört, oder mit Computer und einem Bassverstärker oder einem Photoapparat und 3 Kopfhörern und dazu einem Drucker oder irgendwie so. Irgendwann werden wir uns da auch auskennen.
Manches ist wie immer, anders nicht. Die einen haben sich verändert, die anderen nicht.
4 Jahre und ein paar zerquetschte. Der Blick zum Horizont fehlt, die gute Luft, die Ruhe.
Aber ein neues Abenteuer beginnt. Wir sind bereit.
Sch…. mein Handy macht gerade Fotos von mir!!! Und verbündet sich mit unserer Stereoanlage. Hilfe!!!
Bleibt uns treu, ihr lieben Leser!
Abenteuer aus dem Alltag der PAFs in Wien werden auf der Page weiterhin geschrieben!
Und bald gibt es die Daten für unsere Bilder-Reise-Show mit eigener Musik!
Ja, und das Buch ist in Arbeit - ich hab das viele Lob für meine Stories als Stärkung für dieses Unterfangen!
Und bitte nicht beleidigt sein, wenn wir uns beim einen oder anderen noch nicht gerührt haben - ihr wisst doch:
WIR SIND NÄMLICH NEU IN ÖSTERREICH!!!!!!

Fotos

 

08.08.2009, Kroatien

Der Hari war da!

Natürlich nicht allein. Die feurige Italienerin, mit der er um die Ecke in Medulin kurvte und lässig vor dem Café parkte, in dem wir aufgeregt auf ihn gewartet hatten, ja diese Italienerin durften wir endlich nach all den Weltumseglungsjahren live sehen. Sie ist eine Schönheit. Sie heißt Muzzi und ist eine Guzzi. Vom Feinsten, schwarzglänzend und strahlend ebenso wie ihr Besitzer Hari.
Wer Hari ist, weiß wohl inzwischen jeder Risho Maru Homepage Gast - kurze Erinnerung - er ist unser hochverehrter Webmaster, zuvor aber schon jahrelang Malaspina Schlagzeuger mit Feuer und in den letzten Jahren enger Vertrauter in allen Dingen, die auf dieser Reise vor sich gingen.
Nach meiner Mutter war er der nächste, der erfuhr, dass der Pazifik heil überquert, Neuseeland erreicht, die Kurslinie gequert war. Und immer war er da für uns, übernahm Geschichten und Fotos, montierte sie ins Netz, lobte, freute sich, spornte an und verbesserte sicher viele Rechtschreibfehler.
Da stieg er also aus dem Guzzi-Sattel, in richtig cooler Lederkluft, lüftete den Spezial-Sonnenvisier-Helm und es war tatsächlich Hari! Eine der Hauptattraktionen für uns ist ja: wie werden sich nach 4 Jahren alle verändert haben, gleichgeblieben sein, weitergekommen sein? Wie schauen sie aus? Was ist in den vier Jahren passiert?
Kein Wunder also, dass wir uns erst mal bei einem Drink gegenseitig anschauten und immer grinsen mussten. Dann saßen wir auf der Risho, die unser Webmaster das erste Mal live erlebte, über die er schon so viel gelesen hatte und die er in sämtlichen Bildeinstellungen auf die Homepage gescannt hatte.
Und dann redeten wir 3 Tage durch, gingen bisserl segeln, bisserl essen, bisserl surfen, aber vor allem wurde geredet, erzählt, gelacht, musiziert, geträumt.
Und wir entdeckten Hari neu, sahen seine Perspektiven, hörten seine Ideen und Pläne und stellten fest: der Mann hat sich verändert, der Mann hat auch eine Reise durchgemacht.
Und dieser Hari ist für uns durch unseren engen Kontakt auf dieser Weltreise zu einem wahren Freund geworden. Das fühlt sich ziemlich gut an! Jetzt so kurz vor dem Heimkommen, vor dem Risho-Zurücklassen. Und diese Unsicherheit, die natürlich langsam bei uns aufzukeimen beginnt. Da tut es wirklich gut zu wissen: einer wie er freut sich auf uns, auf gemeinsame Pläne und Abenteuer.
Hari ist schon wieder unterwegs mit seiner Guzzi und hat spontan beschlossen, uns auch in der Marina Stella in Italien zu empfangen. Jaja, Italien und diese Italienerinnen - die haben es ihm wirklich angetan!

So wie Gott sie schuf… Nacktsegler in Kroatien

In La Stovo passierte es. Die ganze Weltumsegelung lang hatten wir es nirgends erlebt, gesehen. Und dann schließt man den Kreis, quert die eigene Kurslinie und da fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Man ist tatsächlich wieder in Heimatgewässern und es ist nicht der schöne Zikadengesang, der Duft der Zedern, es sind nicht die lieblichen kroatischen Hügel, die grantigen Kroaten, die feurigen Cevapcici, die einen zurückholen - oh nein, es sind die Nackerten im Mittelmeer.
Wenn sie an den Stränden liegen, fallen sie einem Segler natürlich nicht auf, weil wir ja nie an Badestrände gehen, haben unseren ja immer mit dabei.
Nein, es sind die Segelnden bzw. Motorenden, die uns ins Auge stechen - oder soll ich sagen baumeln?
Schlaftrunken taumle ich des Morgens an Deck (wohlbemerkt: bekleidet) und blicke in die sanfte Morgensonne. Ah, da macht sich schon ein Segelboot auf den Weg, sie haben gerade den Anker gelichtet und verlassen die Ankerbucht. Dafür müssen sie aber unser Schiff passieren, was ansich kein Problem ist und des öfteren vorgekommen ist in den letzten Jahren.
Meist winkt man sich dann zu oder auch nicht. Wie man will. Ich will diesmal nicht. Die auf dem Segelboot dagegen schon. Fröhlich winken sie mir zu, passieren die Risho im vorgegeben, korrekten Abstand, nicht zu nah, aber dennoch - ich krieg meine Winkehand nicht hoch. Vielmehr flüchte ich in den anderen Rumpf. Was ist passiert? Dieses lockere, heitere, deutschbeflaggte Segelboot schien doch sympathisch, sind wir etwa unter die Morgenmuffel gegangen, Frau Schöler?
Nein. Sind wir nicht. Aber ich mag vor und nach dem Morgenkaffee keinem spitternackten Unbekannten zuwinken, der am Steuer seines Charterbootes, mit einer Tasse Kaffee bekleidet, steht. Seinen Frau im Eva Kostüm hat gerade den Anker in gebückter Haltung verstaut, richtet sich auf, als sie mich sieht, und winkt heiter.
Aus dem Küchenrumpf-Fenster bemerke ich noch, ihnen verblüfft nachsehend, dass sie beleidigt sind, weil die Ösis so unkameradschaftlich sind.
Nach 2 Wochen Kroatien-Segeln weiß ich jetzt, man gehört offensichtlich nicht dazu, ist man nicht nackt an Bord. In eine vollbesetzte Ankerbucht nackt einzufahren, ist hier normal. Danach legt man sich nackt in die pralle Sonne an Bord.
Nur einmal auf dieser ganzen Reise sah ich ein ähnliches Bild.
Robben auf Galapagos die ein Segelschiff gekapert hatten und es sich im Cockpit in der Mittagssonne gemütlich gemacht hatten. Sie glänzten wenigstens schwarz in der Sonne und nicht rosa.
Es ist grauenhaft!!!!!!!!
Natürlich kenne ich den Genuss nackt baden zu gehen und in einsamen Buchten haben wir das dann und wann auch praktiziert, Aber nirgends auf der Welt in all den Ankerbuchten, zwischen all den Segelbooten aus allen Nationen, sah ich Segler nackt in eine Bucht oder sogar einen Hafen einlaufen.
Oder ein Manöver nackt zu fahren, wie das italienische Paar auf einem Riesenkatamaran als eine graue Gewitterwolke mit Sturmböen nahte und sie dreimal umankerten, beide völlig unbekleidet.
Der Riesenbusen der Frau verwickelte sich beinahe in die Ankerkette, während ihr Ehemann vor sich hin baumelte… ach lassen wir das. Man könnt ja einfach wegsehen - aber irgendwie glaubt man es einfach nicht.
Warum ist das nur in Kroatien im Mittelmeer so? Warum sind es meist Österreicher und Deutsche auf Charteryachten? Warum sind es besonders die Leute mit ausladendem Körperformat?
Warum?
Wenn's mir nicht so grausen tät, würd ich ja eine Umfrage starten. In der Bucht von Nacktschiff zu Nacktschiff per Dinghy fahren und Interwiews machen.
Aber dann müsste ich diese Leute aus der Nähe sehen, und ich will die Eindrücke unserer letzten Weltumseglungswochen auf der Risho nicht beeinträchtigen.
Vielleicht mach ich das nächstes Jahr und verpflichte Frau Spira, mich zu begleiten.
Die tät sich freuen.
Und ich befürchte die Nacktsegler auch!

 

09.07.2009, Vieste, Italien Wir haben unsere Kurslinie gekreuzt!
Die Position N 41 Grad 53 E 016 Grad11 - somit ist die Welt offiziell von der Risho umrundet! Aber wir haben beschlossen: gefeiert wird in der Stella in Italien, da sind wir ja losgestartet und wollen diesen besonderen Moment mit Familie und Freunden feiern!

Hier also alles nötige für den Tag der Tage!

Wann:
Ankunft 15. August - Samstag und zufällig mein grmfter Geburtstag (Alex)
Um 12 Uhr werden wir an der Flussbiegung erscheinen und vor dem Restaurant "Al Fiume Stella" festmachen.

Die Adresse:
Ristorante Al Fiume Stella s.r.l.
Via dell Isolino, 1
33050 Precenicco (Ud) / Norditalien
Tel. +39 0431 587705
www.ristorantealfiumestella.com

Das Restaurant befindet sich zwischen Latisana und Grado, direkt am Fluss Stella und gegenüber liegt die Marina Stella. Hier auch noch eine Skizze zur weiteren Orientierung:
www.ristorantealfiumestella.com/winter/deu_dove_siamo.php

29.06.2009, Griechenland "Wie werden die das aushalten?"

Der Hari, unser hochgeschätzter Webmaster, hat uns die Anregung gegeben, etwas über unseren derzeitigen Seelenzustand zu schreiben. Nach 4 Jahren Segeln, Abenteurern, Reisen und Entdecken, werden wir in 4 Wochen und 15 Tagen in der Stella Marina in Italien einlaufen und, tja, unsere Reise beenden!
Wie werden die das zu Hause aushalten? fragen sich Familie, Freunde, Nachbarn, Bekannte, Unbekannte.
Wie werden die mit dem Alltag umgehen, dem Verkehr, der Arbeit, der Weltwirtschaftskrise, der Computersucht, den Handys, dem Fernsehen, der Schule, dem Wetter, richtigen Schuhen, dem festen Boden unter den Füßen?
Mhmmm. Genau. Schwer zu sagen.
Eines wissen wir aber und zwar: Worauf wir uns freuen!
Auf unsere riesige Wohnung (verglichen zur Risho!), ein großes, breites Bett, ein eigenes Zimmer (der Finn), eine Badewanne (die Alex), zuhausegebliebene Gitarren (der Peter), die Modelleisenbahn vom Onkel Isi, Kaffeetrinken im Zaubergarten von der Ama, die neue Nichte Ilvy, Radlfahren, Wandern, Klettern, Österreich entdecken, ein Schnitzel essen, steirische Äpfel, Butter ohne Salz, eine Wiener Melange, Theatergehen, Jazzkonzerte, Kino, Würstelstand, Buchhandlungen, Wochenendbesuche, Fritattensuppe, Schnittlauchbrot.
So ist das.
Interessanterweise haben wir jetzt fast die gleichen Fragen wie bei unserer Abfahrt vor 4 Jahren. Wie wird alles werden?
Aber was nützt es, jetzt können wir nix machen. Außer Heimsegeln und die letzten Seemeilen füllen mit Erinnerungen, Vorsätzen, vielen Gedanken.
Wie werden die das aushalten? Das haben sich auch viele bei unserer Abfahrt gefragt! Das Leben am Schiff, die Ozeane, die Abenteuer, die Gefahren, die Enge zu dritt. Hat doch alles gut geklappt! Und jetzt fahren wir nicht in die Fremde! Sondern ganz viele warten auf uns und freuen sich, dass wir heimkommen! Und das ist wunderschön. Wir fühlen uns erwartet - und was kann es besseres geben nach einem großen Abenteuer!

PS: Am Samstag, dem 15. August, werden wir in der Stella Marina (Nähe Latisana bei Lignano) in Italien einlaufen. Für alle, die vorbeikommen wollen, werden wir demnächst auf der Homepage Anfahrtsplan und Adresse bekanntgeben!

PPS: Was uns alles abgehen wird, fragt da jemand? Uhhh... das kann lang werden - wie wärs wenn ma uns im September in Wien auf eine Melange treffen (oder zwei oder drei…)?

14.06.2009, Griechenland Ferien in Griechenland

Darf man nach 4 Jahren Weltumsegelung überhaupt von soetwas wie Ferien sprechen? Oder ist das etwa vermessen? Ist es nicht. Denn eines steht fest, eine Weltumsegelung ist nicht mit Ferien gleichzusetzen. Und unser derzeitiges Griechenlandsegeln bestärkt mich sehr in dieser Feststellung.
Innerhalb eines knappen Monats sind wir von Simi, im Süden der Türkei über die Inselns des Dodekanes, über die südlichen Kykladen zu den mittleren Kykladen nach Egina bei Athen gesegelt, flott durch den Korinthkanal und jetzt sitz ich da in Trizonia im Golf von Patras und denke mir, ich hätte doch einen griechischen Kaffee trinken sollen. Wie ich es jeden Tag tu, nachdem wir ein paar Stunden gemütlich gesegelt sind, von einem Ankerplatz zum nächsten. Da hüpft man dann ins kristallklare Wasser, freut sich an der griechischen Landschaft, geht dann ein bisserl spazieren, kauft ein paar Tomaten für den nächsten Tag und blättert im griechischen Hafenhandbuch um zu entscheiden, sollen wir morgen 10 sm segeln oder vielleicht doch 20. Diese Art von Segeln ist eine echte Umstellung für mich. Noch vermisse ich weder die Wetterfenster des Pazifik noch den Gegenwind des Rotes Meeres oder die Squalls in der Karibik, aber ich denke bereits ein bisserl wehmütig an unsere überall in der Welt verstreuten Segelfreunde.
Und ich höre aus unseren Dreiergesprächen Sätze wie, "Heute riecht's hier ein bisserl wie in Neuseeland", "Schau, Mama, da ist einen Inderin im Sari", "Palmen gefallen mir besser in der Südsee als in Griechenland", "Da gibt's einen Carrefour wie in Noumea", "Soll ich die Degung Musik aus Bali einlegen?"
Der Finn, das Weltenkind, holt sich seine sämtlichen Lebensbezüge aus dieser Reise. Die Menschen, von denen er spricht, leben, wie er, am Boot, oder auf so fernen Eilanden wie sich die meisten gar nicht vorstellen können. Wobei auch Wien für ihn ein fernes Eiland ist. Ich fürchte, für mich inzwischen auch. Aber das gehört wohl in eine andere Geschichte.
Bleiben wir in Griechenland. In dem Augenblick als in Simi der Duft des Bergtees von den umliegenden Hügeln um meine Nase strich, die blitzblauen Fensterläden der weißgekalkten Häuser in der Sonne leuchteten, der Retsina harzig meinen Gaumen kitzelte wusste ich wieder wie sehr ich dieses Land liebte.
Simi ist speziell. Ein Schmuckkästchen-Dorf schmiegt sich in eine kleine Bucht, natürlich Touristen und Souvenirshops zu Genüge, aber eben auch das gewisse Etwas. Man will verweilen und einfach irgendwo verborgen unter einem Bougainvillenstrauch auf einem entzückenden, aber unbequem typischen Holzsesselchen sitzen. Neben einem maunzt eine verstruppte Katze und setzt sich malerisch auf eine gekalkte Eingangsstufe. Jeder Blick ein Foto für einen Jahreskalender mit dem Titel "Griechische Impressionen". Sowenig oft Bilder in Büchern über Reisziele der Realität entsprechen so sehr tun sie es in Griechenland. Da schaut es sogar noch griechischer aus als auf den Kalenderblättern.
Von den 12 Inseln des Dodekanes besuchten wir Nisiros - bemerkenswert, weil ich dort das erste mal Moped fuhr - nämlich ich alleine am Steuer! Dass in Nisiros nix los ist, war gut für meine noch etwas nervösen Fahrkünste. Das allerschönste aber an Nisiros war, dass wir auf Lex und Margot trafen, die mit ihrem Wharram Kat Tikka auf dem Weg zum Peloponnes waren. Ebenso ewige Freunde und Bayern wie Otti und Conny, schlossen wir uns zusammen und der gelbe Pfitschipfeil Tikka war ab jetzt immer an Rishos Seite!
Es folgte Astipalaia mit vielen Windmühlen und keinem Internetcafé.
Die erste Kykladeninsel, Amorgos, war schön wie alle anderen, mit dem Unterschied dass dort vor einigen Jahren "The Big Blue" von Luc Besson gedreht wurde und wir Jean Reno, hineingequetscht in seinen Fiat 500 fast über die rumpelige Küstenstraße kurven und in der gleißenden griechischen Sonne schwitzen sehen konnten.
Die Big Blue Ägäis vor unseren Augen klapperten wir noch Paros, Serifos, Sifnos, Kithnos, Kea und wie sie alle heißen ab. Auf Serifos sammelten wir, wie die Bienen, wilden Thymian, Finn rebelte vernügt, Peter heuschnupfte weniger vergnügt.
Dann Athen - Risho blieb im Stadthafen von Egina, keine Fährenstunde von Piräus entfernt, denn die Marinapreise Athens schlagen fast die der spanischen Küste!
Warum Athen? Warum nicht - und zufällig wohnt dort meine Tante Annelies, ihr Mann der Platon und deren Sohn Michael mit griechischer Göttin, äh, Gattin Grisoula. Annelies war leider in Österreich auf Urlaub, aber der Rest der Familie verwöhnte uns grandios griechisch gastfreundlich. Und der Finn sah die Akropolis und fragt sich heute noch wie die alten Griechen diese Mordshitze ausgehalten haben und ob die Baugerüste original griechisches Altertum sind...
Die erste Hitzewelle des Jahres verfolgte uns noch durch den Korinth Kanal (Finn fand den Panama Kanal spannender)…und schließlich bis zum Orakel von Delphi, wo wir eine Wiener Krankenschwester namens Barbara trafen, die uns weissagte, dass die Ringbahn in Wien jetzt anders fährt, aber am Rathausplatz noch immer Opern gespielt werden und die Kurzparkzone Gersthof noch nicht erreicht hat. Wo wir wieder beim fernen Eiland Wien sind.
Hier in Trizonia nahm ein Tiroler Mittelmeersegler unsere Leinen entgegen. Er meinte, er müsse mir den Palstek Knoten erklären und fragte, ob wir zum Wasserholen eh Kanister an Bord hätten. "Ja, und wir haben auch die Welt umsegelt" hab ich dann nicht geantwortet.
Unserer Seglerfreunde sind weit weg und gegenseitig schreiben wir uns wehmütige E- Mails. Bereits 2 Boote haben ihre Kurslinie gekreuzt und den Flieger nach Hause gebucht. In Österreich freuen sich die Kinder auf die Ferien und auf der Risho geht eine große Reise mit Ferien langsam zu Ende. In nur wenigen Wochen kreuzen sich auch unsere Kurslinien und wir werden das sicher nicht geheim halten!
Nein ich werde jetzt nicht an die Südsee denken, sondern endlich meinen griechischen Kaffee machen. Ah, der Finn hat ihn schon gemacht. Ich werde ihm beizeiten mal erklären, was eine Wiener Melange ist - dem Weltenkind!

Fotos

 

22.05.2009, Griechenland

 

Zwei gute Nachrichten und eine nicht so gute

Es gibt eine gute Nachricht für alle fernwehigen Risho-Maru-Home-Page-blinde-Passagiere-Fans. Türkei ist traumhaft schön und nicht weit weg. Für uns fast wie zu Hause - Mittelmeer!
Sooooo blau das Mittelmeer und alles runderherum so urlaubsmäßig mediterran.
Einer der Hauptgründe, die Türkei zu besuchen, waren Otti und Conny, unsere Lieblingsbayern, die - ebenso Abenteurer wie wir - sich vor 4 Jahren von Deutschland loslösten und ohne Lottogewinn und fixen Job den Schritt wagten, ein neues Leben in der Türkei zu beginnen.
Und sie sind nicht 25 und gerade fertig mit dem Studium - sondern eher umgekehrt - und dabei, die Türkei zu studieren. Was alles bisher passierte, schiefging, den Bach runter und rauf floss, sollte man sich von ihnen persönlich erzählen lassen. Sehr, sehr amüsant - vor allem die Geschichte, als sie ihr (heute sehr putziges) Häuschen im Olivenhain renovierten und feststellten , dass nix funktionierte, schiefe Türen, schiefe Wände, undichte Dusche, manchmal kein Wasser und kein Strom und ein richtig frischer türkischer Winter vor dem Holzofen mit Holz, das man nicht hübsch gebündelt im Baumarkt kauft, sondern selbst sammeln geht. (Als Conny vor einiger Zeit ihre Tochter in München besuchte und im Obi an der Kasse vor Begeisterung aufstöhnte als sie die schön präparierten Anzündholzpaketchen sah, wunderte sich ihre Tochter noch ein bisschen mehr über ihre schräge, aber ausgesprochen liebenswerte Frau Mama).
Unserer Tage in der Türkei waren wohl geordnet - was recht selten vorkommt, reist man als Fahrtensegler. Wir radelten jeden Tag vom Minihafen in Selimije zu Otti und Conny, genossen heiße (dichte) Dusche, die große, schattige Terrasse, den Duft nach wildem Tymian und die Olivenbäume vor der Nase. Aber vor allem die positive und fröhliche Präsenz der beiden machte aus jedem gemeinsam verbrachten Tag ein Vergnügen. Und natürlich Connys unglaubliche Kuchenvariationen - zum Zeitpunkt unseres Besuchses gab es saftigen Weinkuchen, duftenden Rumkuchen, cremigen Apfelkuchen und auch eine Art Topfenschnitte zu verkosten. Peter und Otti palaverten stundenlang über Schiffe, und Finn genoss das Dasein als Landkind mit Katze füttern, Garten gießen, Schildkröte entdecken und einfach Herumchecken.
Schließlich startete Ottis jährlich organisierte Multihull Regatta in Marmaris und wir gesellten uns zu der fröhlichen bis ehrgeizigen Truppe, als sie in Seliminye stoppte.
Otti und Conny stachen aus den deutschen Regattateilnehmern heraus wie zwei bunte Hunde und ließen alle ihre Türkei Connections spielen, um die Angereisten bei Laune zu halten.
Man muss schon sehr beliebt in einem Ort sein, um einen tanzenden Bürgermeister aufbringen zu können! Oder köstliche Festmale in fast jedem Regatta Stopover, Führungen durch Gulet Schiffsbau Werften und, last but not least, jeden Tag frisches Brot ans Schiff, in der kleinen Bucht Dirsek sogar gebacken im Ofen direkt am Steg und ans Boot geliefert von Otti persönlich!
Die Regatta näherte sich ihrem Ende, wir segelten als Fotografen Berichterstatter am Rande des Feldes mit und tanzten am Abend mit der fröhlichen Truppe türkische Tänze. Der Koch tanzte auch mit. Und als Conny zu später Stunde eine Art Hüft-Bauchtanz-Variation zum Besten gab, riss es auch den ernsthaftesten Regattasegler aus dem Wirsthausstuhl!
Am letzten gemeinsamen Vormittag wurde das Weltumsegelungs Schiff Risho Maru von den Regatta Seglern fleißig begutachtet. Einige der Teilnehmer rückten sogar mit ihren verborgenen Fahrtensegler Träumen heraus. Wir fühlten uns richtig prominent!
Das wurde auch noch durch eine andere Tatsache unterstützt. Ist man mit Otti und Conny in ihrer neuen Heimat unterwegs - egal per Fuss oder Auto - man kommt sich vor wie die Queen!
Von überall wird hergewunken, gegrüßt, gelächelt. Und das beste daran: kaum wusste der kleine Ort, dass wir Freunde der beiden sind, wurden wir umso mehr gehegt und gepflegt!
Es ist schon schön zu sehen, wie die zwei ihren Traum verwirklichen. Laut eigenen Aussagen zwar nicht ganz so wie sie dachten, aber was soll's! Man wünscht sich vom Universum Äpfel und bekommt Orangen geschenkt! So spielte eben das Leben.
Und nun gibt es noch die 2. gute Nachricht für alle Daheimgeblieben: Otti und Conny haben ein schnuckeliges Gästezimmer zu vermieten! Für jeden, der kommen mag. Wir können so ein Unterfangen nur empfehlen . Natürlich sind wir wohl etwas subjektiv eingestellt, aber ich frage mich ernsthaft, wer würde nicht gerne seinen Schlummertrunk auf einer Terrasse im gemütlichen Korbstuhl mit Blick aufs Meer genießen, umgeben von Rosmarinstöcken, Stille und ins-unwirkliche-Abendlicht-getauchten Olivenhainen? Für uns war es Entspannung, Meditation und auch viel Fröhlichkeit in einem. Ahh und dieser Rumkuchen... wobei das indische Kokoscurry nach Art des Hauses auch nicht zu verachten war.
Wir haben inzwischen von den beiden Abschied genommen (und natürlich fest versprochen, bald wieder einzutrudeln per Schiff oder per Flugzeug - wie auch immer... ) und segeln langsam die südlichen Kykladen entlang Richtung Peloponnes. Griechenland. Mhmmm.
Dass es kleine Differenzen zwischen Griechen und Türken gab und gibt, ist uns klar - so unterschiedlich sind diese Länder und Menschen. Aber jedes Land für sich lässt unser Herz aufgehen. Auch wenn beide keinen anständigen Cappuccino mit Milchschaum fabrizieren können, ich bin ja flexibel wie das Universum - das mit dem Capuccino war übrigens die nicht so gute Nachricht - und schenk mir einen türkischen oder eben jetzt einen griechischen Kaffee ein, schmeckt eh gleich - ups, sagt das bloß nicht den Türken oder den Griechen...
Wer hat Lust auf ein bisschen Leben in der Türkei bekommen? Schaut nach auf Otti und Connys Homepage www.kraft-schoepfen-am-meer.de

Fotos

 

30.04.2009, Finike, Türkei

 

Funkmail von der Risho Maru:

"Sind gut in der Türkei angekommen, in Finike. Unglaublich schön hier, genießen die netten Leute und das herrliche Klima. Auf dem 3000m Berg hinter dem Meer liegt Schnee... wir haben ganz schön gestaunt beim einlaufen!"

27.04.2009, Mittelmeer

Breite: 33° 27' N
Länge: 31° 42' E

Funkmail von der Risho Maru:

"Wir segeln wieder im Mittelmeer - in heimischen Gewässern! Kurs auf Finike an der türkischen Küste. Autsch, es ist saukalt - vor allem in den Nächten - Erinnerungen an Segeln in Neuseeland! Hatten heute Nacht 15 Grad - jajajajaja, wir wissen eh, das ist sozusagen Frühsommer zu Hause... Aber wir sind's halt nicht mehr gewöhnt - allen anderen Seglern geht's auch so. Teilweise erkannten wir uns in der Marina in Suez gar nicht, weil man sich erstmals mit langen Jeans und Sweater verhüllte!
Pyramiden waren alt und touristenumschwärmt, aber das Museum in Kairo ein Highlight! Dieser Tutenchamun, a Waunsinn! Sogar seine Zehen hatten eigens gefertigte goldene Zehenkuppen!
Hatten hohen Besuch auf der Risho! Franz und Hiroko kamen aus Österreich auf Spontanbesuch! Verbrachten 2 wunderbare Tage mit ihnen, und sie durften gleich erleben, was Segler so tun, wenn sie in der Marina sind: Wäsche waschen, Diesel holen, Supermarkt ausforschen... wahre Freunde!
Dank der beiden futtern wir auf dieser Überfahrt Ungarische Salami und Knabbernossi, in der Nachtwache halten uns Maoam Kaugummis bei Laune! Herrlich! Danke! Türkei wir kommen! Ezmek! Ali! Oetzlan!
Bussi
PAF"

20.04.2009, Ismailya Yachtclub, Ägypten

Bericht der Skipperin
Afriki, Antares und das Rote Meer oder Freundschaft ist stärker als der Südwind

Ich denke gerade sehr fest darüber nach, was mir vom Roten Meer in meinem Herzen und Hirn bleiben wird.
Wetter. Wetterfenster. Wetter-Gribfiles. Wieviele Seemeilen noch?
Unser unglaublicher Tanz mit den Delfinen.
Radio Afriki. Unser No Name Net. SSB Frequenz 8182. 10 Uhr local time. Host: Ian von Afriki
Music: Peter von der Risho Maru
Teilnehmende Schiffe: Afriki, Antares, Rishomaru - mit special friends Njord, Kika, Helen Kate
Freundschaft, die stärker ist als der Südwind.
Abende voller Lachen.
Freundliche Positionslichter in der Nacht, bekannte Segel am Horizont bei Tag.
Wetterbesprechungen voller banger Hoffnung.
Routenplanung voller Zick Zacks.
Lagerfeuer in der sudanesischen Wüstenbucht.
Gemeinsames Kaffetrinken am Steg in Port Galib.
Das Muh Game oder auch Kuhhandel genannt.
Wir starteten als Konvoi in Thailand - gewappnet gegen die Piratenbrut des Golf von Aden und hier in Suez feiern wir gemeinsam unsere Ankunft, unsere Bezwingung des Roten Meeres.
Aus guten Bekannten sind echte Freunde geworden.
Durch dick und dünn.
Haben Diesel geteilt, aufeinander gewartet, gegenseitig ausgeholfen, füreinander gekocht.
Und es tatsächlich geschafft, uns immer noch zu mögen und das Unausweichliche, die Trennung, immer mehr hinauszuzögern.
Denn Afriki segelt zurück nach Canada, Antares nach Amsterdam und Rishomaru nach Italien.
Natürlich steht da immer noch der Plan, gemeinsam nach Kreta zu segeln. Aber dann ist Schluss - wahrscheinlich. Aber wer weiß dass schon? Amsterdam ist nicht aus der Welt, Canada wollten wir immer schon sehen. Und in Wien ist jeder gerne willkommen!
Aber es tut doch weh.
Denn wir wissen jetzt schon, wir werden von dieser Zeit schwärmen. Wir waren frei, wir hatten Zeit, wir waren offen, flexibel, verrückt.
Antares das sind: Jasper und Astrid mit ihrem kleinen Marijn - ein lässiges Surferpaar wie es im Bilderbuch steht. Marijn , der 3 jährige Seglerbub, der Interessierten auf die Frage, woher er den komme, gerne die Auskunft gibt: "From Antares!" Ein Sternenkind also!
Afriki: Ian, der coole, kanadische Single Hand Sailor mit vorzugsweise weiblicher Crew. Wobei in unserem Konvoi Hugh, der Südafrikaner, auf der Afriki mithalf und alle mit selbstgespeertem Fisch versorgte.
Und wir, die Risho Marus. Peter, der in den letzten 3 Monaten fast täglich ein neues No Net Name Intro auf Radio Afriki improvisierte. Alex, die zum Best Chocolate Brownies Cook of the Century gekürt wurde und Seglerjunge Finn, der sich bevorzugt mit Hardrock niederschweißt , mit Jasper Rage-against-the-Machine CDs austauscht und mit Ian die Mädls auskundschaftet.
Es war gut das Rote Meer. Irgendwann werd ich auch das Wetter-Bauchweh vergessen haben, eigentlich jetzt schon. Und, zugegeben, wer kann schon sagen mit Südwind in Suez eingelaufen zu sein? Im Roten Meer nie gegenan gekreuzt zu haben und beim schlimmsten Nordwind gemütlich am Ankerplatz gelegen zu sein?
Es war ein gutes Gefühl, Antares und Afriki so nahe zu haben.
Ein bisschen können wir den Abschied noch hinauszögern. Vielleicht Kreta, aber vielleicht auch nur eine gemeinsame Taxitour zu den Pyramiden. Oder ein letzter gemeinsamer Abend mit guten Freunden, gemeinsamen Erinnerungen, gemeinsamen Zukunftssorgen und Träumen.
Aber es tut jetzt schon weh, ziemlich sogar.

To split up this group would really be a sin
Each of us is the yang to the other boat's ying
But there was talk of taking off
While the others made a stop
It's nice to see friendship is stronger than a southwind
(Ian on Radio Afriki, April 2009)

Bericht des Skippers
This is your captain speaking

Das Rote Meer ist für uns sanft geblieben. Bei unserem letzten längeren Stopp wegen Starkwindes in Port Ghalib zeigte es sich jedoch von seiner rauhen Seite. Wir hatten gut geplant, deswegen waren wir rechzeitig im sicheren Hafen eingelangt. Andere Yachten mussten nach sechzig Seemeilen umdrehen, denn wenn einmal der Nordwind bläst, ist es auch für die best höhenlaufende Yacht nicht mehr lustig oder vielmehr unmöglich gegenan zu gehen, da ist es besser kehrt zu machen und die mühsam erkämpften Meilen wieder zurückzusegeln. Mit Wetterbeobachtung, Gribfiles und ein wenig Feingefühl lagen wir richtig. Und die Wahrscheinlichkeit, im nördlichen Teil des Roten Meeres auf keine nördlichen Winde zu treffen, ist so groß wie auf einen nicht Bakschisch verlangenden Ägypter zu treffen!
Wir hatten Glück, Flaute aus Nord und Südwind - also motorten wir die letzten 300sm durch. Wir lieben es, am Meer und auf dem Ozean zu sein, aber 30 kn Gegenwind bei kurzer steiler See - na des brauchma net.
Rückblickend war der Sudan und Eritrea der schöne Teil für uns. Interessante, freundliche Menschen, sehr fischreiches Meer und aufregende Wüstenlandschaften. Haben die Zeit dort sehr genossen. So haben wir uns auch von den Strapazen und Aufregungen mit den Piraten im Golf von Aden erholt. Wie wir erfahren mussten, ist es nicht allen Seglern so gut ergangen. Eine französische Yacht wurde überfallen, der Skipper bei der Befreiungsaktion erschossen. Sind sehr froh, dass wir in unserer Gruppe keinerlei Schwierigkeiten hatten.
In Ägypten ist es mühsam, die Beamten sind unglaublich korrupt. Unser Pilot für den Suezkanal steckte einfach meine Sonnenbrille in seine Tasche. Da ich von anderen Seglern wusste, dass stehlen anscheinend üblich ist, ließen wir ihn nicht aus den Augen. So konnte ich mein Eigentum zurückfordern, er gab sie mir gelangweilt wieder, und am Ende der Fahrt wollte er doch tatsächlich noch ohne Skrupel extra 50 Dollar für seinen mühevollen Job, sechs Stunden an Deck zu sitzen und in die Luft zu schauen, bedient zu werden und unser WC anzupinkeln. Auch der Mann am Eingangstor der Marina will natürlich jedes Mal die Reisepässe sehen, interessanterweise hält er sie verkehrt rum. Er kann nicht lesen. Dann begutachtet er alle Stempel ca. 20 min lang und murmelt "Money, Money" vor sich hin. Erst als ich seinen Chef ausfindig mache und mich beschwere, ist dieses Spiel für zwei Tage beendet. Das Ägyptische Museum in Kairo entschädigte uns allerdings für viele solcher mühsamen Begegnungen. Es ist einfach fantastisch, und die Pyramiden sind auch imposant. Am Weg nach Hause (auf die Risho Maru) bekamen wir dann noch Islamunterricht. Muhamet, unser Taxidriver, konnte uns aber überhaupt nicht bekehren. Seine Ansichten sind so weit weg von uns, wie die Erde vom Jupiter. Ja, sogar noch weiter...
Vor uns liegt demnächst das Mittelmeer, und was das bedeutet, können wir uns noch gar nicht richtig vorstellen. Irgendwann in ein paar Wochen kreuzen wir unsere Kurslinie, die wir vor mehr als vier Jahren noch recht ahnungslos besegelten und das bedeutet dann wohl: wir haben's geschafft, wir haben die Welt umsegelt. Aber bis dahin liegen noch einige Abenteuer vor uns, und wir hoffen natürlich, dass alles gut läuft bis dahin!

Skipper Pete

Fotos

 

14.04.2009, Port Suez, Ägypten

Funkmail von der Risho Maru:

"Haben es geschafft! Sind gut in Port Suez gelandet! Hatten unglaubliches Schwein mit dem Wetter - Wind aus Süd und Flaute aus Nord (mehr kann man sich nicht erträumen im Roten Meer)! Ankern im Suez Yachtclub gleich am Eingang des Kanals und warten auf den Bootsvermesser - vielleicht geht es morgen schon weiter! Einen Tag motort man dann mit einem Piloten an Bord durch den Kanal und stoppt in Ismailia, der Marina mitten in einem See, noch ca 30 sm vom Mittelmeer entfernt. Dort werden wir ordentlich verschnaufen und uns Kairo und die Pyramiden anschauen - praktisch, Schulexkursion für Asterix-und-Kleopatra-Fan Finn!
Sind sehr glücklich, das Rote Meer so easy überstanden zu haben. Kein Starkwind-Aufkreuzen, Sturmsegel blieb immer eingepackt! Die wenigen Stopps, die wir hatten, waren wunderschön und entspannend! Sind noch immer mit unseren Freunden von Antares und Afriki unterwegs. Haben uns gegenseitig ziemlich ins Herz geschlossen und heute wird mit Sekt und der letzten aus Italien mitgebrachten Rotweinflasche gefeiert! Sind mächtig stolz auf uns! Europa wir kommen!
Alles Liebe
die euphorischen PAFs"

04.04.2009, Ägypten

Breite: 24° 09' N
Länge: 35° 41' E

Funkmail von der Risho Maru:

"Ankern auf Sand im Dolphin Reef. Nomen est Omen, unglaublich!!! Sind gerade mit 30-40 Delfinen geschwommen und geschnorchelt!
Wir, die PAFs, inmitten von Delfinen: neugieriges gegenseitiges Beäugen, Spielen, Tändeln, Nach- und Davonschwimmen! Ich liebe diese Viecher! Finn war natürlich von den Socken! Was für ein Erlebnis, für immer in unseren Herzen und Hirnen eingebrannt. Und was die Wiedergeburt betrifft, liebe Hinduisten - ich will ein Delfin werden! Peter bleibt beim Pelikan (werd' ihn schon noch umstimmen), beim Finn ist es klar oder? Del-Finn!
Tausend Delfinbussis nach Hause, die sehr glücklichen, begeisterten, ausgefrorenen PAFs"

29.03.2009, Sudan

Breite: 20° 38' N
Länge: 37° 13' E

Funkmail von der Risho Maru:

"Hängen immer noch fest. Haben aber den Ankerplatz in einer sehr kurzen Windpause gewechselt. Sind jetzt in einem Marsa, das ist eine in die Wüste geschnittene Bucht am Festland. Ganz toll! An Land unendliche Steppenwüste mit Gebüsch und Geröll. In der Ferne die hohen Wüstenberge des Sudan. Am Strand Kamele!!! Machen am Abend Lagerfeuer (Kameldung brennt wunderbar) mit unseren Seglerfreunden - noch 4 Schiffe sind da - und grillen Fisch. Die Wüste hat wirklich etwas Magisches, besonders wenn die Sonne ganz langsam versinkt und dieses Licht die ganze Szenerie sehr unwirklich scheinen lässt. Bin begeistert! Sind heute einfach in die Wüste gewandert - barfuß! Nichts weit und breit! Osterhase kommt erst in Ägypten - Eier sind ausgegangen..."

25.03.2009, Sudan

 

Funkmail von der Risho Maru:

"Mehr als die Hälfte des Roten Meeres geschafft. Und der Nordwind macht mit 30 Knoten seinen Einstand! Haben uns gut hinter dem Riff der Taila Inseln im Sudan versteckt und warten auf Flaute oder Leichtwind. Mit uns unsere liebsten Seglerfreunde - fad wir es da nicht! Aber kalt! Wolldecken und Neuseelandpyjama sind herausgeräumt und tagsüber grad mal 23 Grad... bibber... Port Sudan war superlässig - werden Bericht schicken, aber erst aus Ägypten. Internetcafés sind auf dem netten Sandinselchen vor uns nicht zu finden, nur viele Muscheln und Schildkrötenskelette. Igeln uns hier ein, Finn macht brav Schule und die Eltern schlafen sich aus! Ägypten liegt keine 180 sm mehr vor uns. Lassen uns hier aber Zeit - schönstes Schnorcheln und Fischen überhaupt, und zu früh im Mittelmeer ist auch kein Zuckerschlecken!
Alles bestens PAF"

18.03.2009, Eritrea

Breite: 17° 18' N
Länge: 39° 03' E

Funkmail von der Risho Maru:

"Alles paletti bei uns, passieren gerade die Küste Eritreas, morgen kommen wir im Sudan an. Nur mehr wenige Meilen und wir haben die erste Hälfte des Roten Meeres. Winde noch ganz gut, nicht gar zu stark von vorn. Jeden Tag Fisch an der Angel, Thuna oder Mahi Mahi, unglaublich. Pelikane, Delphinschulen - wirklich schön hier! Internetcafé liegt in weiter Ferne... und Bordmail sehr mühsam."

09.03.2009, Aden, Yemen Uligamo auf den Malediven oder Allah sei dank

Hallo, Leute, wir sind wieder im Netz! Zumindest zeitweise, denn Internetcafés in Yemen sind langsam und selten.
Aber hier in Aden gibt es die Aden Mall - ein Shoppingcenter! Riesengroß mit westlichem Supermarkt und einer Cappuccinobar.
Aber langsam, langsam. Zuletzt haben wir uns ja aus Sri Lanka gemeldet, zwar ohne Beweisfotos, aber ein Internetcafé zu finden, von dem man auch noch Fotos wegschicken kann, ist wirklich etwas zuviel verlangt, ihr verwöhnten Westler, da draußen!
Nach 4 Tagen Segeln von Sri Lanka erreichten wir Uligamo, die nördlichste Insel der Malediven. Leider sind wir furchtbar verwöhnt von der Südsee mit deren Lagunen und dem türkisen, glitzerweißen Sandgenuss im Palmenhain. Bedenke ich aber, dass ich in wenigen Monaten nur mehr träumen darf von Paradiesen wie den Malediven, nämlich dann, wenn ich die Wohnungstür in der Gersthoferstraße aufsperre und mein erster Blick vom Minibalkon in den grauen Hinterhof fällt, sollte ich mich doch etwas zusammenreißen und die Malediven in mein Herz schließen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, allen Seglerkollegen geht es wie mir.
Wobei, wenn ich gerade jetzt aus der Luke auf das schäbige, sandige Aden blicke, wird die Erinnerung an Uligamo umso zauberhafter!
Hier wie dort sind die Moslems zu Hause.
Wobei auf den Malediven eher gemäßigt. Natürlich, die Frauen tragen in Uligamo Kopftuch und lange (eng anliegende, bunte) Kleider. Nach einigen Tagen und einem tollen Fußballspiel der Segler gegen die Einheimischen lockerte sich die Stimmung abrupt und die Mädels des Dorfes luden die Seglermädels zum Völkerballspiel ein. Fühlte mich sehr unelegant in Crocs und Surferhose, verglichen zu den zarten Fatima-Schönheiten in Schleiern und Stöcklschuhen. Sie verpassten uns noch dazu eine ordentliche sportliche Abreibung!
Auch die Jungs hatten das Nachsehen. Fußball bei 36 Grad im Schatten muss man doch von klein auf gewohnt sein! Und von Schatten keine Rede - das Fussballfeld lag mitten in der prallen Sonne!
Flugs wurde ein gemeinsames Fest organisiert. Am Strand. Die Einheimischen brachten Kartoffelcurry, Melanzanisalat, Kokosnussdip und gebratenen Fisch, die Segler Schokokuchen, Linsen mit Speck, Kartoffelsalat und Krautfleckerl.
Die Einheimischen futterten den Schokokuchen, die Segler meine Krautfleckerl (Danke Tante Jolesch für das Rezept!). Ein paar junge Mädels waren da, aber keine der anderen Frauen des Dorfes, sowohl aber alle Männer. Allah sei Dank für diese ungerechte Aufteilung.
Dass die halbe Insel Uligamo von einem Investor aufgekauft wurde und gerade ein Resort dort entsteht, lässt für die Zukunft Schlimmes befürchten. Vor allem, ein Stacheldrahtzaun zweiteilt die Insel nun. Was die Einheimischen dazu sagen? Tja, gut und schlecht das Ganze. Gut, weil der Investor einen sicheren Hafen für die Fischer finanziert, schlecht, weil es plötzlich für einen Teil der Heimat heißt: Zutritt für Fremde (damit sind die Einheimischen gemeint) verboten.
Was aber wirklich erstaunlich war, die Stimmung auf dem Strandfest. Ein großes Lagerfeuer, einige einheimische Jungs trommelten und sangen, und nach einiger Zeit tanzten alle Segler, Fatimas, Skipper und Resortarbeiter wie die wilden zu den erdigen Trommelgesängen der Malediven.
Wilde Stimmung ohne Alkohol, ohne Drogen, ohne Lautsprecher oder irgendwas.
Mhmm. Darüber dachte ich dann lange nach. Vielleicht mach ich ein Trommelseminar für erschöpfte Karrierewestler im Waldviertel mit Lagerfeuer und Krautfleckerl. Dazu ungesüßten Schwarztee. Wer will, kann ein Kopftuch tragen. Handys sind aber erlaubt, die Jugendlichen auf Uligamo hatten ohne Ausnahme jeder eins. Auch die Mädels. "Um Facebook zu checken" erzählte mir die bildschöne Shalaia. Sie und ihre Freundinnen sind übrigens glühende Fans der deutschen Fußballnationalmannschaft.
Michael Ballack ist hier hoch im Kurs und lässt die Fatimas schwach werden! Muss doch glatt nachschauen, wie der ausschaut!
Bevor wir uns weiter aufmachten den Indischen Ozean zu überqueren, tanzten wir noch eine Runde mit den Mantarochen hier und beobachteten die Sonne, wie sie hinter der zukünftigen Resortinsel versank.
Unser Partystrand, von dem uns am nächsten Tag unsere Inselfreunde zum Abschied winkten, wird in wenigen Monaten nur mehr für zahlende Gäste zur Verfügung stehen - mit Alkohol, Lautsprechern und vielleicht sogar ein paar Drogen.

In Piratengewässern - Wer ist der Pirat?

In unserem Wikingerkonvoi (Antares, Helen Kate, Kika und Afriki) ging es also weiter über den Indigo. Die letzte große Ozeanüberquerung! 13 Tage später landeten wir sicher im Yemen.
Ich kann allen bestätigen, es ist kein gutes Gefühl, in so einer Gegend zu segeln.
Jedes Fischerboot wirkt verdächtig, am Funk auf 16 hört man Tanker, die Kriegsschiffe mit Mayday anrufen, E-Mails nervöser Segler treffen täglich an Bord ein. Dort Speedboote, da gekidnappte Tanker, dort unbeleuchtete Frachtschiffe. Die erste Hälfte am Indischen Ozean verlief ganz angenehm. Wir segelten in Sichtweite mit unseren Freunden, einmal näherte sich mit rasanter Fahrt ein Großfischerboot. Etwas zu nahe für meinen Geschmack betrachteten uns die in Kaftane gehüllten Figuren und verlangten nach Alkohol. Finn und ich winkten fröhlich, Peter schaute kapitänsmäßig streng, mein Herz raste. Sie entfernten sich wieder. 10 Minuten später wieder ein Schiff. Schauen, winken, lächeln, abweisen. Gut, dass die anderen Segler in der Nähe waren.
Als wir uns dem berühmten Korridor näherten, wurde es panisch am Funk. Der Korridor wurde von den United War Coalitions eingerichtet - eine Art militärisch überwachte Wasserstraße, die halbwegs sicher ist vor Piraten.
Komischerweise wurden aber gerade dort in den letzten 2 Wochen 3 Tanker gekidnappt. Natürlich bei vielen mehr wurde selbiges verhindert. Und dazwischen all die Segler, die ins Mittelmeer wollen.
Uns reichte eine Nacht dort.
Was war geschehen? Wir segelten nichts ahnend vor uns hin, plötzlich hörte ich am Funk einen panischen Mayday call eines griechischen Tankerkapitäns an ein amerikanisches Kriegsschiff.
"I see five suspicious targets on the radar. The position of the targets is..." Zuerst dachte ich, verflixt, diese Piraten sind genau auf unserer Position!
Jasper von der "Antares" erreichte den Tanker dann über sein AIS System, und als dieser schließlich doch an die Funke ging, stellte sich heraus, dass wir die "targets" waren! Man hielt uns für Piraten!
Der Tanker schaltete übrigens dann wieder seine Positionslichter ein. Man stelle sich vor: ein riesiges Schiff, ohne Lichter, irgendwo in der Nacht, mit bis zu 25 Knoten Geschwindigkeit unterwegs. Ganz normal im Korridor. Angeblich halten die dort guten Ausguck. Kann man nur hoffen.
Wir drehten ab und nahmen Kurs auf die yemenitische Küste. Die Überlegung war: Wenn die Piraten eh alle im Korridor sind, hat man an der Küste wahrscheinlich seine Ruhe oder wird zumindest nicht von einem Containerschiff überrollt.
Am Morgen in Landnähe empfingen uns freundliche Yemenitische Fischer. Thunfische wurden gegen Kekse getauscht. Shrimps gegen Zigaretten.
Kurz vor Al Mukalla erschreckte uns ein nächtlicher Besuch, der sich ohne Licht der Risho Maru auf wenige Meter nährte. Als Peter den Scheinwerfer auf sie richtete, starrten uns 3 vermummte Gestalten mit Maschinenpistolen an. Klassisch, dachte ich mir, Herz in der Hose (glücklicherweise sonst nix...). Ich reichte Peter die Signalpistole, gab unserem Konvoi bescheid, versteckte den Computer und dachte mir: das ist gar nicht witzig, wie schön wäre es jetzt im grauen Hinterhof in der Gersthoferstraße. Unsere Schiffe rückten eng zusammen, die Typen rückten ab. Den Rest der Nacht saß ich senkrecht in der Koje. Im Hafen von Al Mukalla stellte sich heraus, es war eine Patrouille der nahen Ölfirma - sie meldeten sich nicht auf Funk, weil sie kein Englisch können. Willkommen im Golf von Aden!
Al Mukalla war dann Orient pur. Dreckig, exotisch, Burkas, Riesenfladenbrote, Kebab, Muezzin (nach 10 Moscheen hörte ich auf zu zählen).
2 Tage fuhren wir ins Inland, durch das Wadi Hadramout, ein fruchtbares Tal, mit zahllosen uralten Städten aus Lehm. Mit den Ziegenhirtinnen und den engen Gassen sah es aus wie in einem österlichem Jesus-Film (Sorry Allah!). Unser stolzer Guide führte uns zum Haus eines gewissen Bin Laden. Lange verstorbener Vater eines anderen, ziemlich gewissenlosen, Bin Laden. Etwas beklommen machten wir Fotos, der Guide war glücklich. Tags darauf sahen wir das Manhattan der Wüste: Shaban. Turmhohe Lehmbauten, in den engen Gassen zahlose Souvenirverkäufer. Sandig und müde landeten wir wieder im Hafen und waren ehrlich gesagt froh in Europa geboren worden zu sein.
Jetzt in Aden versuchen wir mal all diese Eindrücke zu verdauen.
Die Augen der Burka Trägerinnen sind freundlich, im öffentliche Klo in der Shopping Mall lüften die Damen ihre Schleier und haben darunter bildhübsche Gesichter. Schminken sich wie alle Frauen auf der Welt die Augen nach, tratschen und kichern. Ich lache sie an, sie lachen zurück. In den Straßen aber vergeht mir das Lachen. Die Männer starren mich an oder ignorieren mich, wenn ich etwas frage.
Am ersten Tag in Aden landete ein Stein auf mir, aus dem Nirgendwo.
Lange Hosen, Langarm-T-Shirt und Kappe am Kopf reichen offensichtlich nicht.
Müsste ich als Europäerin hier leben, früher oder später würde ich mich auch hinter der Burka verstecken, um in Frieden gelassen zu werden.
Ich versuche das mit dem Stein zu vergessen und denk an den Herrn Nestroy, der sagte: "Es gibt überall gute und schlechte Leut'."
Für die Zukunft Yemens hoffe ich: mehr Gute.

Fotos Sri Lanka, Malediven und Yemen

 

01.03.2009, Al Mukalla, Yemen

Funkmail von der Risho Maru:

"Sind gut in Al Mukalla gelandet. War alles ganz schön aufregend. Unbeleuchtete Tanker, sehr interessierte Fischer, nächtliche Militärpatroullien (auch ohne Licht). Uff! Konvoi perfekt, werden auch Strecke nach Aden gemeinsam bewältigen. Hier tiefster Orient. Frauen in Burka, wenn man sie ueberhaupt sieht, Kebab an jedem Eck, deckengroße Fladenbrote und köstliche Datteln. Und alles unglaublich dreckig. Aber die Kulisse: vor den Wüstenbergen die maurischen Gebäude - Tausend und eine Nacht!
Salamaleikum
PAF"

27.02.2009

Breite: 14° 52' N
Länge: 50° 30' E

Funkmail von der Risho Maru:

"Noch 82 sm bis Al Mukalla, Jemen, vorrausichtlicher Landfall: 28 2. acht Uhr früh! Der Indische Ozean zeigt sich von der sanften Seite, 10 kn Wind. Jetzt schon 1312 sm (11 Tage) seit den Malediven gesegelt. Ursprünglichen Plan geändert, segeln jetzt an der Jemenitischen Küste entlang - im Korridor zu viel Aufregung bezüglich der Piraten - da fahren sogar Tanker unbeleuchtet daher, die spinnen total. Die Wahrscheinlichkeit von einem unbeleuchteten Tanker überrollt zu werden ist für uns höher als von einem Piraten aus Somalia geentert zu werden. Außerdem zahlreiche Kriegsschiffe (Funkkontakt) und Hubschrauber, alle vollkommen nervös. An der Küste kein Schiffsverkehr. Die jemenitischen Fischer deuten uns, dass es die richtige Entscheidung ist.
Segeln im Konvoi mit 4 Seglern (Nationalitäten: Kanada, Norwegen, Holland und England) immer auf Sichtkontakt - eine Super-Truppe. Bis jetzt sind wir nur freundlichen Fischern begegnet. Seegebiet entlang der Küste absolut fischreich. Delfinschulen (100-200 Delfine!), springende Mantarochen - einfach phantastisch. An Bord alles ok. Jeden Tag frischen Fisch. Keine Sorge, wir werden da gut durchkommen.
Eure Glücksritter Peter, Alex und Finn"

18.02.2009

Breite: 11° 04' N
Länge: 64° 43' E

Funkmail von der Risho Maru:

"Durchqueren den Indischen Ozean. In einer Woche sind wir in Jemen, Al Mukalla.Werden durch den militärisch eingerichteten Korridor der Handelsschiffahrt im Golf von Aden segeln, zumindest am Rande, wegen der Piratengefahr. Alle Segler sind in Gruppen organisiert und hoffen, so sicher durchzusegeln. In unserer Nähe 3 befreundete Segelboote, sozusagen unser Konvoi! Sind in Verbindung mit der Deutschen Fregatte Rheinland Pfalz, aber - nur zur Beruhigung aller zu Hause gebliebenen - die Piratenangriffe richten sich durchwegs an die großen Tanker und Kargoschiffe! Zur Zeit sehr guter Wind, sind flott unterwegs, aber rauhe See, ziemliches Gewackel!"

09.02.2009, Sri Lanka Sri Lanka: Chaos und Schönheit oder Warum der Finn nicht einschlafen kann

In Sri Lanka unterwegs zu sein bedeutet Chaos. Und erstaunlicherweise entwächst diesem Chaos nach einigem hin und her die allerschönste Ordnung. Am besten ist, man plant gar nichts.
Hier kam mir auch erstmals der Gedanke vielleicht wäre es gut, überhaupt nie irgendwas zu planen.
Aber irgendwie ist es in uns drinnen, in uns zivilisierten Westlern.
Zum Beispiel, dass es fixe Abfahrtszeiten, fixe Preise, ordentliche Jobs gibt. Das gibt es hier alles nicht. Und dennoch schaffen wir es, gut und bequem zu reisen und viel zu sehen.
Ach ja, wir dachten uns einen Driver zu engagieren, und mit ihm touristisch per Auto durch die Landschaft zu gondeln wäre einfach zu wenig indisch, besser Sri Lankisch!! Recht hatten wir, denn allein die Fahrten mit den diversen Öffis, wie Zug oder Expressbus, waren ein Erlebnis, Peter wusste das schon. Vor 30 Jahren hatte er per Rucksack die Insel erreicht und war jetzt sozusagen auf alten Spuren unterwegs.
Wir ließen die Risho gesichert an der Boje im schwer bewachten, gegen böse Tiger Tamilen abgeriegelten Militärhafen, packten die nach Bilge-Muffel duftenden Rucksäcke und bestiegen den ersten Zug nach Columbo.
Die Fahrt dorthin führte am Strand entlang, an wunderschönen Häusern mitten im Dschungel. Wir stoppten an Zugstationen, die ohne Umbauten in einem Film aus dem Jahre 1920 mitspielen könnten. Die Menschen im Zug lachten uns an, die draußen winkten fröhlich, die Kinder johlten.
Ein Einheimischer setzte sich zu uns, erzählte seine Lebensgeschichte und wollte dann Geld dafür. Das ist ziemlich typisch hier. Man(n) erfindet wirklich die unglaublichsten Jobs um an Geld zu kommen.
Dieser Herr hatte sogar etwas Deutsch gelernt um uns glaubhaft zu machen, er hätte in Stuttgart gearbeitet (wir trafen auf unserem Trip noch einige, die in Berlin, Wien, Duisburg und Köln gewesen waren). Als wir freundlich lächelnd nicht passend reagierten, beschloss er, heute Geburtstag zu haben, wir durften raten, wie alt er geworden war und schließlich schlug er vor, wir sollten doch etwas Geld für die Geburtstagsfeier beisteuern. Interessant war auch ein anderer Typ, der uns in Kandy, im Hochland, zum falschen Bus brachte, um vom Busfahrer eine fette Provision zu kassieren, wobei der Busfahrer dann wieder einen Teil des Fahrtgeldes einbehielt, als wir draufkamen, dass wir im falschen Bus saßen und ausstiegen.
Wieder zurück in Kandy trafen wir wieder genau auf denselben "Helfer", der ohne mit der Wimper zu zucken uns wieder einen falschen Bus anbot. Und so wimmelte es von Clodmillos - so nennen wir diese Art von Geschäftsmännern seit wir den Prototyp auf den San Blas Inseln kennenlernen durften.
Aber das tat unserer Reisefreude keinen Abbruch, trafen wir doch weit mehr nette und hilfsbereite Menschen.
Und der Finn fragt mal wieder eine seiner berühmten Fragen: "Du, Mama, gibt es in Österreich auch Clodmillos?"
Ich antwortete ihm ausweichend, indem ich ihn drauf aufmerksam machte, dass man in Österreich sicher nicht so Auto fährt wie hier. Nur damit er sich zu Hause nicht allzu sehr wundert.
Eine Fahrbahn, eine Gegenfahrbahn, es kommt aber schon vor, dass einem eine Reihe Fahrzeuge auf 3 Spuren entgegenkommt. Ich hab das dann den Busfahrern überlassen und gar nicht mehr aus dem Fenster geschaut. Nicht planen und nicht aus dem Fenster schauen. Andere Länder andere Sitten!
Und außerdem gibt es ja eh die Wiedergeburt! Die Kühe stehen hier auf der Straße bis die Autofahrer ihnen freundlich zurufen doch abzuhauen. Hunde dürften auch sehr angesehene Menschen gewesen sein, es gibt sie überall, und oft weicht ein Bus sehr riskant aus, weil ein Hund sich mitten auf der Straße gemütlich sonnt.
Kandy im Hochland empfing uns mit empfindlicher Kälte (15 Grad - meine Güte was sind wir verweichlicht...). Mit kalten Füssen saßen wir vor dem offenen Kaminfeuer und freuten uns über die köstliche Kanne Tee zum Aufwärmen!
Tee! Wenn, dann hier! Unser Zug ratterte an den wunderschönen Plantagen vorüber, Flüsse, Wasserfälle, Kräuter, Blumen, Sonne. Wie auch immer, ob BOP oder BOPF, ... hier muss man zum Teetrinker werden und einer bleiben - 5 Kilo Tee sind auf der Risho gut verstaut!
Kaschim, unser sehr liebenswürdiger Tuktuk-Fahrer (Tuk Tuk oder Bemo ist ein Gefährt auf 3 Rädern mit einem Viertaktmotor) kutschierte uns durch die Plantagen, die Hügel, an den romantisch gelegenen Süßwassersee in Nuara Aylia, zum verwinkelten, streng riechendem Markt der kleinen Stadt.
Trockenfische neben Rindfleischblutwurst, Säcke mit Chillischoten neben tropfenden Innereien. Scharf ist hier sowieso alles. Sogar die Erdnüsse, frisch am Markt gekauft - eine Chilliorgie! Das unverdächtig wirkende Snacksemmerl im Zug sorgt für verätzte Geschmacksknöspchen!
4 Tage durchstreifen wir den Süden Sri Lankas, sind erschöpft, begeistert, todmüde, verdreckt, überwältigt. Am letzten Tag, bevor wir mit dem schnellsten Expressbus Sri Lankas wieder nach Galle rasen, rumpeln wir noch per Jeep durch den Nationalpark Yala.
Unsere erste Safari! Wilde Elefanten, eine ganz Herde mit einem 2 Wochen alten Baby passieren die Straße direkt hinter uns. Andächtige Stille auf beiden Seiten, neugieriges Beäugen, Elefantenauge, Menschenauge. Dann verschwinden sie im geräuschvollen Dschungel. Krokodile, Wasserbüffel, Pfaue, Mungos, grasgrüne Singvögel - Bienenfresser genannt - und eine Landschaft zum Träumen. Aber zum Albtraümen als der Tsunami vor einigen Jahren hier Unheil brachte. Das Wasser kam bis einen Kilometer ins Landesinnere, die Elefanten und Büffel waren eine halbe Stunde zuvor zur Verwunderung der Parkguides ins Landesinnere geflüchtet.
Und was macht der Finn? Er hat den Kopf nur mehr voll mit den Mädls. Ach die Inderinnen, die er schon seit Singapur so vereehrt! Sie sind wirklich bildschön in ihren bunten Saris mit ihrem wunderschönen Lächeln und den armdicken Zöpfen!
Und sie lieben ihn! Überall ruft man ihm nach "Hello Baby, hello!" Was ihn natürlich etwas beleidigt, denn welches Baby hat dieselbe Schuhgröße wie Mama?
Die Schulmädchen in ihren blütenweißen Uniformen kichern ganz furchtbar, wenn er vorbeigeht (die sind mir zu jung, sagt er), die alten Frauen strahlen ihn an (die sind mir zu alt, sagt er). Die holden Schönen dazwischen lassen ihn am Abend nur ganz schwer einschlafen (Mama, gibt es in Wien auch Inderinnen? hofft er).
Wie sooft frage ich mich, wie sehr hat Finn diese Reise geprägt, wieviel wird bleiben, wenn er sich ab September eingliedert in das Leben in Österreich?
Jetzt gerade in diesem Augenblick, wir sind bereits auf den Malediven und ankern im türkisen Lagunenwasser, hat er Religionsunterricht in unserem Küchenrumpf.
Hanna, vom Segelboot Njord unterrichtet ihn. Sie ist Dänin und hat große Freude wieder mal ihren Lehrerberuf auszuüben.
Unterricht natürlich auf Englisch. Man spricht über Hinduismus und Islam. Letzteres als Vorbereitung für das Rote Meer, voriges als Erläuterung nach Sri Lanka und Bali. Gerade hat sie gesagt wie begeistert sie ist, dass Finn auch Englisch liest. Mein stolzes Mutterherz hüpft olympische Höchstsprünge!
Alle haben wir uns in Sri Lanka verliebt. Peter schon bei seiner ersten Reise , ich jetzt und der Finn wohl für immer. So wie in Vanuatu waren auch hier wieder die Menschen die größte Überraschung.
Herzlich, fröhlich, humorvoll, charmant.
Da war Masir, der muslimische Guesthousebesitzer in Kandy. Er servierte uns eine Schale scharfe Chillischoten in Sojasauce und wünschte und ein gutes, langes Leben! Aibuana!
Und am letzten Abend essen wir himmlisch indisch in Indian Hut in Galle.
Unser Tuk Tuk Driver drückt uns beim Aussteigen, nachdem er uns nach Hause gebracht hat, warmes Naanbrot in die Hand.
"You have honey on the boat?"
"Yes."
"Put honey on the Naan Bread and give it to Baby for eat. Is very healthy."
"Baby" Finn verschlingt es begeistert zum Frühstück und eines ist ihm klar: Nicht nur die Inderinnen sind toll, auch das indische Essen ist vom feinsten.
Und wieder einen Lektion gelernt: Liebe geht durch den Magen, Baby!

04.02.2009, Sri Lanka Ein Tag auf dem Indischen Ozean
Captain's Speech

Rückblick auf den 24 01.2009
2h nachts: Alexandra weckt mich auf, meine Wache beginnt. Kurzer Rundgang mit der Taschenlampe, an Deck alles ok. Stelle den Wecker, bin noch etwas trübe im Kopf, da hilft Musik. I-Pod an das Ohr, höre zero7, denke an Thailand, das wir vor sechs Tagen verlassen haben. So eine Überfahrt ist gut, um all das erlebte noch einmal zu durchdenken.
3h15: Alexandra muss leider aufstehen. Binden ein Reff ins Großsegel, der Wind hat zugelegt, 25 kn. Alles ok, sie taumelt wieder in die Koje.
5h30: Es wird hell, bringe beide Angeln aus. Ist die beste Zeit zum Fischen.
8h; Finn weckt Mama Er macht heute das Frühstück: Müsli, Cornflakes, Tee und unser herrliches Bord- Brot beleben die Sinne.
9h: Logbucheintragung - Datum, Uhrzeit, Barometerstand, Wetter und kurze Texteintragung, und die Position, die ist am wichtigsten. Etwa 148 Seemeilen seit gestern 9h, es lauft ganz gut. "Fisch, Fisch!" Finn ruft mich an die Angel. Schnell an Deck, doch leider ist der Gummistropp ab. Dann ein Ruck und ich weiß, der Köder ist ab - Sch….. Stahlvorfach durchgebissen, wohl ein Hai oder ein großer Barracuda. Finn spult die Leine ein, neuer Köder und wieder zurück in den Ozean.
10h: Funkrunde - Ian aus Kanada leitet die Runde, es werden Positionen ausgetauscht und Neuigkeiten erzählt. Ingwill von der Helen Kate ist seit mehreren Tagen krank, hat sich in Thailand einen Darmvirus geholt. Wir sprechen ihr Mut zu, und es werden Tipps für ihre Heilung gegeben. Sechs Boote sind auf dem Weg, Boote aus Kanada, Norwegen, Dänemark, Holland, eine bunte Runde. Wir versuchen ein Sicherheitsnetz für den Golf von Aden und das Rote Meer aufzubauen. Jeder von uns kennt die Geschichten über die Piraten in dieser Region, und wir wollen da gemeinsam durch.
11h: Nachrichten der Deutschen Welle auf 6075 kHz. Barack Obama wurde gestern angelobt, höre einige Auszüge seiner Rede.
12h: Erreiche die Airmailstation Bombay über Funk, bekomme meine Gribfiles rein: Wetter und Windprognose für die nächsten fünf Tage. Fünfzehn Knoten Wind und meist klarer Himmel, das sieht gut aus.
Schule ist aus und zu Mittag gibt es Fladenbrot mit Eiaufstrich. Finn ist gerne der Koch, und er macht seine Sache prima. Alex und ich versuchen jetzt zu ruhen und vielleicht ein wenig Schlaf zu bekommen. Für Finn ist Asterix angesagt, er muss nur alle zehn Minuten einen Rundblick machen, wir hören im Halbschlaf: "Die Noo, die Noo… Normannen . Asterix und die Normannen, ach so, alles klar. Alle 20 Minuten ertönt trotzdem die Eieruhr für einen Rundblick. Langsam kommen wir der Südostspitze Sri Lankas näher, und da ist mit erhöhtem Schiffsverkehr zu rechnen. Auf der Seekarte ist ein Schiffsverkehr-Trennungsgebiet eingezeichnet, na die Fischer halten sich sicher nicht daran. Positionseintragung auf hoher See alle fünf Stunden, das genügt, in Landnähe öfter.
16h30: Rundgang über das Schiff, alles wird kontrolliert: Fallen, Taue, Blöcke usw. Kleine Reparatur an der Steuerbord-Winsch, das Kugellager macht mir schon länger Probleme, bis ins Mittelmeer soll es noch halten.
Fisch, Fisch! Der Gummistropp spannt ganz durch. Beim Einholen der Leine erkenne ich einen fetten Wahoo. Die kämpfen wenig, sind schnell erschöpft und daher leichter einzuholen. Habe den Fisch längsseits, und mit einem guten Zug bringe ich ihn auf den Lattenrost vor dem Großmast. Mit dem Messer ein Stich zwischen Kiemen und Augen und nach zwei, drei Zuckungen ist der Fisch tot. Das geht nach vier Jahren so schnell, dass ich kein großes Problem mehr damit habe. Filetieren und der Rest geht über Bord. Heute Abend gibt es frischen Fisch.
Noch 96 Seemeilen nach Galle Harbour. Lese das Hafenhandbuch und im Laptop hab ich noch einige Revierberichte aus dem Internet raufgeladen. War mit 20 Jahren in Sri Lanka, ob sich da viel geändert hat…?
19h: Sonnenuntergang im Indigo, wunderschön, genießen die Abendstimmung. Der Fisch schmeckt hervorragend. Das wird mir richtig fehlen in Österreich. Der Rest der Filets wird in Streifen geschnitten, eingesalzen, eingelegt und morgen zum Trocknen in die Sonne gehängt, das schmeckt dann so wie Tiroler Speck - na fast so... Tauschen noch einige Gutenachtgeschichten aus während die Nacht dunkler wird um uns herum. Tausend Sterne erhellen den Himmel, nur der Mond lässt sich noch Zeit, in etwa drei Stunden werden wir ihn sehen. Das Siebengestirn direkt über uns. Ich lausche Jacques Brel - La Cathédrale. In dem Song geht es um seine Pazifiküberquerung, er war auch Segler. Wind konstant NNE 15 kn, Welle eineinhalb Meter, wir schweben.
21h23: Ein Schiff in Sicht, Positionslicht Rot an unserer Backbordseite, alles ok, hält Kurs auf die Malacca Street.
Blicke kurz in die Koje, die beiden schlafen wohlig eingerollt. Ich denke: welch ein Glück habe ich mit ihnen über den Indigo zu segeln.

Skipper Pete

P.S. Sind vor vier Tagen in Sri Lanka angekommen, demnächst mehr davon...

26.01.2009, Galle, Sri Lanka

Kurzinfo von der Risho Maru:

"Nach 7 Tagen herrlichem Segeln sind wir gut in Galle, einer Hafenstadt im südlichen Sri Lanka, eingelaufen!"

19.01.2009, kurz vor dem Sombrero Channel bei den Nicobaren

Funkmail von der Risho Maru:

"Sind on the road to Sri Lanka. Alles bestens an Bord, schönes Segeln! Werden an die 8 oder 9 Tage unterwegs sein."

09.01.2009, Thailand Auf einem anderen Planeten

Irgendwie habe ich immer wenn Besuch von zu Hause kommt das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu leben. Dem Planeten Risho Maru, kreisend im Segleruniversum, viele Lichtjahre von Alltagswelten entfernt. Für den Besuch sehen wir vielleicht auch aus wie Außerirdische. Oder der Besuch für uns? Andrea, Peters Schwester und Tini, Peters Nichte entstiegen dem Flugzeug aus München dickverpackt in Hüllen, die man Winterjacke, Pullover und Jeans nennt, an den Füßen seltsame Geräte, die den ganzen Fuß fast bis zum Knie verhüllen und Stiefel genannt werden.
Tini zerrte hinter sich eine Art Stoffhund auf Rädern, Doggengröße und sie stieß schnaufend Worte aus " Alles für euch... jeder... was... mitgeben... Sch... Koffer." Andrea ging nach hinten gebeugt, auf Grund eines überdimensionalen Segelsacks - nicht mit einem Spinnaker gefüllt oder einer Sturmfock, nein, nein. Auch sie schnaufte erschöpft "Für euch… hoffe, ihr könnt mir was zum anziehen... Zahnbürste borgen."
Song, unser Taxifahrer, hatte endlich das Wort Tourist auf englisch verstanden. Er schaute die beiden neugierig an und lächelte sein Buddhalächeln: "Tourist?"
In Nai Harn angekommen, packte Peter zuerst das Dinghy mit dem Gepäck und ließ die beiden Neuankömmlinge mit Finn am Strand zurück. Da standen sie, die bleichen Winterfüße im warmen Sand an einem Dezember Donnerstag vormittag und blickten auf die Wellen, die die Felsen am Strand umspülten. Vor ihnen das Kind der außerirdischen Verwandtschaft: Finn, braungebrannt, barfuß, mit Hut, fleckiger Seglerhose, Sommersprossen im Gesicht, grinsend "Kaum Schwell - gut zum Anlegen hier, das Massama Curry im Lokal ist schon scharf, kennst du Rage against the Machine, Tini?"
Andrea und Tini schälten sich auf der Risho Maru zu allererst aus ihren Winterschichten und gingen schwimmen. Wir nicht. Nur Finn folgte etwas widerwillig. Wer immer am Meer lebt und in der Südsee im Türkiswasser schwamm, wird wählerisch. Seltsam diese Außerirdischen, dachten die beiden und Andrea fragte, wo ich die Wäsche bügelte. Sie sei so glatt. Bügeln? Gibt es auf diesem Planeten nicht. An die Luft hängen - aushängen.
Zusammengequetscht saßen wir im Cockpit und aßen am Minicampingtisch Baguette und Camembert. Dazu Schwarztee mit Limette. Die anderen Sterne des Segleruniversums schwebten in gutem Abstand um uns. "Das sind die Espis, da hinten Afriki und vorne Antares und Njord" sagte Finn und berichtete Freund Yannik per Funkgerät von den Neuankömmlingen.
Wie Raubtiere stürzten wir uns auf die mitgebrachten Weihnachtskekse, gebacken von den Frauen aus Andreas Turngruppe. Wir sind wohl die einzigen Österreicher, die am 25. Dezember noch Weihnachtskekse sehen und essen wollen. Anderer Planet eben. Als unsere erschöpften Gäste schliefen, blätterte ich durch ein Magazin mit demTitel Woman. Seltsame Galaxie dieses Österreich schoss es mir durch den Kopf, ein hässlicher Mann names Lugner, Yoga am Pferd, eine Winterjackenausstellung, Starmaniacs, Advent Shopping.
Am Abend saßen wir in unserem Stammlokal am Strand. Sonnenuntergang. Die Seglerfreunde um unsere Gäste platziert, plauderten über falsch genähte Segel, kaputte Klopumpen, Wassermacherteile, während hinter ihren Köpfen die Sonne als "Gluatmugl" zischend in das Meer eintauchte. Alles Rosa, orange, pink. Die Jetlag-Augen von Andrea und Tini glänzten im unwirklichen Glanz des Augenblicks. Wenige Minuten später färbte die scharfe Kokosmilch-Chicken-Soup mit Lemongras die noch etwas blassen Wangen der beiden ebenso rosa wie die letzten Strahlen der Sonne den indischen Ozean.
" So schön" wisperte Tini. "So scharf" keuchte Andrea.
Vor dem Schlafengehen wurde noch mal Weihnachten gefeiert. Ein Geschenkeregen prasselte auf uns nieder. Steirische Weihnachten mit Honigkerzen, Marzipan, Tannengrün, Strohgestirn.
Tini und Andrea staunten als die Außerirdischen bei Mannerschnitten und Aspirin C Brause aufjohlten, Milkaschoko ebenso wie Kletzenbrot in sich hineinstopften, Kernöl schnupperten und den Sanddornlikör aus dem Garten Haring (auch eine ganz spezielle Galaxie!) nicht nur verkosteten, sondern austranken. Auf unserem Planeten spürte ich beim Auspacken all dieser wunderbaren Geschenke ganz stark das Gefühl, dass da draußen ganz viele Leute an uns denken und sich freuen, uns bald wieder zu sehen. Gutes Gefühl. Danke.
Natürlich wollten wir unsere Gäste voll und ganz bei uns aufnehmen und in die Geheimnisse und Eigenheiten des Segleralls einweihen. So segelten wir natürlich ein Stück, um ihnen unsere Fortbewegungsart näher zu bringen. Sie mochten es, glaube ich, denn beide saßen begeistert am Steuer und selbst auf einem sehr wackeligen Ankerplatz wurden sie nicht griesgrämig.
Tini schlief sich in Rishos beruhigendem Bauch aus dem Alltagstress, Andrea ihres Zeichens Volksschullehrerin, interessierte sich für die Schulbildung ihres außerhalb des üblichen Schulsystems kreisenden Neffen. Was sind Frühlingsboten - keine Ahnung, aber die Commodo Warane in Rinca fressen einmal im Monat ein Rind. 7 mal 8? 56. Weißt du, dass in Opua in der Schule alle den Haka Tanz lernen müssen? Gibt es bei dir schlimme Buben in der Klasse?
Die Leistungsüberprüfung, von der Bordlehrerin erbeten, fiel gut aus - für Schüler und Bordlehrerin.(glaube, die Bordlehrerin war um einiges nervöser). Finn freute sich täglich auf Schule mit einer echten Lehrerin. Viel besser als mit dir, Mama, du bist viel strenger!
Und die echte Lehrerin schien Freude zu haben mit ihrem willigen und begeisterten außerplanetarischen Neffen.
Die Abende verbrachten wir mit den beiden entweder in unserem Stammlokal inklusive perfektem Sonnenuntergang oder bei einem Drink im Nobelresort mit Blick auf die sich im Meer spiegelnden Lichter der kitschigsten Weihnachtsbäume der Welt. Die Tage verstrichen bei vielen Gesprächen und ein bisschen Sightseeing. Buddha ehrten wir mit dem Anzünden von Räucherstäbchen und die Souvenierläden mit dem Einkauf günstiger Perlenketten. Tini, Schauspielerin von Beruf, klapste buddhistischen Mönchen freundschaftlich auf die Schulter für ein Foto und versank beinahe im Boden, als sie sah, dass die Thaifamilie nach uns sich vor den Mönchen hinkniete und sie ehrte. Naja, Dezenz ist Schwäche und, soweit ich mich erinnern kann, für den Schauspielerberuf sowieso nicht erwünscht! Andrea indessen ging auf Tuchfühlung mit einem netten Elefanten, der sich für einige Ananasscheiben gerne herzen ließ.
Verwirrend war für die beiden sicher die Tatsache, dass auf unserem Planeten Internet und Handy zweitrangig ist, wo man die Wäsche waschen kann und wo die Ersatzschiffsschraube zu kriegen ist, jedoch absoluten Vorrang hat. Wo für sie ein hiesiger Supermarkt Fremdland ist, ist er für uns inzwischen ganz klar durchschaubar. Pulvermilch statt echter, Butter mit Salz hält länger, Vollkornmehl ist schwer zu kriegen aber doch, gekühltes Gemüse wird schneller schlecht, Süßwasser heißt Sparen, die Verkäuferin an der Kasse faltet nicht die Hände um uns anzubeten, sondern sie bedankt sich. Drachenfrucht schmeckt nach Kiwi, Mangos sind ein Traum, Lemongras nur als Suppengewürz und zum Auszuzeln, aber nicht zum essen. Der bunte Papageienfisch schmeckt wie Forelle, Limetten sind Vitamine pur. Schwimmen in der Nacht ist was für Greenhorns, Aussteigen aus dem Dinghy ist manchmal tricky (dies bescherte Andrea eine vor allem feuchte, aber doch fröhliche Silvesternacht).
Tini tanzte beim Schnorcheln mit den Oktopussen in Raya, Andrea mit dem Moped auf den Hügeln um Nai Harn. Wir alle schwangen auf der Risho um Mitternacht das Tanzbein zu Wiener Blut, um das Jahr 2009 willkommen zu heißen. Um uns leuchtete der Himmel im Schein der zahllosen Feuerwerke und unzählbar viele Lampions stiegen vom Strand auf und umkreisten unseren Privatplaneten Risho Maru.
So kurz die beiden da waren, so schnell passten sie sich dem Seglerleben an. Duschen im Meer, Klo unter Sternen, Schlafen nach einigen Anpassungschwierigkeiten in der engen Kabine recht gut. Nasser Popo nach dem Dinghyfahren normal, frisch gebackenes Brot auf der Risho ebenso.
Gelassen, offen , fröhlich - meine angeheiratete Verwandtschaft ist einfach perfekt. Finn genoss Tante und Cousine in vollen Zügen. Schmusen, erzählen, lernen, blödeln, lachen.
Eine wunderbare Zeit - viel zu schnell vorbei und unvergesslich. Für die beiden hoffentlich auch, und nicht nur wegen der Schlepperei. Nach einer Woche im Segelerall standen die beiden wieder ihn ihren Stiefeln am Flughafen, die Taschen wieder randvoll gepackt, Geschenke natürlich, aber auch vieles, um die Risho ein bisschen leichter zu machen für den Rest der Strecke.
Und jetzt sind die beiden wohlbehalten wieder zu Hause. Tini probt für's Theater, Andrea rüstet sich wieder für ihre im Schulsytem kreisenden Erstklassler. Vielleicht aber denken sie ab und zu an diesen manchmal schauckeligen Planeten Rishomaru, an das Lemongras in der Kokosmilch, das Pink der untergehenden Sonne und an ihre außerirdische Verwandtschaft, die sich langsam aber sicher der heimatlichen Galaxie wieder annähert und sich auf ihre Familie freut!

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16.12.2008, Thailand Es weihnachtet sehr...

Und schon sind wir in Thailand. Die Zeit rennt. Weihnachten naht - kaum zu überhören in jedem Supermarktradio! Stille Nacht auf Thai, Malaysisch, Chinesisch! Riesige Plastiktannenbäume mit Gummibröselschneebelag vor den Shopping Malls, Rentiere zwischen asiatischen Reistöpfen, glitzernde Girlanden über getrocknetem Fisch-Knabbergebäck. Natürlich wird auch auf der Risho die vorweihnachtliche Zeit gefeiert. Der Finn spielt ganz wunderbar die größten Weihnachtshits auf der Gitarre und Seglerfreunde kommen in den Genuss eines Adventsingens bei uns an Bord mit finnischen Cornflakesweihnachtskeksen.
Nach dem ersten Adventsonntag verabschiedeten wir uns von Malaysien, Lankawi und Bobby Schenk. Herr Schenk ist am Blauwasser Segler Himmel ein Fixstern. Die von ihm noch nicht gehört haben, werden sich nach dieser Story wundern, was Segler so tun wenn keiner zuschaut!
Jetzt liegen wir in der entspannten Nai Harn Bucht im Süden von Phuket und sind eines von 5 österreichischen Schiffen in der Bucht. Man merkt, die Heimat naht, man spricht hier viel deutsch, kann Schnitzel essen und, wer will, findet die Köchin dazu unter den zahllosen Thaigirls. Und gestern waren wir beim Thai Boxen und im Carrefour Käse kaufen. Aber alles der Reihe nach!

Zurück nach Lankawi und Vorhang auf für:
Kart Fahren mit Bobby Schenk

Bobby Schenk, sozusagen der Harrison Ford der Fahrtensegler legt sich voll ins Zeug, aber nicht mit Vollzeug! Sein Fortbewegungsvehikel ist kein schnittiges Segelboot oder ein leichtfüßiger Katamaran - oh nein - es bewegt sich auf vier Rädern und ist fest verbunden mit dem Land! Ein Kart Wagen! Sicher nicht so majestätisch wie so manche Yacht, aber blitzschnell, weil sein Fahrer im knallorangen Rennoverall genau weiß, wie er die Kurven kratzt und die restlichen Mitfahrer (alles Segler) stehen lässt.
Grinsend stülpt er sich seinen Helm vom verschwitzen Haupt und freut sich wie ein Schneekönig, dass seine Fahrtzeit von den anderen nicht annähernd erreicht wurde! Hihi!
Die Segler, darunter mein Ehemann, wirken etwas irritiert, schien doch bislang das Kart fahren eher als nette Nachmittagsbeschäftigung und ganz und gar nicht als Rennsport. Aber Kart fahren mit Bobby Schenk, wie könnte das langweilig sein mit einem Mann, der mehrmals die Welt umsegelte - in alle möglichen Richtungen - einen Pilotenschein besitzt und nicht so aussieht, als würde er demnächst so etwas langweiliges wie den Ruhestand antreten. Ebenso seine Frau Carla, so wie Carl nur mit a, meint sie bei der Vorstellung. Also an Carl denkt man sicher nicht wenn man diese Frau sieht, eher an Meryl Streep! Ihr trockener Humor, ihre blitzenden Augen, ihre schlanke Gestalt lassen mich überlegen, ob Segeln der Schlüssel zu ewiger Jugend sein könnte! Die beiden sind wirklich beeindruckend und es würde mich nicht wundern, wären sie nächstens dabei, Kite Surfen zu lernen. Oder haben sie das schon längst abgehakt?
Carla war zwar nicht beim Kart fahren, aber beim Fitnesstraining. Als ich ihr zur Vorweihnachtszeit einen Strohstern schenke, meint sie fröhlich "Ich hab ja nie eine Ahnung, wann diese Feiertage sind, manchmal zu Hause in München geh ich zum Friseur und will einen Termin für einen bestimmten Tag und dann klären mich die dort auf, dass da Weihnachten ist!" Eine Seefrau wie sie im Bilderbuch steht!
Und so verbringen wir also den Tag mit Kart Fahren und über's Segeln wird nur marginal geredet, was sehr selten unter Seglern ist. Und ich finde eine ausgesprochen erfrischende Abwechslung. Das Traumpaar, Harrison Schenk und Carla Streep! Ich bin ja eher ein Kinofan, vielleicht lese ich jetzt aber doch endlich mein erstes Segelbuch!
Geschrieben hat Bobby Schenk davon ja einige und dass die beiden keine Abenteurer ausgelassen haben, ist ziemlich offensichtlich. Ich geh jetzt wieder Segeln. Meryl hat ausgedient, Carla ist das neue Idol!

Nach diesem Intermezzo, an das ich gerne zurückdenke, weil es immer herrlich ist Leute zu treffen, die anderes im Sinn haben als zu rasten und zu rosten, ging es also auf nach Thailand.
Kurz vor dem Wegsegeln kam mir im Yachtclub ein Werbemagazin für Phuket in die Hände. "Phuket im Dezember!" Stand da in großen Lettern über einem ernüchternden Foto. Man sah rot angeröstete Leiber in Liegestühlen zu Hauf an einem Strand liegen, der auch in Lignano sein könnte. Zwei Thai-Masseurinnen mühten sich gerade mit zwei gewaltigen Fleischbergen im Vordergrund des Bildes ab. Es stellte sich heraus, der Artikel war nicht zynisch gemeint, sondern pries Phuket und seine vielen Freizeitmöglichkeiten in höchsten Tönen. Schluck.
Wir beruhigten uns mit der Tatsache, dass wir immer noch nach Malaysien zurücksegeln können, sollte es uns gar nicht gefallen.
Der erste Ankerplatz Kho Lipe machte uns ein für alle mal klar, hier blüht der Tourismus. Erstmals flüchteten wir nach nur wenigen Stunden, um schnell wieder zum angeblich weniger überlaufenen Festland Thailands zu segeln. Der Wind, der seit Monaten auf sich warten lassen hatte, frischte genau an diesem Tag auf und zwar mit einem wunderschönen Dreh gegen uns. Wir landeten müde und entnervt am bislang schönsten Ankerplatz Thailands (wussten wir zu diesem Zeitpunkt zwar nicht, aber irgendwie ahnten wir es) Ko Bulan, ein Stiller Fjord, Affen am Strand, Urwaldgeräusche in der Nacht. Aber wie der Mensch auf der Risho Maru so ist, war es dann doch ein bisserl gar einsam dort und wir segelten weiter nach Kho Muk, einer Insel, die berühmt ist wegen der Emerald Cave. Diese Höhle erreicht man nur indem man durch einen stockdunklen Gang schnorchelt, durch stockdunkles Wasser mit den bollernden Geräuschen der Brandung im Hintergrund, die durch die Felswände unheimlich verstärkt wurden. Für mich der Stoff aus dem Albträume sind und deshalb berichtet Peter von drinnen: Eine Öffnung nach oben ließ Licht in die Höhle und mit Glück sogar emeraldblaues Licht, wenn der Himmel diese Farbe wiederspiegelte.
Resorts gibt es in Thailand offensichtlich an jedem freien Strand, was aber in diesem Fall schön war. Wir saßen und dinierten fein am Sandstrand. Fackeln beleuchteten unsere köstlichen Thai Gerichte: Green Curry mit Shrimps, Yellow Curry mit Huhn, und "Beef with Garlic, Ginger and Pepper". Also diesmal hat der Weihnachtsspeck an unseren Hüften sicher nicht mit Weihnachtskeksen zu tun!
Oder vielleicht saugt Adrenalin das Fett eh wieder ab. Bei der Heimfahrt mit dem Dinghy, besser beim Ablegen vom Strand (natürlich im Stockdunklen) stiegen drei Megawellen in das Dinghy ein. Nur durch Peters wohlwissendes Surfergefühl schafften wir es, nicht wie viele andere kopfüber am Strand zu landen, dafür aber waschelnass auf der Risho. Abenteuer selbst nach einem romantischen Candlelight Dinner!
Am nächsten Tag durchstreiften wir die Insel, vom Westresort zum Südresort. Dazwischen lag ein Thaidorf auf Stelzen, wiederaufgebaut nach der Tsunamikatastrophe. An den Bäumen auf den umliegenden Hügeln, die als Evakuierungs Zone im Notfall gekennzeichnet sind, hingen schwarze Becher, die Bäume waren angeschnitzt und weißer Saft tropfte in die Gefäße. Dieser wird später gesammelt, mit Wasser gekocht und nach einigen anderen Prozeduren von Frauen mit den Füßen platt getreten und zum Trocknen aufgehängt. Gummiherstellung!
Leider mussten wir weiter, da die Offiziellen in Thailand es nicht gerne sehen, klariert man nicht nach mindestens einer Woche im Land ein. Und so landeten wir schließlich in Phuket, Ao Chalong. Seglertreff, zahllose Schiffe, am Ufer Seglerlokale und, wie wir beim Abendspaziergang feststellten, Bars mit sehr willigen Damen! Vielleicht nicht ganz der richtige Ort für einen neunjährigen Finn, aber Ilse von der Esperanza meinte, ist schon gut so, geht er nicht ganz blauäugig in die Welt hinaus. Abgesehen davon fand er die Mädls eh schiach. Nichts gegen die bezaubernden Inderinnen seiner süßen Träume!
Und gestern waren wir dann beim Thai Kickboxen. Zuerst, als wir vor Beginn des Kampfes durch die rotlichtigen Straßen des Kata Beach wandelten, dachte ich mir, also das ist definitiv nicht der Platz für Kinder. Bis ich dann all die Kinder der Thailand Urlauber hier sah. Vom Baby bis zum 12 jährigen. Vielleicht bin ich wirklich ein bisschen realitätsfern und will meinen Sohn vor dieser bösen Welt zu sehr beschützen - was am Segelboot durchaus gut geht.

Thaiboxen mit Anurak

Beim diesem Thai Box Kampf handelte es sich laut Aussagen unseres Taxifahrers Zong um eine Art Meisterschaft. Ich fürchtete mich schon etwas, da ich mir das ganze unendlich langweilig vorstellte, vor allem auch für Finn. Aber weit gefehlt. Da saß ich nun und schnellte aus meinem Sitz sobald ein Kampf sich in der 5. Runde seinem Höhepunkt entgegensteigerte. Man könnte sagen: die Fetzen flogen! Finn war sprachlos und dann völlig aus dem Häuschen! Ab Altersgruppe 7 bis zu den ganz großen Superprofis faszinierten diese Kämpfer mit unglaublicher Schnelligkeit, Präzision und einem, ich muss es zugeben, nicht ungeringem Touch von Brutalität. Das ganze wurde von aufputschender Live Musik untermalt - traditionelle Klänge mit Trommeln und Schalmeien - und dann noch das immer wieder aufwallende Thai Staccato der anfeuernden Fans. Zwischen den Kämpfen wurden auf einer Breitleinwand Videos von kaum bekleideten Tanzgirls gezeigt. Ich schielte zu Finn und überlegte, ob es jetzt angebracht wäre, ihm die Augen zuzuhalten, aber nachdem ein 10 jähriger Kämpfer seinen Gegner gerade mit einer Mischung aus buddhistischer Konzentration und akrobatischem Beinballett zur Schnecke gemacht hatte, war mir klar: he can take it! Mit offenem Mund saß Finn da und ich dachte, besser so als irgend ein vertrotteltes Computer Brutalo Game, das ihn im Moment nicht interessiert. Die richtige Welt hier draußen scheint spannender zu sein und ihm mehr Spaß zu machen.
Anurak, ein schielender Muskel-Thai, katapultierte seinen Gegner M16 in der 3. Runde aus dem Ring, Rod, der einizige Engländer, machte deutlich, dass er mehr boxt als kickt, nicht nur uns, sondern vor allem seinem völlig erledigten Gegner Wasanlek. Dann stürzte sich Supergolf ins Geschehen, glatzig und Idealbesetzung für einen Berufskiller. Sein Gegner Pechmai, mit leichtem Schwimmreifen, machte ihm aber ein für alle mal klar: Aussehen ist nicht alles!
Ich merke, ich steigere mich wieder rein! Als dann der Ticketverkäufer die ersten Wetten entgegen nahm, war ich knapp daran auch einen Hunderter zu zücken, sah aber dann die großen Augen meines Sohnes und hatte mich gleich wieder im Griff!
Wow! What a night!

Heute sitzen wir wieder brav auf der Risho. Gut, dass Sonntag ist und wir keine Schule machen müssen. Finn sitzt in seiner Koje und malt. Supergolf im K.O. und Rod, den sommersprossigen Box Briten.
Natürlich ist hier in Nai Harn der Strand auch von Resorts gesäumt, aber erstaunlich wenige Touristen tummeln sich hier.
Wir haben genug zu tun. Unser Taxifahrer Zong kann nicht verstehen, warum wir lieber 5 mal zum Segemacher und zu den Marinegeschäften fahren als zum Elefantentrail und der Urwaldtour. Risho kriegt eine neue Fock, um den Gegenwinden des Roten Meeres zu trotzen und auch sonst gibt es, wie immer, genug zu checken und zu machen. Und natürlich heute wieder ein Adventsingen, der 3. Advent. Bald kommen Tante Andrea und Cousine Tini und die beiden sind das schönste Weihnachtsgeschenk für uns!
Weihnachten! Schneechaos in Österreich und hier lacht die Sonne schelmisch vom Himmel und das Wasser ist lau und seidig. Sicher viele Touristen hier, und viele ziemlich grauselige Gestalten dabei, aber diese Sonnenuntergänge Thailands, das satte Grün der Inseln, das Essen! Und wir haben ja unsere Risho, unseren fixen Strand sozusagen, ohne Liegestühle und Souvenirverkäufer.
Und es gibt den Carrefour mit richtigem Käse! Eine Italian Bakery und eine French Boulangerie am Strand! Auch Biojogurt aus dem Schwarzwald ist zu kriegen.
Manchmal ist Tourismus doch ganz fein...

PS Übrigens Willkommen Ilvy! Gratulation an die frischgebackenen Eltern Dave und Synnova!

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27.11.2008, Malaysia Die Straße von Malaka und bald kommt der Nikolaus!

Wir sind in Lankawi, letzte malayische Insel vor Thailand und bald kommt der Nikolaus!
Lieber Nikolaus, dem Murl, unserem Diesel Außenborder kannst du einen dicken Gabensack bringen! Duftendes Motoröl, schneeflockenzarte Zahnbürstenreinigung vom Kapitän, vielleicht eine weihnachtliche Prise UB40 Ölspray!
Segeln in der Malakastraße kann man selten, wenn, dann meist in der Nacht. Nur, wer will schon unbeleuchtete Fischerboote über den Haufen fahren, Fischernetze um die Rümpfe gewickelt bekommen oder von wahnwitzigen Schlepptransporten und ihrem sehr dicken Stahlschleppseil eingefangen werden? Es reicht auch schon, einen Baumstamm zwischen die Rümpfe zu kriegen! Auch die Gewitter mit gruseligen Blitzen sind einfach in der Nacht noch um einiges unheimlicher.
Also schlossen wir uns den Yachten Esparanza (Wiener und Vorarlbergerin!) und Vera (2 echte Berliner) an. Um die 78 sm Tagesetappen zu schaffen, war Tagwache um 4 Uhr früh angesetzt.
Gähn! Die 2 Stunden bis zum Sonnenaufgang passten wir wie die Haftelmacher auf, um nicht doch noch einen Fischer zu überfahren. Tagsüber schmolzen wir dann in der Affenhitze und wichen den schwarzen Gewitterfronten aus. Einst war die Straße von Malaka ein richtiges Piratengewässer, heute haben die Yachten am meisten Angst vor den Blitzen!
Das beste an der Strecke waren mal wieder die Stopps - Malayische Marinas - wunderschön und billig.
In Port Dickson mussten wir wegen Gegenwind eine Woche bleiben (ach wie schrecklich, gut dass sie wenigstens einen traumhaften Pool hatten). Der Finn lernte Billard spielen und sah seine heißgeliebten Hardrockgruppen auch mal auf MTV!
Eine Nacht verbrachten wir dann doch vor Anker in einer sehr unruhigen Bucht voller Felsen. Beim Ablegemanöver, natürlich stockdunkel, kaum Wind, stoppte plötzlich der Motor. Nichts ging mehr!
Die Strömung drückte uns bedrohlich in die Bucht und Peter (Kopf noch beim Motor) staunte nicht schlecht als ich in 2 Minuten allein Großsegel und Genua gesetzt hatte und wir langsam aber doch unter Segel ausliefen.
Finn war aufgewacht und riet seinen total entnervten Eltern doch zu schauen, ob wir in ein Fischernetz geraten waren. Ein Blick auf den Propeller reichte - ein schwarzes (!) T-Shirt hatte sich fest um die Schraube gewickelt und blockierte alles. Unser Finn - langsam aber sicher gibt es an Bord einen 2. Kapitän! Und der 1. Kapitän war an diesem Tag sehr stolz auf seine flotte, umsichtige Crew!
Nach diesem Schreck kam uns Georgetown nur gar zu recht.
Ahh! Georgetown! Was für ein Städtchen! Little India sieht aus wie aus dem Film, dem indischen Bollywood Film natürlich, mit seinen herrlich grimassierenden Schauspielern und bunten Musicaleinlagen.
Und ein bisschen französischen Film gibt es auch. Ich saß in Catherine Deneuves Sessel aus dem Film "Indochine" im "Blauen Haus". Diese Gebäude ist ca. 200 Jahre alt und gilt als Vorzeigestück für den Feng Shui Stil.
Überhaupt überraschte uns Georgetown mit seinen vielen alten Kolonialhäusern. Meist verfallen, aber das macht das Ganze umso bezaubernder. Meist mit kleinen chinesischen Bars im Erdgeschoß, die Tiger Bier anbieten, indischen Filmen im Fernsehen (Finn kennt jetzt alle Bollywoodstars und kriegt von den schönen Inderinnen nach wie vor rote Backen) und wirklich sehr entspannten Locals.
Nicht umsonst gibt es in Georgetown eines der größten Jazzfestivals Asiens! Passt sehr gut zu dieser relaxten, bunten Stadt!
Letztendlich konnten wir uns losreißen und motorsegelten nach Lankawi (ganz zaghaft rührte sich nämlich der NO Monsun!). Die Hauptstadt Kuah ist so richtig "schiach"! Aber alles ist zollfrei und man kauft günstig Bier, Kondome und Schokolade - genau in der Reihenfolge angeboten!
Milka, Toblerone, Rittersport! Ahhh! Was für ein wunderbarer Adventkalender das werden wird!
Die Insel umrundeten wir mit einem schrottreifen Auto der malayischen Marke "Saga", das zu Finns unbändiger Freude mit Holzlenkrad, Rennpedalen, einem riesigen Auspuff und auf Grund dessen einem "leiwanden Spruch" ausgestattet war. Röhr!!!!!!
Im Norden der Insel auf einem wunderschönen Strand wurde gerade ein indisches Musical gedreht!
Und im Westen besuchten wir die Krokodilfarm mit springenden Krokodilen!
Im Süden gab's dann einen echten Touristenstrand und wir saßen zwischen zahllosen Australiern und fühlten uns wie in Lignano!
Abends ging's noch zum Nightmarket, mit Drachenfrüchten, stinkigen Durians, indischen Samosas und Trockenfischen als Knabbergeback. Wir testeten Thailändische Crêpes - so scharf, dass man 3 Stunden später seine Lippen noch immer nicht spürt.
Lebkuchengewürz fand ich nicht, aber einige Bestandteile davon! Mal sehen, wie die Vanillekipferl mit Cashewkernen schmecken!
So, lieber Nikolaus, mach dich auf die Socken! Auf der 3. Thailändischen Insel von rechts findest du die Risho am 6. Dezember und zu Weihnachten sind wir in Phuket! Der Finn spielt gerade sehr anständig "Leise rieselt der Schnee" auf der Gitarre und blickt dabei auf den Hausberg von Lankawi!
Mit österreichischer Seilbahn übrigens! Da fahren wir morgen hinauf, der Bua muss doch langsam an die Berge gewöhnt werden!

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30.10.2008, Singapur In Singapur

Sind schon 2 Wochen da, aber immer wenn ich mich vor den Computer setzen will, das Wireless Internet anwerfe, über unser Leben hier zur Zeit berichten will, immer genau dann kommt eben dieses dazwischen. Das Leben hier!
Ich muss dann ganz dringend von der Risho auf den blitzblank gefegten Schwimmsteg der one15marina hüpfen und schnell ein paar Züge im eleganten 200 Meter Pool mit Blick auf die Singapore Skyline machen. Finn ist schon da, nachdem wir die Schule am Morgen in Windeseile abgespult haben (das Druckmittel "Swimmingpool gestrichen wenn Schulleistung unterm Hund" wirkt Wunder!).
Und der fesche, braungebrannte Langhaarige mit Schwimmbrille, der da durch das Pool krault ist doch mein Ehemann! Wollte der nicht nur schnell Duschen gehen?
Nachdem wir also ausgiebig geschwommen sind geht's wieder auf die Risho und nachdem Essengehen in Singapur eine der wichtigsten und billigsten Angelegenheiten ist, müssen wir uns rasch fertig machen, um mit dem Shuttle Bus in die City zu fahren.
Und wenn wir dann im ausgedehnten Foodcourt einer Shopping Mall eines der hunderten von Gerichten ausprobiert haben, zahlt es sich kaum aus gleich wieder in die Marina zu fahren. Also ab in das Mass Rapid Transportation System, die U-Bahn, und ab nach... na was mach ma heute?
In den ersten Tagen sind wir nur durch die Orchad Road, sozusagen die Mariahilfer Straße von Singapur gestreift. Wobei der Vergleich mehr als hinkt.
Man könnte Singapur als einzig große Shopping City bezeichnen. Denn Shoppen ist auch für die Singaporians eine Hauptbeschäftigung, liegt vielleicht auch daran, dass es so unerträglich heiß ist und die Shopping Hallen so wunderbar airconditioned sind! Ja, die Malls sind unglaublich. Paläste des Konsums, wobei Palast wirklich untertrieben ist. Lichtdurchflutete Hallen mit Springbrunnen, jede Ecke architektonisch ausgenützt und designt. Alles glänzt sauber, und voller Erstaunen entdeckt Finn einen Putzmann, der gerade penibelst mit einem eigens konstruierten Schaber einen am Marmorboden klebenden Kaugummi abkratzt. Kaugummiausspucken oder irgendwas nicht in den Mistkübel werfen kann empfindlich teuer sein. So an die 300 Euro ist da die Untergrenze!
Deswegen ist in Singapur auch alles extrem sauber. Selbst die Toiletten wirken als würde sie nie jemand benützen. Aber es sind mehr als genug Leute hier!
Es wimmelt und wuselt, aber irgendwie läuft alles wie geschmiert.
Die Singporians sind zurückhaltend, freundlich, hilfsbereit und sprechen Singlish-eine Art Englisch, die man eigens studieren muss um sie zu verstehen.
Aber irgendwie kommt man doch zusammen und sobald es um's Essen geht, blüht selbst der distanzierteste Einheimische auf.
Essen ist - nach Shoppen oder sogar vor dem Shoppen - das Wichtigste in Singapur.
Man kann überall Essen und überall isst man!
In den Shopping Malls gibt es Foodcourts und auf der Straße in den verschieden Stadtvierteln zahllose Food Stands. Je nach Viertel isst man dann eben Chinesisch, Thai, Malaysisch, Indisch, indisch moslemisch, moslemisch malaysisch, indonesisch...
Manchmal stehen wir schon ziemlich ratlos vor dem unglaublichen Nahrungsangebot und zeigen einfach auf irgendwas mit dem Finger (was übrigens sehr unhöflich ist in Singapur, aber man verzeiht uns offensichtlich...) und solange keine Eingeweide oder Fischköpfe drinn schwimmen, genießen wir jedes Gericht!
Meinen Männern hat vor allem Little India den Kopf verdreht. Ich kann's verstehen, die Inderinnen sind eine Augenweide! Jede Generation trägt mit Begeisterung den traditionellen Schmuck und die wertvollen Saris und Tücher. In jeder Ecke lauert ein anderes Bollywood Starlet und lässt unseren Neunjährigen Finn über den gewissen Unterschied etwas intensiver nachdenken... Zum Lichterfest erglänzt das ganze Viertel in den wunderschönen, bunten indischen Farbtönen. Jedes Mädchen und jede Frau lässt sich die Hände für dieses wichtige Fest mit Hennatatoos verzieren.
So klein kann ein Baby gar nicht sein, dass nicht ein roter Punkt seine Stirn ziert.
Das soll aber nicht heißen, dass die Inder nicht ausgesprochen modern sind. Wenn ich Englisch verstehe in Singapur; dann wird es sicher von einem indischen Singaporianer gesprochen!
Die ganze Stadt ist extrem modern und clean. Alles funktioniert perfekt und reibungslos. Es gibt hier kein "hinter den Kulissen", zumindest scheint es mir so!
Im Damenklo gibt es immer ein Mini-Pissoir für die kleinen Jungs, die noch nicht alleine ins Männerklo gehen.
Die U-Bahntickets sind Plastikkarten, die man aus dem Automaten holt und nach der Fahrt dort wieder einschiebt. Damit jeder sie auch wirklich recyclet ist auf der Karte ein Pfand, das man dann zurückbekommt.
In Singapur kann man sich auch nicht vor die U-Bahn werfen, zumindest nicht in der Station. Plastikwände bzw. Türen trennen die Trasse bzw die einfahrende U-Bahn von den wartenden Fahrgästen.
Servietten gibt es nirgends, dafür in jedem Foodcourt kleine Waschbecken zum Händewaschen. Haben uns einmal gefreut, als wir einen Foodstand entdeckten auf dessen Sitzbänkchen kleine Päckchen mit Taschentüchern lagen. Haben uns gemütlich hingesetzt, gegessen und die Taschentücher reichlich benutzt. Blöd war nur, dass die Singaporianer, die sich so ihren Platz reserviert hatten, wortlos mit ihrem Essen neben uns standen bis wir fertig waren.
Man kritisiert nämlich hier nicht, weil sonst könnte einer das Gesicht verlieren und so seinen Status und sein Ansehen.
Mit dem größten Riesenrad (The Flyer!) der Welt und anderen Superlativen wird klar, dass es hier wichtig ist, der Beste zu sein. Und der schnellste und der am meisten profitierende. Man darf sich also nicht wundern, wenn man es nicht schafft aus der U-Bahn auszusteigen weil die Einsteigenden einen zurückdrängen.
Oder einmal sah ich in Chinatown eine extrem lange Warteschlange vor einem Shop und auf die Frage, was es denn so besonderes zu kaufen gäbe, meinte eine der Wartenden - Keine Ahnung, aber es muss was Tolles sein!
Abgesehen von diesen kleinen Kratzern, sind die Leute hier aber durchaus liebenswürdig und vor allem sehr straight und korrekt. Ein indischer Kellner meinte, als wir unser Essen bestellten wir sollten nur 2 Gerichte bestellen, das wäre wirklich ausreichend für uns drei! Er hatte recht!
Interessant war aber das Familienkarten Angebot im Modern Art Museum.
Eine Okkasion, nur 25 Singapore Dollar zu dritt!
Nützen wir es nicht, zahlen wir pro Erwachsener 10 Dollar und für Finn 5 Dollar.
Hehe..also doch nicht gar so perfekt......
Unsere Marina ist ja auch ein Bild der Perfektion mit einem kleinen Kratzer.
Wunderbare Anlagen für die Schiffe, Gärten, Pools, Duschen wie aus
einem Philip Stark Designbuch - blöderweise dürfte der Architekt vergessen haben, die Stufen von der Marina zum Marinagebäude mit all den Nobelrestaurants zu planen. Und so sind da nun billige Alutreppen eiligst eingefügt worden. Hoffentlich war das für den ehrgeizigen Singaporianer nicht ein Grund für Selbstmord!
Auch kursiert hier die Geschichte von einem franzosischen Geschäftsmann, der in Singapur das Management einer Firma übernahm und bei seinem Antritt einige Arbeiter kündigte. Die kamen aber nach wie vor ohne gebraucht oder bezahlt zu werden zur Arbeit. Sie konnten einfach zu Hause nicht ihr Gesicht verlieren! Schließlich fand der Franzose dann in einer anderen Firma für sie einen Job!
Und so vergehen hier die Tage und wir genießen das Leben und fallen abends mit rauchenden Füßen todmüde ins Bett, wobei: heute Abend müssen wir ins Indische Viertel zum Lichterfest und jetzt muss ich ins Pool… 34 Grad Außentemperatur!
Vielleicht schauen wir vorher noch nach Chinatown und ich trau mich endlich die Hühnerfüße zu kosten! Gestern war übrigens Nationalfeiertag und
Finns 9. Geburtstag - statt beflaggten Straßenbahnen gab's Eiscreme, sitzend im Marinapool mit Blick auf… eh schon wissen.
So ich muss los...
... Muss jetzt nach einigen Stunden doch noch einen kleinen Nachtrag machen. Singapur ist voller Überraschungen.
Waren heute in Chinatown und da steht der letzte Wiener Würstelstand vor dem Äquator. Käsekrainer und Bratwürstl vom feinsten. Mit Semmerl und Senf.
Habe die Hühnerfüsse doch verschoben. War eh nicht besonders hungrig, nachdem wir am Nachmittag beim Ikea die Fleischbällchen verkostet haben. Ja! Beim Ikea!!!!!!
Das Lichterfest haben wir dann ausgelassen und kurz war ich versucht, bei einem traditionellen Massagesalon einzukehren um meine wieder einmal rauchenden Füße von Minifischen anknabbern zu lassen. Ist hier ganz normal.. man sitzt mit den Füßen in einem Becken und die Fischlein knabbern begeistert an den Zehen herum. Oder man setzt sich auf eine Art wackelnder Klodeckel und kriegt eine Ganz-Körper-Durchschüttelung. Oder ich nehme einfach einen Löffel "Bird Nest Extract" (gehärteter Vogelspeichel), um mich wieder zu erfrischen.
Oder pulverisierte Seegurke aus der Apotheke in Chinatown.
Gähn…aber das nächste mal probier ich sicher die Hühnerfüße...

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14.10.2008, gegenüber von Singapur

Kurzinfo von der Risho Maru:

"Sind jetzt gegenüber von Singapur und werden übermorgen die 10 sm in unsere Singapur-Marina machen, da werden wir wieder einen neuen Bericht schreiben…"

02.10.2008, Bali, Indonesien Bali oder Wer will schon ein Moskito sein?

Fährt man in Bali mit dem Auto, wird man früher oder später Hinduist oder Buddhist oder Angehöriger irgendeiner Religion, die an Wiedergeburt glaubt.
So wie sich die Einheimischen hier in das Verkehrsgeschehen stürzen - unter dem Motto "kein Blick zurück" müssen sie sehr überzeugt davon sein, dass es mehrere Leben gibt, die auf sie warten. Ich gewöhne mich hier langsam an winkende Kleinkinder, die auf den Schultern ihrer mopedfahrenden Väter sitzen, die einen gerade haarsträubend schnell in einer Kurve überholen. Der Vater trägt Helm, das ist Pflicht in Indonesien, ebenso die hinter ihm sitzende Mutter, nur das Kleinkind auf den Schultern und das Baby in Mamas Armen müssen sich auf Papas Fahrkünste verlassen. Geht es sich mal nicht aus, fährt der Schwächere in den Graben, was natürlich bei den engen Bergstrassen hier blöd ausgehen kann.
Vishnu, Brahma, Shiva - Götter gibt es genug, ist auch gut so, denn Menschen gibt es hier überall. Kein Flecken Balis ist unbewohnt oder unbewirtschaftet. Überall in den Berghängen sieht man Dächer im Sonnenlicht leuchten, die vielen Terrassen der Reisfelder glitzern, Mandarinenbäume im Hochland, dazwischen Felder von blassblauen Hortensienblüten. Und überall Tempel! Jedes kleinste Anwesen oder Häuschen hat seinen Haustempel, denn die Geister der Verstorbenen bringt man nach Hause, nachdem man sie in allen wichtigen Tempeln den Landes weihen ließ.
Jedes Dorf besitzt auch mindestens 3 Tempel, die vor allem in den Vollmondnächten zu Leben erwachen. Da spielt dann das örtliche Gamelan Orchester auf und die Altäre des Tempels biegen sich unter den Opfergaben, die die wunderschön gekleideten Frauen bringen. Die Rituale ihrer Religion haben die Hindus voll in den Alltag eingebaut. Egal ob kleines Bauerndorf oder großer Touristenort. Zweimal täglich werden Opfergaben gebracht. Da wandelt eine balinesische Schönheit (manche eher im Minirock als im Sarong) durch die Straßen, mit einem Holzteller voller "offerings". Minikörbe, geflochten aus Bananenblättern, gefüllt mit gekochtem Reis, Blüten, Crackern, manchmal sogar Zuckerln und immer einem brennenden Räucherstäbchen. Sie legt die kleinen Kunstwerke in die kleinen Straßentempel, zu den Hausaltären, vor Shops, vor die Laundry, auf die Stufen der Restaurants, vor die Bakery, auf den Strand, die Platzwahl ist höchst unterschiedlich und zahlreich. Bin schon mehrmals draufgestiegen - möchte nicht wissen, ob der Zorn der Hindugötter schon auf mir lastet und ich damit rechnen muss als Trampeltier wiedergeboren zu werden.
Die Frauen hier sind auffallend hübsch und immer am arbeiten.
Kinder, Küche, Tempel und zum Drüberstreuen noch im kleinen Familienbetrieb kochen und servieren oder Souvenirs verkaufen, nebenbei noch ein bisschen Laundry für die Touristen und Früchte verkaufen am Markt.
Die Männer sieht man viel herumsitzen. Patriarchat, steht im Reiseführer
"Lonely Planet" - ich dachte immer, das heißt die Frauen kümmern sich um den Haushalt bzw. um die Kinder und der Mann bringt das Geld.
Ahh! Geld!
Eines ist einem hier bald klar - man zahlt nie den angeschriebenen oder gesagten Erstpreis. Eher die Hälfte. Bei guter Verhandlungstaktik ein Drittel. Und das ist dann immer noch das 3 fache des Normalpreises. Und zumindest für Touristen gilt: auf jeden Fall über's Ohr hauen. Wobei in diesem Fall die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau durchwegs funktioniert!
Ich bin inzwischen Handelsspezialistin und mein Kopfrechnen wurde sehr aufgefrischt durch die Schnellkontrolle sämtlicher Rechnungen. Macht man auf Fehler aufmerksam, wird man verschlossen angelächelt. Und merkt, wie fremd man ist. Am besten ist man ebenso unverschämt und lächelt freundlich dazu. Bloß kein lautes Wort oder böses Auge, denn wie gesagt: es gibt ein Leben danach und da büßt man dann dafür!
Nach einigen erschöpfenden Verhandlungen und entnervenden Betrügereien war es eine Wonne auf den alten Tempelpriester Yuli in Jagaraga zu treffen.
Der kleine Tempel Pura Dalem, der Wassergöttin geweiht, steht an einer ländlichen Straße im Norden Balis. Yuli lud uns ein ihn zu besichtigen, seine Tochter reichte uns Sarongs, um unserer Beine zu bedecken, und dann nahmen wir Platz im Schatten der verträumten Tempelanlage. Yuli erzählte und erzählte über Hinduismus , über den einen Gott und seine vielen Manifestationen in dieser Religion, über sein Leben als ehemaliger Dorfschullehrer, seine Liebe zu seinen 3 Frauen - selbstverständlich liebte er sie hintereinander, musste 2 sterben sehen und keine gebar ihm einen Sohn - und über seine Freuden und Leiden.
Als wir ihn bei der Verabschiedung darauf ansprachen, was wir ihm denn für seine Zeit bezahlen sollten, meinte er gleichmütig, wir könnten etwas für seinen Tempel spenden - wenn wir wollen.
Auf die Wiedergeburt angesprochen erklärte er uns lächelnd aber bestimmt, er bemühe sich ein guter Mensch zu sein, denn als Moskito wolle er nicht wiedergeboren werden.
Sich bemühen ein guter Mensch zu sein... das klingt nach einem guten Plan - denke ich mir - klatsch!
Wer diese Gelse wohl war?

Ubud - wenn einer eine Reise tut!

Finn sitzt in seiner Koje und packt. Wir verreisen! Das mag jetzt für manchen Leser da draußen etwas vermessen klingen und die Frage heraufbeschwören,.was haben die denn seit 3 ½ Jahren gemacht?
Natürlich, natürlich, wir sind Reisende, aber Landurlaub ist für Seemänner immer was besonderes! Risho Maru ist gut eingeankert in Lovina, einer schönen Bucht im Norden Balis und mehrere befreundete Segler haben versprochen ein Auge auf unser Heim zu haben und den Basilikum zu gießen.
Finns Aufregung ist groß! Für die 2 Nächte und 3 Tage hat er seinen Rucksack randvoll gepackt. Man weiß ja nie, könnten ja irgendwo in der Einöde verloren gehen - wobei das in Bali doch etwas schwierig sein dürfte.
Wir haben Ubud als Ziel auserkoren. Die schöne alte Handwerksstadt im Hochland der Insel. Eingebettet zwischen Reisfeldern bildet sie einen der Hauptanziehungspunkte für Touristen. Hier geht's nicht um Strand und Palmen sondern um Kultur! Schnitzereien, Batik, Galerien, Tänze - los geht's.
Wir kommen spätnachts an, nachdem wir uns durch den elenden Verkehr des Südens gequält haben. Lassen das Auto irgendwo in der Innenstadt geparkt um auf Hotelsuche zu gehen. Wir wandeln auf Kopfsteinpflaster durch eine ruhige Seitengasse, ein heimeliges Café mit dem Namen "Cafe d'artiste" lädt zum verweilen ein, aber zuerst wollen wir unser Schlafstätte finden. Es regnet leicht, es ist angenehm warm, es duftet intensiv nach Blüten und Feuchtigkeit. Peter entdeckt in einer Minigasse ein schwach beleuchtetes Schild "Sama Cottages". Wir gehen einen schmalen Weg durch einen verwunschönen Tropengarten. Vogelgeräusche wie von einer Meditations CD. Am Ende des Weges ist ein kleines Haus, auf der Veranda ein Schreibtisch "Office", über dem Schreibtisch hängt eine kleine Trommel mit einem hölzeren Schlegel "Bitte klopfen!" Nach einigen Minuten erscheint ein kleiner Mann in balinesischer Tracht und lächelt uns freundlich an. Zimmer sind frei, er zeigt sie uns. Wir betreten einen kleinen, feinen Bungalow, im traditionellen Stil erbaut. Spitzes Holzdach, Veranda, Ventilator, Holzbetten und ein schlichtes Badezimmer.
Parken können wir vor der Tür. Wir bleiben!
Es ist für uns immer seltsam nicht auf dem Schiff zu schlafen. Finn kriegt kaum die Augen zu und ich gönne mir schließlich mit Peter auf der Terrasse noch ein einschläferndes Bitang Bier. Wir schlafen etwas unruhig, und erwachen als ich vor unserer Tür das Klingen von Teetassen höre. Finn ist sofort putzmunter und erkundet die Lage - Mama Tee ist da! Und so sitzen wir auf unserer Terrasse im Garten und trinken Tee, und der Kellner kommt im Sarong und serviert ein köstliches Frühstück. Finn holt weitere Erkundigungen ein und entdeckt das Swimmingpool! Meine Güte, gleich nach dem Frühstück ins Wasser! Seltsam… das haben wir doch eh jeden Tag... aber halt nicht in einem "Resort" erklärt der Finn, denn jedes Hotel ist für ihn ein Resort. Und so schwimmen PAF im Swimmingpool, das ca. so groß ist wie die Rishomaru und genießen das normale Touristendasein!
Der Tag vergeht mit Stadterkundigungen, Blicken auf Reisfelder, Stöbern in wunderbaren Buchgeschäften, Essen in einem kleinen Warung, und Schauen, Schauen. Ubud, eine tolle Stadt! Am Abend gehen wir zu einem Feuertanz.
In einem Tempel erleben wir die Geschichte von Rama, der seine schöne Sita aus den Klauen des Bösewichts Rawana mit Hilfe einer Affenarmee befreit. Die Affen sind ein Chor von etwa 30 halbnackten Männern, die das acapella Orchester bilden. Sita ist eine wunderschöne in Gold und Brokat gekleidete, anmutige Tänzerin, ihr Prinz Rama (ebenfalls eine Frau, inzwischen wissen wir ja, wer hier die meiste Arbeit hat...) hat viele Prüfungen zu bestehen, bevor er Sita wieder zurückbekommt. Alles findet nur bei Kerzenlicht statt und ist spannend und mystisch und derart aufregend, dass Finn gleich 2 Mal dringend auf's Klo muss!
Auf dem Heimweg stoppen wir noch auf einen Imbiss in einem Lokal, es spielt die ortsansässige Reggae Band. Bob Marley auf Indonesisch! Ihr zahllosen Hindugötter helft! Schließlich finden wir wieder unser "zu Hause" nach einem nächtlichen Spaziergang durch die stille Stadt.
Morgens nochmal Frühstück im Tropenparadiesgarten und auf geht es weiter ins Hochland zum Pura Besakih - dem wichtigsten Tempel der Hindus auf Bali.
Perfekt am Fuße des 3000er Vulkans Gunung Agung angelegt, mit Blick auf Reisfelder und Meer. Natürlich die üblichen lästigen Händler, aber selbst die können den Zauber dieses Ortes nicht brechen. Ketut, unser Guide ist ein Glücksgriff, er erklärt uns alles und verzieht selbst bei unseren dümmsten Fragen nicht das Gesicht. Oder wer von euch weiß warum die weißen Kühe heilig sind?
Weil sie einst den Baby Söhnen eines Gottes, der seine Frau verlor, als Amme diente. Abends kehren wir erschöpft aber glücklich von unserer "Reise" zurück und der Finn stellt fest " jetzt ist alles irgendwie so neu auf der Risho!"
Und die Moral von der Geschicht' - man kann nie zu viel verreisen nicht!!

Skipper Pete
Flauten, starke Strömungen und viel zu viele Menschen

Bali-Lovina Beach Pos: S 08°10,35 E 115°01,22 Temp. 32°, Flaute
Wollen in den nächsten Tagen Richtung Singapur aufbrechen. Über 900 Seemeilen ist die Strecke, machen uns schon Sorgen, dass wir viel motoren müssen. An Deck stehen einige Zusatzkanister Diesel um durch die Flauten zu kommen. Bali ist schön und die Menschen hier sind etwas entspannter als auf den Inseln zuvor. Das Hochland mit seinen Tempeln, Tänzen, Reisfeldern hat uns sehr gefallen. Mit Indonesien selbst tun wir uns noch schwer, denn die vielen, vielen Menschen überall sind schon gewöhnungsbedürftig. Überall kommt einer angelaufen und will irgendetwas verkaufen. Es ist nicht möglich, irgendwo einfach nur zu stehen oder zu sitzen. Wir ziehen uns dann auf die Risho zurück und selbst da kommen Auslegerboote und wollen Wäsche waschen, Schiff putzen, Diesel verkaufen. Die Preise sind allgemein niedrig aber sobald sie für Touristen sind, verzehnfachen sie sich.
Das wichtigste Wort ist "bargain bargain" (Handeln oder vielmehr feilschen). Das nervt schon gewaltig, vor allem wenn ich das Gefühl habe die Leute wollen einen immer betrügen.
Das Problem ist, dass es zu viele Menschen gibt. Da kommen auf einen Touristen hunderte Einheimische. Das muss unweigerlich auf beiden Seiten zu Spannungen führen.
Da ist Bali ,die letzte Insel in Indonesien die (noch) hinduistisch ist, etwas einfacher für uns zu verstehen.
Vielleicht auch weil wir gerade zur Zeit des moslemischen Ramadan auf den anderen Indonesischen Inseln waren. Beten - Fasten - Beten - Fasten und die ganze Nacht übers Megaphon die Gesänge des Muezzin - das geht irgendwann auf's Gemüt. Unlängst sagte mir ein Moslem ganz stolz neben seinen halb verhungerten elf Kinder - das seien seine und er wäre natürlich ein Held. Das Ganze mit hämischem Blick auf unseren einzigen Sohn (seine Frau hat er erst gar nicht erwähnt). Ich sagte ihm, dass es besser wäre, er hätte nur eines, und das hätte die Möglichkeit eine gute Ausbildung zu bekommen. Sind dann gleich abgehauen - ist nicht so gut angekommen. Es ist nicht einfach die Mentalität der Leute zu verstehen, aber wir wissen natürlich, als Gast hier wollen wir uns bemühen, uns zurechtzufinden und die Spielregeln zu erlernen. Keine Frage, es ist sehr interessant hier zu sein.
Habe mir ein Buch über den Islam gekauft, hab mich auch bemüht, diese Religion zu verstehen . Dass hier ein Gewaltpotenzial gärt, sollte man nicht wegdenken, denn selbst auf dem UKW rief erst gestern jemand den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen auf, und es ist auch erstaunlich, dass vier Jahre nach dem verheerenden Bombenanschlag in Bali durch Moslemische Fanatiker die Drahtzieher noch immer frei herumlaufen. Der Westen ist Feindbild und Wunschbild zugleich, denn wenn ich mir die Tausenden von Werbeplakaten so ansehe, weiß ich nicht recht, ob es NY ist oder Indonesien. Im Pazifik waren die Menschen für uns herzlicher und liebenswürdiger - vielleicht tun wir uns deswegen schwerer.
Aber genau das macht ja unsere Reise so spannend, dass es eben solche Extreme gibt. Die Welt ist bunt, vielfältig, und oft bitter und süß zugleich - eben Yin und Yang.

Fotos

 

10.09.2008, Lombok, Indonesien Warane, Warungs und Was der Finn so treibt

Unsere Riffbekanntschaft steckt mir noch in den Knochen. Klar. Oder ist es normal, dass ich bei Annäherung an Riffpassagen Schweißausbrüche, Atemnot und den hysterischen Blick auf den Tiefenmesser bekomme? Dabei sollte ich mir denken: Wahnsinn! Risho Maru ist sicher das einzige Schiff, das man unbeschadet bis auf einige Kratzer auf Korallenköpfe aufbocken kann.
Leicht entnervt kam mir also die meditative Landschaft Rincas sehr entgegen. Sanfte Savannenhügel, bestückt mit wenigen Palmen und einigen Komodo Waranen. Die gibt es nämlich auch auf Rinca und nicht nur auf Komodo, und Finn meinte, die sollten dann wohl ordnungshalber Rinca Warane heißen. Die Einheimischen sagen sowieso "Dragon", genau so ausgesprochen wie geschrieben. In Finns Lesebuch Funkelsteine für die 3. Klasse gibt es ein ganze Seite über die Komodowarane plus Foto!
Haben dann gleich ein Foto mit Finn plus Komodo, pardon, Rinca Waran gemacht. Schon seltsam, wenn man dort gerade ist, worüber das österreichische Lesebuch so begeistert schreibt. Seltsam? Nicht für Finn.
Wir sehen einen Kinofilm und der spielt in New York - Finn: "Ah schau, Mama, Manhattan, da waren wir doch in diesem großen Park".
Oder der grandiose Film "Whalerider" - über Maoris in Neuseeland.
Finn: "Das ist doch in Keri Keri gedreht bei diesem Surfbeach" und "He, die lügen, dieses Haus steht doch in Te Puia und nicht bei diesem Beach" oder "Rahhh der Haka Tanz! Hab ich gehasst in der Schule."
Aber zurück nach Rinca."Da schaut's ein bisserl aus wie auf Galapagos, Mama." Ich muss Finn recht geben. Irgendwie hab ich mir Indonesien tropischer vorgestellt, Reisfelder und so… haben wir jetzt auch endlich, in Lombok!
Aber Rinca und Komodo sind knochentrocken, beheimaten dafür Tiere wie die Riesenechsen, Wasserbüffel und Seeadler.
Gegen oder ohne den Wind kriechen wir mit nicht sehr hilfreicher Gegenströmung Richtung Westen. Apropos kriechen. Ich mach mit Finn Sachkunde. Thema: Verkehr. Beschreibe deinen Schulweg und seine gefährlichsten Hindernisse. Ähh... Also zuerst vom Steuerbordrumpf aus meiner Koje über das Mitteldeck, Hindernis: vom Mast abstehender Baum, dann Abstieg in den Backbordrumpf, rechts einbiegen bis zum Küchentisch, Achtung: Olivenölflasche im Regal unter dem Tisch steht gefährlich an der Kante. Geschafft. Lehrerin etwas grantig zweng übermäßiger Hitze. Schüler etwas abgelenkt wegen hinter ihm auf Matratze der Küchenkoje stehendem, gestern erbautem Lego-Resort, mit indonesischen Tuk Tuk Booten.
Nenne Verkehrswege, die du kennst. Finn: "Highways in Kalifornien, Avenues in Neuseeland" Wer regelt den Verkehr und schreibt Verkehrssünder auf? Policeman. Auf deutsch bitte...!
"Wale!"ruft der Peter. Wir stürzen an Deck und sehen noch die majestätischen Schwanzflossen über dem Wasser glitzern. Der Wal - männlicher Artikel - Namenwort. Wir ankern im Norden Lomboks und freuen uns, dass die Insel so grün aussieht hinter ihren schwarzen Vulkanstränden. Der Muezzin ruft. Oder besser die Muezzins. Es ist Ramadan, der heilige Monat, und Essen gibt es für die Moslems nur zwischen 3 und 4 Uhr Früh. Ahaa… lah… alllaaaa... ich lese aus dem Lonely Planet vor über den Islam in Indonesien und was im Ramadan alles nicht erlaubt ist. Sex zum Beispiel. Nicht erlaubt. Finn: "Sex? Wie diese zwei Warane auf Rinca, denen wir dabei alle zugeschaut haben." Genau. "Kann ich Musik hören gehen, haben wir genug Strom?" Klar. Dröhn. Finn hört "Rage against the machine", Hardrock. Aber er mag auch Blues, vor allem seit er sein erstes Soloriff auf der Gitarre bezwungen hat. Oder Naio, den Reggae Musiker aus Vanuatu. " Ich mag den Bass bei Reggae so und der Naio hat so ein lustiges Englisch".
Endlich im Westen Lomboks. Tropenwald, Reisfelder, freundliche Menschen. Wir gehen essen in eines der zahlreichen Warungs. Kleine Garküchen an der Straße. Scharfes, aber perfektes Essen. Finn futtert sein Mie Goreng mit Begeisterung. "Das ist gut... viel besser als das fade Lablab in Vanuatu."
Am nächsten Tag in der Schule. Evi hat 24 Euro. Sie kauft 3 Leberkäs Semmeln. Eine kostet 3 Euro. Wieviel Euro hat sie noch nachdem sie bezahlt hat?
"Mama, was sind Leberkäs Semmeln?"
Nach der Schule Auflug ins Dorf. Mit dem Motorrad! Ich sitze mit Finn auf einem Motorrad, beide klammern wir uns an den jungen indonesischen Motorradtaxler. Keine Sturzhelme. Rein in die Kurve! Was bin ich für eine verantwortunglslose Mutter! Raus aus der Kurve! Da überholt uns in Rauschefahrt ein anderes Moped, mit Jungfamilie auf dem Sattel. Die Mutter hält den Saugling schön locker über dem Auspuffrohr. "Das war super!" strahlt im Dorf ein fast Neunjähriger, der mir bis zur Nasenspitze geht und meine Schuhgröße trägt (37!).
"In Österreich wäre das nicht erlaubt!" sag ich.
Finn:"Echt? Wieso nicht?"
Und zum Abschluss wieder einer dieser schönen, südostasiatischen Sonnenuntergänge - rosa, pink ,türkis.
Risho schaukelt sanft am Ankerplatz, der Muezzin ruft in der Ferne und aus Finns Koje tönt es: " Du, Mama, da hab ich einen netten Song in meinem Gitarren Liederbuch entdeckt. Land der Berge. Kennst du den?"

Fotos Pazifik und Indonesien

 

01.09.2008, Flores, Indonesien Die lange Reise nach Indonesien oder Jubeltage und ein Albtraum

Wo war ich stehengeblieben - ach ja beim Funkspruch aus den Louisiaden Papua Neuguinea. Und jetzt sind wir in Flores in Indonesien! Und all dies in nur wenigen Wochen…
Fangen wir bei den Louisiaden an. Einsam, einsam, diese Riffinseln. Nix los. Aber die wenigen Einheimischen freundlich und tauschfreudig. Grünzeug für Flip Flops, geschnitzter Hai für Taucherbrille. Das Wetter - elend. Ein Sonnentag - sonst Regen und düster - Licht wie im November in Wien. Es zieht uns nach Port Moresbey, der Hauptstadt Papa Neuguineas.
Dort erwartet uns der Royal Yachtclub mit allem was das Segelherz manchmal gar so begehrt. Warme Dusche, Laundry, gutes Clubrestaurant, relaxte Bar.
Port Moresbey selbst - eher grauslich. Überall rote Spuckschlieren von den Betelnuss Kauern auf der Straße, am Gehweg. Müll säumt die Straßen. Einheimische, die uns anstarren als wären wir aus purem Gold. Dennoch probiert Peter die Betelnuss und muss sich gleich hinsetzen. Wie 10 Bier auf einmal. Komisch hier nuckeln das Zeug schon die Babys!
Ich verzieh mich lieber mit Wireless Internet, Gin Tonic und Erdnüssen in die Yachtclub-Bar. Mhmm, wie schön ist es manchmal so ganz westlich verwöhnt zu sein... Hier sind natürlich die meisten Gäste Australier oder sagen wir, wie es ist: weiß. Das Personal ist "Papa "(ganz dunkel) oder "Guinea" (etwas heller schattiert). Bin froh, dass ich Maria und ihren Mann John kennenlerne. Beide hier geboren. Finn tobt mit ihren Söhnen am Spielplatz. Maria erklärt mir die verschiedenen Hautschattierungen der Menschen ihres Landes, und wer wo wohnt, und ob mehr polynesisch (hell wie Maria) oder schwarz (wie ihr Mann John). Maria erzählt mir von ihrem Alltag und er unterscheidet sich nicht wirklich von dem einer berufstätigen Mutter in Österreich. Dennoch, hinter den gesicherten Zäunen der Marina liegt eine Welt, die so fremd, so bedrückend wirkt, dass ich kaum glauben kann als mir Maria vom kühlen, kultivierten Hochland Papua Neuguienas erzählt. Viel zu kurz erleben wir das Land. Können eigentlich gar nichts davon erzählen.
Mit Bauchweh sehe ich auf einem der Großbildfernseher Sturmwarnungen für die Torres Strait. Die Vorstellung, dass mir in einem Jahr die Windverhältnisse sowas von wurscht sind und ich mich dann eher informiere, ob am Lerchenfeldergürtel noch immer Baustelle und Stau ist, scheint mir gerade sehr verlockend.
Nachdem der Wind von Sturm auf Starkwind fällt - was gleich Normalwind in der Torresstrait ist - legen wir ab.
Wie das so ist, wenn einem ein üppig beleuchtetes Fischerboot-Ungetüm mitten in der Nacht zwischen zwei Riff Inseln entgegensteuert, hinter einem ein Riesentanker Platz begehrt, über einem ein Squal mit 30 Knoten Wind Stimmung macht?
Toll, wenn man mehr Adrenalin in sein Alltagsleben pumpen will!
Aber echt nicht lustig , wenn man einfach nur in den Indischen Ozean will, ohne groß aufzufallen! Als es dann endlich hell wird, müssen wir auch noch hart an den Wind gehen und es beginnt zu regnen. Um uns versinken die Riffe im schönsten Allerheiligen Nebel. Nur so ein schnuckeliges Tanker Wrack zeigt einem, dass man lieber links bleiben sollte, will man keinen Ärger!
Thursday Island sieht dann bezaubernd aus, und die australischen Beamten sind flexibel! Nach einer Nacht geht's schon weiter. Segeln, segeln, segeln.
Und dann der 15. August. So, wie ich mir das ausgedacht habe mit den unterschiedlichen Zeitzonen und Datumsgrenzen, funktioniert das leider nicht. Ich werde am 2 .Tag in der Arafurasee 40. Ob ich will oder nicht. Bin eh so müde, dass ich wahrscheinlich wie 50 aussehe! Und mich wie 80 fühle. Meine Männer feiern mich dennoch und das Iridium Telefon läuft heiß und interessanterweise hat diesmal keine meiner lieben Freundinnen zu Hause in Austria meinen Geburtstag vergessen! Biester! Dennoch ein Jubeltag - wer segelt schon an so einem wichtigen Geburtstag nach Indonesien! Und in Bali gibt es doch die besten, faltenglättenden Spas der Welt!
Irgendwann am 5. Tag erscheint Indonesien am Horizont. Ausschauen tut es wie auf den Louisiaden. Tanimbar Islands, der Wind ist so stark und der Ankerplatz so schlecht, dass wir nicht an Land gehen können...
Aber unsere Segelfreunde Yara - an unserer Seite - laden zum Geburtstagskaffee.

Schokokuchen und Muschelkette mit Blick auf Indonesien.

Weiter, segle weiter Schiffchen... Segeln, Segeln, Segeln - aber wie toll! Leichte Brise, Spinnaker und flache See hinter Timor und Flores.
Aber diesmal rauben uns nicht Squals den Schlaf - nein, nein, am Nachthimmel prangen alle Sternlein und ein satter Mond - sondern die zahllosen Fischerboote. Irgendwann kommen wir dann drauf, dass diese Boote immer einen großen Bogen um uns machen! Zumindest in der Nacht - tagsüber kommen sie ganz nahe um zu schauen. Wir werden fröhlich auf Indonesisch angefunkt und sogar Musik wird für uns durch das VHF Radio gespielt. Und dann wird es plötzlich stundenweise windlos. Nach 12 Tagen auf See kann das schon etwas nerven - vor allem, wenn man geplant hatte, nach 8 Tagen fröhlich am Sandstrand zu toben.
Zu spät erreichen wir eine Ankerbucht auf Flores. Peter und ich wollen am liebsten umdrehen und weitersegeln. Es ist zappendüster, man sieht nix, Yaras, die schon im der Bucht sind, sprechen von vielen Fischernetzen. Aber wir wollen doch so gerne schon indonesischen Boden berühren...
...das geht dann auch in Erfüllung wenn auch ganz anders als erwartet.
Mit Schritttempo tasten wir uns voran. Aber, oje... Es gibt einen Rumser und… tja… wir sitzen am Riff.
Die nächsten Stunden des bangen Wartens auf Hochwasser sind wohl das schlimmste, das ich je auf der Risho Maru erlebt habe. Sollte die augenblickliche Flaute sich in Wind wandeln, sitzen wir in der...
Peter handelt wie ein richtiger Kapitän. Wir sind uns beide unseres Fehlers bewusst, aber, wo ich nur Heulen und Zähneklappern kann, ist er am Werken. Bringt einen Anker aus, sichert die Ruder mit Fendern, checkt das Unterwasserschiff mit Dinghi und Taschenlampe. Als gegen 2 Uhr Früh Wind aufkommt und eine kleine Welle Risho auf dem Riff knirschen lässt, blicke ich zum Sternenhimmel und bete.
Bitte lieber Gott, bitte Papa, bitte irgendwer da oben, liebes Universum, liebes Kalb im Mond…
Es gibt einen Ruck. "Wir schwimmen!" Peter spannt den Anker, Risho dreht sich und langsam gleiten wir in das tiefe Wasser, keine 2 Meter hinter uns. Wir waren tatsächlich auf der Riffkante gesessen. Strömung, schlechte Seekarte? Wie auch immer, bei Nacht fährt man nicht in eine Bucht ein. Wir haben es beide gespürt und haben nicht auf unserer Eier bzw Eierstöcke gehört. Dennoch: Danke Universum oder wer immer das da oben war! Wir segeln wieder! Nix is g'schehn!
Wir flüchten augenblicklich aus der Bucht, Fischernetze hin oder her, erst im offenen Wasser kann ich wieder atmen. Was für ein Albtraum das war.
Wie herrlich es sein muss, wenn die größte Aufregung der Woche ein Elternsprechtag ist...
Und weiter, weiter, weiter....Segeln, Flaute, Motor, Spinnaker, Fischerboot, Eieruhr, 20 Minuten, müde, müde..aber da! Jubeltag!
Der Peter wird in der sanften Flores See 50!

Schokokuchen, Muschelkette mit Blick auf Indonesien!

Indonesien sieht ziemlich spektakulär aus - zumindest von See. Unglaublich viele schmauchende Vulkankegel, sogar einen feuerspeienden haben wir in der Nacht gesehen! Wir haben den 14. Tag auf See.
Endlich nach 16 Tagen tuckern wir in die Westbucht von Flores, einem herrlich geschützten Naturhafen (das will ich hören), mit Schlammgrund (mein Herz hüpft vor Freude), einem netten Fischerdorf, Menschen und anderen Segelbooten!
Wir wandeln durch einen andere Welt, als wir endlich Indonesien unter unseren Seemannsbeinen spüren. Kompletter Szenenwechsel. Kulissen völlig ausgetauscht. Asien. Spinnenartige Auslegerkanus, Dschunkenartige Transportboote, Straßenrestaurants, hinter deren Glasfronten seltsame Speisen in Schüsseln dargeboten werden. Fischköpfe. Satespieße. Gebackene Eier. Flaschenartiges Gemüse. Bunte Farbenpracht, staubige Straßen, lachende Gesichter, dreckige Rinnsale, wahnsinnige Mopedfahrer, verwesender Fisch, Kleinbusse knallbunt ohne Türen, eine Moschee, Frauen mit Kopftüchern, Duft von Gewürz-Zigaretten
Mädls in knallengen Jeans, lästige Souvenierverkäufer und - siehe da - eine Espresso Bar Lounge.
Und genau da sitze ich und ess griechischen Käse und Zaziki und es ist mir wurscht, dass ich eigentlich irgendwas Indonesisches essen sollte in irgendeiner kleinen Tschumsen an der Straße. Ich schlürfe gierig den Cafe Latte statt eines ungezuckerten "kopi" vom Straßenverkäufer.
Denn ich war 16 Tage auf See, ich bin 40 geworden, durch die Torresstrait gesegelt, auf einem Riff gesessen und hab die Sterne angefleht.
Und wenn ich da jetzt so sitze und der Muezzin ruft, die Sonne heiß herunterbrennt, die Risho sicher vor Anker liegt und hinter ihr die spitzen Vulkane Komodos ragen, dann frag ich mich, so ganz still, heimlich und ein bisschen ängstlich, wie das dann wohl wirklich sein wird in einem Jahr in Wien beim Elternsprechtag oder im Stau oder beim Billa...

Einmal Torresstrait und nicht zurück!
Aus dem Logbuch von Skipper Pete

Ich bin heute früh schon um fünf Uhr dreißig aufgestanden, denn die letzten 16 Tage auf See haben das Zeitgefühl vollkommen durcheinander gebracht. Immer noch im Rhythmus der Nachtwachen alle zwei Stunden zu wechseln.
Ein wunderschöner Sonnenaufgang und der Muezzin ruft sein Gebet in den Morgen von der Insel Flores in Indonesien.
Die Gerüche der Insel steigen mir in die Nase, und ich spüre ein sanftes Willkommen im Indischen Ozean. Ja der Pazifik liegt hinter uns und eine vollkommen andere Welt breitet sich vor uns aus. Die beiden Ozeane sind in dieser Breite mit der geschichtsträchtigen Torresstrait verbunden. Und genau von dieser möchte ich berichten. Wie schwierig muss in vergangenen Zeiten das passieren dieser Meerenge gewesen sein ohne GPS und Radar, das wird uns jetzt, wo sie hinter uns liegen, so richtig klar. Es gibt viele Geschichten von Stürmen, Riffen und Strömungen bis zu 6 kn, und wir haben erfahren, dass auch mit heutigen Mitteln diese Meerenge nicht einfach zu befahren ist.
Am 9. September segelten wir von Port Moresby mit 20 kn Wind aus SE in Richtung Bramble Cay los. Bramble Cay ist eine Leuchtturminsel an der nordöstlichen Einfahrt der Straße.
Ein Tag, eine Nacht, ein Tag.
10.9. 16h30 Bramble Cay an Steuerbord. Gebe den nächsten Wegpunkt in das GPS ein, ziehen die Segel dichter und wechseln von Raumschotkurs auf Halbwindkurs. Wir kommen in die Abdeckung der ersten Riffe, die See wird flacher, von drei Meter auf eineinhalb. Speed 7-8 Kn, Kurs 235°
21h00 Pos S 09°24 450 E 143°50 353 Das Leuchtfeuer von der Insel Stepheus ist zu erkennen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, zahlreiche Fischerboote kreuzen unseren Kurs. Ein Tanker in zwei Seemeilen an Backbord. Und da noch einer, und was ist das nur für ein Schiff? Na der macht uns keine großen Probleme, denn hier in diesem Seeabschnitt sind wohl die ganzen Crews in Bereitschaft.
Der Wind legt auf 30 Kn zu, binden zwei Reffs ins Großsegel,die See bleibt recht stabil.
2h40 Eines der Fischerboote kommt uns sehr nahe, ist mit Arbeitslichtern so stark beleuchtet, dass ich seine Positionslichter nicht erkennen kann. Strahle meine Segel mit dem Scheinwerfer an, damit er erkennen kann, dass wir unter Segel sind - keine Änderung .Alex versucht ihn auf UKW zu rufen, es meldet sich ein anderes Schiff. Dann dreht er endlich ab. Es regnet leicht, und die Sicht ist auch nicht gerade gut.
5h Im Great North Channel müssen wir hart am Wind Segeln, dennoch machen wir guten Speed.
Gut für uns, denn das Zeitfenster bis Horn Island ist knapp, wollen es bis zum Nachmittag schaffen, um mit der Strömung zwischen den Inseln einzulaufen. Es gebe noch die Möglichkeit bei einer der Inseln in Lee zu Ankern, aber wir haben uns entschieden durch die Nacht zu gehen. Ob es so viel angenehmer ist, bei 30-35 Kn auf einem nicht wirklich geschützten Platz zu ankern, weiß ich nicht. Schlaflose Nächte kennen wir ja bereits.
Im Morgengrauen sehen wir auf einem der Riffe hoch oben ein etwa 120 Meter langes Schiffswrack - sehr aufbauend. Jetzt spüren wir, dass wir beide diese Nacht kein Auge zugemacht haben. Finn kommt gerade aus seiner Koje und ist begeistert von dem Schiff hoch oben auf den Felsen . Schön, dass er sich so sicher auf der Risho fühlt ,er kann wirklich bei jedem Wetter schlafen, der kleine Seebär.
10h Acker Shoal an Steuerbord. Endlich wieder Halbwindkurs und wir machen 8-9 kn Speed das ist gut so Kurs bis Twin Islands 238°
Können mit einlaufender Strömung zwischen Horn und Thursday Island durchsegeln.
15h Ankern in Lee von Horn-Island , vollkommen geschützt, wir haben's geschafft, wir sind fast durch, durch die berüchtigte Torresstrait. Müde aber stolz erwarten wir den Australischen Custom and Immigration an Bord . Die Behörden sind sehr freundlich. Und wir merken, dass sie Erfahrung mit nervlich angespannten Seglern haben. Einer der Beamten gibt uns noch den Tipp, hier nicht baden zu gehen, denn es gibt Krokodile. Ich versuche mit dem Fernglas welche in den ufernahen Mangroven zu entdecken und merke, dass ich nicht mehr scharf sehen kann - einfach viel zu müde, oder stimmt es tatsächlich, dass ich in wenigen Tagen 50 werde?
Morgen müssen wir früh los, um mit der Strömung die letzten 30 Seemeilen durch die Torresstraße zu segeln. Die Garnetpassage liegt hinter uns, wir segeln mit 20 kn Wind in der Arafura See. Jetzt nehmen wir uns in die Arme, wir haben die Torresstraße bezwungen das ist doch was oder?

 

12.08.2008, nach Torres Strait

Funkmail von der Risho Maru:

"Sind sicher durch die Torres Strait und auf dem Weg nach Indonesien, Tanimbar Islands.
Torres Strait war Adrenalin pur - 40 Knoten Wind und tausende Riffe, Schiffe, Fischer, Tanker in der Nacht... rahhhhh... Wurden dann für einen Tag in Australien ein und ausklariert und dank flexibler Beamter (ja, diese Wortkombination gilt hier tatsächlich... ) mussten wir die 250 Dollar Gebühr nicht bezahlen und durften unser Gemüse und Obst behalten.
Also, 4-5 Tage Segeln, Asien wir kommen! Australien machen wir bei der 2. Runde (was hab ich da gerade geschrieben?!... )"

 

31.07.2008, Louisiaden Vanuatu Teil 3
Die Leute aus Vanuatu

Martha mit Schubkarre, Eric mit Fischernetz, Charly im Mangrovenbaum, Stanley im Auslegerkanu, Sara mit Gemüsekorb. Die Leute von Vanuatu. Im Kokoshain, am Dschungelweg, auf der Vulkanstrasse, beim Rockkonzert, in der Markthalle, der Küchenhütte, dem Gemeinschaftshaus.
Schon wieder 900 Seemeilen weiter geistern mir ihr Lächeln, ihre kühlen Hände, ihre freundlichen Augen immer noch im Kopf herum. In Vanuatu herrscht das Prinzip "Freundlichkeit" dem Fremden gegenüber, dem Anderen, dem Neuen. Kann man ja von zu Hause im Westen nicht gerade behaupten.
In Port Vila, der quirrligen Hauptstadt Vanuatus auf der bergigen Insel Efate, herrscht Stadtgetümmel. Viele Autos, Hotels, Restaurants, Supermärkte - vom chinesischen Ramschmarkt bis zum australischen Durschnittssupermarkt. Alles da. Mit unserer Ankunft fällt die Netzeröffnung des Handyanbieters Digicell zusammen. Die amerikanische Großfirma lässt sich nicht lumpen. Man sponsert ein Rockkonzert für die Leute von Vanuatu. Werbewirksam flimmert über die Großbildleinwände ein Werbefilm für den Handyanbieter. Buschmänner mit Handy, Kokospflücker mit Handy, Fischer mit Handy, fröhlich im Wasser tobende Jugendliche mit Handy (wobei ich keinen einzigen Vanuaten je im Meer schwimmen gesehen habe...).
Als wir auf der nördlich gelegenen Insel Malakula in Port Sandwich Stopp machen und gemütlich durch malerische Palmgärten zum Hauptdorf spazieren, trinken wir kalte Limonade im kleinen Store. Auch hier Handywerbung, nur gibt es keinen Empfang, erklärt uns ein netter Einwohner und schwenkt sein nagelneues Handy vor unseren Nasen. Dann begleitet er uns zur örtlichen Bäckerei. Ein palmblattgedeckter Schuppen mit einem großen gemauerten Ofen.
In einer hölzernen Schale rastet der Teig für Baguette und Sandwichbrot.
Ungefähr um 14 Uhr gibt es Brot meint Bäcker David und verspricht, es dann gleich zum Schiff zu paddeln. Um 19 Uhr klopft es an die Bordwand. Bread is ready!
Inselzeit. Zeit ist bei den Leuten von Vanuatu ein sehr dehnbarer Begriff.
In der Früh beim ersten Morgengrauen wird schon gepaddelt, gekocht (über offenem Feuer), gegangen (Autos gibt es ganz selten, außer in Port Vila).
Irgendwann zu Mittag geht man in den Garten. Die Gärten liegen oft einige Kilometer vom Dorf entfernt, gegen Abend kommen dann die Leute aus den Gärten, bepackt mit Gartenwerkzeug, Scheibtruhen voller Gemüse oder einfach geflochtenen Taschen über dem Rücken: Taro, Bananen, Island Cabbage (Spinat).
Abendessen köchelt schon über dem Feuer, in einfachen, immer blitzblank gescheuerten Alutöpfen. Vor der Kochhütte befindet sich ein großer Tisch, darauf Teller, Töpfe, Pfannen, einfaches geblümtes emailiertes Essgeschirr.
Die Frauen sorgen für höchste Sauberkeit in und um alle Hütten. Schlafhütte mit Matten und Tüchern, auf manchen Inseln gibt es auch schon richtige Häuser. Aber immer ist die Küchenhütte vom Haus getrennt. In Port Sandwich lerne ich Sara kennen, ich bewundere ihren schönen Blumengarten und den qualmenden Erdofen. Sie zeigt mir ihr zu Hause, stellt mit ihre Kinder vor und verspricht mir Gemüse für den nächsten Tag. Im Schlafhaus - einem richtigen Haus aus Beton - sitzen ein ganzer Haufen Leute vor dem modernen Videogerät und bewundern Celine Dion in einem Life Konzert! Nebenan brutzeln die Brotfrüchte am offenen Feuer. Im Palmenhain stehen einige Kühe und grasen neben den immer Kokosnuss fressenden Schweinen. Im Hauptdorf gibt es eine große Schule - von den Katholiken geführt. Ja, das stabilste und schönste Gebäude ist tatsächlich die Kirche! Neben den Bildern der Leidensstationen Jesu hängen Bilder von Sanddrawings. In Port Vila im Museum malte einer der Guides für uns in den Sand eine dieser Zeichnungen. Man darf nicht absetzen mit dem Finger, und es ist die hohe Kunst, ein symmetrisches Bild zu gestalten. Der Guide singt die ganze Zeit während er zeichnet die Geschichte zur Zeichnung. Im Kulturzentrum in der Hauptstraße Port Vilas werden dafür Kurse angeboten. Ein Schuljunge kniet vor einem Holztablett mit Sand und malt den Schmetterling. " My Grandma showed it to me" murmelt er und rückt seinen Billabong Short zurecht.
Wir sitzen einige Zeit in der Kirche in Malakula, Schüler lugen neugierig durch die Tür und grinsen uns an. Das hier ist eine Bording School, nur am Wochenende geht man nach Hause. Neben der Glocke, die alle zum Gottesdienst ruft, steht eine riesige traditionelle Schlitztrommel mit Holzschlegel. Doppelt hält besser! Was hätten die gestrengen Missionare der Kolonialzeiten wohl dazu zu sagen?
Unser Bäcker führt uns weiter durch das Dorf. Zeigt uns das Krankenhaus. Im Aufnahmezimmer eine Liegebett aus dem 2. Weltkrieg. Diese Krankenzimmer sind aus dem Stoff, aus dem man Albträume macht. Alle Gebäude wirken leer und verlassen. Möchte hier auch nicht krank sein. Nur in der Geburtenstation sitzen ein paar Frauen - eine hochschwanger - am Gang am Boden und knabbern Zuckerrohrstangen.
Als ich einige Stunden später wieder auf unserem Schiff bin, sehe ich den Überfluss der Dinge, die mich hier an Bord umgeben umso deutlicher. Nicht eine Sorte Mehl, nein, Roggen-, Weizen-, Maismehl. Nicht ein Gewürz, wie Salz oder Zucker, nein, Oregano, Paprika, Soja, Kümmel, Muskat...
Ich schlürfe meinen heißen Tee, esse ein paar Kokoskeks und denke darüber nach wie es möglich wäre, unsere beiden Welten zu einer perfekten zu verbinden. In welcher Einfachheit regiert statt Überfluss, die aber doch Sicherheit und Stabilität gewährt. Gibt es nicht. Vielleicht doch, irgendwo. Oder vielleicht sollte ich einfach versuchen, so zu leben.
In Luganville auf der Insel Espirito Santo, wieder einige Meilen nördlicher, liegen wir vor dem Resort Aore Island. Klares Wasser, schöner Sandstrand, gepflegtes Restaurant mit Drinks und Mittagsmenü und schmucken kleinen Wohnhütten. Weiße Leintücher zum Trocknen an der Sonne. Hübsche Angestellte im Blumenkleid. Geführt von einem Australier. Der Taxibootfahrer spricht 4 sprachen: Beslama, Englisch, Französisch, Japanisch. In der Haupstadt der Insel wandern wir an staubigen Chinesensupermärkten vorbei zum großen Gemüsemarkt und kaufen dort in Bananenblätter eingewickelte Minitomaten.
Dann setzen wir uns ins Anemoro Café und essen Hamburger. Jaja, die beiden Welten! Die australische Chefin lässt ihren Blick über die gut besetzen Tische schweifen. White skin kommt hier zum Mittagessen. Wieder im Taxiboot lachen und blödeln wir mit den Angestellten des Resorts.
Sie erzählen uns vom Million Dollar Beach, gleich bei der Einfahrt nach Luganville. Die Amerikaner waren hier im 2. Weltkrieg um Raum abzustecken gegen die Japaner. Dort glitt dann die luxuriöse Begleityacht der Amerikaner auf eine falsch platzierte Unterwassermine und das Schiff sank mit Mannschaft und teurer Fracht. Noch heute werden alte Colaflaschen an die Strände gespült. Finn tauchte eine-schweres Glas mit Prägung 1940! Sammlerstück! Sonst erzählen noch die in Grashügeln versteckten Bunker Kriegsgeschichten, und der eine oder andere alte Jeep. Was nahmen sich die Vanuaten aus der ganzen Geschichte? einige gründeten den John Frum Kult, eine Religion, in der Kapital das wichtigste ist. Wer Besitz hat, ist der König, wer Geld bringt der Kaiser. Aber die meisten Leute von Vanuatu wissen, das Glück bedeutet, das Essen im Garten zu haben und dafür nichts bezahlen zu müssen. Und dann zu arbeiten wenn man will. Und da kommt dann wieder die Zeit ins Spiel. Einmal besuchten uns einige Einheimische mit ihrem Kanu. Wir fragten, ob sie ein paar Paw Paw (Papayas) für uns hätten
Sie meinten: "Klar, im Dorf." -
"Sollen wir morgen so um 9 Uhr kommen um sie zu holen? Wäre das ok? Oder ist 10 Uhr besser?" fragte Peter an. Da erwiderte Eric, der Fischer, verwundert: "Sure. Why not? You can it Paw Paws anytime!"

Fotos

Kapitän Pete
Auf dem Weg in den Indischen Ozean

Meilen um Meilen nähern wir uns jetzt der Torres-Straße, die Seestraße zwischen Australien und Papua Neuguinea. Westlich davon liegt die Arafura See und der Indische Ozean, das bedeutet für uns, dass wir nach mehr als einem Jahr den Pazifik verlassen. Wir denken an die schöne Zeit, die wir hier verleben durften, an die wundervollen Eindrücke und Geschichten, die wir erfuhren .Von Panama bis Papua Neuguinea so viele unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen, die wir entdeckt haben. Eines aber verbindet diese Inseln mit einem unsichtbaren Band, das ist die Lebensfreude, die auch heute noch auf den meisten Inseln des Pazifiks zu finden ist. Keine Frage, dass das Leben auf so manchem Atoll nicht ganz so einfach ist, aber die meisten Menschen spüren schon, dass die Natur, in der sie leben, und die Kraft, die sie daraus tanken, eine ganz besondere ist. Wir lernten so viel von den Menschen, dass ich mich oft fragte, ob es nicht Zeit wäre, von diesen Menschen in unserer Gesellschaften zu lernen. Denn die Schulbildung, die sie bekommen, ist gut sowie sie ist, doch wird sie immer unsere westliche Denkensweise mittransportieren. Und das ist der Punkt: Der weiße Mann irrt manchmal gewaltig. Wir haben gelernt und versucht, etwas näher an den Rhythmus der Natur zu kommen, haben erfahren, dass genau dies die Freiheit bedeutet, nach der wir uns sehnen. Zeit hat ihr ganz besonderes Tempo hier im Pazifik, und wir haben einiges von unserer Lebensweise aufgeben müssen, um dieses Zeitverständnis zu verstehen.
Am Strand in Tanna, Vanuatu, traf ich eine Frau, die fischte. Auf meine Frage "How is the fishing today?" meinte sie: "If I catch some fish I go home, if I catch no fish I go home too!"
Dieser Ozean gibt sein eigenes Tempo vor, das haben wir auch gelernt, und jede Meile ist ein Stück Erfahrung mehr.
Der Pazifik ist einer der faszinierendsten und aufregendsten Erdteile dieses Planeten - das steht für uns fest. Und auf Ile de Casy in Neu Caledonien wanderten wir auf die höchste Erhebung der Insel, und dort auf einem von Seglern errichteten Steinhaufen haben wir unseren persönlichen Stein gelegt. Damit gaben wir das Versprechen, eines Tages wiederzukehren, in unseren so geliebten Pazifik.

 

17.07.2008, Louisiaden

Funkmail von der Risho Maru:

"Sind nach 6 Tagen gut in den Louisiaden gelandet. Hier türkise Lagune, Kokospalmen, weiße Strände - wieder mal Fototapete!
Das Segeln, naja, der Westpazifik ist nicht umsonst als schwierig bekannt... viele Gewitter, Regen, hohe Wellen, aber wenigstens der Wind und die Welle von hinten! Eine gewaltige Steigerung! Und die letzten 80 Seemeilen hat sich ein müder Albatros auf unsere Solarpanele gesetzt und alles vollgesch... naja, der Bursche war wirklich fix und fertig. Peter hat neben ihm unseren Windpiloten immer wieder mal eingestellt - der Albi hat ihn nur müde angeschaut. Hat wohl gemerkt, dass wir auch nicht ganz fit waren...
Die Risho dafür umsomehr, selbst einen Squal mit 50 Knoten segelte sie ohne Segel mit Speed 6 ab. Und natürlich der Finn: Immer fröhlich und gut ausgeschlafen! Der Segelstar von heute und morgen!
So, jetzt aber ab in die Koje, schnarch..."

 

07.07.2008, Inselwelt Vanuatus Sind unterwegs in der schönen Inselwelt Vanuatus. Und da denk ich mir, eine Geschichte sollte schon seit langem erzählt werden. Und zwar diese:

Wer ist Hari?

Dem geehrten Risho Maru Homepage Publikum sollte er bereits seit 3 Jahren wohlbekannt sein. Hari ist der Mann hinter der Homepage.
Aber ehrlich gesagt. Hari ist viel mehr.
Erstens ist er einer unserer besten Freunde. Einst rettete er uns aus einer prekären Notsituation, als unser Malaspina Ex Schlagzeuger beschloss, 3 Tage vor der Weltpremiere doch lieber nicht mitzuspielen. Hari sprang ein. Und blieb.
Bis heute ist er unser Lieblingsschlagzeuger, wenn auch zur Zeit gemeinsames Musizieren ausfällt. Dass er freiwillig anbot, unsere Homepage zu betreuen war ein großes Glück! Wahrscheinlich würde ich jetzt noch versuchen, den Bericht über die Kanarischen Inseln verzweifelt auf die Seite zu laden und die Fotos, welche Fotos?
Und so kriegt Hari regelmäßig Post von PAF aus allen Ecken dieser schöner Welt. Und ich fiebere jedesmal auf seine Antwort, denn eines ist klar: Er ist der erste, der die Berichte liest, der erste der die Fotos betrachtet.
Lobt er uns sind wir fröhlich, sagt er gar nix sind wir beunruhigt. Gefällt's ihm nicht? Dass er so nebenbei auch noch ein Arbeits-, Liebes-, Motorradleben führt vergessen wir dann manchmal...Rechtschreibfehler bessert er dezent aus! Danke! Er, meine Mutter und Peters Schwester Andrea sind die ersten, die erfahren, dass der Ozean gut überquert, die Crew wohlauf, die Insel sicher erreicht ist.
Wir versuchen, diesem zurückhaltenden Burschen immer ein bisschen was herauszulocken über sein Leben, und freuen uns dann mit ihm über die neuerworbene Guzzi (eine rassige Italienerin - für alle nicht Motorradkenner), das Hardrock Konzert mit eigener Band am Wochenende oder die verschlungenen Wege der Liebe. Und natürlich sein neues Heim, das er zurzeit wohlüberlegt und begeistert einrichtet!
Bis jetzt konnten wir ihn noch nicht auf die Risho Maru locken - weder die schönen Insulanerinnen aus französisch Polynesien (er spricht übrigens perfekt Französisch!) noch die heißen Motorradstrecken Neuseelands ließen ihn weich werden. Andererseits: wie sollten wir ihn mit unseren Abenteuergeschichten überraschen, wenn er selbst dabei wäre? Vielleicht ist das sein Hintergedanke...
Aber wir geben die Hoffnung nicht auf - selbst Segler - wird er es sich wohl nicht nehmen lassen, im Mittelmeer einige Meilen mit der Risho in die Heimat zu segeln..., wobei wir mal überlegen müssen, wo wir seine Guzzi auf der Risho unterbringen....aber das wäre schon wieder eine nette Geschichte, die erzählt werden müsste... und Hari wäre dabei... und das würde uns sehr freuen... und er könnte mir dann endlich persönlich erklären, wie das mit der Homepage funktioniert!

PS: Ja, Hari, das ist auch eine wichtige Story, die definitiv auf die Homepage gehört! Keine Tricks! Alex

Fotos

 

24.06.2008, Vanuatu Vanuatu oder "Zeit, was ist das?"

1. Teil: Tanna - Am Rande des brodelnden Vulkans

Ich träume. Sehe lachende, dunkle Augen, Fliegen ,Feuerfunken. Und einer sagt was von Nemaka, dem Geist der Pflanzen. Es ist heiß, die Wolldecke aus Neuseeland liegt wie Blei auf mir, als ich mitten in der Nacht erwache. Ich muss an die Luft. Draußen eine leichte Brise, Tropendüfte, Rauch, an Land tiefe Dunkelheit. Ein Grollen. Ich blicke auf den Berg der sich rechts von mir gegen den Sternenhimmel abzeichnet: Mount Yasur. Er grollt. Er ist der Vater, für manche noch heute. Manchmal bringen die Leute ein Schwein zu ihm und werfen es hinab in seinen kochenden Schlund. Noch heute. "Aber natürlich meinen sie damit Jesus" fügte Jerry, unser Vulkan Guide an. Es verging eine kurze aber eindeutige Zeitspanne vor dieser christlichen Beifügung. Da sahen wir uns an und er war sich nicht sicher, ob diese white skin vor ihm das verstehen kann. Ich grinste, er grinste. Wer auch immer das ist - ich finde es toll - sage ich. Dann beugte Jerry sich hinab und hob eine Handvoll schwarze Vulkanerde auf. Captain Cook wollte von den Eingeborenen wissen, wie das Land hier heiße und um diese Frage zu unterstreichen berührte er die Erde.
Sie, die Einwohner, wunderten sich und sagten "Mbtanna - das ist Erde". "Tanna" verstand Cook, und so erhielt diese Insel ihren Namen.
Wir sind in Vanuatu und trotz vieler Erzählungen über diese Inseln sind wir nicht vorbereitet auf die aus Matten und Palmblättern gefertigten Hütten, die offenen Feuer, die neugierigen Kinder, die scheuen, freundlichen Menschen. Das hier ist kein Freilichtmuseum für "wie man einst in Tanna lebte" das ist Tanna. Das ist Port Resolution, ein kleines Dorf in einer ruhigen Bucht, Schweine die frei herumlaufen, Küchenhütten, Schlafplätze auf einfachen Matten, nackte Kinder, lästige Fliegen. Das ist der Süden von Vanuatu. Es gibt einen Yachtclub, eine Holzhütte mit Holztischen. Als wir eintrudeln sitzen dort zwei einheimische Mädels und machen Musik. Die eine auf einer Kiste mit einem Bambusrohr, das mit einem Seil an der Kiste befestigt ist - der Bass - und die andere mit einer einsaitigen Gitarre. Sie nennen sich Stringband und lachen, ein schönes Lachen. Stanley kommt. Er ist der Checker im Dorf und organisiert unsere Fahrt per Truck in den Hauptort Lenakel am anderen Ende der Insel.
Off Road Drive - 2 Stunden lang auf der Ladefläche des Trucks. Quer durch den Dschungel auf einer Art Weg, durch einen Fluss, vorbei am Vulkan, ins Gebüsch, auf einen Berg, hinunter den Hügel, vorbei an Hütten, durch Dörfer.
Kinder laufen dem Truck schreiend nach - Bye, bye, bye, bye.
In Lenakel gibt es eine Hafenmole, und ein Geschäft und einige Häuser, die sogar aus Beton gebaut sind. Wir melden uns bei Polizei, Immigration und Quarantäne, die freundlichsten Beamten der Welt. Wir haben Hunger. Wir kaufen Kokosbrot und Maniokchips und Mandarinen im örtlichen Supermarket. Pulvermilch, Zwiebel, einige Corned Beef gibt es hier auch noch. Wir warten eine Stunde auf Stanley, er ist verschwunden. Aber keiner der Einheimischen am Truck sucht ihn wirklich. Wird schon wieder auftauchen. Lasst uns einfach ein bisschen auf der staubigen Hauptstraße von Lenakel auf und ab fahren. Irgendwann kommt Stanley dahergelatscht mit einem Paket Zucker unter'm Arm. Wir, die Touristen, begrüßen ihn überschwänglich, die anderen wundern sich über uns.
Irgendwie scheinen wir hier auf einem anderen Planeten gelandet. Zeit. Was ist das?
Was, das sowieso vorbeigeht, egal ob man dabei mitmacht oder nicht.
Mount Yasur, der Vater, grollt als wir am Nachhauseweg an ihm vorüberrumpeln. Jaja, wir kommen und werden uns vorstellen, Yasur!
Hier im heißen Sand am Fuße des Vulkans oder auf der "Straße", überall kommen uns immer wieder Menschen entgegen. Irgendwo mitten im Dschungel. Überall wird gegangen. Es gibt ja auf dieser Seite der Insel nur dieses eine Auto. Und Sprit ist sowieso unglaublich teuer. Was sind schon 2 Stunden in die Schule oder eine Stunde durch den Dschungel nach Hause. Es ist so anders hier und doch irgendwie tief in mir rührt sich was, das sagt, da waren wir auch mal.
Vor langer Zeit, 60, 70 Jahren in Österreich hatte doch auch nicht jeder ein Auto und wer weiß, bei den heimatlichen Benzinpreisen sind wir da in einigen Jahren tatsächlich wieder!
Die Menschen von Port Resolution und den umliegenden Dörfern haben Gärten angelegt. Taro, Snakebeans, Christophinen, Brotfrucht und die Paw paw, die Papaya.
Essen wird ins Feuer gelegt zum rösten, garen tut alles im Erdofen. Es gibt keinen Einbauherd , keinen Kühlschrank, außer dem im Yachtclub, die haben ja auch einen Laptop. Ich denk an den Erdkeller meines Großvaters auf seiner Jagdhütte. Rupp Käsle und Brot.
Mit dem Truck bleiben wir bei einem gigantischen Baumhaus stehen. Darunter einige Tische mit Wurzeln, das ist kawa, wird hier wie Tee getrunken und macht schön taub und müde. Frauen dürfen auf Tanna nicht mittrinken. Frauen haben mindestens 3-7 Kinder, arbeiten Tag aus, Tag ein im Garten, in der Hütte. Die Dörfer blitzen vor Sauberkeit, alles gerächt und gejätet, das Geschirr geschrubbt. Matten und Körbe werden aus Pandanussfasern geflochten.
In der kleinen Markthütte tausche ich einen Schlafsack und Kinderkleidung gegen zwei Körbe. Alle Mamas, die die Körbe hergestellt haben, müssen da sein, es wir beraten, meine Ware beäugt. Sandra, eine peace corps Arbeiterin, übersetzt Beslama (einen der vielen Landessprachen) in Englisch. Die Frauen reden untereinander in ihrer Stammessprache, schauen mich an, schauen die Körbe an, kichern, den Schlafsack, mich, die Kindersachen, Sandra, mich, Schlafsack. Kicher. Und... Blong yu!
"Belong to you" übersetzt Sandra. Die Körbe sind mein.
Doch zurück zu Yasur. Er rumpelte einige Tage später schon von Morgen an. Nichts wie rauf! Per Truck ging es durch den spätnachmittäglichen Dschungel. Wir wollten den Einbruch der Dunkelheit am Vulkan erleben.
Wir stapften die 200 Höhenmeter zum Krater durch schwarzen Lavasand. Wruuummmm! Lavabrocken flogen im hohen Bogen durch die Luft.
Yasur grollte und stieß eine atompilzähnliche Rauchwolke aus.
Am Kraterrand angekommen starrten wir fasziniert in die Tiefe. Glutfetzen, Rauch, Schwefeldämpfe. Guide Jerry erzählt, dass 2 Frauen Lablab (Tarowurzeln mit Spinat und Huhn) über ihrem Erdofen garten und plötzlich gesellte sich ein Schwein zu ihnen und bat, ob es sich am Feuer wärmen dürfte. Sie stimmten zu, es war eine kalte, regnerische Nacht. Da saß das Schwein bei ihnen und plötzlich begann es zu wachsen und bedeckte das Feuer und die Frauen, das Lablab und die Brote, die sie gerade buken. Und aus dem Schwein wurde Yasur und die zwei Krater in seinem Schlund sind die beiden Frauen.
Yasurs heißer Atem blies uns ins Gesicht. Über uns wurden glühende Lavabrocken in den Abendhimmel geschleudert. Je dunkler es wurde, umso wütender wurde Yasur, so als wolle er uns zeigen, wer hier der Vater ist. Ich war mir plötzlich auch gar nicht mehr sicher, ob die wissenschaftlichen Erklärungen in Finns Kinderlexikon unter V wie Vulkan ganz ausreichend sind für dieses Schauspiel. Denn warum braucht die Lava vom Erdkern bis zum Augenblick, da sie aus dem Schlund gestoßen wird, genau 9 Monate? Warum zuckte Jerry, unser Guide, der diesen Vulkan doch schon ewig kennt bei jeder Eruption derart zusammen? Ein dumpfer Aufprall eines Lavabrockens einige Meter hinter uns machte klar, dass die Windrichtung nicht günstig für uns stand. Ich wollte gerade ansetzen um vorzuschlagen, vielleicht das Feld zu räumen, da gab Jerry nervös das Zeichen zum Aufbruch. Vor einigen Jahren fiel einem Japanischen Vulkanologen eines dieser Lavastücke auf die Brust. Auf der Stelle tot. Durchgebrannt. Wir stolperten im Dunkeln mit unseren lächerlichen Stirnlampen den Berg hinunter. Die Lavaspritzer kamen gefährlich nahe und ich dankte dem Vater Yasur, oder wem auch immer, als wir wieder im Auto saßen und durch den dampfenden Dschungel rumpelten, für seine Nachsicht uns gegenüber. Nirgends sonst kann man so nahe an einen Vulkanrand, unsere kanadischen Segelfreunde schütteln den Kopf über die nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen. Peter dachte an seinen ersten Vulkangang auf den gesicherten Wegen rund um den Stromboli und den aufregenden Blick auf die Glut durch ein Fernglas.
Quietschend stoppte der Wagen vor einer Fackel, die in die Strasse ragte. Im Hinterholz sah man einige Kerzen, die eine Kawa-Bar beleuchteten. Unser Fahrer holte sich eine Flasche des Gesöffs. Für uns gab es nix mehr. Die Scheinwerfer unseres Autos teilten die dunkle Nacht, über uns flatterten Flughunde, auf der Straße immer wieder Menschen, Familien auf dem Weg wohin auch immer.
Im Dorf in der offene Kirchen singende Kinder bei Kerzenlicht. Vor dem Gute-Nacht-Sagen fragte ich Jerry noch: "Wie das hier ist mit dem ‚Zauber' auf Tanna ? Ich hab davon gelesen. Is it good magic?" - "Nein, ganz schlecht" meinte er. Aber um gute Geister anzulocken gibt es unter allen Bewohnern Tannas einen wichtigen Vorsatz: ein guter Mensch muss man sein. Das hilft um den bösen Zauber fernzuhalten. Kirche gehen hilft auch, fügt Jerry nach einer etwas zu langen Pause hinzu.
Wir grinsten uns an.
Ich träume wieder. Von guten Geistern, guten Menschen und dass die Frauen Kawa trinken bis zum umfallen. Gud nät, Tanna. Slip, Yasur!

2. Teil: Erromango - Was passiert, wenn man in Vanuatu einen Jodler anstimmt?

Wo ich geh und steh - ich sitze auf geflochtenen Pandanussmatten in einem palmblattbedeckten offenen Haus
tuat mir mei Herz so weh, neben mir sitzen Belinda, Prucilla, Rachel, Rose, Rona und Pamela in ihren Blumenkleidern und halten sich vor lachen die Hände vors Gesicht,
ich hab grad angefangen einen typisch alpenländischen Jodler zu singen.
um mei Steiermark - das ist hier die Dillon Bay auf Erromango-Vanuatu!
ja glaubt's ma's g'wiss - die glauben mirs, glaub ich zumindest
Wo des Büchserl knallt - Rose 6 Monate altes Baby George knallt zwar nicht aber kreischt begeistert
Und wo der Gamsbock fallt - wenn hier was fällt, dann Schweine, aber im Augenblick rösten nur Brotfrüchte neben der Küchenhütte Prucillas.
Wo mei lieber Herzog Johann is - kein Kommentar

Holareodulio - Pamela fällt die Kinnlade runter.
Diriadulio - Rachel starrt mich entgeistert aus ihren ca 107 Jahre alten Augen an.
Diraduliö - Rona verlässt das palmenbedeckte Frauenhaus um kurz später mit ihren Schwestern Lian und Leiwin wieder zu erscheinen.
Diriaduhulio - Sydney, der 80 jährige Urgroßvater von Rose, nähert sich dem Frauenhaus, das ist hier noch niemals passiert.
Holareodulio - (eine Oktave höher!) - Rona legt mit besorgt Blick auf mich die aufgerollten Pandanussstreifen auf die Seite.
Holarehoduliö - Rachels ca 250 Jahre alte Mutter Kurua erscheint erstmalig seit Jahren ohne ihr Vormittagsnickerchen beendet zu haben.
Hola RiaRiaRia Ria Ri- Die Schulkinder, die gerade aus der Schule kommen stimmen begeistert ein RiaRiaRiaRiaRia.
Diri... aaaa... dulio!!!!! - das Dorf ist in Aufruhr, Schweine rasen durch das Frauenhaus, Männer lassen ihr Tagewerk - das Sandelholz zuschneiden - liegen, Fischer holen ihre Netze ein.

Hul-iiiiii-ooooooo!!!!! Prucilla angelt in Windeseile eine geröstete Brotfrucht aus der Glut, bricht sie auf und reicht sie mir eilig auf einem Bananenblatt.

"Hanggri?" (Anmerkung des Übersetzers: Beslama für hungry, hungrig)

Port Vila - Die Hauptstadt Vanuatus
Stadtgetümmel

Wir segelten aus Erromango eine Nacht nach Efate, Port Vila.
Aus Gewohnheit kochte ich heißen Tee, legte das Ölzeug bereit und den dicken Fleecepullover. Peter betrachtete mich seltsam von der Seite, sagte aber nix.
Oder grinste er vielleicht doch ein bisschen?
Jedenfalls, 12 Stunden später hatten wir unsere erste, gemütliche Tradewind Segelei seit langem hinter uns. Nur Sternenhimmel, Mond, plätscher, plätscher... Soviel zum Segeln! Und kein Wort mehr!
Sowenig wir das simple Leben auf Tanna und Erromango erwartet hatten, sowenig waren wir auf die Landeshauptstadt Port Vila vorbereitet.
Autos, Smog, Supermärkte, Cafés, Kino, Surf Shops, Resorts, Luxushotel - alles da, keine 70 Seemeilen von frei laufenden Schweinen, nackten Kindern und tauschfreudigen Einheimischen entfernt. Seltsam.
Wir schlenderten zum riesigen Frischmarkt. Hier tauschte keiner Angelhacken gegen Bananenstaude. Oder T-Shirt gegen 3 Kokosnüsse.
Körbe gibt es gegen Vatu Scheine.
Yasur, kein Vater sondern Ausflugsziel, Pandanussmatten zum Aufhängen im heimatlichen Wohnzimmer!
Flexibel wie wir sind, stürzten wir uns ins Kleinstadtgetümmel, genossen Cafe Latte und Eiscreme, frische Baguette und Steaks aus dem Supermarkt. Westler!
Und hängen hier an einer Mooringboje beim Yachtclub.
Haben schon das Musikfest "Fête de la Musique" erlebt, eine "Kino unter Sternen"-Nacht, das geschlossene Nationalmuseum besucht, das lokale Bier "Tuscan" probiert. Und bleiben noch einige Zeit. Es ist angenehm hier und wir nehmen uns Zeit für Schreiben, Schule, Putzen, Waschen. Bordalltag im Hafen.
Rüsten uns für den nächsten Schlag zu den Lousiaden, nach Port Moresbey und die Torres Strait. Aber alles mit der Ruhe, denn es ist wieder tropisch heiß geworden! Und räumen die warmen Sachen weg! Der Sommer hat begonnen und Finn freut's auch - bald sind Ferien!

Fotos

 

03.06.2008, Neukaledonien

Dilemma mit Folgen und Her mit den knusprigen Baguettes!

Bon Appetit. Könnte mal wieder über das Essen schreiben. Ich weiß nicht was unsere geehrten Leser so von uns denken, wenn ich immer wieder über Essen, Kaffeetrinken und andere leibliche Genüsse schreibe. Wahrscheinlich, dass wir rund und g'sund heimkommen werden! Wäre wohl auch so, hätten wir nicht immer wieder mal zu segeln und würden so schön unser Idealgewicht halten.
Denn Segeln ist Sport! Hat die letzte Überfahrt auch wieder mal bewiesen, über die ich mich diesmal nicht auslassen werde, sondern anschließend den Captain und sein Logbuch zu Wort kommen lasse. Denn diese Überfahrt hab ich bereits aus meinem Seglerinnengedächtnis gestrichen. Ist auch besser so. Könnte natürlich sagen, jawohl, wieder um einen Erfahrung reicher, aber ehrlich gesagt, naja, obwohl war doch eine unglaubliche Erfahrung, wenn auch etwas an der Grenze oder eigentlich war es gar nicht so schlimm, eigentlich ganz nett, ein bisserl Sturm und Welle, aber sonst? Kann mich nicht erinnern, gut so...
Also schreibe ich - wie das bei Gedächtnislücken so ist - vom Vorher und vom Nachher!
Vorher war gut, wenn auch etwas angespannt, wie immer vor Überfahrten. An der Funke hängen, Wetterberichte inhalieren und so tun, als wäre es ganz normal, eine Woche über einen Ozean zu segeln. Ist es natürlich auch unter den Seglern hier. Aber wehe man erzählt das einem Segelfremden… da kommen dann meist Einwände und man denkt sich, bin ich total verrückt geworden, das zu machen!
Aber, wie es eben so ist, trifft man als Segler vor allem auf Segler oder Segelbegeisterte und so kommt man gar nicht in diese verzwickte Situation.
In Opua warteten wir also auf das berühmte Wetterfenster - was für ein Wort - irgendwann werde ich diesen Ausdruck auch aus meinem Gedächtnis streichen...
Finn war glücklich. Er ging in die Opua Primary School und verlor sein Herz an seine Lehrerin Mrs Young. Die Schule begeisterte ihn von Anfang an.
Als ich nach der ersten Stunde vorsichtig anfragte, ob ich ihn wieder mitheimnehmen sollte (oh Gott, was bin ich für eine Glucke), sah er mich verzagt an und ich wollte ihn schon beim Arm packen und ins traute Heim schleifen, aber der 143cm große 8 einhalbjährige sprach: "Mama, ich will auch eine Schuluniform wie die anderen und zwar jetzt" Äh. Also das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich versprach, dass ich mich darum kümmern werde und er verschwand in Classroom 2 ohne sich noch einmal umzudrehen. Peter heulte. Also tröstete ich nicht meinen Sohn sondern meinen Gatten, der ob der großen "erster-Schultag-Aufregung" an seine eher grausigen Schulanfänge denken musste und mit seinem Sohn mitlitt, der aber keine Sekunde litt. In der "Morning Tea"-Pause brachte ich Finn Jause und wollte sichergehen, ob er nicht doch lieber..."Mama ein Wahnsinn, das ist so toll, die haben gerade Dinosaurier Woche!"
Und so hatten wir plötzlich kinderfreie Vormittage, schlenderten planlos durch die Marina bis plötzlich...das berühmte Wetterfenster aufging. Finn weigerte sich von einem Tag auf den anderen die Schule zu verlassen. Es war Wochenende und er wollte wegen des Ukuleletages und der netten Mrs. Young unbedingt noch einige Tage der nächsten Woche die Schule besuchen. Na gut sagten wir, das Kind ist glücklich, fahren wir mit dem nächsten Fenster.
Alle Segler um uns machten sich bereit loszusegeln und am Sonntag war die Marina zu Hälfte geleert. Blöderweise war auch noch die Rede vom besten Wetterfenster seit Jahren… wir kauten Fingernägel und holten Finn von der Schule ab. Schließlich hieß es am Dienstag: das Wetterfenster hält und hält, fahre wer fahren will. Mittwoch wurde zu Finns letztem Schultag und das verzieh er uns fast nicht, aber wir wollten los. Mittwoch morgen dann meinte Winfried der Wettermann, weg mit euch, ein Tief kommt, aber es sollte sich für euch ausgehen.
Oh nein, genau das, was man nicht braucht, ein Dilemma...
Und wir segelten los, und wir segelten in das Tief, und mein Sohn schwärmt noch immer von Mrs. Young und - was mich schließlich doch versöhnte - das nächste Wetterfenster öffnete sich erst 3 Wochen später, und da sitze ich jetzt aber bereits in Noumea und schmiere mir Camembert auf mein Knusperbaguette.
Finn hätten die weiteren 3 Wochen Schule sicher viel Freude gemacht, aber auch so hat er viel gelernt, liebt Englisch, liest englisch fast besser als Deutsch und macht englisches homework am allerliebsten. Und das allerbeste: "Schulklasse" ist für ihn nicht mehr eine vage Schreckensvision. Natürlich musste ich ihm versichern, dass sich auch in Österreich eine nette Mrs. Young finden würde! Falls wer eine kennt, bitte melden!
Und nun zu "Nacher".
Wir landeten in Ile de Pins, einem Tropentraum. Puderzuckerstrand, Traumlandschaft, Türkiswasser. Wir leckten unsere Wunden, ich durfte auch krank werden und huste mir jetzt noch die Seele aus dem Leib.
Macht nix. Wir sind ja da. Und die Wahrscheinlichkeit eher Passatwinde in Zukunft zu haben als Gegenwinde ist hoch.
Wir verbrachten die Tage mit Strandläufen, Lagerfeuer, Marktgehen, Land kennenlernen. Endlich wieder Bananen, die wie Bananen schmecken und Passionsfrüchte vom Baum. Natürlich ein Thunfisch an der Angel, als wir nach Noumea rauschten. Dass nirgends das Paradies ist, wissen wir ja und spürten die sozialpolitischen Spannungen zwischen den Ureinwohnern, Kanaken genannt und den Franzosen am eigenen Leib, als an einem quirligen Markttag Tränengas von der Polizei in die Menge geschossen wurde, um die Menge aufzulösen.
Am Tag darauf verdrückten wir uns etwas deprimiert ins Centre Culturel Tjibaou.
Dort wurden diese schon ewig herrschenden Spannungen vom berühmten Architekten Renzo Piano künstlerisch verarbeitet.
Das grandiose Kulturzentrum mit seinen silbern in der Sonne funkelnden Holztürmen versöhnte uns wieder etwas.
Wir lernten über das Leben der Kanaken, über ihren etwas skurrilen Ursprung. Und zwar wurde ein Zahn von einem Geist auf einen Felsen gesetzt und begann unter der Wärme des Mondes(!) zu verfaulen. Die Teile, die ins Wasser fielen, wurden zu Aalen (Zeichen der Fruchtbarkeit) und Schlangen (die es heute noch gibt und zwar sehr giftige!), die Teile, die am Felsen blieben, zu Eidechsen und Pflanzen. Und so konnte der erste mytische Mensch Tea Kanake sein Volk gründen. Pflanzen leiteten immer das Leben der Kanaken, die Banane - die Weiblichkeit, die Taroknolle - die aus Respekt nie geschnitten sondern nur gebrochen wurde, die Pinien - die den Weg zum Haus des Chefs zeigen, die Cölus Gräser - die jedes Haus beschützen und die Seerose - die man nicht respektlos berühren darf, will man nicht böse Geister an Land ziehen.
Da musste ich gleich an den Hollunderbaum denken, der sich oft an steirische Bauenrhöfe schmiegt und vor bösen Geistern schützt!
Wir saßen auf einem kleinen Bankerl mit Blick auf den Pazifik und die Holztürme und wir spürten den wunderbaren Zauber der Kunst.
Und die Franzosen? Die hübschesten Frauen seit langem spazieren hier durch die Straßen, geschmackvolle Geschäfte neben zahllosen chinesischen Ramschläden.
Guter Wein, die knusprigen Baguettes und natürlich der Käse...
Durch dick und dünn, das passt wirklich zur Rishomaru Besatzung!
Noch sind wir dünn und vielleicht nach ein paar Wochen Schnabulieren hier ein bisserl dick und eines ist klar: durch alles sind wir bisher gut durchgekommen und das wird sich auch nicht ändern!
Und nun lasset den Captain zu Wort kommen!

Die Überfahrt NZ - New Caledonia
Auszüge aus dem Logbuch des Kapitäns

14.5 .2008
Wettervorhersage für den 14.5.: SW 10 kn
Das Wetterfenster bringt für die nächsten sechs Tage Winde aus SSE zu E 15-20 Kn. Danach dreht er auf NE, ein Tief zieht heran.
Die meisten Boote, die wir kennen, haben NZ bereits vor drei Tagen in Richtung Fiji , Vanuatu und New Caledonia verlassen.
Entscheiden heute noch, uns anzuhängen, obwohl es knapp werden könnte. Winfried unser Wettermann meint "mit dem Kat könntet ihr das schaffen". Rechnen mit 150 Meilen am Tag im Schnitt .Sollte sich ausgehen.
Distanz 770 sm bis Ile de Pins auf New Caledonia.
13h30 Pos: 34°59 S und 174°07 E mit 7,4 kn Speed, Kurs 335°.
Tagsüber hält der Wind gut, gegen Abend verlieren wir die Sicht auf NZ. Auf bald NZ, war eine schöne Zeit. Bei so einer Überfahrt ist genug Zeit, über die letzten Monate nachzudenken und alles nochmals in Gedankenbildern ablaufen zu lassen. In der Nacht Sternenhimmel, schalten den Motor später dazu. Wind hat auf 5 kn abgeflaut. Alle Systeme laufen gut, mache einen Kontrollgang übers Schiff.
Habe in Opua ein Solarblinklicht entdeckt mit einer Reichweite von mehr als 5 sm, schaltet sich zusätzlich zum Positionslicht automatisch bei Dämmerung ein.

15.5. 2008
8h Pos: 33°35 S und 173°33 E, 3/8 bedeckt, Temp: 12°, Baro: 1023
Haben in der Früh den Spi gesetzt, fühle mich schwach, habe mir in Opua eine ordentliche Grippe von Finn geholt.
Finn geht es schon recht gut, hustet nur noch schrecklich.
Keine Lust zum Fischen, keinen Appetit auf Fisch. Versuche zu schlafen, gelingt mir nicht. Müssen uns nach so langer Zeit an Land wieder an die Schiffsbewegungen gewöhnen. Machen gutes Tempo und in der Nacht klart es wieder auf. Squalls (Regenwolken mit häufig starken Böen) sind keine zu sehen. Der Ozean leuchtet, eine wunderschöne Nachtfahrt.

16.5. 2008
8h Pos: 31°40 S und 172°30 E, 5/8 bedeckt, Temp:14°, Baro: 1021
Zu Mittag sind heftige Squalls durchgezogen, Spi geborgen und Groß gerefft. Wind dreht mehr auf E 15-20 kn, 8-9 kn Fahrt.
Windrad direkt an die Batterien geschalten, brauchen mehr Strom für's Radar. Segelyacht Yara in Hörweite auf UKW. Plaudern und geben Position durch. Glaube Fieber zu haben, aber Alex weigert sich eines zu ertasten. Ich kann sie verstehen, denn ich hoffe auch, dass ich noch fit bleibe. Kann auch in meiner Ruhezeit keinen Schlaf finden. Alex macht tagsüber schon mehr Wachzeiten als ich. Eine richtig gute Seefrau ist sie geworden.
In der Nacht viel Arbeit an Deck. Segel reffen, dann wieder ausbinden. Es ist nicht ganz so kalt wie wir erwartet haben: 15 Grad. Auf dem Radar sind die Squalls sehr gut zu erkennen. Und das ist recht gut, denn da steckt oft Wind mit mehr als 30-35 kn drinnen.

17.5.2008
8h Pos: 29°22 S 171°15 E, 7/8 bedeckt, Temp:19°c Baro: 1020
Wellenhöhe 2,5- 3 Meter
Wettervorhersage bringt uns früher den NE Wind, Sch…
Heute E 25 Kn am 18.8 NE 25 am 19.8 NW 20, das Tief in der Tasman See ist doch schneller gezogen. Na da müssen wir durch. Setzen alles an Segel was möglich ist. Müssen Tempo machen.
Gegen 16h zwei Reffs im Groß, 9 Kn Speed.
Habe starke Kopfschmerzen, Nase total zu und starker Husten. Nein kein Fieber!
Es geht also noch, muss gehen. Alex ist tapfer, lässt sich ihre eigene Müdigkeit kaum anmerken, aber ich sehe es in ihren Augen. Finn ist sehr cool, weiß ganz genau, was jetzt Sache ist, beschäftigt sich die meiste Zeit alleine. Tut ihm vielleicht auch gut nach den aufregenden Tagen in NZ und in der Schule in Opua. Die Risho läuft viel ruhiger mit den zwei Reffs im Groß. Könnten schneller segeln, aber wir fühlen uns so viel besser. Heute das erste mal zwei Stunden Tiefschlaf aus Erschöpfung.
Noch 370 Meilen bis Ile de Pins.

18.5 2008
8h Pos: 27°04 S 169°54 E, 8/8 bedeckt, Temp: 20° Baro: 1017
Welle 3 -3,5 Meter
Genua geborgen, laufen nur mit Fock und zwei Reffs im Groß, 7-8 kn Fahrt.
Wellen stürzen über das Vordeck. Blöder Winkel, habe entdeckt, dass beim vorderen Netz eine Verankerung gebrochen ist. Muss auf's Vordeck; mit Leinen kann ich das Netz wieder gut sichern; dauert eine Ewigkeit. Die Wellen stürzen über mich und jeder Handgriff ist mühsam. Erstaunlich, dass nicht das Netz gerissen ist, aber die Metallverankerung ist gebrochen. Werde in Zukunft alles mit Leinen fixieren. James Wharram hat absolut recht, so viel wie möglich mit Tauen zu sichern. Das Ölzeug ist sehr gut, haben uns neue Jacken in NZ gekauft.
Meine Stirnhöhle wird kurz mit Seewasser gespült, ansonst bleibe ich recht trocken. Alex kocht eine heiße Misosuppe mit Utongnudeln, das wärmt perfekt.
8h: Groß geborgen, nur unter Fock 7-8 kn Fahrt, Wind hat zugelegt 30-35 kn.
3h30: Liegen beigedreht mit Sturmfock und backgestelltem Ruder, Wind 40 kn, Wellen total konfus, sind zu erschöpft um weiterzusegeln.
Ruhe im Schiff, kein Schlagen mehr auf der Bordwand, lege mich vollkommen erschöpft nieder, schlafe drei Stunden im Tiefschlaf. Nach fünf Stunden kaum Abdrift, da Strömung nach Norden setzt. Das erste Mal nach drei Tagen kann ich Alex in die Arme schließen, ich merke wie erschöpft auch sie ist.

19.5.2008
8h Pos: 25°30 S 168°37 E, 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1014
Laut Winfried soll der Wind heute von NE auf SW drehen.
Auf der Funke mit Wolf und Doris (Nomade) geplaudert, sind auf dem Weg zu den Lousiaden, hat richtig gut getan die beiden zu hören - wirkt besser als die homöopathischen Kugerln.
13h: der Wind dreht immer mehr auf N. Segeln hart am Wind
16h: ganz erstaunlich, in den letzten zwei Stunden drei sehr heftige Squalls und der Wind hat jedesmal danach ein Stück mehr Richtung Westen gedreht. Haben die Segel bereits auf Steuerbord. Jetzt kommen die Wellen auch noch von der anderen Seite. Die Risho tanzt wild herum, aber wir können wieder segeln.

20.5.2008
8h Pos: 24°05 S 167°56 E 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1012
Wellenhöhe… will sie nicht mehr beurteilen, kommen aus zwei Richtungen, brechen auch immer wieder ordentlich. Risho geht es gut, bekommt nur öfters eine gegen den Rumpf geknallt. Unser Cockpit ist erstaunlich trocken. Noch 84 sm bis Ile de Pins, müssen Fahrt reduzieren um morgen Früh anzukommen. Finden jetzt wieder etwas mehr Schlaf, verbringen die meiste Zeit unter Deck, denn es regnet seit gestern. Hören auf der Funke, dass einige Schiffe gut auf Fiji und Vanuatu angekommen sind. Na die meisten sind vor drei Tagen los. Wir haben es auch bald geschafft, noch eine Nacht durchhalten und dann gehe ich in Krankenstand.

21.5.2008
Land in Sicht!!!!!!!
8h Pos: 22°50 S 167°23 E, 4/8 Bedeckung, Temp: 23° Baro: 1013
Ein wunderbares Gefühl, wir haben noch 7 sm bis zum Ankerplatz.

Segeln durch die Riffpassage, das Wasser ist sofort ruhig, keine Wellen mehr, herrlich. Die Insel riecht wunderbar, freue mich das erste mal wirklich, dass wir ankommen.
Es war ein anstrengender Törn, aber beim Anblick der Tropeninsel ist das alles schon vergessen. Dieser Törn geht zu hundert Prozent an Alex und Finn.
Die nächsten vier Tage genießen wir voll, ich gebe auch Ruhe. Laut meinem Admiral muss ich auch mal am Nachmittag in die Koje. Ein Kapo sollte fit sein, keine Frage, auch bei einer so guten Crew. Ich liebe die beiden!

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25.05.2008, Neukaledonien

Funkmail von der Risho Maru:

"Nach 6 Tagen sehr anstrengendem Segeln sind wir im sommerlichen Neukaledonien gelandet. Zur Zeit im Süden auf der zauberhaften Ile de Pins! In NZ ist es uns einfach zu kalt geworden und wir sind bei recht gutem Wetter weg, aber leider in ein zu schnell ziehendes Tief geraten. Viel, Viel Wind und Regen und große Wellen, und erstmals haben wir beigedreht, um ein bisschen schlafen zu können. Erschwerend kam dazu, dass Peter eine schwere Verkühlung aus NZ mitgenommen hatte und die so richtig zum Ausbruch kam! Also wurden wir ordentlich durchgebeutelt und die Ankunft in Neukaledonien war dadurch doppelt so schön. Hier absolut Tropen mit Frankreich vermischt. Herrliche Baguettes, Croissants, liabe Leut, bonjour, oui oui, bonne nuit! Natürlich Pinien und blaue Lagunen, aber vor allem Wärme! Herrliches Klima, tagsüber an die 25 Grad, abends schön zum Zudecken mit viel Sternenhimmel und Lagerfeuer am einsamen Strand."

Anmerkung des Webmasters: unter Bilder gibt es jetzt auch ein paar Risho Maru Videos (powered by YouTube)

27.04.2008, Neuseeland Und es herbstelt…

Ich versuche ein echter Kiwi zu sein. Segler sind ja als ausgesprochen anpassungsfähig bekannt. Also denke ich mir, dass es nach 5 Monaten an einem Platz ja wohl wirklich kein Problem sein sollte, sich den heimischen Gebräuchen und Traditionen anzuschließen. Aber, leider, leider. Ich schaffe es nicht. Mir ist einfach kalt.
Das Thermometer zeigt hier in der Koje abends um 9 Uhr 13 Grad an. Das ist mir zu kalt. Ich finde es hat zu herbsteln begonnen und das finden auch die anderen internationalen Leidensgenossen hier in der Marina in Whangarei. Aber nicht so die Kiwis. Sie laufen immer noch in T-Shirt, kurzen Hosen und bevorzugt barfuß herum.
Dem Finn ist auch heiß, aber das gilt nicht. Hat er doch einen BMX Track entdeckt und düst stundenlang seine Runden, verschwitzt und im T-Shirt.
Seit wir auf der Risho leben bin ich noch niemals dermaßen bekleidet vor dem Schirm gesessen. Dicke Trainingshose, 2 Langarm T-Shirts, eine Fleecejacke, und zusätzlich stecke ich in meinem kuscheligen Daunen Schlafsack. Hinter mir brennt eine Petroleumlampe, verbreitet viel Gestank und wenig Wärme. Heiße Dusche in der Marina hilft ein bisserl, Teetrinken ganz viel, heiße Schoko mit Rum am besten.
Warum ist den Kiwis nicht kalt?
Vielleicht weil sie von Engländern abstammen? Aber was ist mit den Maoris? Die kamen doch aus dem tropischen Polynesien dahergesegelt und müssen einen Kälteschock erlitten haben als sie hier ankamen. Aber auch sie laufen hier hochsommerlich herum. Viele Kinder barfuß. Manchmal denke ich mir, wir - die Besucher - stehen in einer anderen Klimazone. Am Abend saßen wir gestern in Rewas Yachtclub und aßen Pizza. Mir war saukalt und wir sprachen mit Michael, Segler und Architekt. Er zog sich gerade die Kapuze seines Faserpelzsweaters über den Kopf, als er uns erklärte, das die Kiwis Hausisolierungen und Wärmedämmungen jeder Art nicht anwenden.
Schotter, Sand, Boden drauf, ein paar Bretterwände, einfache Fenster. Fertig ist das Durchschnittshaus. Oder Yachtclubrestaurant. Wir schoben unseren Tisch unauffällig Richtung offenem Kamin, die Kellnerin im Spaghettiträger T-Shirt lächelte uns mitleidig an.
"Oh, another drop of rain" bemerkt die Dame an der Supermarktkasse. Draußen schüttet es aus Kübeln. "Keeps our farmers happy!" bemerkt die alte Dame hinter uns in Sommerkleid und Flip Flops.
Vielleicht fragt sich einer von euch da draußen, warum wir dann noch hier sind, keine Woche Segeln Richtung Norden ist doch wieder die süße Südsee. Gute Frage. Könnte ich beantworten mit: Noch zu früh, es könnte sich noch ein Zyklon in diese Gewässer verirren.
Was ja stimmt, aber es ist da noch was.
Freunde.
Das Schönste und Erstaunlichste an unserer Reise - und viele Segler stimmen da mit uns überein - sind die Menschen, die man trifft. Und manchmal ist es ganz egal, ob man sich nur kurz wo aufhält. Wie zum Beispiel damals die vier Wochen in den Tuamotus bei Valo und Gaston, unserer polynesischen Gastfamilie.
In Neuseeland waren wir nun 5 Monate und haben Bande geknüpft, die wohl auf ewig in unserer Erinnerung sein werden. Vielleicht, ja hoffentlich sieht man sich wieder.
Wendy und Martin, unsere Zahntechniker in Auckland, kennengelernt über Katja aus dem Marina-Laden in Opua. Beide unkomplizierte, liebenswürdige, erfrischende Menschen. Dieses Gefühl von, ich kenn die seit ewig, so als wären wir gemeinsam in die Mittelschule gegangen.
Als wir vor einigen Tagen noch für ein bisserl Stadtatmosphäre in Auckland waren, fror ich erbärmlich in der typischen wunderschönen, aber kalten Kiwiwohnung. Mit großer Sehnsucht träumte ich von einem heißen Bad, als Wendy beiläufig sagte "Hey guys, take a bath, feel at home, you want some tea?" Und so nahm die Familie Schöler mit größtem Genuss seit 3 Jahren ihr erstes knallheißes Vollbad!
Oder Schelm und Isabelle. In der Norsand Marina liefen wir uns über den Weg. Die beiden bauen dort einen Wharram Kat und so kam man ins plaudern. Tag für Tag wuchs unsere Freundschaft und jetzt nach 5 Wochen ist es schwer sich vorzustellen, sie nicht mindestens einmal die Woche zum Musikmachen, Plaudern oder gemeinsam Kochen zu treffen.
Ihnen verdanken wir auch ein wunderbares Badeerlebnis (vielleicht verbindet sie das mit Martin und Wendy?). Als es vor einer Woche mal wieder einen Tag regnete und kalt war entführten sie uns in ein Schwefelbad. Und wenn jetzt einer dabei an Loipersdorf oder ähnliche Thermalbäder denkt, weit gefehlt! Wir fuhren mit Schelms Toyota Bus eine Stunde ins Inland, kaum mehr Häuser zu sehen (was aber in Neuseeland eh normal ist), nur grüne regenverhangene Hügel und Schafe. Am Ende einer rumpeligen Schotterstrasse stoppten wir vor einem geschlossenen Backpacker Hotel. In einem alten Wohnwagen saß ein Maori, neben ihm zwei Hunde, und wies uns den Weg zu den Bädern.
Wir kamen zu einem alten Gemäuer mit 5 großen hölzernen Freiluft Pools. Die Umkleidekabinen erinnerten mich an die alte Turnhalle in meinem Heimatort, vor allem der Geruch! Holz und verschwitzte Socken! Die Bäder wirkten zwar alt, aber sauber und gepflegt. Wir stiegen in das warme, weiche, schlammige Wasser und genossen es. Auf unsere Häupter prasselte der Regen und der Schwefelgeruch verflüchtigte sich - ich denke, weil wir eben sehr anpassungsfähig sind!
Den ganzen Nachmittag badeten wir, einmal kamen 3 Maoris, dann ein Kiwipärchen, und schließlich ein alter Japaner. Hochbetrieb auf neuseeländisch!
Vielleicht haben die armen, frierenden, polynesischen Segler wegen der zahlreichen Thermalquellen nicht gleich wieder den Rückzug angetreten! Die frierenden österreichischen Segler jedenfalls waren glücklich!
Nur einem hat der Ausflug nicht gut getan. Mein Lieblingsbikini wir wohl nie wieder nicht schwefelig riechen!
Mit Antonio, unserem italienischen Freund, verbinden uns keine Badegenüsse, dafür aber kulinarische! Erst kürzlich brachte er uns wieder Parmesan aus Italien vorbei.
Er hat sich übrigens einen Katamaran gekauft und wird für einige Zeit mit seiner Familie segeln gehen. Ob das was mit uns zu tun hat?
Oft denke ich mir, hätten wir diese Reise nicht angetreten, wieviele Orte wären uns für immer fremd geblieben und vor allem wieviele Menschen, die heute soviel für uns bedeuten, hätten wir nie getroffen.
Die oben genannten, aber auch Valo und Gaston aus Tuao, John aus Suwarow, Kyra, die Wienerin in Kartagena, Gidi aus Wiesbaden, all unsere Seglerfreunde!
Und Teri. Klar, er ist nur ein Auto (sagt das bloß nicht dem Finn!).
Teri unser treuer Kumpane über die gewundenen, neuseeländischen Straßen, die Nächte mit ihm (eng aber unvergesslich), sein Blau, strahlend und charmant, sein Blubbern beim Heißlaufen.
Er trägt seit kurzem ein "For Sale" Schild im Rückfenster.
Denn bald sind wir wieder "nur" mit Schiff unterwegs. Noch einige Schoten ausgetauscht, der neue Autopilot kalibriert und Finn tobt sich noch die letzten Wochen mit seinem Flybike aus.
Finn ist ein großer Junge geworden! Hat die Weite Neuseelands genützt und ist in die Höhe geschossen. Abends nach dem Biken klemmt er sich die Gitarre unter den Arm und fetzt los.
Dass man einen Fernsehfilm nicht auf fast forward schalten kann, weiß er seit wir bei Wendy und Martin gewohnt haben, und Schelm hat ihm gezeigt, wie man einen Hobel ansetzt, Antonios Töchter ließen ihn über den kleinen Unterschied nachdenken und Teri will er am Liebsten mitnehmen.
Und so geht ein Reiseabschnitt langsam, aber sicher zu Ende. Wir werden noch die letzten Wochen hier genießen, und ich werde versuchen, der Kälte wie ein Kiwi ins Gesicht zu sehen!
Oder ich kauf mir morgen doch die Opossum Socken… sollen herrlich warm halten!

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18.03.2008, Neuseeland "You look like sailors" oder Frau der Fliegen

Ostern naht und diesmal werde ich meinen Ostereier-Gselchten-Striezel-Gelüsten freien Lauf lassen. Werde sogar eine Ostereiersuche veranstalten! Alle landrattischen Feierlichkeiten begehen, wie Schokohasen einkaufen im großen Supermarkt, Autofahren zum Osterkonzert in der Innenstadt und natürlich Osternesterl basteln aus echtem Gras, das gleich hinter der Risho wächst.
Ja wir sind mal wieder "On the Hard"! Die Risho ist aufgebockt auf zwei schweren Eisenträgern und erinnert mich, wie jedesmal zu solchen Gelegenheiten, an einen an Land gesetzten Schwan.
Peter trägt wieder den "in Antifouling und Farbe getunkter Overall" Grunge Stil, ich das Haute-Couture-Gemisch aus Aceton-Flecken-Fetzen-Jeans und Ex -T-Shirt-Kopftuch über traditioneller Marina-Anklatsch-Frisur.
"You look like sailors" sagte uns gestern bei einem Blueskonzert in einer typischen Kiwibar ein netter Neuseeländer. Dabei hatten wir uns echt rausgeputzt, aber die Wahrheit lässt sich eben schwer übertünchen. Tünchen, das hat Peter die letzten Tage bis zum Exzess gemacht - in unserem Navigationsrumpf. Alles in weiß. Im Klartext hieß und heißt das, wir leben mal wieder in einem Rumpf - schlafen, essen, whatever darin. Was eng ist, aber zumindest ist das Wetter stabil,... sorry,… war kurz abwesend um Handlangerdienste zu erfüllen. Leiste gegen Rumpf halten und mit Bleistift kennzeichnen, oder Farbflecken mit Terpentin von Leiste putzen, oder Klebeband von Decksfläche abziehen (blau und pickig wie die lästigen Pickerl vom Supermarkt mitten auf dem schönsten Stück Geschirr).
Jetzt sitze ich wieder da in unserem angeräumten Küchenrumpf, eingeklemmt zwischen Finns Pirates-of-the-Caribbean-Schultasche und Peters Gitarre. Vor mir ein zitterndes Fliegenbein. Was? Unser Nachbar, ein netter Kiwi mit etwas vernachlässigtem Schiff und freundlichem Hund, winkt mir durch die Luke zu, so von Schiff zu Schiff. Weiß der überhaupt, dass all die Fliegen in unserem Rumpf von seinem Hund oder besser dessen… eh schon wissen… angezogen werden? Ich winke freundlich zurück. Immer schön freundlich bleiben, müssen ja noch einige Zeit nebeneinander verbringen, und immerhin hat er der Werftleitung nicht verraten, dass wir das Antifouling staubtrocken abgeschliffen haben, anstatt vorsichtig und feucht, um die Natur zu schonen. Wie kam ich da jetzt drauf?... Natürlich, das zitternde Fliegenbein. Ich bin grausam und ich hoffe und bitte jeden Tag, dass das Universum mich nicht dafür bestrafen wird, dass ich dieses klebrige Fliegenfangband in unserem Küchenrumpf, eben fast vor meiner Nase, gerade jetzt aufgehängt habe. Es steht drauf: kein Gift, also zumindest verstoße ich nicht gegen Kiwi Umweltgesetze, aber die armen Fliegen! Sie bleiben picken und zittern sich dann zu Tode, außer ich knall ihnen eines mit dem Gasanzünder über die Birne - was ich gerne tu, denn ich hasse diese Viecher noch mehr als die Ameisen, die gleich an unserem ersten Tag auf dem Trockenen eine wunderschöne kilometerlange Strasse durch meine Küche, mein Gemüse, mein Brot gebaut haben. Habe auch sie ausgerottet. Mit kleinen Ködern aus klebriger Masse, die verführerisch nach irgendetwas riechen, das Ameisen mögen. Vergiftet leben sie noch so lange, dass sie all ihre Babys in ihren Nestern mitvergiften und so ganze Großfamilien zu Grunde gehen. Universum verzeih mir, lass mich bitte nicht als Fliege oder Ameise wiedergeboren werden. Es ist die Werft, die mich so werden ließ! In 2-3 Wochen bin ich wieder ich, nett, zuvorkommend, tierlieb, naturinteressiert. Aber im Augenblick geht's halt gerade nicht.
Finn tritt zunehmend in das "Grosser-Junge-Alter" ein und hängt Plakate über seine Küchen/Schlaf Koje: "Staff only / Closed", was sich auf die beengte Platzsituation auch nicht gerade positiv auswirkt. Manchmal flüchte ich in die Laundry und treffe auf andere staubige Seefrauen. "Sind ja eh nur mehr 3 Wochen bei dir" hör ich dann von so mancher, die schon einige Monate hier verbringt.
Der absolute Pluspunk ist das spätsommerlich österreichische Klima. Man kann ohne zu schmelzen 3 Tage lang die Außenrümpfe waschen und polieren. Unser Nachbar/Hundefreund hat mich gelobt: "Looks better everyday!" - "Oh thank you, but, you know, the flies..." - "Oh yes, the flies, what a pain… see you tomorrow..." Und weg is er…
...und ich muss auch weg. Peter braucht das Stromkabel, um den Rumpf zu schleifen und neues Schleifpapier, ich glaub das grüne… was klebt da eigentlich auf meinem Rücken?... ich hasse Fliegen…

Nichts desto trotz
Frohe Ostern!
Schmatz, mampf, Staff only and closed!

Fotos

 

27.02.2008, Neuseeland Hobbits, Cappuccino und Sardinen

Besuch, Besuch, Besuch! Nachdem Dave und Synnova sich richtung Südinsel abgeseilt hatten, reiste Egger an.
Pardon, Christine Egger, seit 8 gemeinsam überstandenen Jahren Gymnasium im Stift Rein kurz "Egger" genannt. Ich war damals noch "Haring". Beide träumten wir von der großen weiten Welt: Wien.
Und Wien ist weit weg von Übelbach und Deutschfeistritz, unseren damaligen steirischen Wohnorten.
Eine unserer Lieblingsideen war eine Boutique zu gründen (Egger studierte damals Mode) und ich sollte dort als Sängerin auftreten.
Heute ist Egger Filmausstatterin und ich segle um die Welt. Interessant. Aber unsere Wege trennten sich nie und so stand sie nach 3 (!) tägiger Anreise in Auckland am Flughafen. Fest klebte die ersten Tage der I-Pod an ihren Ohren, bis sie schließlich nach einigen herrlichen Segeltagen in der Bay of Island, die Welt, die sie umgab, in sich rein ließ. Man kann ihr ja keinen Vorwurf machen. Ein Segelboot ist für jemand der erstmals damit reist wohl eine Art Gefängnis mit schöner Aussicht.
Mit unseren ersten Strandbesuchen kippte Egger aber in den Zauber. Ich denke es passierte, als wir über dicke Wiesenpolster einem Traumstrand entgegenkugelten.
Kristallklares Wasser, Muscheln am Strand, blau, grün umgibt einen. Himmel, Hügel, Sonne.
Einige Tage Segeln und dann schnürten wir Surfboard und Campingausrüstung auf unseren guten alten "Teri" und ab ging es zur Erforschung des Nordlandes.
Egger hatte eine Liste mit Fixpunkten im Gepäck - von einer Freundin, die einst Neuseeland bereiste, zusammengestellt.
Ich hatte ein Magazin namens "Cafe". Hier in Neuseeland herrscht nämlich geradezu ein fanatischer Kaffeehauskult . In dem oben genannten Magazin wurde alles über Kaffee abgehandelt, was man immer schon wissen wollte. Vom besten Coffeshop der Ostküste, bis zum bekanntesten Kaffeeröster des Nordlandes. Barista-Seminaren (Barista ist die Frau gleich hinter der Bar, die den Kaffee macht - natürlich gibt es auch den Baristo!) konnte man beiwohnen und der jährliche Barista-Wettbewerb war ausführlich beschrieben. Außerdem trinkt man hier nicht einfach - vor allem guten - Kaffee, nein, hier schmückt man denselben auch mit unglaublichen Milchschaumtürmen. Gemälde werden dann mit Kakao oder Zimt in den Schaum ge..., ge…, wie eigentlich gemacht?
Wie auch immer, in meinem Cafémagazin wurden die besten Caféshops der Nordinsel beschrieben - na einen besseren Reiseführer konnte man ja wohl nicht finden! So rumpelten wir mit dem ab und an heißlaufenden "Teri" die Schotterstraßen zur Nordspitze Neuseelands entlang, erblickten Landschaften, die ein Fantasy Maler nicht besser schaffen hätte können. Immer wieder flackerten vor meinen Augen Szenen aus der "Herr der Ringe" Trilogy auf. Eine weite, hügelige Landschaft, ein blitzblauer See, 3 riesige Baüme - und schon sehe ich, wie die Bäume lebendig werden und majestätisch auf uns zuschreiten. Gut, dass das "Waterline" Cafe auf uns wartete sonst wäre ich noch ganz in diese Weite versunken und einfach irgendwo sitzen geblieben um zu schauen. Schauen. Das kann man hier wirklich lernen. Die Egger hat dann ihr Notizbücherl geschnappt und gezeichnet.
Immer seltener mit I-Pod. Das Rauschen des Pazifiks im Ohr, den Duft der Weiden in der Nase, den frischen Wind im Haar. Und dann Cappuccino mit Schoko Caramel Tarte auf den Lippen. Wow, Sommer in Neuseeland!
Dann ging's natürlich ans Campen. Großzügig überließen wir unserem Gast das 2 Personen Zelt und quetschten uns in unseren Teri. Sardinenfeeling. Hab ich übrigens schon erwähnt, das Finn mir bis zur Schulter geht und 35 Kilo hat? Und dass Kinder sich im Schlaf ihren Platz einfordern ohne Rücksicht auf Verluste?
Als wir in unserer ersten Nacht ca 2 Millionen Moskitos im Auto hatten und einen ausgestreckten Finn, dachte ich kurz daran, die Insel per Segelboot zu bereisen.
Aber die häufigen Sturmwarnungen hielten mich dann doch ab.
Egger meint, das stete Klatschen unserer Handflächen auf die angelaufenen Autoscheiben ließen sie sehr an einen erst kürzlich ausgestatteten Psychothriller denken.
Ab uns zu sah man eine schlaffe Hand die Scheibe runtergleiten. Das war ich, erschöpft vom Kampf gegen die Vampire der Nacht.
Am nächsten Morgen dankten wir sämtlichen Chemikern Neuseelands für die Erfindung des Antirepellant "Bushmann 80 Deet". Was immer diese 80 Deet bedeuten eines ist sicher: Tod den Moskitos! Wir kamen mit wenigen glimpflichen Stichen davon.
Ab dieser Nacht fürchtete ich mich vor jeder folgenden. Denn laut Eggers Empfehlungsliste sollten noch irgendwo die blutrünstigen Sandfliegen auf uns tapfere Camper warten. Aber nichts dergleichen geschah! Wir erlebten wunderbare, kühle, manchmal laue Nächte - kein Gelsenvieh - gar nix. Vielleicht waren die 2 Millionen einfach genug für eine Saison Neuseeland. Oder die Viecher waren Campen - am Neusiedlersee!
Nach dem umwerfenden Cape Reinga (trafen dort am windumtosten Leuchtturm einen typischen Kiwi - ein in Linz aufgewachsener, seit 7 Jahren in Auckland lebender, türkischer Automechaniker) ging's an die Ostküste - Matakana war unser Ziel.
Stand weder auf Eggers Reiseliste noch in meinem Cafe Magazin, aber im "Kia Ora".
In der Laundry der Marina von Opua liegen alle möglichen und unmöglichen Zeitungen auf. Besonders grauenhaft - womens weekly - mit Geschichten aus dem Leben der Neuseeländerinnen.
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: als ich das erste mal in der Marina Laundry saß, hatte ich gerade eine Woche hartes Segeln hinter mir und fand eine warme Laundry mit Kaffemaschine und Tratschzeitung äußerst ansprechend. Dann entdeckte ich Matakana. In einem Reisemagazin namens "Kia Ora" (Guten Tag) schrieb jemand über diese kleine Stadt. An der Ostküste gelegen, inmitten von Weinbergen, gespickt mit ansprechenden Cafés und Sehenswürdigkeiten und menschenleeren Stränden.
Ich hütete die Zeitschrift wie meinen Augapfel und im richtigen Augenblick legte ich sie Egger auf ihre Reiseunterlagen. Ich hätte mich in meiner alten Freundin sehr geirrt, hätte ich nicht gewusst, das sie anbeißen würde. "Da müssen wir hin!"
Die Männer waren schnell überredet - Marinas gab es dort einige und auch ein altes Kino. Wir knatterten also mit Teri durch die sonnendurchflutete Landschaft, stoppten mal hie mal da, genossen die stürmische Goat Island, den wilden Strand, und landetet schließlich in Matakana. Das hielt was es versprach. Schmucke Häuschen, nette Shops, Fish und Chips in Zeitungspapier serviert und dann Kino!
"A Death and a Funeral" trug zur schon guten Stimmung bei und unser Campground mit Blick aufs Meer und abendlichem Lagerfeuer war perfekt.
Selbst der grauenhafte Löskaffee am morgen - zubereitet in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes - konnte mich nicht abbringen, Matakana für immer und ewig in mein Herz zu schließen.
Auckland war nächster Stopp, bei Martin und Wendy. Wieder typische Kiwis.
Er, deutscher Zahntechniker, seit 2 Jahren in Neuseeland, sie - Zahntechnikerin aus Irland seit 7 Jahren in Neuseeland. Mit Kind, Kegel und Egger fielen wir ein, wurden fröhlich aufgenommen, bekocht und verwöhnt. Lernten Brandon kennen (eingeborener Kiwi mit Hang zum europäischen) und dessen Freundin Marian (Griechin in London aufgewachsen- seit 5 Jahren in Neuseeland).
Aber wir waren ja auf der Suche nach dem Land der Hobbits und nicht nach Großstadt und Skytower (was uns Rishos aber doch recht verlockend schien...), also bogen wir links ab und landeten in Coromandel.
Coromandel, mein Cafemagazin hatte es als Schwerpunkt gewählt (Jippiii!), war einst eine richtige Hippiekolonie. Im schön feucht dampfenden tropischen Regenwald dieser Halbinsel wuchs (und wächst) nicht nur Petersilie gut und die Lehmerde eignete sich hervorragend zum Töpfern. Ein Paradies für Aussteiger schien entdeckt.
Barry Brickel, Töpfer, Menschenfreund und Naturschützer, hatte in den 70igern begonnen einen kleinen Zug in den Regenwald zu bauen um seinen Lehm besser transportieren zu können. Wer hätte ahnen können, dass dieser Minizug eines Tages zur absoluten Touristenattraktion werden würde? Heute transportiert er täglich soviele Leute, das die Neuseeländischen Bahnlinien vor Neid erbleichen.
Aber irgendwie ist auf Coromandel (oder in ganz Neuseeland?) alles so verschlafen, dass selbst Touristenattraktionen unanstrengend wirken. Ja sicher der, Zug war voll, aber die Töpferwerkstatt, der Skulpturengarten, der Regenwaldwalk… verstaubt, schief, verschnörkelt, romantisch… Blumenkind und Grasgeflüster.
Zugfan Finn kam auf seine Rechnung und Egger und ich zu unserem Café, gleich um's Eck im Wald. Tibetische Gebetsfahnen, Kräutergarten, Algendrink und indische Hintergrundmusik. Natürlich guter Cappuccino - wie angekündigt!
An der Küste fanden wir dann die Hobbit Gegenden. Endlose Weiden, Schafe, Strände. Der Hot Water Beach mit seinen heißen Quellen unter dem Sand, in die man sich einbuddeln kann, schien uns bei 28 Grad Außentemperatur nicht sehr einladend. Also wanderten wir die Küste entland zur Cathedral Cove-einem Meisterwerk der Natur am weißen Pazifikstrand. Schauen. Mehr kann man nicht. Staunen und schauen und sich wundern, dass es sowas wirklich gibt und es nicht computeranimiert ist. Der Campground war mal ausnahmsweise rappelvoll, in der Gemeinschaftsküche kochten Deutsche, Kiwis, Maoris, Franzosen und ich.
Seltsam anderen Leute in die Töpfe zu sehen. Fast ein bisschen zu intim, schien es mir als die zwei Backpackerinnen aus Köln ihren Fisch nach 20 Minuten in der Pfanne endlich wendeten. Interessant auch die Dame aus England, die ihre Spaghetti in - aus dem Boiler entnommenes- heißes Wasser legte und abwartete. Oder die beiden jungen Herren unbestimmter Herkunft, die eine Dose mit etwas - ebenfalls unbestimmter Herkunft - direkt am Gaskocher erwärmten. Oder die junge Mutter die eine bereits dickgebutterte Scheibe Toast in den (Gemeinschafts)Toaster quetschte. Yack!
Ich reduzierte meine Kochtätigkeit auf Nudeln weichkochen und flüchtete dann zu unserem Plätzchen. Da die Kiwis angeblich nicht so gerne in der Küche stehen, gibt es ja unglaublich viele wirklich gute Fertiggerichte. Meine Favoriten dabei: Dips und Pestos biologisch und wirklich köstlich. Wieder eine gelsenfreie, meeresrauschende Nacht und Teri zuckelte mit uns nach Rotorua.
Rotorua und Umgebung ist das Land in dem laut Maoris die beiden Feuergöttinen, Te Pupu und Te Hoata, Pause einlegten, Atem schöpften und so Geysire zum dampfen brachten. Warum sie so erschöpft waren? Einer der berühmtesten Maori Häuptlinge - Warandumurukaka... oder so ähnlich, hatte sich im Weg geirrt und war ein bisserl zu sehr Richtung Südinsel gewandert und zwar zu den Gletschern dort. Natürlich war ihm, dem sonnenverwöhneten Polynesier saukalt und nachdem all seine Kumpels erfroren waren, lag er im Schnee und rief die Feürgöttinen um Hilfe an. Die beiden zischen von den Südseeinsel unter dem Pazifik nach Neuseeland, machten in Rotorua Pause, atmeten ordentlich durch (Geysire) und brachten Wärme zu ihrem Anführer (Vulkane!). Es schüttet als wir durch das sagenumwobenen Te Puia in Rotorua wanderten. Was das ganze Tal aber umso mystischer machte. Überall stieg Wasserdampf auf, Schlammlöcher blubberten, heiße Seen kochten.
In einem dieser Kochseen wurde uns traditionellerweise ein Maiskolben gegart und im Gemeinschaftshaus (ob die auch Gemeinschaftküchen hatten? Rahhhh...) wurde ein Begrüßungstanz zum Besten gegeben. Ja ja, touristisch, touristisch. Aber die Kriegstänze der Maoris sind grandios. Kraftvoll, erschreckend, witzig, herausgetreckte Zungen, Machogebärden um den Neuankömmling abzuschrecken oder herauszufinden mit wem man es zu tun hat.
Memme oder Meister! Aber letztendlich… was ist schon der große Unterschied zu einem Schuhplattler? Oder einer fetzigen Polka oder dem Erzherzog Johann Jodler, der wirklich allen Österreichern im Ausland die Tränen in die Augen treibt?
(zumindest wenn ich in singe, äh… Eigenlob… naja)
Egger wünschte sich dann die Art Deco Stadt Napier. Über unendliche Hügel, menschenleer und voller Kiefern und Schafe erreichten wir abends den Campingplatz. Dort hoppelten Hasen herum und die Gemeinschaftsküche gehörte mir allein. Dennoch, nichts, gar nichts toppt das Reisen per Risho Maru. Sicher ab und zu schlechtes Wetter, das einen schlecht schlafen lässt. Aber schlafe ich etwa gut, wenn mein 8 jähriger Sohn mich als Polster und Matraze verwendet? In der Gemeinschaftsküche kein Flaschenöffner zu finden ist, dafür aber Fischköder im Gemeinschaftskühlschrank und vergessene Bacon und Eggs Reste in der Gemeinschaftspfanne. Not macht erfinderisch. Wir machten ein Picknick direkt am Strand, Blick auf das abendlich erleuchtete Napier, schwarzer Lavasand, organischer Kichererbsen Dip mit sundried tomatoes, dazu Cornchips und Bier (mit Drehverschluss). Wilder Lavendel- und Rosmarienduft von den Sträuchern neben unserem Schlafauto ließ mich schließlich doch gut schlafen.
Napier war nett. Egger schloss sich einer Führung an mit dem Titel "The Art Deco Tour" und wir machten uns auf, um für Teris Ventilator einen neuen Schalter zu finden. Teri wurde nämlich auf Grund zu geringer Kühlung in letzter Zeit öfters heiß.
Peter - Schlimmeres gewohnt (siehe Autopilotreparatur mitten am Pazifik) ging in den nächsten Autoshop, kaufte ein paar Zangen und anderes Zeug und reparierte Teri in 15 Minuten. Danke Captain!
Was noch? Natürlich endlose Weiten durchfahren, ganz nah am Film Set der Häuser der Hobbits in Mahemahe vorbeigefahren, konnte die Crew aber nicht zum Sightseeing überreden. Die wollten an die hochgelobte Westküste. Nach einigen sicher erwähnenswerten, aber schon fast langweilig schönen Zwischenstopps erreichten wir dann die kleine Halbinsel Cornwallis und machten uns vergeblich auf die Suche nach einem Campingplatz. Erstmals fanden wir keine Unterkunft! Einfach keine Touristen unterwegs in dieser Gegend meinte der Herr hinter der Kasse im General Store. Aha. Wir tranken- köstlichen… was wohl - und grübelten. Da fiel mein Blick auf die Tageszeitung und die Wettervorhersage für die nächsten Tage. Regen!!!
Uiuiuui. Nicht gut. Denn Teri ist zwar tapfer und halbwegs verlässlich, aber leider etwas undicht, was tagsüber halb so schlimm ist, aber wir schlafen ja auch drinnen.
Auch Egger schien etwas bedrückt beim Gedanken bei Sturmböen und Regenschauern allein in ihrem 2 Personen Zelt zu sitzen.
Auckland war praktisch nur eine Stunde entfernt, natürlich gäbe es da Campingplatze, Motels und dergleichen, aber eben auch unserer Freunde Martin und Wendy, die - wie wir uns versicherten - mehrmals betont hatten, wir könnten jederzeit kommen und bleiben solange wir wollten. Nun ja, wir waren 3 Tage zu früh in Auckland. Sollten wir anfragen oder war das ein bisserl peinlich und frech? Wir, das heißt ich (nach einer sehr undemokratischen Wahl), rief an und Martin meinte im Berliner Dialekt "keen Probleem". Und so fielen wir wieder ein, besetzen Schlafzimmer und Dachboden und Küche. Die beiden nahmen es neuseeländisch gelassen, Wendy machte köstlichen Cream Cheese Cake und Martin warf Steaks vom deutschen Fleischer auf den Kohle-Grill. Ich kochte Risho Maru Kost. Fladenbrote gefüllt, Spinatlasagne, Curry. Brandon und Marian kamen vorbei zum quatschen und wieder verging ein fröhlicher Abend unter waschechten Kiwis. Sicher eines der gastfreundlichsten Völker dieser Erde!
Die Regentage füllten wir mit Museumsbesuchen, Großstadtfeeling und Kinogehen.
Egger die zuerst etwas enttäuscht gewesen war, dass sie ihre letzten Urlaubstage in der nicht sehr hobbitmäßigen Großstadt Auckland verbrachte, stellte fest, wie erfüllend Planlosigkeit sein kann.
Und wie sehr man ein Land kennenlernt, indem man mit seinen Menschen lebt, isst und blödelt. Am letzten Tag stand sie am Flughafen, ohne I-Pod, braungebrannt, erholt. Neuseeland, das Zauberland. Nicht nur für uns.
Ach ja, für uns. Hatte ich nicht erwähnt, dass wir knapp davor waren hier zu bleiben? Ach nein? Die Reise hier zu beenden und Neuseeland zu erobern?
Oh... Noch nicht, nein, nein, es geht noch nicht, vielleicht kommen wir zurück, hierher ins Land der verwirklichten Träume, aber zuerst werden wir unseren Traum zu Ende segeln bis ins Mittelmeer. Dort, wo diese Reise begann. Denn die Hobbits gibt es überall und wir wollen sie finden und necken und hoffen, dass sie uns irgendwo zur Ruhe kommen lassen. Mal sehen. Aber zuerst lockt wieder die Südsee, Neukaledonien, Vanuatu, Australien. Übrigens... haben die dort guten Cappuccino?

Der Kapitän und sein Schiff
this is your captain speaking

Zweieinhalb Jahre, und mehr als die Hälfte einer Weltumsegelung liegen hinter uns, und unserem schwimmenden Zuhause Risho Maru. Dass wir unser Schiff mögen haben wir schon öfters geschrieben, aber was macht wirklich ein gutes Schiff aus?
Die Fahrten-Seglerszene hat sich ordentlich verändert. Die Boote von heute sind länger und viel exklusiver als noch vor fünfzehn Jahren. Damals war die Durchschnittsgröße 9-11 Meter, heute ist sie 13-15 Meter. Das bedeutet aber auch, dass die Leute viel mehr Geld für das Schiff ausgeben müssen als geplant.
Zwei drei Meter länger bedeutet oft doppelt soviel Kosten. Viele der Boote haben
Waschmaschinen, Mikrowelle, Flachbildschirm und Unmengen an Elektronik an Bord, und das meiste ist nach zwei Jahren nicht mehr brauchbar, denn die Tropen fordern einfache Dinge. In einer Segelzeitschrift habe ich einen Werbetext für ein klassisches Segelboot gefunden, der mir persönlich sehr gut gefällt:
Because the things that made you fall in love with sailing were not Flat Screen TVs Microwaves and Watermakers.
In diesem Punkt haben wir also mit der Risho kein Problem. Sie ist ein einfaches Schiff. Übrigens schreibe ich gerade auf unserem dritten Laptop, die zwei alten sind schrottreif gefeuchtet (wie gut, dass wir auch unsere Papierseekarten haben, denn auch wir benützen Elektronik).
Das GPS ist eine der besten Entwicklungen für den Fahrtensegler, keine Frage, es ermöglicht in Reviere vorzudringen, die mit der Astronomischen Navigation nur schwer zu realisieren wären. Ich erinnere mich zurück an die Tuamotus mit den Riffpassagen und Strömungen. Jeder Meter zählt. Bernard Moitessier - für mich einer der größten Fahrtensegler - hat dort sein Schiff auf ein Riff gesetzt, ohne GPS.
Also die Entwicklungen im Segelsport sind ohne Frage sehr gut, für alle, die ein Stück sicherer über die Ozeane wollen. Aber ist das Abenteuer noch das gleiche? In Auckland besuchten wir das "Maritime Museum" und haben die alten Wakas (polynesische Doppelrumpf-Kanus) bewundert, mit denen Polynesien besiedelt wurde. Es gibt ein Revival dieser Boote. Vereinzelt und zaghaft wird in Polynesien an diesen Booten wieder gebaut, dies ist wohl die Sehnsucht der Menschen nach den einfachen aber spektakulären Dingen im Leben. James Wharram, der Designer unserer Risho Maru (sie nennt sich eine Narai 4) und vieler anderer schöner Boote, war inspiriert von diesen Wakas. Ich habe viele Details auf diesen Booten entdeckt, die auch in den Wharram Katamaranen stecken. Viele Menschen, die wir auf den Inseln getroffen haben, wussten sofort, dass unser Schiff seine Wurzeln in Polynesien hat. Und es macht schon einen großen Unterschied, ob man mit einem einfachen Schiff kommt oder mit einer Millionenyacht ankert. Die Menschen sind nicht blöd, sie wissen natürlich gleich, bei wem sie mehr Geld verlangen können. Deswegen hatten wir auf vielen Plätzen, vor denen andere Segler gewarnt hatten, eine gute Zeit. Die Locals, die mit ihrem Einbaum angepaddelt kommen und sich vielleicht an der Reling einer dieser Yachten anhalten dürfen, überlegen in Sekunden, ob das Bund Bananen nicht doch lieber für das dreifache verkauft werden könnte. Viele Segler erwarten eine ursprüngliche Insel mit Einsamkeit und keine Touristen, die eingeborenen Mädchen sollten in Palmröckchen angepaddelt kommen, aber einkaufen wollen dann alle im Mega Supermarkt, und wehe, wenn es nicht das gleiche wie daheim gibt. Grübelrundrumraaaaaaaaaaaaa. Also Leute, das geht wohl wirklich nicht, das ist ein glatter Kurzschluss.
Zurück zu unserem Boot. Wir haben vor einem Jahr angefangen, viele Dinge noch mehr zu vereinfachen, alles, was wir nicht länger als bis dahin verwendeten, flog von Bord (in die Mülltonne natürlich) oder wurde verschenkt. Viele Handgriffe sind noch vereinfacht, um bei schlechtem Wetter weniger Stress zu haben. Wir haben mehr Zeit für uns, die Menschen, die Gegend und das Meer.
In ein paar Tagen wird die Risho wieder an Land gestellt, dann gibt es wieder Arbeit. Die eine oder andere Reparatur ist notwendig nach der Saison im Pazifik. Wir werden die Risho pflegen, denn das hat sie sich wirklich verdient, die 22 Jahre alte Dame, und, wenn alles gut geht, schaffen wir den Rest der Seemeilen auch noch so gut wie die zweieinhalb Jahre bisher.
In diesem Sinne - keep it simple!

Euer Capo Pete

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16.01.2008, Neuseeland Wie es ist, eine Antipode zu sein.

Antipode - seltsames Wort.
Alonso, der König von Cartagena (eingefleischte Logbuch Leser wissen sofort von welch ehrenwerter Persönlichkeit ich spreche, die anderen schauen schnell nach) betitelte uns in seinem höchst charmanten Weihnachtsmail als Antipoden. Wir, die "Gegenfüssler", die auf der anderen Seite der Erde Lebenden.
Das sind wir zur Zeit tatsächlich - für all die zu Hause Seienden - zu Hause in Austria. Denn unser Zuhause ist ja zur Zeit die Risho, denn oft rutscht einem raus, wenn man gerade irgendwo herumspaziert im neuseeländischen Regenwald... gemma wieder nach Hause? Oder im New World Supermarkt… ach, jetzt hamma die Kühltasche zu Hause vergessen! Wirklich ganz auf der anderen Seite fühlt man sich, wenn man als einziger in der Marina und wahrscheinlich in Neuseeland die 4. Adventkerze am Adventkranz anzündet und "Ihr Kinderlein kommet" singt.
Oder zu Weihnachten mit Bruder David, Schwägerin Synnova, Kapitän und Schiffsjungen in einem Rumpf gequetscht "Stille Nacht" singt und dabei die Sprühkerzen am neuseeländischen Nadelgehölz unter Kontrolle hält.
Da sind wir dann wohl auch für die Kiwis echte Antipoden. Die Weihnachten mit ein paar Bierchen und wenigen Geschenken ohne Christkind und mit wenig Santa Claus begehen. David und Synnova, fröhlich und immer guter Dinge - die beste Crew, die man sich wünschen kann. Sie schleppten einen Schalenkoffer nur mit Geschenken für uns von Wien über Bangkok nach Auckland. Übernahmen die Küchenkoje samt Küchen- und Einkaufsdienst. Alle, die die beiden kennen, können sich denken, dass kulinarisch nur auf höchstem Niveau gegrillt, gewokt und gebraten wurde. Was natürlich nicht ausschloss, dass wir beim Barbecue am Steg am Boden sitzend unser Bierchen schlürften und die Vorspeise, Halumi Käse im Speckmantel, mit den Fingern aßen. Ist doch auch irgendwie antipodisch reizvoll, oder?
Den Schalenkoffer konnten wir wegen Platzmangel nicht unter dem Christbaum öffnen. An Deck war gerade genug Platz! Finn brach vor Überwältigung in Tränen aus, als er das Geschenk seines Patenonkels Isidor aufmachte. Eine Märklin Eisenbahn samt Schienen! Wagons in der Größe von Zündholzschachteln, tropensicher verpackt in einer eigens gebauten stoßsicheren Kiste!
Ama, die so vermisste, hatte Risho Maru T-Shirts geschickt! Und Mannerschnitten und Suchard Schoko und Kernöl! Dave und Synnova wussten, als sie unsere blitzenden Augen und geifernden Münder sahen, dass der echte Steirische Marillenschnaps und die 15 Zotter Schokos genau die richtige Wahl gewesen waren.
Dass sie Amas selbst gemischten, vor Blüten und Samen nur so strotzenden, Wintertee aus der Heimat nach Neuseeland geschmuggelt hatten, wurde ihnen erst bei der ersten Tasse bewusst. Eh wurscht, die Sauerklee, Sauerampfer, Löwenzahn, Mellisse gibt es da ja auch! Ach das Christkind!
Die Parties nahmen kein Ende! Tags darauf waren wir bei unserem italienischen Freund Antonio im Beach-Haus eingeladen. Antonio - auch eine ziemliche Antipode!
Eingewandert vor 10 Jahren als Philosophie-Professor, jetzt Herr über mehrere Rinderfarmen.
Es gab Anti(poden)pasti aller Art, Parmiggiano, Pecorino, Risotto, Vino und natürlich Panetone Kuchen. Antonios Schwiegereltern samt Familie waren aus Venedig angereist und verbreiteten Dolce Vita! Mama Mia!
Um 4 Uhr Nachmittag lagen wir wieder angeduselt und angegessen in den Kojen - gut, dass es draußen nieselte!
Nächster Termin: Seglergrillfest im Yachtclub, dann Barbecue im Häuschen am Berg eines Freundes, zu guter letzt Einladung auf das Nachbarschiff "Lady Jane" zu einem musikalischen Sundowner. Synnova machte ihren irischen Wurzeln alle Ehre und Jim, der irische Schiffseigner, freute sich über Klänge aus der Heimat. Die Festivitäten flauten schließlich nach einigen Tagen ab. Ein Van für unsere Gäste wurde gefunden und schon war Silvester da. Stegfest. Antipoden im Speckmantel. Walzer um Mitternacht. Linsensuppe für alle!
Dave und Synnova bereiteten sich in Outdoorläden für das Leben in der Wildnis vor. Krafttraining für Onkel Dave inklusiveTrainer Finn.
Da Risho Maru noch fest vertäut und vor Lady Jane eingeparkt in der Marina lag, heuerten wir auf einem alten Gaffelschoner als Crew für das berühmte Tall Ship Race in Russel an. Antonio, unser Italiener, war zufällig der Kapitän und so wurde der Tag zu einem italienisch-neuseeländisch-nautischem Vergnügen. "Caliph" pflügte ihre 26 Tonnen durch die flache See und wäre sicher Erste geworden, hätten wir nicht beschlossen, das ganze italienisch anzugehen und eine kleine Champagner-Thunfisch-Risotto Pause einzulegen. Im Bootclub Russel gab's dann noch ein traditionelles"Hangi" - Essen der Maoris aus einem riesigen Erdofen. Kumari Süßkartoffel, köstliches neuseeländisches Lamm, Kürbis, Huhn und Krautblätter. Dazu natürlich das Tui Bier, benannt nach dem Tui Vogel, der klingt wie eine Blockflöte - bemerkte die immer musikalische Synnova. Sie und Dave begaben sich dann in ihren Bus "Frodo" um ihre Erforschung der Nordinsel fortzusetzen. Nach den vielen Festtagen und Festtagsbesuchern kehrt nun wieder Alltag auf der Risho ein - ja naürlich gibt es den auch für Antipoden! Schule für Finn, Bootspflege für Peter und was so anfällt für mich, die Antipode äh... Admiralin. Happy 2008, mates!

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21.12.2007, Neuseeland Alle Jahre wieder...

…kommt das Christkind zu uns auf die Risho Maru. Wobei es - das Christkind - in unserem Fall ja ziemlich flexibel sein muss. Was wiederum eine durchaus gute Eigenschaft ist, um zu segeln, um sich wo neu zu organisieren, um ein Land kennenzulernen.
Neuseeland - überwältigend vom ersten Moment an als wir an unserem blitzblauen Ankunftsmorgen in der Bay of Island einliefen!
Und fast 3 Wochen später noch immer. Dabei haben wir praktisch noch nix gesehen außer die Marina und das Umland in ca. 40 km Entfernung.
Aber wie heißt es so schön - und dabei zitiere ich mich selber - am besten lernt man ein Land bei einer herrlich schaumigen Tasse Capuccino in einem netten Café kennen. Und davon gibt es hier genügend! In jedem Nest gibt es einen netten Coffeshop mit wirklich gutem Kaffee. Natürlich trinke ich hier den "Flat white" - das ist ein kleiner Cafe Latte. Und um auf das Christkind zurückzukommen, ich wünsche mir wieder einmal einen Milchschäumer. Meinem aus Panama hat unsere stürmische Überfahrt nicht gut getan. Und da man hier alles kriegt, träume ich von einem echten italienischen Milchschäumer, mechanisch zu betätigen um nie wieder von Batterien abhängig zu sein, die eben - kommt es hart auf hart - für Taschenlampen, Kurzwellenradios und elektrische Zahnbürsten aufgebraucht werden.
Neuseeland - jawohl, alles gibt es hier!
Waren natürlich gleich am 2. Tag unserer Ankunft im Supermarkt. Genannt "New World". Nomen est omen nach einem Jahr in den spärlichen und teuren Supermärkten Französisch Polynesiens. Lübecker Marzipan. Vollkornbrot. Marzipankartoffel. Italienische Salami. Lindt Schokolade. Beglückt stand ich vor dem Butterregal. Nicht die nette salzige tropische Einheitsbutter im Viertel- oder Halbkilopackerl, oh nein! Butteriche - oder wie heißt die Mehrzahl von Butter? Buttern aller Art!
Meine Güte, sogar ohne Salz, und das - Oh du glückliches Österreich - ist hier absolute Ausnahme.
Interessanterweise bekam ich gerade im Supermarkt meine erste Lektion zum Thema Neuseeländisch Englisch. Ich fragte unschuldig nach Eiern. Eggs. Die Verkäuferin sah mich verwundert an. Eggs? What do you mean? Naja Eier. Eier, halt. Eggs? Sie zog einen Lehrling zur Beratung bei und alle beide betrachteten uns staunend und rätselten über unser Begehr. Eggs, you know, from chicken. Gack, gack, gack… (ich wusste meine Schauspielausbildung würde sich mal bezahlt machen) "Oh, iggs!" Iggs? Willkommen in Kiwi Land, mate!
Und zum Abschied sagt man nicht gerade leise "Cheers!"
Neuseeländisch Englisch klingt irgendwie schottisch oder irisch oder manchmal sogar außerirdisch? Einmal zahlte ich an der Kasse in einem Hardwarestore und der Herr an der Kasse hielt mir einen netten Vortrag. Worüber? Keine Ahnung. Ich konnte kein Wort verstehen, außer vielleicht mate, wobei mate eher den Herrn gilt und er mich vielleicht doch mit Babe angesprochen hatte. Zu guter Letzt drückte er mir strahlend eine Karte in die Hand und als ich die von ihm verlangten 40 Dollar aus meiner Geldtasche kramte, dämmerte mir, dass ich gerade überredet worden war, Mitglied des Fly Buy Shopping Clubs zu werden.
Neuseeland - Easy going.
Warum? Wo kann man innerhalb von 3 Tagen ein Auto inklusive gültigem Pickerl um 500 Euro kaufen, das auch noch fährt. Es am selben Tag bei der Post in 3 Minuten für 10 Euro anmelden. Keine Wartezeit, kein Kaufvertrag nötig, einfach nur Registrierungsnummer, die hinter der Windschutzscheibe hängt, herzeigen. Der Rest steht wohl im Computer. Eine Woche später kriegt man die neuen Papiere in die Marina geschickt. Und so sind wir stolze Besitzer eines himmelblauen Subaru Combi Allrad, Baujahr 89. Surfbretter passen rein und Surfwellen gibt es hier genug. "Dude" ist also unser neues Familienmitglied. Und nach 2 Wochen fährt unser Dude noch immer wie geschmiert.
Übrigens jubelt Peter, weil die Bürokraten offensichtlich noch nicht bis nach Neuseeland vorgedrungen sind. Wir lernen einige Kiwis, echte und zugewanderte kennen. Die bestätigen Peters Eindruck mit einer Einschränkung: Immigration! Will man einwandern, wird es etwas härter.
Aber wer hier arbeiten will, eine gute Ausbildung hat, nicht gar zu alt ist und gut englisch spricht, ist willkommen. Vor allem Handwerker werden gesucht. Und ehrlich gesagt, wandelt man hier durch die Straßen, sieht man viel verwirklichte Träume. Da das Weingut eines Seglers aus Kalifornien, dort der Coffeshop einer Deutschen aus Köln, da ein Hotel Austria eines Innnsbruckers, hier eine Friseurin aus Spanien, dort eine Schweizerin, die Bootszubehör verkauft. Viele Segler bleiben hier hängen und viele haben schon vor ihrer Anreise geplant hier zu bleiben. Arbeitslosenrate: so gut wie nicht vorhanden. Jobs: genug. Möglichkeiten: alle. Man muss nur wollen. Und man hat das Gefühl, hier wird gewollt. Die Leute sind sehr freundlich, hilfsbereit, fit. Natürlich, Ausnahmen bestätigen die Regel und Jammerer gibt es immer und überall. Der Gesamteindruck ist toll und sehr ungewohnt.
Neuseeland - Traum aller Kapitäne und Schiffsbastler.
Hier gibt es seit den Kanarischen Inseln wieder mal alles, was ein Schiff so braucht. Wirklich alles. Und das gleich neben der Marina.
Unser erster und absolut dringendster Einkauf war ein neuer Gasofen. Unser 15 Jahre alter Plastimo Schrotthaufen fabrizierte mehr Rost als Essen in letzter Zeit. Manchmal beides in ungesunder Mischung. Und so wurde ich zum Hausmütterchen und freute mich unbändig über meinen neuen stainless steel Cooker.
Silbernd stand er da in unserer Küche, blitzte, strahlte, bereit für sämtliche kommende Festmahle. Ich strahlte mit, nur der Kapitän starrte grimmig vor sich hin. What's up, mate?
"Die Küche gehört ausgemalt, bevor der Dave und die Synnva kommen". Ich musste zugeben, dass der etwas abgewohnte Küchenrumpf neben dem Mercedes von Gasofen natürlich ziemlich abstank. Und mein Ehegatte setzte sich einfach in den Kopf für seinen Schwager mit Ehegattin, die uns zu Weihnachten beehren würden, sollte alles perfekt sein. Und er begann zu malen. Und da kam das Tief und es begann zu regnen. Also lebten sie in einem Rumpf zu dritt, die Küche: Baustelle. Draußen Regen und 35 Knoten Wind.
Wir sind Helden, ich weiß, aber irgendwie war das dann doch ein bisserl besch... Aber heute ist ein guter Tag. Alles fertig und nach 2 Tagen fast trocken. Und bildschön. Jetzt haben wir noch 10 Tage um den Farbgeruch aus dem Rumpf zu kriegen, hoffe ja, dass sich die Sonne bald blicken lässt.
Ansonsten vergehen die Tage mit Besuchen in Hardwarestores, anderen Marinas, Yanmar Motorenshop, Ship Chandlern. Risho Maru bekommt eine all inclusive Spezialverwöhnung. Hat sie sich aber wirklich verdient!
Neuseeland - back in Civilization!
Wir haben also ein Auto und auch ein Handy, und jeden Tag grünen Salat, und waren beim Friseur, und können morgen zum Frühstück Schwarzbrot mit salzloser Butter essen. Gezähmtes Seglerpack. Kalt ist es. 18 Grad. Meine Mama hat mich am Telefon ausgelacht. Kalt? Minus 5 Grad ist kalt, lieb Töchterlein!
Ich hab meinen Faserpelz an, außer wenn die Sonne scheint, dann natürlich T-Shirt. Zurzeit aber hängt ein fettes Tief über der Nordinsel und, ehrlich gesagt, ist mir das wirklich sowas von wurscht. Auch dieser Hurricane in Fiji geht mich nix an. Die Risho liegt sicher in der Marina, draußen heult der Wind mit Sturmstärke und ich räkle mich in der Koje und überlege, was man alles braucht um Vanillekipferl zu backen. Denn alle Jahre wieder, kommt das Christkind. Mal nach Tobago, mal zu den San Blas Inseln. Diesmal nach Opua und vielleicht, liebes Christkind, kriegst du hier sogar einen echten Nadel-Christbaum... wenn du mir einen Milchschäumer bringst...ok, mate? Cheers!

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30.11.2007, Bay of Islands, Neuseeland Neuseeland wir kommen oder Go Risho Go!

Minerva Riff: meine Güte, wäre ich jetzt gerne irgendwo in der Südsteiermark, hügelig, eine nette Buschenschank, Wetter sowas von egal, ob Wind, Regen, Sturm, sowas von wurscht. Aber nein. Ich sitze im Minerva Riff. Sicher, sicher, wieviele können behaupten, da gewesen zu sein? Ein Riff mitten in der großen Weite des Pazifiks. Ein Riffkranz, geschlossen, nur mit einer kleinen Einfahrt, drinnen flaches Wasser mit Sandgrund. Ah, grandios, einzigartig, fantastisch... jaja wenn ich's von der Couch aus in "Universum" sehe.
Im Augenblick geht's mir nicht besonders. Mit uns noch 9 ausgewählte Boote harren der Dinge im Minerva Riff oder besser des Wetters, um gut nach Neuseeland zu kommen. Low Pressure dort, High Pressure da, tralala!
Ja und so zur Draufgabe bildet sich auch noch der erste Zyklon der Saison in Australien. Na super. 750 Seemeilen vor uns.
Dort dann Mekka: Opua! Die vor 2 Wochen starteten kamen in so richtig schlechtes Wetter, obwohl vorausgesagt wurde "no storms and no gales". Natürlich verstehe ich, dass man mehr als 4 Tage nicht voraussagen kann, ich verstehe es , aber es macht mich verrückt.
Ahh… Südsteiermark, ein Weinderl, dann mit dem Auto nach Hause ins Betterl...

Tag 1: Es geht los. Das Wetterfenster hat sich geöffnet. Kein Blick zurück. Hart, hart am Wind, also Wind fast von vorne und natürlich auch die Wellen. Aber laut Wettermann Winfried soll es besser werden.
Risho knallt in die Wellen, stoppt, zieht wieder an, wird schneller, verlangsamt wieder. Das ganze Schiff wird so richtig durchgeschüttelt. Und wir natürlich auch. Der Autopilot ächzt. Wenn der nur durchhält. Er muss, ist unser Ersatzpilot und funkelnagelneu, erst 3 Mal im Einsatz. Was kann da schon sein?

3 Stunden später:
Der Autopilot ist kaputt. Ich glaub es einfach nicht. Peter tut was er kann, es hilft nichts, Elektrik durchgebrannt. Dass Risho sich seit einer Stunde alleine durch die Wellen steuert, ist mir noch gar nicht aufgefallen. Naja, reiner Zufall, ein Schiff das selber steuert, lächerlich. Peter macht mich drauf aufmerksam, alle großen Segler segelten ohne Autopilot oder Windfahne. Das Steuer wurde festgeklemmt und mit Hilfe des Besamsegels segelten die Schiffe auf Kurs. Das, was Risho eben gerade tut. Das gute ist Risho geht mit dem Wind und behält immer die höchste Höhe. Beim Autopilot mussten wir das immer neu eintippen. Abgesehen davon haben wir ja auch noch den Franzl, unseren verlässlichen Windpiloten. Warum hänge ich immer so am Wunder der Elektronik? Vielleicht weil ich 750 Meilen von der Küste weg bin?

Tag 2: Risho go Risho go. Ich liege in meiner Koje und kann mein Glück nicht fassen, dass dieses grandiose Schiff sich einfach selber steuert. Wir sind nicht besonders schnell, aber kommen gut voran. Haben Segel reduziert, weil es uns körperlich weh tut, wenn Risho in die ein oder andere Welle knallt. Die ersten 2 Nächte habe ich wegen der sehr unruhigen (echt untertrieben) Schiffsbewegungen kaum (ziemlich untertrieben) geschlafen.
Außerdem ist es saukalt geworden. Hab in der Nachtwache meinen dicken Fleece und eine Trainingshose unter meinem Ölzeug an, natürlich dicke Socken und Stiefel. Auch meine Wollmütze liegt bereit.
Peter sieht ziemlich erledigt aus. Allen Seglern geht es so. 2 Mal täglich gibt es eine Funkrunde auf dem SSB Radio. Da treffen sich alle Schiffe, die in Minerva gestartet sind auf dem Netz, Ryan von der Kuhlula ist der Master of Ceremony. Ein Sicherheits- und sich-gegenseitig-Aufbaunetz. Natürlich wird Wetter ausgetauscht. Der Zyklon aus Australien hat jetzt schon einen Namen. Juma. Zieht langsam nach Südost. O Mann, ich will es gar nicht hören. Was gibt es heute bei unseren Surferboys zum essen? Ryan segelt mit 2 Freunden um die Welt, um die perfekte Welle zu finden. Natürlich haben sie sonst auch noch eine Mission. Alle drei sind Riffforscher und forschen im Auftrag ihrer kanadischen Universität. Und wo immer sie anlanden, säubern sie 100 Meter Strand von Schwemmgut wie Plastik und Blech. Lässige Typen und Ryans fröhliche Surferstimme täglich zu hören ist Balsam. Bei ihnen gibt es Curry aus der Dose. Bei uns Chinesische Instant Nudelsuppe. Mehr schaff ich in der Kombüse einfach nicht. Alles fliegt mir um die Ohren. Appetit hab ich eh keinen, Finn aber geht's blendend. Der genießt, dass es viele Chips, Brezel, Cornflakes und Soletti gibt.

Tag 3: Es bläst. 30-35 Knoten? Wir haben keinen Windmesser, aber es ist viel Wind. Es ist sehr rauh, es ist sehr nass, es ist sehr kalt. Wie konnte ich nur zustimmen nach Neuseeland zu segeln? War ich von Sinnen? Betrunken? Risho crasht in die See, Wellen überspülen das Vordeck. Peter bindet ein Reff in das Großsegel und setzt unser kleinstes Vorsegel. Dennoch machen wir ordentlich Tempo. Risho schafft es aber immer wieder doch gut, in die hohen Wellenberge zu gleiten. Nur hin und wieder kommt ihr einer in die Quere. Dann wird alles um uns zur Waschmaschine. Aber wir sind auf Direktkurs nach Opua. Das baut auf.
Ich hab seit 2 Tagen das gleiche Gwand an, bin zu müde um mich umzuziehen. Kraft wird für Segelwechsel und Mahlzeitenzubereiten gebraucht. Wenn nur kein Segel reißt, oder sonst irgendwas. Ach wird schon nix sein.

Tag 4: Wir haben einen Riss im unteren Teil des Großsegels. Rahhh. Halb so schlimm. Schlecht gespannt beim Reffen. Segeln jetzt mit 2 Reffs, sind trotzdem sehr schnell. Funkrunde mit Ryan. "Yaras" haben einen riesigen Riss im Großsegel und den ganzen Tag genäht, segeln jetzt mit 2 Reffs. "Symi" ebenfalls ein Riss im Groß. Versuchen mit Klebeband zu flicken. "Kuhlulas" Kühlschrank ist kaputt - bei der Kälte wirklich sehr wurscht. "Afrikis" elektrischer Autopilot is gebrochen, sie segeln aber gut mit der Windfahne. "Nordic" hat eine Welle ins Cockpit und in das Schiff abbekommen, Computer überflutet und alle Seekarten - aber alles funktioniert noch. Und Zyklon Juma kann sich laut Computervorschau noch nicht entscheiden wohin mit all seinen Winden und so weiter.
Ich hab heute Socken gewechselt. Sensationelle Odeur. Aber knapp geschlagen vom Duft der Socken meines angetrauten Ehegatten. Dass ich das Fußpuder zufällig in ein Regal gelegt habe und es somit gleich finden und verwenden konnte, war wohl ein Geschenk der Götter. Finn liest aus lauter Langeweile sein erstes Buch freiwillig. Auch eine Art der Schulerziehung. Ach ja, habe heute ein Brot gebacken. Bin stolz auf mich.

Tag 5: Wasser in der Bilge! Ich bin schon derart übermüdet, dass ich bereits Rettungsszenarien erdenke, welches Schiff in der Nähe uns retten kann und wie es ist, wenn ein Hubschrauber der Coastguard einen abseilt.
Peter wagt einen Blick in die Segelkammer und weiß bescheid. Undichter Lugdeckel hat einige Kübel Meerwasser in die Segelkammer plätschern lassen. Peter dichtet alles mit Segeltuch extra ab. Gut, wir haben also kein Leck, ich kann beruhigt schlafen gehen. Bekleidungsstatus: 3 Fleecepullis, 2 dicke Trainingshosen, Tante Friedas dicke Stricksocken und drüber Krampussocken, von meiner Mama sehr vorausschauend nach Bora Bora mitgebracht. Stirnband, Galapagos-Wollmütze, Südwester und Ölzeugkapuze. Ich sehe aus wie das Michelinmännchen. Aber mir ist warm. Nach 2 Jahren in den Tropen und übermüdet fühlen sich selbst die 15 Grad im Wind wie Minus 5 an. Schiffe, die vor uns sind, melden flachere See und weniger Wind.
Haben heute Schnelle Spaghetti gegessen: eine Dose Tomaten über einer Packung Spaghetti (gekocht natürlich!), Olivenöl und viel Salz und das letzte Eck Parmesan. Nachspeise eine Dose Ananas. Positive Nachricht zu Tag: Zyklon Juma hat sich verabschiedet - gibt es nicht mehr - kommt vor bei Computerprognosen.

Tag 6: Die Nacht war zum Kotzen. Wellen kreuz und quer, Gegenströmung bis zu einem Knoten, Wind, Wind, Wind… bitte wo segeln die anderen in flacher See und weniger Wind? Habe 3 Schokoriegel gegessen. Und 5 Löffel Nutella. Meine Socken haben bereits wieder den Duft von... naja, nicht Chanel 5 auf jeden Fall. Meine Haare kleben salzig am Kopf, meine Lidränder sind rot. Na wenigstens sieht Peter mit fast Vollbart und Augenringen auch nicht gerade zum Anbeißen aus. Finn geht's blendend. Er hat gut geschlafen und verlangt nach etwas Abwechslung beim Frühstück. Mama - Pancakes wären gut! Ich raffe mich auf und - siehe da - mit einigen zuckerigen Pancakes im Leibe sieht das Leben schon besser aus.

Spätnachmittag:
Nicht zu glauben, der Wind hat nachgelassen und kommt nicht mehr von vorne, und die Wellen schmiegen sich in langen Hügeln um unsere Risho. Franzl, die Windfahne, wird eingestellt und ich gleite in einen - den ersten seit 6 Tagen - wunderbaren Kuschelschlaf. Vor allem jubelt mein Herz. Morgen kommen wir an! Neuseeland, du Land der langen weißen Wolke, noch bist du nur ein Wunschtraum am Horizont. Mekka wir kommen!

Nacht zum 7. Tag:
Ab Mitternacht teilen wir uns die Wachen stündlich. Schiffe sind zu sehen, wir sind in Küstennähe.
Auch das erste Lichtsignal in der Ferne. Ich bin todmüde und unglaublich aufgeregt. Peter schläft tief und fest, Spannungsabfall. Ich lass ihn schlafen und rieche in die kalte Nacht hinein. Ist da schon sowas wie Landgeruch? Wie wird Neuseeland ausschauen, was erwartet uns in den ersten Sonnenstrahlen?
So wie beim Minerva-Riff haben nur wenige Menschen die Chance das zu erleben, was ich gerade erlebe. Die Landsehnsucht nach einigen Tagen auf See. Und dann der große Augenblick. Peter steht im Morgengrauen an Deck. "Land in Sicht" flüstert er. Ergriffen, Überwältigt. Ich folge seinem Blick und sehe im ersten roten Morgenlicht die kleinen Inselchen der Bay of Island und dann den langen Küstenstrich der Nordinsel. Der Duft von Erde und Harz in der Luft. Wir haben es geschafft.

Tag 7: Wir tuckern in die geschützte Bay of Island. Strahlender Himmel, grüne Hügel. Eine Mischung aus Salzkammergut und Südsteiermark. Wunderschöne Holzhäuser auf den Hügeln, überall Segelboote, kleine Orte in versteckten Buchten. Segeln in diesen Breiten ist wie Kinderkriegen. Wenn das Kind mal da ist, ist das Kriegen vergessen. Mein Herz macht einen Sprung. Was für ein unglaublich schönes Land. Und wir sind hier mit unserem Segelboot. Aus den Tropen in Tonga in den schönsten österreichischen Mai gesegelt.
Ein letztes Mal noch die Funkrunde. Auch Ryan, der Surferboy, ist überwältigt. Gleich morgen gibt es einen Surfritt auf den Wellen. Mir reicht's mal für's erste. Bin schon mit einem Cappucino im General Store zufrieden.
Peter gönnt seiner Risho eine ordentliche Süßwasserdusche und Finn tobt mit anderen Seglerkindern über die Stege der Marina. Es ist perfekt hier. Als ich abends nach einer 10 minütigen Heißwasserdusche im Marinabadezimmer heimschlendere, betrachte ich die schlanken Masten unseres Schiffes. Risho Maru ist nicht das größte Schiff hier, aber sie wirkt sehr stabil, kompakt und sicher. Ich gehe ganz nah an ihren Steuerbordrumpf und drück ihr einen Kuss auf den Bug. "Danke, Risho"… Gern geschehen…

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08.11.2007, Tonga Schiffsmeldungen vom Captain - Eine nicht einfache Entscheidung

Wir sind nicht richtig entspannt. Hocken viel an der SSB Funke, hören dieses Netz und dann ein anderes. Laufen ins Internet und downloaden diverse Wetterinfos. Tja, wer hätte das gedacht, aber die Zyklonseason sitzt uns im Nacken und anderseits sind in Neuseeland die Frühjahrsstürme im Gang. Ausgangspunkte für eine Reise nach Neuseeland sind Tonga (wo wir uns derzeit befinden) oder Fiji, Vanuatu und New Caledonia. Es gibt den Weg nach Neuseeland, den Weg nach Australien oder den Weg in den Norden, z.B. Gilbert oder Phönix Inseln, die am Äquator und somit außerhalb der Zugbahn eines möglichen Zyklons liegen.
Wir haben uns für Neuseeland entschieden. Erstens weil wir es gerne entdecken würden, und zweitens, weil in ein paar Monaten - wenn die Zyklone schlafen gehen - wir die Möglichkeit haben, wieder zu den tropischen Inseln zurückzusegeln, um mehr Zeit für Vanuatu Neukaledonien und Fiji zu haben.
Was ein Wetterfenster ist haben wir schon erklärt . So ein Fenster geht dann auch irgendwann wieder zu, wenn es draußen zuviel bläst und dann wartet man auf das nächste und hofft, dass dieses etwas besser ist als das erste.
Wir stehen in Kontakt zu anderen Seglern, die beim ersten Wetterfenster losgesegelt sind, und die haben geschrieben, dass die Fahrt alles andere als lustig war. Trägt auch nicht gerade zur Erleichterung bei.
Gestern sollten wir mit dem zweiten Fenster lossegeln, doch in letzter Minute haben wir und ein paar andere Segler entschieden, es nicht zu nehmen. Der Grund ist ein Tief, das aus der Tasmansee langsam nach Osten zieht. Die Vorhersagen beruhen auf Computermodellen, denn die meisten Segler brauchen zwischen sieben und zwölf Tage, je nach Boot und Geschwindichkeit. Und eine Vorhersage länger als fünf Tage ist meist Spekulation.
Beim jetzigen Fenster hätten wir vor dem Tief Neuseeland erreichen können, es wäre perfekt gewesen. Doch dieses Tief zieht nun schneller als der Computer es errechnet hat. Wären wir vor 2 Tagen ausgelaufen, wäre es sich noch ausgegangen, aber da hingen wir noch bei 0 Wind in der Hapai Gruppe und erreichten schließlich Tongas Hauptsadt Nukualova an einem Sonntag. Der nächste Tag war ein weiterer Feiertag. Keine Möglichkeit also international auszuchecken, was aber gemacht werden muss. 2 Tage zu spät dran, die Chance das Tief im falschen Augenblick zu erreichen stieg somit beträchtlich. Was hätte das Tief bedeutet? Vierzig Knoten aus N (das wäre noch nicht so übel, doch auf der Südhalbkugel drehen sich die Winde aus dem Tief im Uhrzeigersinn (zyklonal) und dann hätten wir den Wind mit der selben Stärke auf die Nase und das wäre sehr unangenehm zumal die Wellen dann von beiden Seiten kämen.
Naja, das bedeutet jetzt alles nochmal von vorne. Lauschen, beobachten, überlegen, mit anderen Seglern beratschlagen - das kann schon an die Nerven gehen. Vorteil, wir sind jetzt schon in unserem Ausgangshafen und das Fenster so knapp zu verpassen, das wird nicht mehr geschehen. Aber anderseits ist es auch ein Lernprozess und eins ist sicher: wir erreichen Neuseeland auch mit dem Rest der Segler die mit uns noch hier warten.
Und noch ein Vorteil: Was werden wir noch hier in Nukualofa, auf Tongatapu entdecken? Die Menschen sind auf jeden Fall überwältigend. Freundlich, hilfsbereit. Kein schlechter Platz um festzuhängen.

22.10.2007, Tonga Was ist Topfglück?
oder
Was man tun muss um ein richtiger Blauwassersegler zu werden!

Natürlich muss man ein Schiff haben, das schwimmt und halbwegs segelt mit all dem Drum und Dran von Funkgerät, Gps, Wassertanks, Seekarten, elektronisch oder nicht, was man eben alles so braucht um irgendwo anzukommen. Bisserl Erfahrung schadet nicht. Manche sagen ohne einmal zuvor als Crewmitglied einen Ozean überquert zu haben, sollte man solch eine Reise nicht starten. Andere kommen auf die Idee, mal Reisen zu wollen, Schiff bietet sich an, machen schnell einen Kurs und ab geht's.
Motor, wenn er funktioniert oder man weiß, wie man ihn repariert, ist auch sehr angenehm.
Schokolade lebenswichtig wie das EPIRB.
Gut, aber wie so oft im Leben, lernt man beim Tun. Und da kann man sich auf einiges gefasst machen. Oder weiß irgendeiner von euch Seglergreenhorns da draußen, was ein "Potluck Dinner" ist? Ha! Ertappt!
Dem will ich mich heute widmen, denn es scheint mir, dass dieses Ereignis unwiderruflich mit dem Dasein eines Blauwasserseglers verbunden ist.
Pot-Topf, Luck-Glück, Dinner-Abendessen. Aja, Englisch kann auch nicht schaden.
Was passiert nun bei einem Potluck Dinner?
Man kommt also zum Beispiel auf der Vavau Gruppe in Tonga an. Ein Traum für Segler. Zahlreiche kleine Inselchen, nach Nummern sortiert (zumindest für die Blauwassersegler...), gruppieren sich um den Hauptort Neiafu. Flachwassersegeln zu den einzelnen Eilanden, natürlich für jeden ein Genuss, weil hoher Seltenheitswert auf einer Besegelung der großen Ozeane mit ihren schmucken Wellen.
Also zuckelt man gemütlich oder in Schräglage flott zu seinem Ankerplätzchen und - siehe da - an der Funke ertönt folgende einladende Stimme "To all boats on anchorage 16 - tonight there is a potluck! Start at 6 o'clock on the beach!"
Der durchschnittliche Blauwassersegler begibt sich jetzt mal in die Kombüse und checkt deren Inhalt.
Glücklicherweise ist der kleine Hauptort Neiafu mit einem guten Gemüsemarkt bestückt, aber die Bohnen, seit Panama in der Bilge, würden sich doch auch anbieten? Bohnensalat. Berüchtigt, weil vor allem Amerikaner damit herzhafte Salate fabrizieren. Man sollte vielleicht kontrollieren, wieviele amerikanische Flaggen in der Bucht zu sehen sind. Ok. Viele. Na gut, dann greife ich eben auf den allseits beliebten Nudelsalat zurück. Oder doch nicht?
Beim letzten Potluck gab's vier fast identische Nudelsalate und keine Kuchen. Ich mach einen Kuchen. Andererseits ist Gail von "Fifth Season" heute da und sie macht immer diese köstlichen konditormäßigen Cinnamon Rolls .Na abstinken möchte ich dann auch nicht mit einem schlichten Bananenbrot, obwohl der Reifegrad der Banane sehr dafür sprechen würde. Was gibt es eigentlich noch?
Ist ein Barbecue geplant? Ist. Fleisch haben wir keines, weil das Versorgungsschiff aus Fiji nicht da war und die 3 Hühnerhaxen in der Tiefkühle im Minimarkt nicht gerade appetitlich aussahen.
Laura, meine Freundin auf Sabbatical 3, hat noch Hamburger in ihrem Freezer und Gesche von der "Yara" bringt Würstchen. Mhmm. Wird wohl wieder mein allseits beliebtes Fladenbrot werden. Mit einem Dip. Aber leider ist kein Thunfisch mehr zu finden. Aber die verrosteten Sardinendosen aus Galapagos sehen mich strafend an. Hast du uns vergessen? Warum nimmst du uns nie? Liebst du uns nicht mehr? Okay!!! Also ein Dip aus Sardinen, die blöderweise in Tomatensoße liegen. Also Sardinen abtropfen, zerkleinern, mayonnaisieren, Salz, Kräuter, fertig ist der neuerfundene Dip, dazu noch Limette, ab in ein Töpfchen.
Mal sehen, ob dieser Pot luck hat und geleert wird! Ob es allen Seglern in der Bucht gerade so geht? Was könnte ich noch ankriegen beim Stranddinner? Dazu kommt noch, dass man keine Dosen mit Fleisch nach Neuseeland einführen sollte, und Neuseeland ist das nächste Ziel vieler Schiffe. Also könnte man denken, dass einiges an Fleischdosigem ankommt. Andererseits gibt es viel frisches Obst.
Abends blickt man dann auf den improvisierten Büffettisch und wundert sich. 2 riesige Tupperwareschüsseln (absolutes Muss für den zukünftigen Blauwassersegler - Tupperware!!!) mit Obstsalat, Falafel von einer Norwegerin aus Linsen gemacht (Linsen dürfen auch nicht nach Neuseeland) und Couscous mit Bohnen (amerikanische Variation).
Ian, unser kanadischer Freund, hat schnell noch 3 Fische harpuniert also gibt es köstlich gegrillten Fisch. Das gemeinsam fabrizierte Büffet ist gut, Finn und andere Seglerkids stürzen sich auf die wenig einfallsreiche Gabe eines englischen Seglerpärchens - einen riesigen Topf Popcorn. Nachspeise: Cinnamonrolls. Das nennt man Luck für die Kids!
Apropo Kids!
Seglerkids werden ja von allen Seiten verwöhnt. Jedes Elternpaar findet innerhalb kürzester Zeit heraus, ob irgendwo ein Kinderschiff eingelaufen ist. Irgendjemand hatte die Idee eine Kinderflagge zu erfinden (Also für zukünftige kinderreiche Blauwassersegler - die Kinderflagge!)
Besonders nett ist es, wenn sich jemand ohne Kinder was für die Kinder einfallen lässt. So wie Ron, von der "Nautilus" Eines Tages tönte es auf der Funke: "Dienstag Piraten-Party für groß und klein im Zauberwald auf Anchorage 30!" Wow! Da freute sich nicht nur Klein! Zwar schüttet es am Dienstag aus Kübeln, aber kaum ein Segler ist terminmäßig verplant (Also für zukünftige Blauwassis - Terminkalender zu Hause lassen)) und so stieg die Party 3 Tage später. Was gut war, die Vorbereitungen kostümmäßig nahmen mehr Zeit in Anspruch als geplant. Denn wer hat schon ein fix und fertiges Piratenkostüm an Bord? Aber eine der wichtigsten Eigenschaften des Blauwasserseglers ist wohl sein Improvisationstalent!
Die Spannung stieg also ins Unerträgliche als gegen 14 Uhr die ersten Schiffe in die 30er Partybucht einliefen, mit Knallraketen und Piratenflaggen und ziemlich wüsten Typen an Bord.
Finn lag beim Ankermanöver am Vordeck und drohte den Feinden vom Nachbarschiff mit seinem gefährlichen Schwert (ein hölzerner Schöpfer von den Indianern auf den San Blas Inseln).
Ich stand mit Pyjamahose, Fetzenhemd und rotem Kopftuch der Kuna Frauen am Steuer und drohte mit einer Rumflasche. Der Captain beobachtete hoch oben im Besam Mast, dreckverschmierte Hose, Machete griffbereit, die Umgebung - aber natürlich ruhte ein Auge auf den Korallenstöcken unter unseren piratischen Kielen. Die Meute aller Schiffe versammelte sich dann zur Schatzsuche am Strand, und dank Rons Drohung, jeder müsse eine Flasche Rum mitbringen, der nicht als Pirat erschien, erschienen alle in wunderbaren Maskeraden - mit Rum! Wobei mich das Gefühl beschlich, die Drohung wäre keineswegs nötig gewesen!
So sah man natürlich kleine Piraten herumwuseln und den Schatz suchen, aber die wahre Augenweide waren wohl die Eltern. Man sah riesige Ohrringe aus Alufolie baumeln, Grillzangen und Karabiner als Captain Hook's Ersatzarm, Jack Sparrow wäre ver- und erblasst! Und die Piratenqueens Anne Bonney und Mary Reade wären begeistert gewesen von dem hohen Aufkommen an piratischen Weibsstücken. Ann von der "Magnum" erschien in sexy T-Shirt und Sonnenbrillen "I am the boats slut!" tönte sie und ihr bösartiges Grinsen ließ einem das Blut in den Adern gefrieren. Improvisation ist alles!
Ron, der "Master of Ceremony", hatte fein geplant, und der Partyplatz im Zauberwald, nahe den Klippen der Ostküste des Eilands, war perfekt ausgesucht und vorbereitet. Mit riesiger Piratenflagge, Steingrillplatz, Sitzgelegenheiten aus allem was der Wald hergab. Die Kinder hatten den Goldschatz gefunden (Schokolade aus Südamerika! Und Goldbärchen!), die Großen wurden zu Kindern als es ans Spielen ging. Brezelschnappen, Rührdichnicht-Anschleichen und, besonders prominent, "Das Känguru"! Jeder wurde zu einem Tier und musste zu einer Band tanzen, die wiederum nur aus menschlichen Instrumenten kreiert wurde. Ich war gemeinsam mit Ellen von der "Rasa manis" zur Trompete geworden, Ian zupfte den imaginären Bass, Peter trommelte das unsichtbare Schlagzeug. Toller Sound. Improvisation zeichnet den Fahrtensegler wirklich aus! Aus nichts mache was. Kann ganz schön hilfreich sein, sitzt man mit irgendeinem Problem mitten am Ozean.
Das gemeinsame Potluck Büffet hatte Höhepunkte, wie Knoblauch- und Curry/Ei Butter, gegrillten Snapper, Hühnchenfilets mit Bohnenpaste, franzosischem Kartoffel-Sardinensalat, Fladenbrot mit Ei-Aufstrich und mein Bananenbrot war heiß begehrt - hatte doch sonst niemand an was Süßes gedacht!
Langsam senkte sich die Sonne in den Pazifik, die Klippen und der Himmel wurden pink, rosa, türkis und bald blinkten die Sterne auf diese seltsame Truppe von Menschen, die man der Spezies der Blauwassersegler zuordnet. Um 22 Uhr ging alles nach Hause. Müde. Denn eigentlich heißt es Sailors Midnight-und zwar um 21 Uhr. Aber ab und zu kann jeder mal über die Stränge schlagen! Piraten, Ahoi!

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03.10.2007, Tonga Intermezzo in Samoa, ein Königreich für ein Kipferl oder "Unter Seglern"

Jeder hat heutzutage seinen Blog. Ich bewege mich ja nur unter Seglern und da schreibt man täglich bis wöchentlich an seinem Blog. Habe heute im tonganischen Neiafu kurz auf unsere Homepage geschaut und siehe da, wir sind ja noch in Suwarrow, dabei sind wir schon seit einer Woche in Tonga und haben zwischendurch Samoa besucht. Also unser Blog ist hinten nach. Hab mich dann eindringlich mit der Blogschreiberin unterhalten und sie hinter den Schreib- bzw. Navigationstisch ihrer Koje geschickt. Täglich, wöchentlich mahnte ich sie eindringlich, sie wollte zurückreden mit, aber überall gibt's kein Internet... nananana das ist ja wohl die faulste Ausrede überhaupt. Also sitzt sie jetzt da unten und muss blöcken äh blogen oder so.
Samoa. Mhmm. Ich muss noch etwas vor Samoa schreiben, etwas, was mich, abgesehen von der Blogerei, zur Zeit sehr beschäftigt. Das Wetter. Oder besser "Das Wetterfenster" .
Lebt man zu Hause in Wien, geht's ja vor allem um schönes oder schiaches Wetter. Niemand würde sagen "Wir warten das nächste Wetterfenster ab und dann gehen wir auf die Rax spazieren." Da würde man wahrscheinlich ewig warten. Hier unter Seglern ist das Wetterfenster das Ding. Man spricht darüber, wartet darauf, hat es verpasst oder geht ins Internetcafe um es zu finden. Das Wetterfenster bestimmt des Seglers Alltag und Zukunft.
Zum Beispiel kommt man nach einem schönen Wetterfenster, das einem 4 tolle Segeltage bescherte, von Suwarow in Samoa an. Man genießt in Apia, der Hauptstadt Western Samoas, die zu Ehren der polynesischen Sportolympiade ganz neu errichtete Marina. Zumindest wenn man einen Katamaran hat - mit nur 90 cm Tiefgang. Unsere Freunde auf der "Sabbatical 3" mit 2,5 Metern Tiefgang wurden mitten in der Nacht von seltsamen Reibegeräuschen aufgeweckt. Als sie auf den Tiefenmesser schauten, stellten sie fest, dass sie 0,00 m unter dem Kiel hatten. Panik. Glücklicherweise stieg die Tide gegen Morgen wieder und ihr Schiff schwamm wieder.
Nicht gerade, was man von einer funkelnagelneuen Marina erwartet. Auch die Angestellten bewiesen samoanische Gelassenheit. Zwei von ihnen düsten tagtäglich per Superdinghy durch die Marina, einmal knallten sie dabei auf unser Ruder. Statt einer Entschuldigung freuten sie sich über den unerwarteten Stopp und plauderten mit uns über "far away Austria". Naja, man soll nicht so sein, die Marina ist die erste auf Samoa und die Angestellten hatten noch nie die Möglichkeit, eine Marina zu betreuen. Finn und Freund Yannic freuten sich über das Baggerschiff, das die etwas zu seicht geratenen Stellen der Marina von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags geräuschvoll ausbaggerte. Unserer fast gestrandeten Freunde auf der "Sabbatical 3" wunderten sich über die dabei erscheinenden Korallenblöcke, hatte man ihnen doch versichert, die Marina sei auf Schlick und Sand erbaut und ihr Schiff deswegen sicher nicht am Rumpf beschädigt.
Wir gingen indes ins Internetcafe und suchten nach unserem Wetterfenster. Samoa ist schön, aber es liegt leider genau nördlich von Tonga und will man nach Tonga, muss man nach Südost, was wiederum genau die Richtung des schönen frischen Passats ist. Segeln ist nicht gerade angenehm, wenn der Wind von vorn kommt, also musste uns das Wetterfenster Wind von der Seite bringen - NO Wind in unserem Fall. Allmorgendlich wurde also der Wettersender auf dem SSB Funkradio gehört, die Wetterlage mit allen anderen Seglern am Steg diskutiert, Wettergribfiles verglichen, das Internet mit seinen vielen Wettersites befragt.
Sorry Samoa. Natürlich werde ich mich nicht nur an die Wetternachrichten erinnern, denke ich an dich, du wunderschöne, eigenwillige Insel.
Die Männer tragen Lava Lavas. Das sind Röcke aus festem Stoff, die zu sämtlichen Anlässen in den Farbtönen braun, dunkelblau, weinrot und schwarz getragen werden, drüber geht schon mal ein Batman T-Shirt oder das Hawai Blumen Hemd.
Apia, die Hauptstadt, ist etwa so groß wie das Zentrum Korneuburgs oder Hartbergs. Die Markthalle ist aufregend. In Palmblattkörben werden Tarowurzeln und Kochbananen angeboten. Viele Kürbisse gibt es und Mangos und natürlich Papayas, Tomaten und dann ist Schluss. Dafür gibt es Kava. Die Wurzel des Pfefferstrauches, gerieben, getrocknet, das Nationalgetränk der Samoaner und, wie wir jetzt wissen, auch der Tonganer. Dazu braucht man eine geschnitzte Holzschale, die auf kleinen Stützen steht und ein samoanisches Haus symbolisiert. Die Wurzeln werden wie Tee aufgegossen und per Kokosnussbecher getrunken. Mir wird recht schlecht davon, aber die Samoaner schwören darauf. Hilft das Leben zu Leben. Vielleicht hab ich ja was bei der Zubereitung falsch gemacht oder ich leb das Leben eh gut!
Wiedermal knatterten wir mit einem Leihwagen um die Insel. Die Häuser sind offen. Eine viereckige Plattform mit zahlreichen Stützen, nach oben zum Dach verbunden. Keine Wände, wenn's regnet werden Matten aus geflochtenen Pandanussblättern heruntergerollt oder einfach Plastikplanen wie aus dem Baumarkt. Keine Privatsphäre. Man soll nicht in die Häuser blicken, kommt man vorbei. Na klar. Trotzdem erhaschen wir beim vorbeifahren so manche Privatheit. Einladende Sofas, flimmernde Fernsehapparate, Küchenecke, Grossmutter, Kinder, Enkelkinder - alle zusammen.
Aber teilweise natürlich, hinter den traditionellen Häusern, die modernen. Wände, Vorhänge vor den Fenstern, Tür zu. Gute Ruh.
Im Süden der Insel traumhafte Sandstrände , türkises Wasser und am Strand die berühmten Fales. Kleine Strandhäuschen für die Touristen. Meist Teenager aus Neuseeland und Australien. Ein bisserl wie Campen in Griechenland, nur viel weniger los. Wir rumpeln weiter und kommen nach "Mango City" ein kleiner Ort, an jedem Haus ein kleiner Stand mit Mangos. Die Preise sind plötzlich exorbitant.
Naja so oft kommen die Touris hier wohl nicht vorbei. Wasserfälle, wunderschöne tropische Zauberorte, gibt es hier in Hülle und Fülle. An einem der berühmten fahren wir vorbei und enden in einer Sackgasse. Ein kleiner Ort am Ende der steilen, kurvigen, zum Strand führenden Straße. Schweine rennen herum. Es stinkt nach Schwein. Man schlachtet gerade Schwein. Alle starren uns an und der Chief begrüßt uns und fragt , was den los sei. Freundlich erklärt er uns, dass wir offensichtlich am Wasserfall vorbeigefahren sind und dass er 10 Jahre in Amerika gelebt hat. Im kleinen Laden kaufen wir seltsames Cola. Alle starren uns an. Die Kinder winken uns fröhlich zu, die Alten sitzen in ihren offenen Häusern, zu denen wir uns nicht schauen trauen, weil man das ja nicht soll. Sehr fremd hier. Irgendwie bin ich froh, wieder in Apia einzufahren. Wir gehen dann Abendessen in ein von Neuseeländern geführtes Lokal. Essen Tortilla Wraps, Chicken Salad und Steak, und als Dessert Capuccino und Tiramisu. Und das alles an einem Tag. Ich denke an die Dame mit den ausgefransten Dauerwellen im seltsamen Shop in diesem kleinen Schweine-Dorf, und an den dicken Chief und daran, dass in Samoa die höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen verzeichnet ist. Aber weiter komm ich nicht, mir fällt wieder das Wetterfenster ein. Wir eilen ins Internetcafe und siehe da - es ist im Anschwirren. Schade, denke ich, erst eine Woche in Samoa, zu kurz, um wirklich ein Gefühl für das Leben hier zu bekommen, um Leute kennenzulernen, um all die schönen Plätze hier zu besuchen. Aber so ist es eben, dieser Zwiespalt. Das Wetterfenster wäre ideal um einen guten, schnellen Segeltörn nach Tonga zu haben und, fährt man nicht jetzt, kann es passieren, dass man 2 Wochen in Apia hängt. Was wiederum nicht schlecht wäre, um Land und Leute besser kennen zulernen. Aber dann hat man immer dieses Gefühl in der Magengrube, wann kommt das nächste Wetterfenster, und man rennt tagtäglich ins Internetcafe und findet doch keine Muße. Also, Samoa, adieu!
Und schon schossen wir nach Tonga. Etwas ruppig die Angelegenheit, aber alles wäre halb so schlimm, hätte ich die Vorderluke des Küchenrumpfs ordnungsgemäß verschlossen. Dem war leider nicht so, und so platschen einige deftige Wellen nicht nur über Deck sondern auch in die Kuchl. Vor allem auf die unter dem Fenster gelegenen Matratzen der Gästekoje. Halleluja. Ich steckte 1 Stunde kopfüber in der Bilge und brachte 5 Kübel Salzwasser zu Tage und eine Übelkeit, die mich 2 Tage nicht losließ. Die durchweichten Matratzen wiederum stanken nach 2 Tagen wie ein alter, nasser Hund, was meinen angeschlagenen Zustand nicht gerade verbesserte. Aber das Wetterfenster hielt durch bis vor die Tore des Königreiches Tonga. Kaum waren wir sicher im geschützten Hafen Neiafu angelangt, zog der Himmel zu und es schüttete aus Kübeln.
Das tut es jetzt seit einer Woche. Interessanter Zustand für uns Sonnenverwöhnte. Grauer Himmel, kühle 22 Grad. Neiafu - das muss man jetzt wohl anmerken - ist "der" Seglertreff. Hier trifft sich alles, was nach Neuseeland unterwegs ist. Aus diesem Grund ist man hier auch seglerfreundlich ausgestattet. Es gibt zahllose Cafes und Lokale, meist von Neuseeländern geführt, ein Schweizer Grillrestaurant und - unglaublich aber wahr - einen österreichischen Bäcker! Schwarzbrot mit Körndln, Roggenbrot wie vom Auer, Zimtschnecke, Schokokipferl. Was das für uns bedeutet, weiß wohl nur der, der einst fern der Heimat weilte.
Das erste Frühstück in Neiafu wurde im Logbuch vermerkt. 3 Minuten Ei, Mohnweckerl mit Butter und Marmelade, dazu ein deftiges Käsbrot. Ein Königreich im wahrsten Sinne des Wortes!
Die Tonganer sind entspannt bis zu Benommenheit. Überall laufen Schweine herum. Waren dann wegen der grandiosen Chorgesänge in der Kirche. Römisch-katholisch hier, es saßen dennoch ein ganzer Haufen Segler verschiedenster Nationen und weniger Religionen bei den Tangoanern, die zu Feier des Tages über ihre schwarzen Lava Lavas Bastmatten trugen. Der Pfarrer dürfte sich der vielen neuen Gesichter bewusst gewesen sein und flocht in den englischen Teil seine Predigt ein "It is easy to love somebody, who is far away." Passendes Thema für all die anwesenden Segler. Dann sang die ganze Gemeinde einen Happy Birthday Song für einen kleinen Jungen und alle applaudierten!
Im grauen Nieselregen beschlossen wir, eine kleine Wanderung auf den Hausberg von Neiafu zu machen, und Finn schaffte es irgendwie, im Schweinemist zu landen. Der Geruch schlug den der nassen Matratzen um Längen.
Überhaupt wird es Zeit nach Neuseeland zu kommen. Unsere miefenden Kopfpölster sollten auch mal dringend ausgetauscht werden. 2 Jahre sind für sämtliche Bordutensilien recht anspruchsvoll. Die einzige Risho fühlt sich wie ein Fisch im Wasser. Gestern ist mein Lieblingsbrotmesser abgebrochen - Rostschaden! Und das bei dem vielen Brot, das wir gerade hier verzwicken. Natürlich werden wir noch viel Zeit in Tonga verbringen, weil die Wetterfenster nach Neuseeland werden erst Ende Oktober aktuell. Was nicht heißen soll, dass nicht schon alle und jeder davon spricht. Wir sind hier unter Seglern!
Und während es draußen nieselt und die Wolken tief hängen, macht sich die "Blogerin" langsam auf den Weg ins Internetcafe oder besser, sie macht sich auf den Weg ins langsame Internetcafe. Und das ist keine Ausrede!
Es bedarf es schon einiger Capuccinos, um seine Mails zu lesen und die ein bis zwei Stunden zu überbrücken. Aber was macht das schon, wir sind entspannt und passen uns den Tonganern an. Das Wetterfenster hat noch Zeit, die ersten Neuseeländischen Tratschzeitschriften laden ein, um das nächste Ziel society-mäßig zu erkunden. Ab und zu ein Schokokipferl und morgen sicher wieder Schwarzbrot.
He, wo ist die Blogerin hin? Das gibt's doch nicht, die ist doch glatt zum österreichischen Bäcker abgebogen, wegen der himmlischen Salzstangerl! Seglerpack!

Fotos Samoa

Fotos Tonga

 

20.09.2007, Suwarrow Wer ist Tom Neale? oder Tausche Cola gegen Tomaten!

Wer Tom Neale ist fand ich auf der 4 tägigen (übrigens herrlichen!) Überfahrt von Bora Bora nach Suwarrow heraus. Übrigens, wo ist Suwarrow - man kann es sich ergoogeln! Meine Schwester Sol fand auf diesem Weg sogar heraus, dass irgendjemand einen Popsong über Suwarrow geschrieben hat. Was erstaunlich ist, denn dieses kleine Atoll liegt mitten im Pazifik, rechts und links 500 sm Wasser, sonst nix.
Wie also kommt Suwarrow zu solcher Berühmtheit?
Was mich wieder zu Tom Neal bringt. Er war ein ziemlich schräger Neuseeländer, der sich in den 50er Jahren in den Kopf setzte, eine Zeitlang allein auf einem Atoll überleben zu wollen. Abgeschiedener als Suwarrow ging es ja dann wohl nicht.
Damals fuhr da überhaupt nur auf Anfrage mal ein Transportschiff von Rarotonga auf den Weg nach Manihiki vorbei, dies wiederum sind Inseln die zu den Cook Islands gehören, so wie Suwarrow auch.
Tom, ein Reisender sein Leben lang, wollte nach einigen Jahren als Erntehelfer, Aushilfsmechaniker, Hilfsarbeiter in Tahiti, Moorea und Rarotonga was neues kennenlernen. Durch Zufall brachte ihn der Versorgungsdampfer "Tiare" eines Freundes auf Kurzbesuch nach Suwarrow. Dort saßen einige deprimierte Küstenwachenmänner, die nur nach Hause wollten. Tom jedoch war von den Socken.
Und jetzt, wo ich selber durch die aufregende Riffpassage gesegelt bin und unser Anker in das kristallklare Wasser vor der kleinen Halbinsel Anchorage Island platschte, verstehe ich ihn.
Wir wollten 3 Tage bleiben, nach 14 Tagen schafften wir es widerwillig zu fahren. In meiner Nachtwache Richtung Suwarrow las ich also in der "Bibel" vieler Blauwassersegler:Tom Neals "An Island to oneself", Toms 5 Jahre (mit Unterbrechungen) im Paradies (mit Tücken).
Nach dieser Lektüre tatsächlich dieses Eiland zu betreten war, wie wenn man plötzlich mitten in seinem Lieblingsfilm steht. Viel verändert hat sich in den letzten 50 Jahren hier nicht. Tom ist natürlich nicht mehr unter uns, sondern irgendwo eingegangen in die ewigen Atollgründe, aber die jetzigen Inselbewohner schlossen wir sofort in Herz. Und ich habe so das Gefühl, sie auch uns.
John lebt hier 6 Monate im Jahr mit seiner Frau Veronica und seinen 4 Söhnen Jeremia (11), Jonathan (9), Giovanni und Augustino (beide 5 Jahre). John ist Ranger des Nationalparks und spielt grandios Rocksongs auf seiner Stahlsaitengitarre. Er führt die Segler im Atoll von einer Insel zur anderen und entfacht jeden Abend ein Lagerfeuer.
Die von den Seglern selbstgefangenen Fische werden gegrillt und erst gegessen, nachdem John dem Universum und Gott, dafür gedankt hat, dass alle Segler sicher hier ankamen und dass es noch genug Fisch zum futtern gibt. Seine Frau Veronica bäckt ihre berühmten Coconutpancakes und freut sich ihrerseits über die Nudelsalate, Schokokuchen und Obstvariationen der Segelfrauen. Die Buben freuen sich über die Seglerkinder, spielen mit ihnen Haie füttern und Kokospalme raufklettern. Morgensport ist eine Wanderung um die Hauptinsel, nach einer Stunde ist man nassgeschwitzt und kriegt in Johns Haus eine Kokosnuss zum trinken. Dabei erzählt er von Tom Neale und alle betrachten dessen alte, vergammelte Wohnhütte. Natürlich liegt das berühmte Buch in der kleinen Inselbibliothek auf. John weiß so manch unbekannte Schnurre über "good old Tom".
Zum Beispiel, dass dieser eine samoanische Frau hatte und einige Kinder, die tunlichst nicht im Kultbuch erwähnt werden. Was wäre schon ein Abenteurer mit Familie, die zu Hause auf ihn wartet? War aber so! Ja ja Tom, irgendwann kommt die Wahrheit ans Licht!
Aber was soll's - leicht war das Leben im Paradies hier sicher nicht. Tom Neale lebte vor allem von Kokosnüssen und Fisch.
Apropos Fisch. Meine morgendlichen Schwimmrunden um die Risho fing ich erst gar nicht an. Beim ersten Mal kam ich bis zur Schwimmleiter, dann steuerte ein 2 Meter Black Dip Shark gemütlich an mir vorbei. Rahhhh... Seine Freunde sah ich dann als ich bibbernd an der Reling stand und meine Männer zu mir gerufen hatte. Sicher, die Black Dip Sharks sind harmlos, aber selbst Peter bewaffnete sich immer mit unserem Deckschrubb-Besen, wenn er die Ankerkette von den Korallenstöcken befreite, um die sie sich gewickelt hatte.
Mit einiger Überredungskunst von Seiten Peters und einem eigens für mich angefertigtem Hai-Stecken (das halbe Paddel unseres Dinghys) traute ich mich dann im seichten Wasser nahe der Riffkante zu schnorcheln.
Die Leute, die"Findet Nemo" gezeichnet haben, müssen sich hier die Anregungen geholt haben! Bunte Korallenstöcke, von blau bis gelb, umgeben von entzückenden Korallenfischen. Da plötzlich eine Schildkröte, dort ein imposanter Igelfisch mit den erschrockenen Augen von Bambi. Engelsfische, zauberhaft und grazil, und hie und da ein gruselige Muräne. Überall dicke Grouper (sehen aus wie große Barsche), die nur darauf warteten, von uns gegessen zu werden. Natürlich ist Fischen mit der Harpune verboten. Um den Fischbestand zu schonen und um die Haie nicht anzulocken. Vom seichten Korallenriff konnte man gut zur steil abfallenden Riffkante sehen. Manchmal trauten wir uns dorthin - so wie der kleine Nemo - um uns geschwind wieder hinter den sanften Korallenlandschaften zu verstecken. Die Haie sahen wir aus der Ferne. Unheimlichr Beobachter, grauschimmernd in der blauen Tiefe.
Nachmittags brach dann das Jadgfieber unter den Seglern aus. Dinghys rasten über die Lagune mit Angeln im Schlepptau. So manch fetter Grouper ging an den Haken. Peter und ich hatten diesmal keine Zeit für solche Dinge, wir mussten zur Musikprobe. Gail, eine illustre Amerikanerin, hatte zum Lagerfeuer eine Livemusic-Party im Sinn.
Am Strand zu Probe versammelten sich 4 Gitarristen, 2 Percussionisten und eine Harfinistin! Gar nicht schlecht bei nur 10 Segelbooten in der Bucht!
Gail, hatte tatsächlich ein Harfe an Bord und sang mit glockenklarer Stimme von Moonriver bis Wonderful World zu ihrem bezaubernden Instrument. Peter und ich legten einige Jazznummern hin und dann wurde an gemeinsamen Songs gearbeitet -natürlich Let it be, House of Rising Sun, Drunken Sailor.
Der Auftritt war ein Erfolg, das Publikum sang mit, John dankte mit Tränen in den Augen den Musikern - weder hatte er je eine Harfe zuvor gesehen noch gehört noch konnte er glauben, dass Peter und ich nicht berühmt sind in Österreich (Zitat bitteschön!). Dann nahm er seine Gitarre und knallte uns einen Rocksong hin, coole Stimme, coole Riffs - vielleicht war da zuvor irgendein Popsänger hergesegelt und hatte sich einiges von John abgeschaut, um dann den Suwarrow Popsong zu schreiben? Der Abend endete mit einer extensiven Percussion-Session. Johns Buben trommelten auf allem was sie zwischen die Finger kriegen konnten, Finn bearbeitete die afrikanische Trommel der Norwegerin Ingrid und Peter schlug sich an einem hohlen Baumstamm die Finger wund. Ich hatte mich für eine leere Erdnussdose entschieden, blechern und markant rundete ich die wilden Inselklänge ab.
Nachdem wir 3 Tage in Suwarrow geplant hatten, gingen uns die Vorräte nach einer Woche auch aus. Natürlich gab es genug Spaghetti und Reis an Bord und auch die ca. 20 Dosen südamerikanischer Bohnen lagen noch unangetastet in der Bilge.
Auch die anderen 10 Segelboote in der Bucht waren länger als geplant geblieben. Nichtsdestotrotz fanden abends Potluck parties statt - d.h. jeder bringt etwas mit zum Essen. Fisch gab's ja genug! Und Musik!
Lustig wurde es dann, als wir zu tauschen anfingen - zwei Dosen Cola gegen 2 Dosen Tomaten oder Chips gegen 2 Tassen Mehl. Tom Neale hätte uns wahrscheinlich alle nicht gepackt. Er sehnte sich nach Fleisch. Und das nach fast einem Jahr. Er hatte eine Dose Rindfleisch dabei - extra für Weihnachten aufgespart und haderte damit sie aufzumachen. Auch freundete er sich mit einer Salzwasser-Ente an, und die Freundschaft war so zwischen "ich liebe dich" oder "ich esse dich". Die Ente konnte letztendlich entfliehen und wir beschlossen, uns auch auf den Weg zu machen. John blies uns einen traurigen Gruß auf einer Conchmuschel und schon lag Suwarrow achtern aus.
Wie ein Traum oder... wie ein melancholischer Popsong!

Buchtipp für euch: Tom Neale, Meine Trauminsel, Rowohlt Verlag ISBN 3499112728
Für etwaige Nebenwirkungen übernehmen wir keine Haftung…

Fotos

 

19.08.2007, Gesellschaftsinseln, Südsee Vom Lachen und vom Weinen

Meine Mutter - kurz Ama genannt - und meine Schwester Sol sind heute abgeflogen.
Bora Bora, die schönste Insel der Welt, zeigt sich sensibel und umhüllt sich mit einer dicken, grauen Wolkendecke, die Regentropfen platschen auf unsere tränennassen Gesichter. Salzig vermischt sich mit süß. Immer ein bisschen Salz in den Kuchen, dann wird er besonders gut, seltsame Gedanken tanzen in meinem Hirn. Peter sagte, als wir alle in der Abflughalle standen und mit fröhlichem Gelächter versuchten, unsere Traurigkeit zu überspielen. "He Leute, sollten wir nicht noch irgendetwas Wichtiges bereden?" Da weinten dann alle. Finn bitterlich an mich gedrückt. "Die Ama muss dableiben, ich will nach Wien zu meinen Zügen". Schluck. Autsch. Das sitzt.
Vor drei Wochen mitten an Flugfeld von Raiatea, man stelle sich das mal in Schwechat vor, aber hier ist das normal - also mitten am Flugfeld lagen wir uns in den Armen. Heulend, natürlich Freudentränen!
Sol und Ama hatten die 40 Stunden Flug gut geschafft, nur das Gepäck war noch auf Sightseeingtour in New York. Aber der Optimismus liegt in meiner Familie. Die beiden plumpsten entspannt in ihre Kojen und hatten Freude an ihren Emergency Täschchen von Tahiti Nui Air. Unterhöschen aus Papier, Deo in Fingerhutgröße, Kinderzahnbürste und ein XXX Large, Marke "Formlos" T-Shirt der Fluglinie Nui. Dazu 150 Euro Entschädigung für das Ärgernis und als kleine Anzahlung für Ersatzwäsche (musste die beiden aber darauf hinweisen, das damit bei den Preisen hier gerade die Hälfte eines Stringtangas zu bekommen ist).
Macht nix. Die beiden hüpften gleich ins Wasser, verkosteten den Brie vom Carrefour und lernten bei einem spontanen Sundowner unser Nachbarschiff Magnum samt Crew kennen.
Ohne mein Wissen feierten sie um 3 Uhr früh eine kleine Jetlag Party in der Kombüse (praktischerweise waren dort auch ihre Schlafkojen) mit Cola und Keksen. Um 5 schliefen sie dann ein, um gegen 6 Uhr Besuch von Finn zu bekommen. Um 7 30 fand ich alle drei an Deck, in warme Pullis gehüllt, denn der Wind hatte sehr aufgefrischt und eine fette Regenwolke hing über dem Regenwald, der wiederum von einem prachtvollem Regenbogen überspannt wurde.
"A Traum da" schmachtete meine Schwester. Dabei lagen wir noch in der Marina, die zwar außergewöhnlich schön ist, aber auch in Italien sein könnte.
Das Gepäck kam drei Tage später an und brachte eine verfrühte Weihnachtsbescherung auf die Risho Maru. Nicht nur hatten die beiden unsere Bestellliste vollständig besorgt, nein, auch Extras wie Mannerschnitten, Kernöl (wenn das in New York aufgeflogen wäre...), Mickeymousebücher, Asterixhefte, Jolly Farbstifte, Fenistilcreme, Lego, Schulzeug, Bücher, Geschenke vom Rest der Familie, Himbeersaft von Mautner Markhof (das hätte Ausnahmezustand in Washington ausgelöst...) kramten sie nach und nach aus ihren Reisetaschen, bis nur mehr ein kleiner Haufen persönlicher Kleidungstücke und Kosmetika übrigblieb. Wir lachten und drückten uns und wollten die Zeit anhalten.
Abenteurer allesamt mieteten wir eine Auto und umrundeten Raiatea, auch die Heilige Insel genannt. wegen ihrer vielen Maraes - Tempelstätten. Fast zu Ehren unserer Gäste wurde die neue Markthalle des Hauptortes eröffnet - mit polynesischem Tanz, Gesang, und mit in Palmblätter gewickelten Trommlern. Ein Buffet stand bereit und riesige Tabletts mit ungewöhnlichen polynesischen Spezialitäten an alle verteilt - gratis-Brot und Spiele fürs Volk und uns. Denn Touristen gab es da kaum.
Ama nuckelte per Strohalm mit Blumekranz im Haar verzückt an einer eisgekühlten Kokosnuss.
"A Wahnsinn diese Insulaner". Sol, eingefleischte (oder ausgefleischte?) Vegetarierin, naschte an Kokoskuchen, Brotfruchtschnitte und Guaven-Jelly. Südseedamen in Baströckchen wedelten ihre Popos und am Heimweg entlehnte ich zum Entsetzten meiner Mutter eine Brotfrucht aus Nachbars Garten. Nach dem legendären Brotfrucht Oil Down in Kokosmilch schliefen die beiden wie Babys, bereit für den nächsten Tag, den ersten Segeltag in der Südsee!
Über die flache Lagune von Raiatea flitzten wir zur Nachbarinsel Tahaa. Ca eine Stunde segeln, Flachwasser, unsere Gästinnen hielten sich wacker. Sol am Steuer. Ama vorne am Steuerbordbug, auf ihrem seit Griechenland und der Karibik schon auserkorenem Lieblingsplatz. (Dazu muss angemerkt werden, dass Finns Ama Omi uns überall nachreist und selbst Starkwinde mit Bravour meistert - sind ihr sogar lieber als "...die blöde Fliegerei!" Wer die Omama auf dem Apfelbaum kennt, der kann sich ungefähr ein Bild davon machen, was Finn für ein Riesenglück hat mit seiner Ama - und ich mit meiner Mama - und Peter mit seiner Schwiegermutter!)
Die nächsten Tage verbrachten wir hinter dem Riff und auf den dazugehörigen Motus, den kleinen, kitschigen Palmeninseln, kitschiger als es jeder Südseekalender erlaubt!
Selbst eine eintägige Regenfront konnte die Stimmung an Bord nicht trüben. Finn ließ sich von Ama vorlesen, lernte Onkel Fritz Witze von Sol, schnorchelte mit der Omi um die Korallenstöcke, hüpfte mit der Tante vom Vorschiff ins Wasser. Peters Steirisch wurde aufgefrischt und Ama's Fähigkeiten als Kosmetikerin kamen mir zugute. Sie färbte mir die Wimpern und schnitt mir die Haare.
Sol rockte für und mit Finn und Peter an der Gitarre und die Abende vergingen mit gutem Essen und wilden Spielnächten bei Rummy und Stich ansagen. Abends kippten die beiden todmüde ins Bett und morgens weckte mich der Kaffeeduft aus der Kombüse. Die Zeit anhalten. Aber wie?
Natürlich verflogen die Tage. Auf der Risho herrschte Lachen, Blödeln, Entspannen, Reden, Erzählen - alles Dinge, die nicht zu bezahlen sind, rauscht da gerade durch mein heute etwas benommenes Hirn. Wir trafen unsere Segelfreunde Mark und Laura und auch sie schlossen Sol und Mama ins Herz. Vorgestern auf unserer Geburtstagsparty für drei (ich, Peter und Sol) beschenkten sie auch die beiden und luden sie ein, sie in den Maine zu besuchen! Spontan waren auch Yaras mit Finns Freund Yannik und Ron von der Nautilus plus Anhang zum Fest erschienen, und Sol und Ama wurden an diesem Abend Teil unseres Abenteuers. Es tat uns gut, dass sie einige unserer Freunde hier kennenlernen konnten, damit sie verstehen, dass Segeln nicht nur einsames über die Meere Gleiten und Entdecken fremder Länder ist, sondern auch große Nähe mit Menschen, die man erst 2 Jahre oder vielleicht sogar erst 2 Monate kennt. Menschen, die offen sind zu entdecken, zu plaudern, zuzuhören und Freundschaft zu schließen.
Und Segeln ist eben auch Abschied nehmen. Nicht nur von Österreich und dem "Zu Hause" in Wien, sondern von Freunden, Familie, neuen Freunden auf Atollen, neuen Freunden auf Segelbooten,…
Und so standen wir dann eben heute in dieser Abflughalle und dachten, was es noch Wichtiges gäbe zu sagen und irgendwie kriegt man gar nix mehr raus, weil man so traurig ist und die traurigen Augen von Ama und Sol sieht und den wimmernden Finn an sich kleben hat und sich denkt: "Warum mach ich das, warum bin ich nicht zu Hause. Und dann sagt die Ama auf einmal, mit tränennassen Augen: "Ich beneide euch" und die Sol "Das war der schönste Urlaub meines Lebens" und man winkt dem Flugzeug nach, geht auf's Schiff und beginnt alles durchzuputzen, nur um nicht weinen zu müssen.
Finn hat gerade im Schlaf geseufzt und auch mir drückt's die Tränen raus. Heute ist es schlimm, das Abenteurer sein, aber übermorgen wird's besser werden. Und gerade in diesem Moment meldet sich Laura am Funk, ob es uns wohl gut geht, ob wir wohl nicht zu traurig sind, dass sie unsere Familienbande so toll findet und sie sich freuen, uns bald wieder zu sehen. Laura und Mark. Wir kennen sie seit 2 Monaten.

Die Gesellschaftsinseln

Tahiti oder "Her mit dem Smog!"

Alle schimpfen über Papeete.
Die Polynesier finden Papeete schmutzig, die Franzosen zu laut, die Deutschen zu hektisch, die Amerikaner zu stressig, die Engländer fahren gar nicht hin, wenn sie nicht müssen. Uns hat's gefallen. Ja ja, die Österreicher könnte man sagen, aber ehrlich, es war toll.
Nach den ruhigen Dörfern auf Galapagos, dem Stillen Ozean, den verschlafenen Marchesas, den zurückgezogenen Tuamotus, wie herrlich war es doch da gleich hinter der Marina Tahina, neben dem Mc Donalds auf der Hauptstraße inklusive Kreisverkehr zu spazieren und einen Schwall Abgase gemischt mit Autogedröhne einzusaugen. Verkappte Stadtkinder, das sind wir wohl, stürzten uns ins Getümmel der Innenstadt, wie Dürstende in der Wüste auf ein eiskaltes Cola.
Herrlich endlich mal zwischen mehr als einem Supermarkt wählen zu können, Ramschgeschäfte zu durchwühlen, Hinano Vahinen T-Shirts zu probieren, Cafe au lait plus Croissant und Baguette zu schlemmen und einfach gemütlich dem Getöse der großen Markthalle direkt beim Busbahnhof zu lauschen. Das einzige, was uns vom Kaufrausch zurückhielt, war das etwas hoch gelegene Preisniveau. Mount Everest Höhe könnte man sagen. Macht nix, wir genossen.
Schon war ein Auto gemietet und wir machten uns auf die Reise nach Teahupoo um "die Welle" zu sehen. Dort wellenreiten die Superstars und sieht man die Welle, wird einem Angst und Bange.
Die kleinen Nachwuchsdudes üben am Strand in "medium" Wellen und man kann gut verstehen, warum der letzte World Champion aus Tahiti kommt. Dann steuerten wir unser keuchendes Mount Everest Vehikel auf den höchsten Punkt der Insel und fühlten uns plötzlich wie zu Hause. Sanfte Hügel, Kühe, Nadelgehölz - würde man nicht um sich den blauen Pazifik sehen, wäre man versucht, Vergleiche mit der lieblichen Ramsau in der Steiermark zu ziehen.
Alle anderen Sehenswürdigkeiten waren geschlossen, denn wir sind in europäischen Gefilden und da ist Montags nicht nur der Friseur sondern auch die Museen zu. Also stoppten wir bei einem Straßenverkäufer und betrachteten seltsames Obst und Gemüse. Taro - eine Art Kartoffelrübe in klumpigen Bünden zusammengefasst und Lychees mit einem knallrotem stacheligem Mantel. Als die Verkäuferin mir eine Kostprobe abschälte, erklangen Trommeln. Neugierig, wie wir eben sind, folgten wir den Klängen, die uns hinter einigen Häuserreihen auf eine große Wiese führten.
Dort tanzten 30 Polynesier. Die Band, mehrere Trommler, Gitarristen, Steinklopfer, Kokosnussrassler, Ukulelenmeister. Wir setzten uns unter eine Kokospalme und lauschten, bis eine Dame uns aufforderte, diesen Platz zu räumen. Wollten sie keine Zuschauer? Doch, aber es könnte uns eine Kokosnuss auf den Kopf fallen, lachte sie charmant und erklärte gleich, man würde in einer Woche am großen Tanzwettbewerb in Papeete mitmachen. Natürlich wären dann alle traditionell gekleidet und geschminkt , mit wallenden Haaren und Blütenkränzen. Konnte sie ahnen, wie schön es für uns war, ihre Leute in Alltagskleidung zu sehen, Girlies im Cosmopolitan Look, die Arme erhebend zu Bewegungen, die schon ihre Urururgroßmütter gemacht hatten? Oder eine Dame mittleren Alters in Hausschürze und Flip Flops selig in den Himmel lächelnd. Auch der langhaarige Surferdude mit Tatooverzierung und Wollmütze versuchte etwas linkisch die Götter zu preisen. Wir wünschten gutes Gelingen für den Kontest und fuhren in den Sonnenuntergang.
Tahiti - Perle der Südsee - schön asphaltiert, anrüchiges New York für alle Motubewohner, Häuser sprießen überall aus dem Boden, da die Gärten traumhaft gepflegt, dort verwahrloste Hunde in Seitengassen. Ja, sicher, warum nicht? Gibt es doch überall diese Gegensätze, warum sollen die Girlies und Dudes hier traditionell leben, damit die Touristen glücklich sind?
Bei einem Kleinlaster auf einem staubigen Parkplatz halten wir und essen zu Abend. Die Dame im "Truck" (mit Blume im Haar) steht hinter dampfenden Töpfen und lächelt fröhlich. Es gibt Chinesisches Rindfleisch mit Gemüse, Poisson Cru - roher Thunfisch in Kokosmilch - oder Steaks mit Fritten. Natürlich Baguette und Hinano Bier - das mit der hübschen Dame drauf.
Tahiti, Papeete! Sante!

Moorea -Typisches Besucherschicksal

Wir hatten viel Gesellschaft auf den Gesellschaftsinseln und mussten deswegen seit langem wieder einmal einen Zeitplan einhalten. Und so fiel Moorea irgendwie durch den Rost. Leider. Denn schon am Ankerplatz von Tahiti aus bewunderten wir die exaltierte Form dieser Südseeinsel.
Dramatisch senkte sich die Sonne hinter Moorea und an klaren Tagen wurden aus den dunklen hohen Bergen dunkelgrüne Wände. Die zwei kurzen Tage, die wir dort verbrachten, reichten um uns einzugestehen,da hätten wir mehr entdecken können. Die Opunohu Bay war Cooks erster Ankerplatz, und von dort aus fuhr er eine Bucht nördlicher mit einem Langschiff, dem damaligen Dinghy, und erforschte die später nach ihm genannte Cooks Bay. Wir ankerten stets nahe dem Riff, natürlich türkises Wasser, am Strand Palmenträume. Aber die wahre Schönheit liegt auf Moorea in den Bergen. Dicke Regenwolken wanden sich um die Spitzen und ließen nur ab und zu die ganze Höhe des Gebirges hervorblitzen. Zum Wandern war keine Zeit. Leider. Next time!

Huhaine - die Lüsterne Frau oder ist sie doch nur schwanger?

Im kristallklaren Wasser ankerten wir gleich beim Hauptdorf Fare. Sorry für dieses schwelgerische Beiwort - es ist eben so, dass 90 Prozent der Ankerplätze in Französisch Polynesien kristallklar sind. Ist nicht nur schön sondern auch gut so, man sieht dann die schlimmen Korallenköpfe besser, die so gerne Ankerketten fressen oder modisch um sich schlingen!
Fare - gewonnen! Der schönste Ort der Gesellschaftsinseln! Bingo! Man sitzt in malerischen Bars am Strand, geht in geschmackvolle Souvenierläden shoppen, blickt vom Internetcafe auf die blaue Lagune, sieht alten Damen beim Angeln zu und feuert die zahllosen Ruderer der Insel bei ihren Wettkämpfen. Wir wagten sogar selber einen Ritt mit einem Auslegerkanu. Mein Captain ging dabei baden - mehr darf ich darüber aber nicht schreiben... hihihi...
Sogar der einzige Supermarkt ist eine Augenweide. Eine Weinauswahl wie in einem Gourmetladen, französischer Käse - appetitlich angerichtet, Blüten an der Kasse, die man sich nehmen und hinters Ohr stecken kann. Dann geht man ins "centre artisiana" und sieht blumenbekränzten Vahinen beim basteln von Muschelketten zu. Vorher stärkt man sich mit Poisson Cru im "Truck", so göttlich ,dass man für immer dort sitzenbleiben will.
Und wie ist das jetzt mit der lüsternen Frau? Wir haben einige Ankerplätze besucht, sind mit dem Auto um die Insel gedüst, sahen traumhafte Lagunen in allen Blauschattierungen und die kitschigsten Motus = Palmeninselchen der Welt.
Aber die Form der Hügel dieser Insel ließ sich nicht eindeutig bestimmen. Unser Freund Mario war eindeutig für lüsterne Frau und beschrieb die Position so, dass ich unserem Sohn Finn kurz die Ohren zuhalten musste. Mir kam sie eher schwanger vor. Wobei das eine das andere ja nicht ausschließt!! Mario brauchte dringend Abkühlung und stürzte sich von der Brücke, die Huahine Nui und Huhaine Iti verbindet. Die Dorfjugendlichen, die sich so den Nachmittag vertrieben johlten ihm zu. Gut, dass ihn einer zurückhielt kurz vor dem 2. Sprung - ein Sportboot fuhr unter der Brücke durch! Meinem Captain Peter fiel dafür ein Papayabaum auf den Kopf, beim Papaya pflücken. Was man alles so erleben kann in der Südsee! Als wir einen Hinweis auf eine Vanillefarm sahen, bogen wir kurzerhand ein. Das war ein Fehler. Drei verwirrte amerikanische Touristen kamen uns entgegen und beschwerten sich, dass sie seit einer halben Stunde versuchten irgendjemand zu finden, der ihnen eine Tour gibt. So musste ich mit meinem mageren Wortschatz die Initiative ergreifen. Schließlich kam aus der Vanilleplantage ein halbnackter Polynesier in Gummistiefeln geschossen und beschimpfte mich, dass ich gefälligst auf einen Guide warten sollte. Dann führte er mich (wahrscheinlich hätte er mich gerne an den Haaren hingezerrt!) in ein kleines Kämmerchen, starrte mich mit wahnsinnigen Augen an und zeigte mit seinem erdbeschmutzen Finger auf ein Bild, das an der fleckigen Wand hing. Es war ein Foto von ihm und darunter stand "Guide".
Während wir schleunigst ins Auto flüchteten und mit quietschenden Reifen abfuhren, riefen wir den Amerikanern zu dasselbe zu tun. Die blickten uns nur verständislos nach, später fiel mir ein, ich hatte sie auf französisch angesprochen. Hätte nicht gedacht das mein Französich in Extremsituationen spontaner und besser wird.
Ob es nun Vanille auf Huhaine gibt, weiß ich nicht, aber dass dort so manch anderes Kraut gut gedeiht, scheint nach diesem Erlebnis doch ganz offensichtlich.

Raiatea die "Heilige Insel" und Tahaa die "Vanilleinsel"

Uturoa, der Hauptort von Raiatea ist nun wirklich hässlich. Aber wieder bestätigte sich eines. Man sollte nie aufgeben, Gefallen an einem Ort, einer Insel, einem Land, einem Menschen zu finden. Der erste Eindruck war trashig. Seltsame Supermärkte und Krimskrams-Souvenir-Geschäfte durchwegs von chinesischen Polynesiern geführt. Ein bisschen staubige Westernstadt, nur an der Wasserfront aus dem Nichts einige großzügige Bauten mit Balkonen und ausladenden, ungemütlichen Restaurants. Natürlich direkt an der Anlegestelle der großen Kreuzfahrtschiffe. Dahinter ein Palmengarten mit Seerosenteich und kleinen palmblattgedeckten Hütten, alle fest verschlossen. Für Kreuzfahrttouristen verwandelt sich dieser verlassene Platz in ein traditionelles Dorf mit Souvenirshops, Tänzerinnen und Blumenkränzen. Nur wenige Stunden lang, dann werden die Läden wieder geschlossen. Mehrmals fuhren wir per Autostop von der Marina in den Ort und lernten nette Einheimische kennen, und so wussten wir auch Bescheid, dass die neue Markthalle eröffnet werden sollte. Natürlich waren wir dabei, Kreuzfahrtschiff war keines da. Brot und Spiele fürs Volk.
Vor der Halle gab es Reden und Gesänge, dann Tänze und Spiele. Danach wurde der neue Markt besichtigt. Zu kaufen gab es nichts, Gemüse und Früchte waren kunstvoll arrangiert, wie ein barockes Stilleben. Dort die größte Tarowurzel, da die dicksten Pampelmusen. Stolz wurde ausgestellt und bewundert. Nach einer Stunde durfte man sich nehmen, was man wollte. Am köstlichsten schmeckten die kleinen Babybananen. Vor der Halle war inzwischen das große Buffet eröffnet und eine kräftige Dame, in blumige Pareos gewickelt, drückte uns eine Platte voller Köstlichkeiten in die Hand. "Mangez!" So futterten wir uns durch Guavengelee, Kokosnussschnitte, Brotfruchtkuchen, Ananasjelly und zahlose, uns unbekannte Speisen.
Zuerst etwas schüchtern drängten wir uns schließlich mit den Einheimischen um den Getränkestand und wurden mit eisgekühltem Kokosnusswasser direkt aus der Nuss belohnt. Wasser, jawohl, denn als Südseereisende wissen wir nun, dass die Mich aus den geschabten Kokosnüssen gepresst wird - und traumhaft gut schmeckt...
Utuora war zwar nicht schöner geworden, aber es schmeckte gut und die Menschen verschönerten es mit ihrem Temperament, ihren Farben und ihrem Lachen.
Raiatea zu entdecken wurde unser nächstes Ziel.
Taputapuatea. Zungenbrecher. Taputapuatea - der heiligste Ort der Heiligen Insel. Ein Marae, eine Tempelstätte, wuchtige Steinplatten ragen aus der gepflegten Anlage. Steinpodeste, dazwischen ein seltsamer Steinfrosch. Niemand war hier. Der Platz gehörte uns, und fast könnten wir den Geist dieser Stätte spüren, die Zeremonien erahnen, die hier stattfanden. Stille bis auf das ferne Getöse des Riffs. Die Bäume hier sind heilig, und die Vögel auf ihnen Götterboten. Und die Kokosnusskrabben, die schüchtern aus ihren Löchern lugen, wie die Maulwürfe in Europa? Sind sie auch heilig oder schmecken sie einfach zu gut?
Wieder einmal folgten wir einem Hinweisschild einer Vanillefarm. 2. Versuch, mal sehen, ob alle Farmbesitzer verrückt sind. Der Garten vor den Plantagen - zauberhaft schön, zwei Hunde begrüßten uns und ein junger Mann winkte freundlich. Tour gäbe es heute keine mehr, aber wir könnten in der Boutique einkaufen. Dort fand ich auch eine Broschüre über Vanille. Vom Heiraten war da die Rede. Vanille, eine Orchideenart, wächst wie ein Weinstock auf Holzstangen und braucht lange bis sie endlich blüht .Dann in den wenigen Stunden der Blüte, meist nur eine Nacht lange, müssen die weiblichen Blüten mit den männlichen künstlich bestäubt "verheiratet" werden. Hat das geklappt, hat es einige Monate später längliche grüne Schoten, die in der Sonne getrocknet werden und dann die bekannte schwarze Farbe annehmen. Der Vanilleduft hing schwer in der Luft. Wen wundert's, dass mancher drauf auffallend reagiert? Der junge Mann wirkte freundlich, aber doch etwas benebelt, als er seine Produkte vorstellte: Vanilleessenz, Vanillehonig, Vanilleschoten, Vanillebadesalz, Vanille Vanille, komisch, plötzlich fühlte ich mich so leicht...
Raiatea, die Wohninsel, die Untouristische, weil roh und ungezähmt, mit ausgedehntem Riffgürtel und wilden Stränden aus grobem, weißem Sand,. Endlos lange muss man ins Meer waten bis das Wasser zumindest an die Kniescheiben reicht. Kleine, stille Orte, mit noch kleineren "magasins" in denen man Milchpulver, Kartoffel und Baguette kaufen kann. Ein heftiger tropischer Schauer jagte von den Bergen, die ehemalige Vulkankegel sind, schon spannte sich ein Regenbogen vom Land ins Meer.
Wie lange dauert es um Unbekanntes ins Herz zu schließen? Eine Autofahrt lang!
Tahaa, war nun wirklich die Vanilleinsel und guten Mutes betrat ich den zauberhaften Garten von Alain um eine Tour bei ihm zu bekommen. Nichts zu machen, alles ausgebucht. Aber Alain wirkte sehr nett, die Vanilledünste dürften seine Sinne noch nicht erobert haben.
So ließen wir es eben bleiben und trösteten uns im außergewöhlich schickem Yachtclub Taravan mit MahiMahi a la Vanille, Fisch vom Feinsten mit Vanille von der Vanilleinsel.
Tahaa umsegelten wir zweimal und ankerten vor den vielen Motus und erforschten sie. Das Südsee-Special eines Gartenmagazins ist nichts dagegen. Kokosnüsse knackten wir selber, wenn auch schweißgebadet vor Anstrengung. Ein spitzer in den Sand getriebener Holzpflock dient dazu, die äußerste Schale der Kokosnuss zu entfernen. Leichter gesagt als getan. Peter brauchte für die erste Nuss fast eine halbe Stunde, nach und nach ging's besser und seine Bestzeit war schließlich 5 Minuten. Und dann genossen wir die sanfte Kühle des Coconutwaters am Palmenstrand. In der Ferne sahen wir die Sonne hinter Bora Bora versinken und wussten das wir bereit waren für die schönste Insel des Pazifik.

Bora Bora oder Was kriegt man für 3000 Dollar die Nacht?

Das Blau der Lagune von Bora Bora ist berühmt und keine Frage, blauer geht es wohl nicht. Wir ankerten hinter dem Motu Toopua in knappen 2 Metern Tiefe (wie schön einen Katamaran zu haben!) und stiegen von der Badeleiter in einen Swimmingpool. Türkises schwimmbadblau, aber ohne Chlorgeruch, nur etwas salzig. Mit dem Dinghy ging's zum Riff und dort im bauchtiefen Wasser standen wir und mussten aufpassen, nicht auf Stachelrochen zu steigen, so umschwirrten sie uns. Unter Wasser wirken diese eleganten Tiere wie seltsame Vögel, mit ihren Augen blicken sie einen abschätzend an. Am Rückweg zum Schiff sehen wir ein Tauchboot mit Resortgästen, 30 Leute stehen im Wasser und blicken per Schnorchel nach unten. Mehr als verschiedene Beinpaare können sie wohl nicht sehen! Im Pass Teavanui, dem einzigen Durchbruch des Riffes, tauchten wir und sahen Haie, bunte Korallenfische und riesige Igelfische, die uns mit Glupschaugen anglotzen und offensichtlich gerne gefüttert werden wollen. Dann kamen wieder die Tauchboote und wir mussten die Mooringboje räumen. Man merkt hier lebt der Tourismus.
Bora Bora hat im Umfang keine 32 km, aber dafür sind Küste und Motus mit insgesamt 15 Resorts
bestückt. Von weiten sehen die kleinen grasgedeckten Pfahlbautenhüttchen herzig aus. Im türkisen Wasser stehen sie und die Hauptgebäude mit Restaurants, Bars und Shops sind geschmackvoll versteckt.
Irgendjemand erzählte mir, eine Nacht im Hüttchen kostet zwischen 1000 und 3000 Dollar. Ich überlegte mir, was man für 3000 Dollar kriegen kann. Ein Hüttchen mit Aircondition, einen weißen kuscheligen Bademantel, jeden Tag frische Handtücher, Zimmerservice, hoffentlich ist da noch Essen und Trinken dabei! Wer hier Urlaub macht, dem ist der Preis egal, meint mein Captain.
Einmal schlichen wir uns per Hintereingang oder besser per Hinterstrand in das Bora Bora Nui Resort und Spa. Alles wie im Film oder in der Seifenoperserie oder im Hochglanzmagazin, fehlte nur der eine oder andere Star. Alles ist unglaublich schön und gepflegt.
Der Hinterstrand, an dem wir landeten, hatte dunkelgrauen Sand und die toten Kokoskrabben verbreiteten Verwesungsdüfte. Hier, keine 100 Meter entfernt, perlweißer Sand, keine tote Krabbe, überhaupt kein Getier, nur dicke, fette Goldfische in den künstlichen Seerosenteichen. Ein wunderschöner Swimmingpool. Ohne sichtbaren Rand scheint er mitten ins Meer zu fließen. Türkisblau mit leichtem Chlorduft. Man grüsste uns freundlich, als wir im großzügig mit Holzschnitzereien verziertem Restaurant standen, einem von mehreren natürlich. Die Bar blankpoliert, der Barkeeper ebenfalls. Schön beleuchtete Billardtische aus Mahagoni. Alles bereit für ein Spiel, oder für ein "Elle Decoration"-Fotoshooting. Seltsam, mitten in einem "Traumhotels der Südsee"-Buch zu stehen.
Wir wandelten durch die schönen Gärten zurück zu unserem Hinterstrand, stiegen zwischen Miniseegurken in unser Dinghy und ruderten zu unserem Schiff, das im Türkis schwamm und Wärme, Geborgenheit und Ruhe ausstrahlte. 3000 Dollar. Für glänzende Sauberkeit, künstliche Perfektion, Südseeträume eines Fimproduzenten.
"Otemanu" wachte über uns, als die Sonne im Meer versank. Der Meeresvogel, letzte Zinne eines gewaltigen Vulkans, Bora Boras Wahrzeichen. Die Natur hier im Blau ist überwältigend, das Wasser am Morgen wie Glas.
Nur die Shuttleschiffe mit den Resortgästen brachten alles zum Wanken. Nicht nur unser Schiff, auch diese Insel, die mit Vaitape, den weitaus hässlichsten Hauptort Französisch Polynesiens hat. Dessen Straßen von verwahrlosten Gärten gesäumt sind, weil die Einheimischen nach den Gartenerarbeiten in den Resorts wohl scheinbar keine Muße finden, den eigenen Garten zu pflegen. Die Verkäufer in den Geschäften wirken genervt. Ein japanisches Pärchen will seine schwarzen Perlen röntgen lassen, um die Qualität zu sichern. Überall kriegt man hier die berühmten schwarzen Perlen, in allen Variationen, auf/unter/in Muscheln, an Lederbändern, Silberbroschen, Goldkettchen.
Deprimiert gingen wir durch die staubigen Straßen, vorbei am riesigen Public Parking Platz.
Schicke Geländewagen statt Palmen. Dreck liegt in den Kanälen an den Straßenrändern. Sogar ein toter Aal. Doch wieder retteten die Menschen hier unsere Laune.
Per Autostop sahen wir uns die Insel an, plauderten mit Stubenmädchen, Köchinnen, Installateuren, Tischlern, Tourguides. Freundliche Menschen, die nicht zu wanken schienen.
Bora Bora , die schönste Insel des Pazifiks - vom Segelboot aus betrachtet sicher!

Fotos

 

22.07.2007, Südsee Hilfe die Ehrnhofers kommen!

Da standen wir also im Morgengrauen am Flughafen in Papeete, Blumen in der Hand, Aufregung im Herzen. Karin, Mario, Jannis und Nella sollten gerade gelandet sein. Komisch nur, dass eigentlich keine Fluggäste mehr aus dem Terminal strömen. Naja mit Kind und Kegel dauert es halt seine Zeit, beruhigen wir unsere Nerven. 35 Stunden Flug. Mit einjährigem und vierjähriger. 3-stündige Anfahrt zum Urlaub am Bauernhof in der Steiermark würde andere Eltern wohl schon an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen. Endlich errät der Zollbeamte, warum ich ihn so nervös fixiere und lässt mich durch die Milchglasschiebetür huschen. 2 Jahre hatten wir uns nicht gesehen, fast täglich geschrieben, Fotos gesendet und dennoch auf diesen Anblick war ich nicht vorbereitet.
Baggage claim. Sch… Eine schlanke Blondine knallt gerade zornig ihre Baggage Zettelchen einer Südseedame auf den für verlorene Gepäckstücke gewappneten Schreibtisch. Karin!
Hinter ihr der erschöpfte Gatte mit rothaarigem Wonneproppen am Arm. Mario und Jannis!
Ein blondes in rosa gehülltes Engelchen/Bengelchen stellt sich mir in den Weg und tönt weinviertlerisch: "Bist du die Alex" - Nella! Im ganzen Durcheinandner umarmen wir uns, ich packe es nicht, dass sie alle wirklich da sind, sie packen es nicht dass die große blaue Tasche mit allen Kindersachen und Geschenken offensichtlich noch in New York ist.
Karins erste Worte nach 2 jähriger Trennung werden wohl in die Annalen unserer Freundschaft eingehen "Die Kuh ist weg" Wenige Stunden später liegt Karin gut gebettet fast in den Armen eines feschen Südseedoktors im örtlichen Krankenhaus und lässt sich Traubenzucker verabreichen. Auch eine Art, Land und Leute kennen zu lernen! So gut die Kinder den ganzen Flug und die Aufregung gemeistert hatten, so schlecht ging es der Mama. Schlafentzug, nix gegessen, verlorene Tasche, einfach alles nicht so gelaufen wie gewünscht! Kreislauf ade! Tja - das ist das Leben - eben auch in der schönen Südsee!
Nach einigen Tagen ist Ruhe auf der Risho eingekehrt - naja Ruhe ist vielleicht übertrieben, aber Karins Augen sprühen wieder wie üblich, und es ist so, als wären wir nie getrennt gewesen.
Die Tasche taucht nach 2 Tagen wieder auf, nur die Kuh bleibt verschwunden - ach ja, das war Jannis' Schmuse-Einschlaf-Tuch, jetzt wohl irgendwo in der kinderreichen Verwandtschaft der Putzfrauen von Tahiti Air gut aufgehoben. Jannis schläft trotzdem gut, auch wenn der Ankerplatz von "spiegelglatt" zu "äußerst wackelig" geworden ist. Marammu - der Südwind ist auf Besuch. Pech für unsere Ehrnhofers. Eine Woche sitzen wir im quirligen Tahiti fest. Zuviel Wind und Welle für einen sanften Kindertörn.
Nella wundert sich, warum es in der Südsee nicht so aussieht wie im Reiseführer. Sicher Tahiti ist schön, aber eben nicht der typische Südseetraum mit Motus und Palmenhain. Wir machen das beste daraus, fahren um die Insel, sogar in luftige Höhen - ein bisserl wie in der Ramsau - meint Mario als eine Regenböe sich im waldigen Hochland entlädt. Dennoch, ab und zu lassen sich unsere Gäste schon verzaubern, als Trommelwirbel uns auf eine Wiese lockt und 40 Insulaner dort Südseetänze proben. Oder als Seerosen auf einem kleinen Fluss am Ozean die umliegende Landschaft märchenhaft werden lassen. Endlich schaffen wir es nach Moorea, wo es einen Tag wie aus Kübeln schüttet.
Fahrtensegler nehmen dergleichen gelassen hin, sammeln Regenwasser und verziehen sich zum gemütlichen Abhängen in die Koje. Südseeurlauber Karin und Mario blicken enttäuscht zum Himmel. Nella hat sich schon gut eingewöhnt, freut sich über die randvollen Wasserkübeln zum Pritscheln. Jannis kräht fröhlich vor sich hin und hält die Oldies auf Trab, indem er begeistert über das nasse Deck krabbelt. Abends, wenn die Bande schläft, hocken wir bei einem Fläschen Rotwein und reden, reden, reden. Vertraut und nah. Gut, das es so ist wie immer.
Einige Tage später sind wir endlich in Huhaine. Fast 6 Jahre zuvor war es das unerreichte Urlaubstraumziel von Karin und Mario. Jetzt sind sie endlich da. Mario sucht in den Hügeln der grünen Insel nach den angeblichen Umrissen der "Lüsternen Frau" während er Jannis füttert, Karin hilft Nella in den Rüschenbikini, bevor sie sich in die türkisen Fluten stürzt und ihrem persönlichen Traumstrand entgegenschwimmt. Und dann irgendwo auf Huhaine, Blick auf die blaue Lagune, Palmen und Inselchen, irgendwo plötzlich passiert es. Mario springt mit Einheimischen von einer Brücke. Nein, nein kein verzagter Jungvater, sondern ein Abenteurer, der von der einzigen Verbindung zwischen Huahine nui und Huaine iti freiwillig und mutig in die korallenbestückte Tiefe stürzt.
Karin lässt Kinder Kinder sein und gönnt sich am Strand liegend eine Pina Colada an einem normalen Dienstag Nachmittag. Mit roter Blume im Haar.
Endlich angekommen in der Südsee!
Die Tage verfliegen, schon sind wir in Tahaa, umrunden die Vanilleinsel und endlich kommen wir zum Traummotu, schlürfen aus Kokosnüssen, suchen Kokoskrabben, sehen die Sonne neben dem fernen Bora Bora untergehen. Nella und Finn, Sand bis hinter die Ohren, reden darüber, wer in wen noch verliebt ist und ob Heirat noch in Frage steht. Jannis steht erstmals allein an Deck der sanft schaukelnden Risho und lässt für Brotfrucht in Kokosmilch jedes Kindergläschen links außen. Mario kann noch immer nicht glauben, wie schwer Kokosnüsse aufgehen und Karin lässt jede Pina Colada stehen für frische Kokosmilch mit einem Schuss Kokosrum, per Strohalm aus der grünen Kokosnuss geschlürft.
Dass es am nächsten Tag mal wieder schüttet, ist jedem ziemlich egal. Wo Regenwald da Regen, bemerkt Karin entspannt und legt mit Jannis ein After Breakfast Schläfchen ein. Und Mario sieht die Reise nicht mehr als Urlaub, sondern als Miterleben eines Teils einer Weltumsegelung.
Wir liegen in unseren Kojen. Es ist früher Morgen, Jannis kriegt Flaschchen, Nella plappert, Finn schlüpft rasch an Deck. Sie werden uns fehlen - die vier. Aber wir wissen, diese Freundschaft ist für immer, durch dick und dünn, durch Regen und Sonnenschein, Sturm und Flaute, egal ob in der Südsee oder in Seebarn bei Korneuburg. Danke dass ihr da wart!

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24.06.2007, Matariva, Toau Atoll Leben im Atoll

Wir sitzen in der kleinen Kirche und Valentine spricht über Gott. "Can you find paradise on earth?" Die Frage richtet sich an uns. 10 ratlose Segleraugenpaare blicken sie an. Ratlos, weil jedem auf der Zunge liegt "Natürlich, genau hier, auf eurer kleinen Insel Matariva im Atoll Toau - aber alle wissen wir, das ist nicht, was Valentine hören will und was man in einer kleinen Kirche vor einigen gläubigen Einheimischen verlautbart.
Glücklicherweise antwortete Valentines Stiefvater etwas verärgert: "Certainement non! Au ciel, avec Dieu" Ungläubiges Seglerpack! Valentine lacht. Sie kann nichts erschüttern. Valentine - kurz Valo - ist ein Schatz. Sie hat uns auf ihrer kleinen Insel aufgenommen wie alte Freunde, an den wogenden Busen gedrückt, uns eingebunden in die Familien, in die Arbeit, in ihr Leben.
Und heute ist eben Sonntag und da wird gebetet und man freut sich, wenn die Segler, die an den Moorings in der schönen Bucht liegen, mitmachen.
Gaston, Valos Ehemann, sitzt in der Kirche nahe der Tür und lächelt seine enthusiastische Ehefrau liebevoll an. Vor 15 Jahren kam er zum Fischen hierher, aus Papeete, mit Valos Bruder und blieb. Er liebt das Leben hier. Er taucht 15 Meter ohne Probleme und wird unter Wasser mit seiner Harpune zum Fisch. Einmal beobachteten wir eines seiner Jagdmanöver - in mindestens 10 Metern Tiefe, legte er sich flach auf den Meeresboden und schlich sich an einen Papageienfisch an. Der Fisch merkte sein Unglück erst als der Harpunenpfeil in ihm steckte. Alles nur mit Taucherbrille.
Oder wenn es Lobster gibt im Restaurant, macht Gaston Nachtschicht. Dann läuft er barfuß über das Riff und fängt die überraschten Lobster, die sich im Mondlicht aus dem Wasser wagen mit der bloßen Hand und wirft sie ins Boot, das sein Neffe Moana neben dem Riff fährt. Einmal fiel ihm beim Fällen einer Kokosnusspalme, der halbe Baum auf den kleinen Zeh. Der Zeh war unrettbar zerquetscht, zufällig war ein Segelboot mit Arzt da, amputierte den Zeh und hatte große Mühe, die Wunde zu vernähen - denn zäh wie Leder war die Haut an Gastons Füßen!
Ich lese heute aus der englischen Bibel. Hat die eigentlich ein Inhaltsverzeichnis? Ich finde weder Matthäus noch Johannes und Valo lacht sich beinahe schief! " First time Alex? Hm?"
Violette, Valos Mutter, sitzt still und in sich gekehrt. Ihr ganzes Leben hat sie hier verbracht auf diesem Atoll. Ihr erster Mann starb früh, konnte sehr tief tauchen. Doch viele, die das können, sterben jung.
Violette ist krank, Krebs, aber sie will nicht mehr nach Papeete ins Krankenhaus. Da stirbt sie gleich, sie will hier sein, in ihrem Zuhause, in der Lagune mit den glitzernden Blautönen, mit dem Duft der Hibiskus- und Tiare Blüten ihres Gartens und ihrer Arbeit nachgehen. Kokosnussmilch aus den Kokosraspeln pressen. Jetzt betet Violette, sagt Valo. Alles ist still und lauscht dem Gemurmel der Mutter. Ein berührender Augenblick. Ich blicke aus der offenen Kirchentür - draußen Palmen und türkises Wasser, Risho Maru liegt ruhig an der Mooringboje.
Wieder einmal sage ich mir, dass man mutig sein muss um weiter zu kommen, um Neues zu sehen und zu lernen. Dann kommt man zum Beispiel hierher, wird belohnt mit Eindrücken, die einen nie verlassen werden und Menschen, die sich einem tief ins Herz eingraben. Valo nimmt mich nach der Kirche zur Seite
"Alex, could you help me today, I have 4 boats for the Restaurant, 10 people. You can eat tonight with the family!" Da bin ich sofort dabei. Ich bin verantwortlich für den Tischschmuck, was heißt, duftige Hibiskus- und Tiare Blüten zu sammeln.
Der große Gemeinschaftstisch wird dekoriert, gedeckt mit schönem Porzellan, in den Weingläsern stecken weiße Servietten und auf jedem Teller liegt eine duftende Tiareblüte. Das Restaurant ist klein. Besteht nur aus einer heimeligen Küche mit 3 Fenstern, die in den Garten blicken, und einer Tür auf die hölzerne überdachte Veranda. Die Seitenwände sind traditionell aus geflochtenen Palmmatten errichtet. Die Veranda ragt ins Wasser - auf Pfählen - man blickt auf 3 bunte Korallenstöcke, gut besucht von gelben, blauen und gestreiften Korallenfischen.
"Napoleon ist da!" ruft Finn. Alle laufen zum Steg des Restaurants. Valo hat einige Fischabfälle mit. Napoleon, der Fisch, sieht aus wie aus einem Zeichentrickfilm. Ein Meter lang, dick, schillernd grün mit ausgebeultem Kopf, ahnlich dem Hut seines Namensvetters. Er kommt täglich um sich leicht verdientes Futter abzuholen! Apropos, auch Peter verdient sich sein Futter - weniger leicht aber doch. Er repariert den altertümlichen Generator der Großmutter. Sie hat seit einigen Tagen keinen Strom mehr. Finn ist mit den beiden Hunden Balu und Nicki (nach Seglern benannt!) unterwegs zu den Regenwassertanks um Wasserflaschen anzufüllen. Mit einer Schubkarre bringt er sie dann zum Küchenfenster, wo Valo ihm seine wichtige Fracht abnimmt und im Kühlschrank einkühlt. Eisgekühltes Regenwasser! Schon mal probiert?
Überhaupt gibt es auch hier wieder einiges Neues zu probieren. Zum Beispiel die Kava Frucht. Großer Baum, viele Blätter, kleine Früchte, die wie Lychees schmecken und geschält werden wie ein Ei.
Oder Beading, der Trend in New York, Cartagena, Panama und Tuao! Keine neue Yogatechnik! Man nehme alles, woraus man eine Kette basteln kann: Minimuscheln, Schneckenhäuser, Glassteinchen, Pflanzensamen und - in unserem Fall hier - Haiknochen und schwarze Perlen.
Stundenlang sitzen wir gemeinsam mit anderen Seglern auf der Veranda und basteln. Blick auf die Traumlagune. Kaffeetasse in Griffnähe. Valo hat alles, was man braucht, sogar einen kleinen Bohrer zum Durchbohren der schwarzen Perlen, die sie selber züchtet.
Übrigens Auster möchte ich keine sein. Zumindest nicht auf einer Perlenfarm. Valo zeigt uns eines Tages wie das funktioniert. Die Auster wir mit 2 Jahren aus dem Wasser geholt, wo sie an Plastikgirlanden heranwächst - was ja noch ganz gemütlich ist.
Dann wird sie mit einer Spezialzange aufgestemmt, ein Keil zwischen ihre Schalen gesteckt und mit der Präzision eines Nervenchirurgen pflanzt ihr Valo einen Nucleus - eine kleine, aus Muschel geschnitzte, Kugel - ein. Eine von 10 stirbt dabei wegen irgendeiner Infektion, erzählt mir Vivi, eine mitleidige schwedische Seglerin. Nach weiteren 2 Jahren wird sie wieder aufgestemmt und die Perle wird geerntet. Der Nucleus ist nun von einer dunkelschillernden Perlenschicht umschlossen. Farbtöne von Schwarz, Grau, Aubergine oder Grün.
Sicher schön, aber lieber sind mir dennoch die Gaischis - die natürlichen Perlen - die ohne Nucleus entstehen und ganz und gar nicht perfekt sind. Eher aussehen wie ein bereits gekauter Kaugummi, natürlich ein ganz kleiner und aus Perlmutt.
Austern. Wird schon einen Grund haben, warum es heißt "... verschlossen wie eine Auster…"
Die ersten Gäste kommen. Peter schneidet aus dem Thunfisch Sashimi. Gaston grillt Lobster über dem Feuer, ich wälze Papageienfischfilets in Kokosette und backe sie heraus. Valo plaudert fröhlich mit den etwas steifen Amerikanern, die Engländer nippen vergnügt an ihrem Rum mit Kokosmilch und Limette. Der französische Einhand-Segler Eduard , sonst verschwiegen wie ein Grab, kommt richtig in Fahrt bei der Vorspeise: poisson cru - roher Fisch mit Zwiebel und Limette in Kokosmilch.
Wer Kokos nicht mag, ist hier verloren.
Schließlich sitzen alle zu Tisch, Gäste und Familie (zu der wir heute zählen) und genießen butterweiche Sashimi, Thunfischsteak, Coconutbrot und zuletzt die Salzburger Nockerl der Pazifik: ein traumhafter Coconut Pie.
Arbeit gibt es genug auf einem Atoll, wie sich herausstellt. Am Tag nach unserem opulenten Mahl stehen wir am klapprigen Holzsteg bereit. Gaston nimmt uns mit zum Kopra machen auf ein Motu. Wir glühen zu Finns Freud per 150 PS Outborder über die flache Lagune, gefährlich knapp an Korallenköpfen und Riffen vorüber.
Unser Arbeitsplatz: Das kleine Trauminselchen Paquai (übersetzt: Allein) mitten in der türkisen Lagune mit schmucken Kokospalmwäldchen und langgestreckter Sandbank.
Peter tropft der Schweiß in die Augen, neben ihm ein Haufen Kokosnüsse, bereits aufgebrochen. Er nimmt eine nach der anderen und schabt sie mit einem speziellen Eisenhacken aus. Finn sammelt die Kokosnussstücke ein und legt sie auf Matten aus geflochtenen Palmblättern in die Sonne zum trocknen. Ich hocke im Sand und flechte die besagten Palmmatten. Zuerst rechts, alle zwei nach oben, dann nach unten, dann eine drüber, eine auslassen, oder doch zwei?
Ilse, ihres Zeichens Vorarlbergerin und Seglerin, kauert neben mir und flucht: "Verdammt, da hab ich ganz unten einen Fehler gemacht." Na wenigstens ist sie schon ganz oben, ich hab noch nicht mal richtig angefangen!
5 große Säcke Kopra sind die Ausbeute des Tages. Früh am nächsten Morgen liegt ein Arbeitsschiff in der Bucht, Kopra und Fisch werden abgeholt.
Fisch landet im Carrefour, einem französischen Riesensupermarkt in Papeete, aus dem Kopra wird Öl und Seife gemacht. "For the Resorts in Bora Bora, but I dont like the smell" meint Valo. Ein Deodorant von Nivea als kleines Mitbringsel von Yachties hingegen findet sie herrlich!
Und so vergehen die Tage und wir wachsen mit unseren Aufgaben.
Mein erstes Coconut Brot wird sehr gelobt. Auch das poisson cru machen überlässt mit Valo bereitwillig. Finn angelt seinen ersten Fisch selber mit eigenhändig zugeschnittenen Ködern.
Gaston lobt Peters harpunierten Papageienfisch, auch wenn es ihn gleichzeitig vor Lachen schüttelt, weil Peter dem Fisch die Harpune genau durch die Augen geschossen hat und diese ungläubig dreinblickend rechts und links herunterbaumeln.
Ilse bastelt die schönsten Armbänder, aber alle Seglerinnen tragen meine erste und einzige Schmuck-Kreation, ein Lederbändchen mit einer einzelnen schwarzen Perle. Gaston betrachtet ungläubig einen österreichischen Bildkalender: Mariazell im Winter. Ich blicke auf die rotglühende Lagune. Matariva bei Sonnenuntergang. Jedem sein Paradies!

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29.05.2007, Ua Pou, Marquesas Die zauberhaften Marquesas - Mythos, Alm und Menschenfresser

Hiva Oa, Nuku Hiva, Ua Pou - diese Namen! Natürlich passen sie zu den heiligen Stätten, die mitten im Dschungel liegen, überwuchert, aus schwarzem Lavastein gebaut, riesige Bühnen oder Altäre. Dazwischen die steinernen Tikis, die einen ernst aus riesengroßen Glupschaugen betrachten. Alles dampft vor Feuchtigkeit, wächst, windet sich über runde Steine und seltsame Bauten. Überall Blüten in pink, weiß, gelb, so über diesen seltsamen, mystischen Ort verteilt, als würde jemand die Aufgabe übernommen haben, diesen Ort für einige kitschige Werbe-Tourismusaufnahmen auszustatten. Platsch! Erschrocken drehen wir uns nach allen Seiten. Finn endeckt die kindskopfgroße Brotfrucht auf der Erde vor einem seltsamen Tiki-Stein-Fisch oder -Hund gelandet. Sie blutet - die Frucht - weiß, milchig.
Opfergabe, schießt es mir durch den Kopf - noch besser: Menschenopfer - diese Marquesians waren doch Menschenfresser, oder? Ansich ein friedliches Volk, aber ab und zu wurden die Götter verwöhnt und da musste dann jemand aus dem Nachbarland herhalten oder ein besiegter Feind, dessen beste Teile (fragt mich nicht welche...) speziell mariniert genossen wurden. Apropos, Brotfrucht in Kokosmilch gekocht, eine echte Spezialität - also rein in das Plastiksackerl, die Götter mögen den Raub verzeihen! Weiter tuckern wir mit unserem Pick up Truck, rund um die Insel Nuku Hiva. 4 Segelboote in einem Auto. Besser gesagt die Crews - Peter, ich und Finn sitzen mit der Besatzung der "Vera" im Freien hinten auf der Ladefläche.
Hatte ich vergessen zu erwähnen, dass es beim Besuch der heiligen Tikistätte schüttete? Das war gut so - wir waren zwar waschelnass, aber dafür verschont von den Gelsen - erst DIE würden das Regenwald-Haus in Wien so richtig authentisch machen! Natürlich ist in der Südsee nicht alles so wie im Werbeprospekt oder Südseekalender. Die Bilder stimmen, aber das Drumherum - unmöglich es einzufangen. Allein der Geruch dieser Inseln, Kokos, zerplatzte, gärende Mangos auf weichem Dschungelboden, wieder Kokos oder Kopra (getrocknetes Kokos) oder Kokosöl? Ich weiss nicht, überall hängt dieser einzigartige Geruch in der Luft, egal ob hier mitten im Gehenk oder bei der Kirchenfeier am Sonntag. Oder der Duft der Tiare Blüte, sie gleicht einem weißen Stern und ist das Symbol für die Südsee.
Blüten werden hier hinterm Ohr getragen. Egal ob im Supermarkt, Büro, Auto, am Dienstag, oder Samstag oder Donnerstag. Man trägt Blume - ja natürlich auch Mann! Und Finn bringt mir beim allmorgendlichen Landgang gleich meine Blüte!
Auch heute trage ich, passend zur roten Regenjacke, eine rote Hibiskusblüte im Haar.
Frag mich nur, warum sie mich so kitzelt - rahhh... Ameisenalarm!
Ja als Südseeanfänger hat man viel zu lernen! Zum Beispiel dass "chemin" Weg heißt und nicht Straße und deswegen der Pick Up gerade steckengeblieben ist.
Aber hier fährt alles mit 4 Wheel drive - also kein Problem! Bei 20 km/h hat man viel Zeit zum Betrachten der Landschaft und schon trommeln wir wie besessen auf das Dach des Wagens - stehen bleiben - Mangos! Am Straßenrand hängt ein dicker Zweig Mangos direkt auf die Ladefläche, Ernten ist angesagt. Gleich daneben gibt es Papayas, leider keine Pampelmusen - die kriegen wir aber später auf einer Pampelmusen Farm, mit einer Staude Bananen. Der dicke Franzose Luc, dem dies alles gehört, trocknet Bananen im Ganzen und wickelt sie dann in Palmblätter. Das köstliche Päckchen wäre sicher in jedem österreichischen Reformhaus der Renner! Weiter rumpeln wir bergauf die kurvige Straße entlang, immer wieder blicken wir in tiefe Täler, dahinter der blaue Pazifik. Trommeln! Im Gebüsch am Straßenrand haben wir Chilischoten entdeckt (also man kann sich unser Fahrtempo ca. ausmalen... ) und darüber ein Carambolen Baum mit reifen Früchten. Ja es sind die Sternfrüchte, die es einzeln verpackt sonst nur beim Billa gibt. Hier hängen ca. 30, wir pflücken und beißen rein. Säuerlich, süß, ein bisserl Stachelbeere. Wahnsinn! Und nicht nur Verzierung einer Nachspeise , sondern Nachspeise selbst!
Der "chemin" biegt wieder in eine Straße ein und wir sind plötzlich von dichten Nadelwäldern umgeben. Zedern? Föhren? Irgendeine Mischung, entstanden in den unglaublichen Klimazonen dieser Insel. Auf 1200 Meter - Nebel! Es ist saukalt - für unsere Begriffe (20Grad?). Mama, wir fahren durch eine Wolke! Für Finn ist die Sensation dieser Inseln eindeutig das Pick up Truck fahren. Oder welcher Siebenjährige würde nicht gerne auf einer Autoladefläche stehend durch die Berge fahren? Und wieder geht's bergab! Wir blicken auf ein Tal, das sofort auch eine Hochalm sein könnte! Nadelwälder, dazwischen grüne Wiesen mit Bächen und sogar Kühe und Pferde grasen hier und dort. Verrückt!
Noch fröstelt mich, doch 10 Minuten später rinnt mir der Schweiß über den Rücken. Neue Klimazone! Hier gibt es wieder Bananen und sogar Avocadobäume.
Wir biegen wieder in einen chemin und besuchen ein kleines Dorf, da es dort angeblich eine 5 Meter hohe Tiki Figur anzusehen gibt. Die Einheimischen haben sich im Gemeinschaftshaus versammelt. Man zeigt uns freundlich den Weg und meint so an die 15 Minuten Gehzeit. Die Tikis finden wir nicht , aber wir lernen Julie kennen. Sie erklärt uns, sie wäre noch nie bei den Tikis gewesen, irgendwelche Alten wussten mal den Weg, aber die Tikis hätte schon lange keiner mehr besucht.
Sie zeigt uns dafür eine der örtlichen Wasserpippen, schmeckt wie Hochquellwasser, ist wohl auch sowas ähnliches.
Und so rumpelt der Seglertransporter (ca 10 Personen pro Wagen hier ziemlich illegal legal) weiter, wieder richtung AusgangshafenTaiohae Bay, eine große Bucht im Süden von Nuku Hiva.
Müde plumpsen wir mit unseren Früchten ins Dinghy. Morgen heißt es früh aufstehen zum Baguette holen! Der Bäcker hat nur von 5-8 Uhr Früh geöffnet und um 7 Uhr sind meistens die Schokocroissants ausverkauft.
Und so schaukelt die Risho uns gegen 21 Uhr (Sailor's Midnight!) in den Schlaf.
Mama?
Ja Finn,
Gibt es jetzt noch Menschenfresser?
Nein!
Sicher nicht?
Sicher nicht,Schatzi!
Mama, wie schmeckt ein Feind?
Aus! Jetzt wird geschlafen.
Gute Nacht,Papa
Gute Nacht Finn !
Gute Nacht Mama!
Gute Nacht Finn Boy!

Ein Tag auf der Risho Maru - auf mehrfachen Wunsch zahlreicher Fans!

Na gut, Leute, ihr wollt also den Alltag auf der Risho Maru kennenlernen? Unser tägliches Leben? Das, was wir so den ganzen Tag machen?
Ich muss euch enttäuschen. Alltag gibt es nicht.
Haaaalt! Der Captain meldet sich zu Wort "Wie wäre es mit einem Tag der Pazifiküberquerung. Auf diesen langen Strecken haben wir so etwas änliches wie Alltag, oder?"
"Alle Tage haben wir Schule! Ist das auch Alltag?" kräht Finn aus seiner Koje.
OK. Na gut.

Ein Tag auf der Risho Maru auf dem Pazifik.

7:00 Ich liege komatös in meiner Koje. Um 5 Uhr hab ich mich niedergelegt nach meiner Nachtwache. Finn ist das wurscht, er ist jetzt munter und hat Hunger.
Ich krieche aus der Koje und schaue an Deck , ob mein Göttergatte wohlauf ist. Ich sehe auf seiner Brust bewegen sich die Eieruhren rhythmisch zu seinen tiefen Atemzügen. Noch eine Minute und Rriiiiiiiing! Guten Morgen, mein Süßer!
Grumel Peter erhebt sich schlaftrunken, 15 Minuten Schlaf, blickt in die Runde und begibt sich zur ersten Tätigkeit des neuen Tages - nicht was ihr denkt - er wirft die Angeln aus. Morgenzeit ist Fischer's Zeit, oder?

7:30 Frühstück. Wie alle eifrigen Risho Maru Fans wissen, gibt es Eierspeise. Nein, heute sogar Spiegelei. Dazu selbstgebackenes Brot, Marmelade, Tee. Nach diesem unglaublichen Kraftaufwand hänge ich erschöpft im Cockpit. Peter ist auf den Beinen und hängt unser Ölzeug in die Morgensonne, auch die Kuscheldecke und die feuchten Sitzpölster. Finn und ich machen die Küche wieder klar, putzen Zähne, machen uns hübsch für den neuen Tag auf See (viel Sonnencreme! leichte Bekleidung, Sonnenbrille)

8:30 Ich knete Brotteig und stelle ihn zum "Gehen" an ein windgeschütztes Platzerl in der Sonne. Dann gehe ich die Früchte durch. "Wie geht es den Orangen?" Nicht gerade alltäglich diese Frage - naja vielleicht nicht in Österreich, aber am Schiff doch. Für unsere Pazifiküberquerung haben wir unter anderem einen großen Sack Orangen mitgenommen. Die gehören kontrolliert - welche sind reif, matschig, faul… ebenso werden zumindest alle 2-3 Tage Kartoffel, Tomaten, Gurken, Zwiebel kontrolliert. Gegessen wird, was weg muss. Kürbis hält am längsten, davon essen wir noch auf Nuku Hiva!

9:30 Peter ist an der Funke, ich höre mit. Wir haben mit befreundeten Schiffen, die auf der gleichen Route segeln, eine Funkrunde bzw ein Sicherheitsnetz organisiert. Positionen werden durchgegeben, Wetternews, wie die Nacht war, ob alles in Ordnung ist, ein Fisch an der Angel, ob ihr auch die Thunfisch Fischerboote gesehen habt?

10:00 Peter geht schlafen. Finn und ich machen Schule "light". Das, was ich hier schreibe, klingt ja alles ganz gemütlich, wäre man damit in seiner Wohnung in Wien oder sonstwo. Das spielt es aber nicht. Wir sind auf einem Schiff und es wackelt und spritzt. Außerdem schlafen wir im Durchschnitt nur an die 4 Stunden pro Tag - den Rest döst man vor sich hin. Nach einigen Tagen ist alles, was man macht, gleichzusetzen mit einer erschöpfenden Gleichgewichtsaufgabe. Versucht mal zwei Stunden nur auf einem Bein durch eure Wohnung zu hüpfen, nach einer durchgemachten Nacht, und alles Alltägliche zu erledigen.
Also Schule "light" .Schönschreiben lasse ich ausfallen! Rechnen geht gut, Finn schreibt die Zahlen unmerklich verwackelt. Dann wird viel gelesen und es werden Sachkundebücher angesehen. Manchmal bin ich sehr müde. Einmal bat ich Finn, mir die Geschichte vom Osterhasen aus seiner Lese Fibel 1. Klasse vorzulesen. Als ich aufwachte las er mir gerade Donald Duck auf Hoher See vor.
Finn ist cool. Das muss ich wirklich sagen. Er nimmt diese 19 Tage hin, wie sie sind. Genießt die vielen Geschichten, die wir ihm erzählen und die zahllosen Spiele, die wir mit ihm spielen. Baut den Panamakanal aus Lego und lässt die Playmobilmänner Marinas errichten. Einmal am Tag gibt es Austoben für ihn - so gut das eben geht! Er ist diszipliniert, geht nicht an die Reling, und lässt sich einen Kübel Seewasser über den Kopf schütten.
Bin ja neugierig, was er uns als 18-jähriger für Neurosen vorhalten wird!

12:00 Mittagessen.
Es gibt frisches Brot und Salat oder Pastete aus der Dose oder Eiaufstrich oder Thunfischmayonnaise. Nach dem Mittagessen fallen mir die Augen zu. Finn geht Lego spielen, Peter macht seinen täglichen Schiffinspektionsrundgang - alles passt. Da und dort wir poliert, entrostet, geschraubt, kontrolliert.

13:30 Ich döse, weil richtig schlafen tagsüber können weder Peter noch ich. Ich lausche dem Gemurmel von Finn und Peter. Sie haben ihren Spielenachmittag eröffnet. Uno, Pokern, Cartagena und Schach.
Ich wandle in die Küche und backe einen schnellen Kuchen. Es tut der Crew gut, wenn es nach Zimt und Schoko duftete und zum Nachmittagstee warme
Tarte au chocolat gibt.

15:00 Tägliche Waschung! Für jeden 2-3 Kübel Seewasser. Danach fühle ich mich fit und frisch.

15:30 Fisch! Angeln werden reingeholt, nicht jeden Tag, aber doch immer öfter beißt ein Fisch an, Dorade Thunfisch, Goldmakrele oder Wahoo. Peter filetiert inzwischen wie ein Küchenmeister.

16:00 Es gibt die tägliche Vorlesestunde von Frau Kammerschauspieler. Man liest: Tom Sawyers Abenteuer. Kapitel 5, Tom und Becky in der Höhle.

17:00 Funkrunde. Positionen werden wieder durchgegeben, der Tag besprochen, alles ok. Yannik auf der "Yara" ist fad, seine Eltern wollen nicht öfter als 100 mal pro Tag Uno spielen, wir überlegen, in Fatu Hiva eine Uno Olympia steigen zu lassen. Was kocht's ihr heute? Was? Die haben Steaks - es lebe die Riesenkühltruhe!

18:00 Abendessen. Heute gibt es die berühmten Fischfinger - panierte Fischstückchen - für Finn die Chicken Mc Nuggets des Meeres. Dazu Reis und Limette. Gibt es keinen Fisch, gibt es Spaghetti putanesca, Gemüselasagne, Kartoffel-Käse Auflauf, Kürbiscremesuppe, Krautfleckerl - Essen auf See ist wichtig, man freut sich auf die Mahlzeiten und genießt sie sehr. Peter nascht Schokolade, ich mag lieber Cracker, Finn Keksi - auf See ist alles erlaubt!

19:00 Finn geht schlafen, Gutenachtgeschichten, Augen fallen zu. Ein Tag auf See ist anstrengend - man muss das erleben, um es zu glauben!

20:00 ich richte alles für die Nacht her. Ölzeug, gemütliches Gwandl, Taschenlampen. Natürlich ist es nicht kalt draußen, aber der ständige Wind und die Feuchtigkeit, gemeinsam mit der Übermüdung, erhöhen das Kuschelbedürfnis sehr!

20:30 Ich gehe schlafen. Peter übernimmt die erste Wache, Er hört i-Pod oder spielt Gitarre, schaut Sterne und kontrolliert alle 15 Minuten, ob Schiffe in der Nähe sind. Die Eieruhren stehen für den 15 Minuten Schlaf bereit.

01:00 Wachwechsel. Peter fällt in die Koje, ich mache mir einen Tee und knabber ein paar Cracker zum Aufwachen. Die Hundswache. Von 1 Uhr bis 5 Uhr früh - von vielen gehasst, ich mache sie gerne. Ich lese viel, werde ich müde, muss irgendeine fetzige Nummer per i-Pod herhalten. Bin ich sehr erschöpft, schlafe ich mit den Eieruhren am Busen! Rrinnnng alle 15 Minuten!
Wir wechseln unsere Wachen alle 3-4 Stunden ab, je nachdem, wie es uns geht, auch mal länger. Ist man fit, lässt man den anderen schlafen. Um 5 Uhr krabbelt Peter verschlafen aus der Koje und schickt mich ins Bett.

7:00 Finn hat Hunger und ein neuer Tag beginnt.

He, das klingt doch richtig alltäglich, oder? Hab ich noch was vergessen? Natürlich gehen wir zwischendurch aufs Klo, arbeiten an der Segelstellung, schauen auf's Meer hinaus, sind grantig oder lustig, streiten oder blödeln, haben Sex, putzen die Küche und polieren die Winchen. Und wundern uns, dass die Welt garnicht mehr so riesengroß scheint. 19 Tage Segeln und man hat den größten Ozean überquert. Die Tage vergehen schnell auf See. Selbst die anstrengenden Nächte. Auch die nicht so guten Tage.
Ist man angekommen, hat man diese Zeit schnell vergessen, ein bisschen wie die Geburt eines Kindes, meint meine Segelfreundin Laura. Man hält dieses wunderhübsche Kind im Arm, betrachtet dieses Wunder oder in unserem Fall die überwältigende Landschaft Fatu Hivas und stürzt sich in neue Abenteuer.
19 Tage, wäre mal interessant zu überlegen, was ich an 19 Tagen in Wien so gemacht habe - im Alltag.
Für Auskünfte und Beschwerden wenden Sie sich bitte an www.rishomaru.com!

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06.05.2007, Fatu Hiva, Marquesas Die Herausforderung oder Mein Mann der Held

Es ist stockfinstere Nacht. Mitten am Pazifik. Ich sitze am Steuer. Bergfest. Haha. Da feiert man die erste geschaffte Hälfte über den großen See (1500 sm von 3000 sm im Gesamten!). Mit Champagner und so on. In unserem Falle ist der Autopilot ausgefallen, weil die Verbindungsstange zum Ruder abgebrochen ist. Autopilot ausgefallen? Was das heißt? Das heißt Handsteuern. Das heißt Tag und Nacht am Steuer. Und das für eine Woche. Abwechselnd zu zweit. Ziemlich unwitzig und diese Vorstellung löst in mir leichte bis mittelschwere Panik aus. Ich blicke zum wolkenverhangenem, schwarzen Himmel. Da, ein Stern blinkt mutig hervor! Bitte Stern mach, dass Peter recht hat, wenn er sagt: morgen Nachmittag haben wir wieder einen Autopiloten.
Und er hat recht. Mein Mann der Held. Das muss wirklich gesagt werden. Die Anspannung ist extrem. Peter verlegt am nächsten Tag ein Kabel neu, bastelt aus alten Autopilot Verankerungen eine Ersatzlösung. Die nächsten drei Tage sind hart für ihn. Immer bricht etwas, hält dem hohen Druck durch die Wellen nicht stand. Peter bleibt dran, er tüftelt und sagt nur "Ich steuere sicher nicht 1500 sm per Hand." Nach vier Tagen halten die Verankerungen, da gibt der Autopilot selber den Geist auf. Ich kann's nicht glauben. Möchte jetzt lieber in der Steiermark Eierpecken und G'selchtes essen und romantisch ins Osterfeuer starren. Peter stellt unseren Windpiloten Franzl ein. Der hat uns schon nach Teneriffa gesteuert. Eher nebenbei, rein aus Neugier, schraubt Peter den Autopiloten auf. Und siehe da - nur ein Splint ist gebrochen - eine Art Haarnadel. 5 Minuten später surrt der Pilot wieder und Franzl darf ruhen.
Mir drückt's die Tränen raus. Irgendwie ist das alles hier heraußen sehr anstrengend, hart und warum können wir nicht, wie alle anderen, einfach gemütlich da hinüber flutschen ?
Da rauscht etwas und unser heißgeliebtes Gennaker Leichtwindsegel liegt in zerfetzten Streifen unter Rishos Bügen. Gebrochener Block am Masttop.
Peter kappt die Taue, hinweg schöner leichter Stoff! Das tut weh, aber wir haben einen wunderschönen Blister in der Karibik erworben - der kommt jetzt voll zum Einsatz.
Irgendwie sieht am nächsten Tag der Windanzeiger am Mast komisch aus, oder hat der Wind gedreht? Nein, ein fetter, müder Vogel durfte sich drauf ausgeruht haben. Verbogen. Und schon baumle ich der Mastspitze entgegen.
War mir lieber als Peter hinaufzuhiefen. 12 Meter über dem Pazifik. Grausam.
Ostereiersuchen und anschließend ein gemütlicher Osterspaziergang. Ich will nach Hause. Finn fragt: Wieso?
Aber trotz allem - wir fliegen! Als zieht etwas die Risho Maru da hinüber, in die unbekannte Südsee, die ich mir so gar nicht vorstellen kann zwischen Nachtwachen und Segelwechsel und Durcheinander Wellen.
Wir sind schnell. Noch 5 Tage. Etwas piepst. Schei…. Der Autopilot. Eine Schraube ist locker und abgebrochen. Peter schickt mich ans Steuer und nach 5 Minuten geht's mit neuer Schraube weiter. Noch 4 Tage. Dunkle Wolken schon in der Früh. Den ganzen Tag wenig Wind aus allen Richtungen. 10 Mal Spinnaker gesetzt und wieder runter, 30 Mal die anderen Segel. Ich bin so müde, Peter auch. Schließlich schalten wir den Motor ein, lassen Segel Segel sein, kuscheln uns erschöpft zusammen und weinen ein bisserl, und dann spielen wir Uno und Pokern. Finn gewinnt. "Grande serviert, Mama!"
Zum Sonnenuntergang wieder schöner Himmel und sanfte Brise, Blister hinauf, ganz sanft mit funkelndem Sternenhimmel durch die Nacht. Noch 2 Tage.
Die haben's in sich. Wellen knallen gegen die Risho. Ich liege hellwach mit bangem Herzen in der Koje. Draußen jagt uns der Wind die letzen Meilen Richtung Fatu Hiva. Wird der Autopilot das packen? Aber eigentlich ist das jetzt auch schon wurscht. 2 Tage Handsteuern, was wäre das schon? Die Wellen am letzen Morgen wirken riesig. Finn sagt: "Wie am Atlantik , Mama." Er hat recht. Wir glühen durch die See, Risho will ankommen im Tageslicht und sie schafft es mitten ins schönste Nachtmittagslicht.
Eine Landschaft erhebt sich vor uns, die uns den Atem stocken lässt. Grüne Bergspitzen, dazwischen Felsengesichter. Fatu Hiva.
Und die Conclusio? Eine Herausforderung - nicht nur für uns, stellt sich heraus. In der Bucht liegen ungefähr 15 Schiffe. Jedes zweite hat Spinnaker verloren, zerrissen oder lieber nicht mehr gesetzt. Mehr als die Hälfte der Schiffe hatten Probleme mit dem Autopilot. 2 Boote mit gebrochenen Vorstagen. Eine Ozeanüberquerung ist anstrengend, nicht nur für uns, vor allem die Schiffe müssen einiges aushalten.
Also wie war das jetzt mit gemütlich hinüberflutschen? Unsere Fahrt war normal, schnell - 19 Tage - ein guter Schnitt. Unsere Risho ein gutes Schiff.
"Eine Nacht handgesteuert!" klage ich mein Leid einer Französin.
Sie lacht mir ins Gesicht. "Wir steuern alles immer mit der Hand - Autopilot können wir uns nicht leisten." Ihre beiden Kinder, 7 und 4 Jahre alt, grinsen mich vergnügt an."30 tage haben wir gebraucht, war OK!"
Ich gehe in mich. Was lehrt mich der Pazifik? "Schätzchen - alles Ansichtssache! Wie haben dir eigentlich die phosphoreszierenden Delphine gefallen in einer deiner Nachtwachen? Und hat der 145 cm Wahoo geschmeckt? Oder waren die Doraden besser? Wie gefällt dir der Südhimmel über mir, kennst du die Sternbilder? "
Mon cher pacifique, gib mir noch ein paar tausend Seemeilen und den Indischen Ozean - dann, ja, dann, ich spüre es, dann werde ich es genießen, die Überfahrten und - das bleibt jetzt aber unter uns -"cooler" sein. Sag's bloß nicht weiter. "Versprochen meine Liebe, ich kenn doch meine Pappenheimer!"
Ich blicke auf die grünen Bergspitzen und der Autopilot ist weit, weit weg. Was war da eigentlich überhaupt? Wir sind doch super hinübergeflutscht, lässiger Wind, nur 2 Regentage, die schönen Nächte.
Wir haben es geschafft. Die Marchesas. Fatu Hiva. Die Südsee. Wir sind da.

Ankunft im Paradies

Marie Iris zieht mich in ihr Haus. Ich krame in meinem Hirn nach den verblieben Resten meines Schulfranzösisch. Auf dem hölzernen Küchentisch liegen melonengroße Grapefruits. "Pamplemousse - très bien! Est-ce-que tu as du parfum pour changer?" Ich habe nur Milchpulver und Kaffee, aber Lea, Marie Iris, Thérèse, die Damen aus dem Dorf in der Jungfrauenbucht Hanavave wollen ganz was anderes: Deos, Schmuck, Haartönung!
Schließlich tausche ich meine Flip Flops gegen eine riesige Staude Bananen, Papayas, Limetten und natürlich die grandiosen Pampelmusen. So was von einer Grapefruit hat es sicher im Paradies gegeben, wenn es das Paradies gegeben hat!
Keine Kerne, irgendwo zwischen süß und göttlich. Wir sind gerade das kleine Dorf durchwandert. Es liegt an einem Fluss, der sich sanft über runde, dunkle Steine windet. Die Ufer gesäumt von Mangobäumen, Bananen, Palmen, Papayas, Brotfruchtbäumen. Der kleine Weg neben dem Fluss führt vorbei an den im Grün versteckten Häusern der Einheimischen. Hühner rennen glücklich herum, dazwischen schwarze Schweindln. Aber es riecht nach Blüten und reifen Mangos und feucht und gut.
Wir schlürfen die Mangos am Straßenrand, neben einem Wasserhahn, aus dem kristallklares Trinkwasser aus den hohen Bergen Fatu Hivas fließt.
Die Leute bitten uns in ihre Häuser, natürlich um Geschäfte zu machen, sie verkaufen Tiki Figuren aus Stein, Tapas - auf Rinde gemalte Bilder - und Pareos.
Aber so nebenbei erfahren wir morgen, Sonntag um 8 Uhr ist Messe und man erwartet uns. Also stehen wir am Sonntag bereit, fesch gemacht und mischen uns in der kleinen, hellgrün ausgemalten Kirche unters Volk.
"Mama, schau die Frau hat Tomatenschalen im Haar!" Finn kommt aus dem Staunen nicht raus. Die Frauen sind alle bunt gekleidet und tragen Blumen à la Südsee in den Haaren. Manche nur eine Einzelne große hinter dem Ohr, andere ganze Gestecke, eingeknotet in die dichten schwarzen Haare.
Die Messe ist auf Polynesisch, laut und fröhlich. Man singt begeistert und auch ich stimme irgendwann in den Halleluja Chor ein! Begleitet werden wir von Ukulele und Gitarre!
Don, einer der vielen Segler, die die Messe besuchen, meint "Jetzt bin ich wirklich in der Südsee angekommen!" Eine einheimische Dame fragt nach meinen Französischkenntnissen und ich nicke ihr zustimmend zu. Sie will wissen, ob uns das Kirchenfest gefallen hat! In wenigen Tagen sind wir Teil dieser kleinen Gemeinde. Sonntagnachmittag ist Fußballmatch. Hanavave gegen Nachbarort Omoa - der Sieger geht zu den Meisterschaften nach Tahiti. Natürlich sind wir dabei und feuern die Jungs an!
Es gibt ein "Magasin" - da kann man Käse und Dosenfutter kaufen und einen Tatoo Shop. Sonst nix. Kathrin organisiert für die Yachties einen Abend mit polynesischem Essen und Musik. Wir sitzen zu 15 an der improvisierten Tafel vor einem Einfamilienhaus und futtern: Fisch und Huhn in Kokosmilch, Brotfrucht geröstet, Kochbananen eingelegt, Salat mit Mangodressing und als Nachspeise die grandiosen Pampelmusen. Franzosen, Amerikaner, Schweizer, Kanadier, Österreicher, Südafrikaner und Polynesier an einem Tisch, schlemmend, plaudernd, lachend. Finn tobt mit Segel- und Dorfkindern durch die Gärten. Sterne blinken hoch über den Bergspitzen. Der Mond taucht alles in mystisches Licht. Ukulelenklänge. Beseelt wandeln wir durch den stillen Ort zu unseren Dinghies, Blumen im Haar, Wohlgefühl im Magen. Bonne nuit! Merci! Nana! Mauruuru!

Fotos

 

27.04.2007, Fatu Hiva, Marquesas Durchsage von der Risho via Iridium-Handy:
"Geschafft! Nach 19 Tagen Überfahrt unter optimalen Bedingungen (Wind und Wetter waren super) ist Fatu Hiva mit 4 Häusern am Strand in Sicht: ein echter Südseetraum!"
15.04.2007, irgendwo zwischen Galapagos und Marquesas

Durchsage von der Risho via Iridium-Handy:
"Sind seit Ostersonntag unterwegs! Starteten am Ostersonntag von den Galapagos Inseln (Isla Isabella) Richtung Fatu Hiva (Marquesas)! Von den insgesamt 2890 Seemeilen fehlen uns heute, am 15. April, noch 1750! Wir erreichen Spitzen-Etmale von 202 Seemeilen! Die Risho liegt super im Wasser und uns geht es gut! Wir fangen jeden Tag frische Fische und genießen das Segeln im Pazifik!"

26.03.2007, San Cristobal, Galapagos Premieren, Taufen und furzende Robben

Also Panamacity ließen wir nach 3 Wochen hinter uns - der Shopping Wahn war dort endgültig ausgebrochen. Nachdem wir alles besorgt hatten, das wir gebraucht hatten, begannen wir zu shoppen was wir immer schon mal haben wollten und schließlich, was wir nie brauchen konnten. Davon ausschließen will ich meinen heißgeliebten Milchschäumer. Ja lacht nur, ihr, die ihr jederzeit einen Capuccino mit 5 cm Milchschaum trinken könnt! Das spielt es hier nicht! Obwohl, jetzt schon!
Los ging's nach Galapagos. Zuerst machten wir Zwischenstopp auf den Las Perlas. Inseln, kurz vor Panama - traumhaft einsam, wild, Wasser voller Quallen wegen des trüben, planktonreichen Humboldstromes. Wellenreiten musste dennoch sein, hatte ich doch mein gebrauchtes Wellenreitbrett in der grandiosen Albrook mall in P City erstanden. Dieses Board kommt gleich nach dem Milchschäumer! In Kalifornien hatte ich ja Blut geleckt und hab erstmals auf dem Brettl eine Welle abgeritten.
Premiere! Ich kniete in der schäumenden Pazifikbrandung auf dem eigenen Brett und versuchte dergleichen zu wiederholen. Übung macht den Meister - ich werde von den Fortschritten berichten!
Dann ging's auf nach Galapagos. 900 sm, ca. eine Woche Segeln - Wetterprognosen zu dieser Jahreszeit: wenig bis kein Wind - fröhliches Motoren war vorauszusehen.
Wir hatten Glück - die ersten 4 Tage traumhaftes Segeln. Tag und Nacht, auf Direktkurs. Die nächste Premiere nahte rasant. Sehr rasant. Schockierend rasant.
Es war in einer meiner Nachtwachen, dass ich in der Ferne die Lichter eines Schiffes sah. Kommt natürlich vor. Außerdem war ich beruhigt, hatten wir doch in Panamacity etwas erstanden, das ich mir schon lange wünschte und wir auch gut gebrauchen konnten - wie sich herausstellen sollte. Ein Radar!
Ich schaltete den Kasten ein und siehe da! Ein netter Kollisionskurs sprang mir in die Augen. Tanker gegen Risho. Schluck. Captain wurde geweckt und wir beobachteten die Situation. Der Tanker kam sehr langsam näher und seltsamerweise schien er parallel zu fahren. Ich blickte wieder auf's Radar. Ohoh! Der Abstand zwischen uns verkleinerte sich plötzlich in einem Affenzack. Peter stoppte unser Schiff, beleuchtete die Segel. Dem Tanker schien das wurscht zu sein. Ich komme! Auf Kanal 16 meldete sich niemand "Cargo Boat - here sailing vessel - do you see us?" Stille. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Katastrophenfilm. Peter startete den Motor, leitete eine Wende ein. Der Tanker zielte direkt auf uns. 1 sm, 0,9 sm, 0,5 sm, 0,4 sm, 0,3 sm.
Scheiße was macht der? Ich konnte die Lichter der Brücke erkennen, die Farbe des Schiffes. Ein Albtraum. Peter riß die weiße Warnrakete aus der Verankerung und schoss sie ab. Feuerwerk, alles taghell. Zu Silvester schön, hier grausig. Sekunden vergehen wie Stunden. Der Tanker dreht endlich ab. Ich zittere am ganzen Körper, Peter pfaucht mit brüchiger Stimme ins Funkgerät: "Cargo ship are you crazy, didn't you see us?" Endlich meldet sich eine Stimme "Oh yes, we see you. Go ahead!" Wir sehen das Heck des Tankers von uns wegziehen. Schockiert sitzen wir im Cockpit. Das war knapp. An Nachtruhe ist nicht mehr zu denken. Ein heftiges Gewitter bricht über uns auch noch herein. So schön kann Segeln sein!
2 Tage später ist Finn endlich getauft! Freut euch ihr Tanten und Onkel - der kleine Heide ist äquatorialgetauft - einen Kübel Wasser über das Haupt direkt am 0 000° Meridian mit dem geweihten Wasser der Südhalbkugel. Wir treten auch rasch wieder ein in den Verein mit einigen sehr frischen Kübeln Pazifikwasser! Juchuu!
In der Nacht dümpeln wir vor der stockdunklen Isla Cristobal. In der Nacht in den Hafen einzufahren scheint etwas sehr abenteuerlich. Im schwarzen , öligen Flautenwasser plötzlich riesige helle Flecken. Ausweichen geht sich nicht aus. Nix passiert, wir gleiten darüber. Was war das? Irgendwer erzählt uns, es könnnte die Luftblase eines Wals gewesen sein. Na servas. Endlich wird es hell.
Die Küste unserer ersten Galapagos Insel schimmert im Morgenlicht. Hellgrüne Berge erheben sich dahinter. Es riecht nach Grün, nach Tieren, nach wilder Natur.
Vor uns schleudert sich ein Mantarochen eineinhalb Meter in die Luft und versinkt mit einem Riesenklatschen wieder im Wasser. Wir tuckern in die Ankerbucht. Einige Segelboote, viele Fischer und Ausflugsboote, 2 Marineschiffe. Dahinter die Häuser der kleinen Stadt. Und Geräusche vom Flughafen.
Müde sitzen wir in der Stille des Morgens und verdrücken Eierspeis. Plötzlich ein Schnaufen unter dem Schiff - Robben! Als Finn über die Reling späht, grinst ihn ein lustiges Hundegesicht an. Liebe auf den ersten Blick!
Robben hier sind wie die Katzen in Griechenland - überall, im Lokal, auf der Strandpromenade, im Dinghi, auf der Badeleiter, im Cockpit (wenn man nicht aufpasst)! Sind ja süß , aber sie stinken zum Himmel. Im gepflegten Schönbrunner Zoo fällt sowas ja nicht auf, aber hier will man alles, bloß keine Robbe am Schiff. Die kleine Stadt strotzt vor Bars und Lokalen und Souvenirläden. Unsere Inseltour haben wir hinter uns - mit dem Pickup-Truck auf 700 Meter zu einem mit Süßwasser gefüllten Vulkankrater. Kühe weiden. Es riecht nach Alm und die Temperatur ist herrlich. Wir hüpfen wie die Verrückten herum, freuen uns über die Nebelwolke, die immer wieder den Kratersee einschmeichelt. Wie zu Hause! Unsere Guides schütteln verwundert die Köpfe.
Dann geht's zu den Tortugas Gigantes mit ihren jugendlichen 80 Jahren. Verrunzelte Greisengesicher mit Augen voller Weisheit. Und schließlich die berühmten Leguane -Dinos mit Händen und Fingernägeln, die zu einer Operndiva passen würden. Vom Berg hinunter geht's durch die fruchtbare Zone, mit vielen Farmen voller Bananen, Guaven, Zitronen, ja sogar Kamille wächst hier.
Wieder am Meer ist es ganz trocken und die Robben machen sich geruchsmäßig wieder wichtig.
Wir relaxen, hier ist es ruhig und lässig. Surfer spazieren durch die Gegend - hier ist eine der berühmtesten Surfwellen der Welt - der Strand gespickt mit Felsen. Ich bevorzuge noch die sanften Beach Breaks - wie die Robben.
Ups, was ist das für ein Schnaufen? Mist ich hab vergessen die Badeleiter raufzuziehen! Haut ab ihr Biester, weg mit euch, mein Gott ihr stinkts…!

Fotos

 

Hinweis des Webmasters (21.3.2007, 20:00):

Soeben ist es passiert: die Rishomaru-Website ist nun auf einen anderen Server übersiedelt. Sie ist aber, wie bisher, unter der Webadresse "www.rishomaru.com" erreichbar. Solltet Ihr in Eurem Browser Bookmarks auf einzelne Seiten gesetzt haben, wo in der Adresse "www.8ung.at/rishomaru" vorkommt, dann müssen diese Bookmarks nun neu erstellt werden.

19.03.2007, 200 sm vor Galapagos

Funkmail von der Risho Maru:
"Sind seit vier Tagen unterwegs nach Galapagos, trotz berüchtigtem Flautengebietes segeln wir! Die leichte und schnelle Risho liebt die weiten, sanften Wellentäler des Pazifik - a bisserl wie Schifahren im flachen Hügelgebiet für Anfänger! Oder die Entdeckung der Langsamkeit! Herrlich. Haben riesigen Thunfisch gefangen und gefuttert, Delphine waren da und bei der Nachtwache: Herbert Grönemeyer, Johnny Guitar Watson und Sternschnuppen! Werden voraussichtlich in 3 Tagen in St. Cristobal - Galapagos ankommen - wo sind die Schildkröten?"

 

21.02.2007, Panamakanal 3 Geschichten zum Panamakanal

Oh wie schön ist Panama!
Finnische Betrachtungen

In Colon war es wieder soweit. Meine Oldies wurden etwas anstrengend. Der Papa hat Autoreifen an die Reling gehängt, und die Mama hat in einer Segelzeitung die Geschichte "Der Panamakanal - seine Tücken und Schleusen" sicher 100 mal gelesen! Beide waren ziemlich unansprechbar und ich war echt froh als endlich unser Kanaltag da war.
Kein schlechter Tag für mich - Kühlbox voll mit Sprite und Coca Cola. "Für die Linehander" hat die Mama mir eingeschärft.
Denen ging's echt gut bei uns. Als Jesus, Sam und Mike um 15 Uhr auf's Schiff kamen. Gab's gleich einmal Schokokuchen. Einfach so. Das sollte mir mal passieren! Dann haben alle auf den Lotsen gewartet, der kam ziemlich zu spät, die Linehander hatten alle Thunfischsandwiches aufgegessen und die Mama ihre Fingernägel.
Der Papa hat nix mehr geredet - für mich ein untrügliches Zeichen, dass er ein bisserl nervös ist. Es ging los und ich dachte mir - als vor, hinter und neben uns riesige Tanker zum Panamakanaleingang fuhren, warum die Aufregung? Wenn die das schaffen, warum nicht die Risho? Als wir dann die Riesengarage mit Beleuchtung wie im Baseballstadium in Baltimore gesehen haben, hat der Lotse endlich mal zu telefonieren aufgehört. Wir wurden mit einem anderen Katamaran und einer Monojacht zusammengehängt, Seite an Seite und als Fünfmaran ging's in die Garage.
In der Riesengarage, hat die Mama dann gesagt: "Das ist wie eine irre Oper hier". Sie hat ja auch gefunden, dass der Lotse wie ein Opernsänger im Freizeitlook aussieht. Rosa Hemd und schicke Jeans. Diese Mama!
Also überall viel Licht, und dann haben sich riesige Tore hinter der Risho geschlossen. Oben auf der hohen Mauer der Garage sind Männer gestanden und haben Leinen zur Risho runtergeschmissen, der Jesus, der Mike und der Sam haben sie mit unseren Leinen verbunden und gespannt.
Kurz war es still. Und plötzlich haben die Schiffe angefangen hin- und herzuziehen. Und dann hat mich die Mama ganz fest zu sich gedrückt und hat gesagt "Schau die Strudel im Wasser, jetzt lassen sie das Wasser in die Schleuse, das sind Turbulenzen, brauchst keine Angst haben".
Der Papa hat nix mehr gesagt. Nur der Jesus hat Kommandos gegeben. Und die Mauern neben uns sind immer niedriger geworden, ganz oben angekommen hab ich dann das Allertollste gesehen. Der Tanker vor uns hat keine Männer gehabt, die die Leinen gehalten haben, sondern Lokomotiven! Silber glänzende Lokomotiven. Da war die Angst ganz weg.
Wenn ich groß bin, werde ich Panamalokomotivführer!
Plötzlich ist die vordere Schleuse aufgegangen und wir sind gemeinsam mit allen Schiffen in die nächste Riesengarage. Unser Lotse hat telefoniert und mir erzählt, dass seine Tochter Geburtstag hat. Die Mama hat dann gesagt, ich soll jetzt winken. Wie bitte? Wegen der Webcamera und dann sehen uns alle in Österreich.
Also das glaub ich ja wirklich nicht, vielleicht war die Mama von allem ein bisserl verwirrt. Ich hab gehofft das legt sich wieder, weil sie hat ja heute noch Spaghetti kochen müssen für alle.
3. Schleuse. Ich bin langsam ein bisserl müde geworden, vom Winken. Auch der Papa hat wieder geredet, mit dem Jesus. Und dann ist die Schleuse aufgegangen und wir waren im Gatun See.
Da gibt's Brüllaffen! Die haben wir in der Früh gehört. Wie echte Dinosaurier im Disneyland. Die sind aber ganz klein. Der Jesus hat erzählt, die Männeraffen leben auf einer Insel und die Frauenaffen auf einer anderen. Wenn die Männer die Frauen besuchen wollen, müssen sie zu ihnen schwimmen. Wenn sie Pech haben werden sie dann von einem Süßwasser Krokodil gefressen!
Bitte was kann so toll bei den Frauen sein, das man sich von einem Krokodil fressen lassen würde? Die Mama und der Papa haben gekichert, als ich sie gefragt habe. Hilfe!!! Die sind manchmal so kindisch!
Am nachsten Tag sind wir dann einige Stunden durch den Gatunsee gefahren. Es war heiß und die Linehander haben Schinken-Käse-Sandwich bekommen mit ganz viel Mayonnaise. Und Vanillekekse. Also von mir aus können wir öfter durch den Panamakanal fahren. Kurz vor der nächsten Schleuse hab ich mir das 2. Sprite genehmigt. Natürlich hab ich die Mama gefragt, aber die war wieder total aufgeregt und hat nur jaja gesagt. Und der Papa hat auch nix geredet. Eltern!
Also jetzt haben wir das ganze mal bei Tag gesehen. Kurz hab ich echt Angst gekriegt, weil irgendwer gesagt hat, jetzt fahren wir mit der Risho den Berg hinunter. Aber das geht doch nicht, da kippt sie doch um? Mama! Sie hat mir das erklärt: Also das ist so, wie wenn man eine Badeente in der vollen Badewanne hat und das Wasser auslässt. Die Ente schwimmt immer gerade. Die Schiffe haben auch nicht mehr so gewackelt und der Lotse hat wieder telefoniert. Bisserl fad die ganze G'schicht nach 3 Schleusen.
Wirklich toll waren nach wie vor die Lokomotiven. Jetzt hat man auch die Schienen gesehen. Winken! Typisch Mama. Bitte sagt's, ihr habt uns gesehen, sonst ist sie ganz enttäuscht! Endlich ist das letzte Schleusentor aufgegangen und wir sind rausgetuckert. Dann war da eine große Brücke - the Bridge of Amerika - und da war der Pazifik. Der Papa war ganz still. "Ergriffen" hat die Mama gesagt, weil er hat der Risho schon lange mal versprochen, dass er sie in den Pazifik bringt.
Und jetzt das allerbeste: Der Pazifik schaut gleich aus wie der Atlantik! Das erinnert mich an mein erstes Buch, das ich gerade lese. "Oh wie schön ist Panama" - da wollen der Tiger und der Bär nach Panama, und als sie dort sind, schaut's aus wie zu Hause. Also hätten wir ja gleich im Atlantik bleiben können?
Aber dann hätten wir die Brüllaffen nicht gehört, den Jesus nicht kennengelernt und keinen telefonierenden Opernsänger, und natürlich die Lokomotiven - die waren es absolut wert!

Euer Finn

PS: Danke an Anna von den Idemos für das tolle Janosch Buch!

Der Panamakanal oder Eine Oper in mehreren Akten
Libretto von Frau Kammerschauspielerin

Ouvertüre. Der Vorhang, beziehungsweise die Schleusen haben sich noch nicht geöffnet. Nein, man ist noch nicht mal in der Nähe des Eingangs zum Kanal. Und doch. Spannung. Im kleinen Yachtclub in Colon fiebert, vibriert, wimmelt alles wie in einem Ameisenhaufen, auf den man mit der flachen Hand geklopft hat.
Der Impresario, Agent Tito, bringt einen zum Vorsprechen ins Büro der Kanalbehörde. Höchst unterkühlt die Stimmung dort, und die Aircondition.
Natürlich schafft unser Außenbordmotor acht Knoten. Wie alle anderen Motoren aller Yachten, die diese Saison in den Pazifik wollen.
Acht Knoten. Acht Knoten? Acht Knoten!
Nächste Szene: Hafenkapitänsbüro, Immigration. Wir treten möglichst unauffällig hinter Tito ein. Die 3 Haupdarsteller, Beamte, lehnen mit ihren Sesseln an den fleckigen Wänden des kafkaesken Büros. Man spricht spanisch. Wir lauschen.
Nächste Station: die Requisite, Titos Reifen und Leinenlager.
Am Abend trägt Risho Maru schwarz und wir sind im eingeweihten Club der zukünftigen Panamakanaldurchquerer.
Wenige Tage später. Die Oper beginnt. Drei Linehander mit klingenden Namen wie Jesus, Samuel und Michael betreten die Szene - unser Schiff. Wenig später der Lotse. Acht Knoten. Selbstverständlich, vielleicht noch ein Schokokuchen oder doch lieber ein leckeres Thunfischsandwich? Der Lotse ist gut - vor allem gut angezogen. Rosa Hemd, Halstuch und schicke Jeans. Opernsänger im Freizeitlook, passend zur Aufführung.
Riesige Tanker zeigen uns den Weg zur Kanaleinfahrt. Lichtdesign perfekt. Die Sonne versinkt, und vor uns im gelben Flutlicht erhebt sich… die erste Schleuse. Noch 2 Segelboote sind da und wir hängen uns längsseits aneinander. Jesus ist gut. Er hat alles fest im Griff, auch seine Jünger. Peter steht am Steuer und lauscht den Kommandos des Lotsen. Langsam setzt sich unser Segelschiff-Terzett in Bewegung und gleitet hinter dem Tanker in die Schleuse.
Wie in einer Riesengarage fühlen wir uns. Weit oben Männer, die Leinen auf unser Schiff werfen. Die Linehander spielen ihre Szene gut und entschlossen. Wir sind im Netz. Die Schleuse schließt sich. Kurz kehrt unheimliche Ruhe ein. Dann plötzlich durchfährt ein unruhiges Ziehen die Schiffe, im Wasser Strudel die uns hin und her rücken. Jesus ruft Kommandos, das Wasser kommt.! Wir steigen. Wir erheben uns. Den Berg hinauf über den Kontinent. Mein Herz klopft bis zum Hals.
Ruhe. Das Schleusentor öffnet sich und wir gleiten im gleißenden Scheinwerferlicht in die nächste Schleuse. Finn entdeckt die Lokomotiven, die die Leinen des Tankers spannen. Kleine, silberne Gefährte, mit blitzenden Lichtern. Die Geräusche, die uns umgeben, sind völlig ungewohnt, unwiederbringlich, eine Szenerie wie aus der Oper eines verrückten Regisseurs. Klaus Kinsky, als er sein Schiff uber den Berg hiefen ließ. Genau das ist es, was mir nicht aus dem Kopf will. Ich bin absolut überwältigt. Peter ist sprachlos. Das hier ist einfach großartig. Unvergesslich.
Die letze der 3 Schleusen öffnet sich und wir sind im stillen, großen, Gatun See. Süße, samtige Glätte. Urwaldduft und Urwaldgeräusche. Brüllaffen.
Ich koche Spaghetti für das gesamte Ensemble. Bin froh was zu tun, weil Ruhe find ich heute keine. Nach einer kurzen Nacht mit schnarchendem Jesus und Jüngern an Deck, schlürfe ich heißen Kaffee mit Blick auf Baumstümpfe, die aus dem Gatun Lake ragen. Dieser See ist ein riesiger Süßwasserstausee inmitten des undurchdringlichen Dschungels.
Wir tuckern durch Wasserstraßen. Nahe der letzen 3 Schleusen passieren wir massive Felswände. Der durchschnittene Kontinent. Mehr als 20 000 Tote waren der Preis.
Die letzten 3 Schleusen oder der letzte Akt: Miraflores Lock.
Das Ensemble ist inzwischen gut zusammengespielt. Alles läuft nach Plan. Die letzte Schleuse gibt uns frei und wir nähern uns der Bridge of Amerika.
Da liegt er, El Pacifico, still und ruhig.
Jesus hat seine Arbeit getan und er und seine Jünger treten ab. Der Vorhang fällt. Das Publikum ist begeistert. Das Orchester ist verstummt. Es kehrt Ruhe ein, doch die Bilder dieser Oper sind in uns. Für immer.

Die Wendung
this is your captain speaking

Die letzten Monate seit unserem Aufenthalt in Curaçao haben uns gewandelt von einstigen Atlantiküberqueren und Karibikseglern zu denen, die weiter nach Westen und in den Pazifik wollen. Ja, wir haben uns entschieden, wir wollen weiter und das Abenteuer Pazifik angehen. Zu tief sitzen in uns die vielen Bilder und Bücher, die wir über die Südsee gesehen haben. Ab Curacau gibt es eine Trennung zwischen den Seglern, die in der Karibik bleiben und denen, die noch weiter in den Westen wollen.
Capo die Vela und die Küste Kolumbiens ist meist nur mehr One Way möglich. Denn gegen den Passat wieder in den Karibischen Inselbogen zurück zu segeln, bleibt nur wirklich harten Seglern überlassen. Wir waren jedenfalls froh, diese Strecke bis Cartagena gut hinter uns zu bringen. Und in Cartagena merken wir schon die ersten Spuren der Wandlung. Da werden die ersten Pazifikkarten getauscht und Bücher über Marquesas, Tuamotus, Societies und New Zealand studiert und begutachtet. Und Seemeile um Seemeile nähert man sich immer mehr dem Panamakanal - dem Tor zum Pazifik. Die San Blas Inseln sind der perfekte Stopp für alle diejenigen, die gedanklich schon die Karibik verlassen haben und sich mit der Vorbereitung der längsten Ozeanüberquerung auf einer Reise um die Welt, entlang des Passatgürtels zu beschäftigen. Diese Inselgruppe ist sicherlich ein Höhepunkt auf unserer Reise und krönender Abschluß der Karibik, denn noch befinden wir uns auf der anderen Seite. Und wieder gibt es Segler, die zurückbleiben und doch noch nicht in den Pazifik wollen. Es gibt noch immer die Möglichkeit, über Honduras und Belize, Kurs Kuba und Bahamas zurück zu gehen. Es gibt auch manche, die schon mehrere Jahre hier in den San Blas Inseln segeln. Ja, ja, jetzt kommen auch wieder die Geschichten über die Südsee, soll ja so teuer sein, und die Inseln schauen ja sowieso alle gleich aus, und dann noch die Ungewissheit mit dem El Nino Jahr - wer weiß, wie schlimm das Segeln im Pazifik dieses Jahr denn werden wird? Ich erinnere mich in diesen Momenten an die Zeit in Gibraltar zurück, als wir auf den Wind warteten, der uns in den Atlantik tragen sollte. Da gab es die gleiche Unruhe und gleiche Geschichten. Und alles nur, weil die Ungewissheit an der Seele nagt. Wir haben uns an diese Unruhe gewöhnt, lassen uns einfach dadurch nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Denn wir sind gereift, haben auch gelernt, dass es ein Teil unseres Abenteuers ist, diese Unruhe zu spüren. Und da gibt es diesen Wind, der uns magisch weiterzieht.
Heute haben wir den 17. Februar und wir ankern bereits auf der Pazifikseite des Panamakanals. Und einer der größten Augenblicke dieser Reise liegt hinter uns. Als die letzte Schleuse sich öffnete und der weite Pazifik vor uns lag, waren wir vollkommen überwältigt von den Gefühlen, die wir in diesem Augenblick erlebten.
Still liegt er nun vor uns, und wir sind neugierig, was uns wohl hinter diesem Horizont erwartet. Die vielen Geschichten, die wir gelesen und gehört haben, liegen jetzt vor uns. Wir gehen es an, so, wie wir den Atlantik besegelt haben. Wir werden viele neue Eindrücke erleben und sehr, sehr viel mehr reifen.

So Long Capitano Pete!

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05.02.2007, East Lemon Cays,San Blas Eine kurze Geschichte über die Kokosnuss

Kuna Clomillo stand in seinem Einbaum und lehnte leger an unserer Reeling. Er lud uns zum Sundowner am Wochenende auf seiner Mini Insel ein. Und so nebenbei könnte er für uns frisches Gemüse und Obst aus Panama besorgen. Wir schlugen ein.
Auf der kleinen Insel gab es dann Samstag Shopping - Gurken, Tomaten, Ananas, Papaya, Kraut, Kartoffel - nach 4 Wochen ohne Supermarkt auch eine Art von Paradies. Unter den Kokospalmen wandelnd, schleppten wir unsere vollen Körbe zum Dinghi. Ich fühlte mich beobachtet. Finn ging neben mir und schlürfte begeistert Kokoswasser aus einer Kokosnuss - mit Strohalm! Und Peter plauderte mit Christoph über Macheten und wie man damit Kokosnüsse öffnet. Kokos! Das Lebenselixier schlechthin hier auf diesen einsamen Archipelen!
Clomillo erklärte uns, dass die Indianer nur monateweise auf den Inseln leben. Es gibt einen Besitzer, der unter der Bedingung, dass die Kokospalmen gepflegt und geerntet werden, die Insel vermietet. Die einfachen Hütten sind mit Palmenblättern gedeckt, es gibt meist nur offenes Feuer, auf dem gekocht wird - in der Hütte natürlich.
Zum Sundowner hatte Clomillo extra die einzige Kühltruhe weit und breit eingeschaltet - für das Panama Bier! Und in einem Gasofen wurde frisches Kokosbrot gebacken. Keiner von uns wollte mehr auf sein Schiff zum Abendessen.
Das hatte der weise Indianer Clomillo gut eingefädelt - "zufällig" hatte er einen großen Topf Fischsuppe (Alles, was das Riff hergibt, in Kokosmilch gedünstet, ahhhh..) und Kokosreis vorbereitet.
Einige Dollars verschwanden in seiner Unterhose, die Segler waren glücklich, die Kinder tobten bis sie umfielen vor Müdigkeit.
Diesmal lächelten auch die Kunafrauen zufrieden - "zufällig" waren auch recht viele Molas auf den Wäscheleinen gehangen. Ich habe nun insgesamt 6 - zum Herschenken oder vielleicht doch für mich...
Da saßen wir also unter den blinkenden Sternen, die Palmen wogten sanft im Passat, und ich fühlte mich wieder beobachtet. Ich blickte nach oben zu den Kokosnüssen, die sich dunkel gegen den Sternenhimmel abzeichneten
Clomillo folgte meinem Blick und meinte "Keine Sorge, die fallen keinem auf den Kopf - zumindest keinem Kuna!" - "Wieso?" fragte ich. - "Sie haben Augen!"

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03.01.2007, San Blas

Berliner auf San Blas oder Ölzeug für den Weihnachtsmann!

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen, es stieg aus einem Miniflugzeug, die Hände voller schwerer Taschen und es roch so nach Äpfel und Nüssen.
Peters Schwester Andrea hatte sich auf den weiten Weg gemacht, um uns mit ihrem Besuch auf den San Blas Inseln zu beglücken.
Da stand sie also, mit Strickjacke, dicken Jeans, Stiefletten an den Füßen. Dazu muss man sagen, Porvenir, die Flughafeninsel der San Blas Inseln, besteht aus 200 m Landebahn, 10 Palmen, Sandstrand, einem Mini-Museum, 2 windschiefen, bröckelnden Mini-Hotels, 20 Hängematten und einem Lokal mit einem zahnlosen, tätowierten, glücklichen Kellner (in einer Hängematte).
Welcome to Kuna Yala!
Andrea wirkte etwas echauffiert. Aber vielleicht wirken Menschen, die aus dem winterlichen Europa kommen, auf sonnengebräunte Segler, die seit fast 2 Jahren am Schiff leben, immer echauffiert. Oder es lag an der Zwischenlandung der Panama Air auf einer palmenlosen menschenleeren Insel, wo Andrea sich schon allein, auf ihrem Koffer sitzend, im Sand Weihnachten feiern sah, bestaunt von ein paar krebsfangenden Kunas in ihrem Einbaum. Kurz gesagt, Tränen flossen, aber versiegten, sobald Andrea im Bikini auf der Risho Maru saß und indianisches Maisbrot mit Streichkäse aus Cartagena futterte.
Mächtig stolz auf unseren Besuch von zu Hause segelten wir zu den Lemon Cays, eine dieser 350 Eilande, mit Sandstrand und Palmen, wie eine Fototapete aus den 70ern, die einst in den Wohnzimmern aus den 70er Jahren die Wände schmückten. In unserer "Weihnachtsbucht" hatten sich schon einige befreundete Schiffe eingefunden.
Andrea packte ihre großen Taschen aus - was für ein Weihnachtsabend! Es gab zwar frischen Fisch mit Kokosreis und Kochbananen, aber die Weihnachten waren steirisch, mit echtenTannenzweigen (!), es gab Vanillekipferl, Linzeraugen, Lebkuchen, Mannerschnitten und Geschenke von zu Hause!
Die Schweizer kamen nur vorbei um bei uns zu riechen, auch Marita, eine deutsche Seglerin, schloss die Augen und zerstach ihre Nase mit den Tannennadeln.
Danke Andrea fürs Schleppen, danke Mama fürs Mitschicken - Ihr habt viele an diesem Abend sehr, sehr glücklich gemacht!
Währenddessen zockelte ein Dinghi durch die Bucht und niemand anderer als der Weihnachtsmann saß drinnen. Finn war kritisch, kam bei uns doch das Christkind, aber verwirrend war das alles schon. Und warum der Weihnachtsmann rotes Ölzeug trug, ging ihm auch nicht aus dem Sinn.
Um nicht wehmütig zu werden, trafen wir uns am Strand und feierten mit Gitarre, Geige und Stimme. Weihnachtlieder, eigene und irische Songs, die Kunas saßen im Dunkeln und applaudierten. Dann bliesen sie ihre Panflöten und hüpften einen Indianertanz. Wir hüpften mit und baten um ein echt indianisches Weihnachtlied. Könnte ich euch nur beschreiben wie "Stille Nacht Heilige Nacht" auf Kuna klingt! Auf jeden Fall unvergesslich!
Am nächsten Morgen standen alle bei Tagensanbruch auf. Nicht um indianischen Naturgottheiten zu huldigen, sondern um vor den unsäglichen Nonos zu flüchten. Millimeterklein und bissig, unsere heimatlichen Gelsen sind echte Charmeure dagegen. Zerstochen und verzweifelt kratzend wurde der Anker gelichtet, und weg waren wir. Wohl einer der größten Vorteile wenn man ein Segelboot hat.
Andrea blieb cool, bis sie die Coco Banderas Inseln näherkommen sah. Postkartenidylle, Kalender-Kitsch-Fotos, alles nichts dagegen. Auch mir stockte der Atem beim Anblick von weißem Sand , türkisem Wasser, Palmen, die… ach schaut euch doch einfach die Fotos an, ich klinge ja wie ein Promotion Manager fürs Aussteigen!
Am Abend dachte ich über Finn und seine zukünftigen Vorstellungen von Urlaub am Meer nach. Konnte man das hier toppen? Andererseits scheint das alles für ihn recht normal zu sein, vielleicht hat er seinen Hype irgendwann mal beim Anblick von Sonnenschirmen am Strand von Lignano oder einem Freibad in Wien. Who knows?
Andrea, ihres Zeichens Volkschullehrerin, lobte die Fortschritte in der Bordschule und Finn hing an ihren Lippen, wenn sie von den schlimmen Buben in ihrer Klasse erzählte. Ich lernte die neue Schreibschrift (nur wer Kinder hat, wird das je interessieren) und kochte in der Bordküche auf, um mit dem Vorurteil "Segler essen nur Dosenfutter" ein für allemal aufzuräumen. Augustino, ein Kuna, lieferte für ein paar Dollar Fisch frei Haus, pardon frei Schiff, und seine Frau packte die schönsten Molas, eine Art Patchwork-Handarbeit, aus einem Plastikkübel.
Ich aß meine erste Riesenkrabbe, und das mehrere Stunden, denn das Fleisch aus dem Tier rauszukriegen ist eine Kunst, die wohl nur die französischen Segler richtig beherrschen. Man nehme einen Nussknacker und zerknacke das Gebein - Peter suchte eine passende Zange einfach in seiner Werkzeugkiste. Gut, dass die Krabbe schon in die ewigen Jagdgründe eingegangen war...
So perlten die Tage dahin, Andrea passte sich farblich immer mehr an die Segler an, bis sie von diesen nicht mehr zu unterscheiden war. Das Wintergesicht glättete sich und formte ein entspanntes Dauerlächeln!
Silvester rückte an und die Seglergemeinde wurde wieder rührig. Das Problem war vor allem der Zeitpunkt des Jahreswechsel. 24 Uhr? Wer von uns war das letzte Mal so lange aufgeblieben. Um sechs wird es hier dunkel und das Gerücht hält sich hartnäckig, dass die meisten von uns um 9 Uhr schlafen. Herbert von der "Yara" schlug vor, mitteleuropäische Silvester zu feiern, gemütlich um 6 Uhr abends karibischer Zeit anzustoßen und dann schlafen zu gehen.
Wir beschlossen dann doch durchzuhalten, aßen an Bord Krautfleckerl und Linsensalat, und als es dunkel wurde, fanden sich alle um ein großes Feuer am Strand ein. Die Kinder tobten bis Mitternacht, die Erwachsenen plauderten und nickten zeitweise ein. War echt entspannt.
Punkt 0 Uhr tanzten Peter und ich einen Walzer im Mondschein am Palmenstrand (klingt wieder nach Reisebüro...), und Andrea biss genüsslich in einen Berliner. Nicht was ihr denkt, Leute! Beate von der "Bess" hatte für uns die traditionellen "Berliner" gebacken - in ihrer Heimatstadt isst man nämlich Krapfen zu Silvester statt zum Fasching - aber nett sind sie trotzdem unsere deutschen Freunde!
Schönes Neues Jahr an euch alle, und nehmt euch nur einen guten Vorsatz: Einmal im Monat ins Gästebuch der Risho Maru zu schreiben!

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08.12.2006, Cartagena Der König von Cartagena oder wie isst man eine "Guanabana"?

Ich stehe in der Kassaschlange im Supermarkt "Caruffa" in Cartagena, im Stadtteil Manga. Ca 100 Meter vom Club Nautico entfernt der Seglertreffpunkt - zweng perfekter Versorgung und Aircondition (nahe dem Gefrierpunkt). In meinem Einkaufswagen Früchte, die ich noch niemals gesehen habe, Pitaya, Guanabana, Granadilla, Zepote. Ich staune, man lächelt mich freundlich an.
Vor mir Jennifer Lopez' Nichte, hinter mir Shakiras Schwester. Ja, die Columbianerinnen sind wirklich hübsch. Finn ist das (noch) wurscht, er freut sich auf sein hitzebeständiges Überraschungsei - tropensicher. 2 Plastik-Ei-Hälften, eine mit Spielzeug, die andere mit Schokocreme plus Löffel.
Peter unterhält sich angeregt mit dem König von Cartagena. Ach, hatte ich den noch nicht erwähnt? Nun, seit dieser Bekanntschaft sind wir in die erlauchten Kreise der Cartagena Society aufgestiegen!
Alonso (der wievielte eigentlich?), seines Zeichens Columbianer, aber seit 20 Jahren Steirer mit Wohnsitz Graz, erfuhr durch Zufall von unserem Aufenthalt in Cartagena. Durch meine steirischen Wurzeln waren wir uns einige Male über den Weg gelaufen, zumeist im Theater meiner Mutter, und kannten uns flüchtig (so unter Kollegen), das sollte sich aber ändern!
Alonso plante also nichtsahnend seinen jährlichen Heimaturlaub in den Columbianischen Bergen bei Medelin, als ihm zugetragen wurde, dass wir in den Niederungen am Meer per Boot genau zur selben Zeit ankommen würden. Hätten wir das was nun kam geplant, hätte es wohl nie funktioniert.
Da stand Alonso nun in der Marina vor uns, hinter ihm das Auto mit Chauffeur Gustavo, was Finn zur Frage inspirierte "Ist der Alonso ein König?" Natürlich ist er, auch wenn das Auto seine Schwester für uns organisiert hatte - ohne uns zu kennen, damit wir wirklich alles sehen konnten! Danke!
Schon der erste Tag verlief königlich. Alonso führte uns durch Cartagena, an die schönsten Plätze, und wir tauchten ein in die Welt eines Garcia Marquez. Man stelle sich vor, eine Altstadt im Spanischen Stil mit kolonialem Flair. Bunte Häuser, Holzbalkone mit farbenprächtigen Blumen, die üppig über die Mauern fließen. Farben von indigoblau bis rostbraun, goldgelb, lindgrün, alles passt zueinander, Blumen, Hauseingänge, Torbögen, eine alte Frau mit Holzkarren, auf dem kleine Babymangos drappiert sind - orange, grün, gelb. Wir kommen zu den Portales des los dulces, unter Arkaden auf klapprigen Kommoden, große Gläser mit Süßigkeiten. Bissweiche Nougatblumen, Kokos-Taler mit Schokoladestückchen, zuckrige Tamarindenbällchen, kandierte Orangenhäufchen mit Nussraspeln. Wieder fügt sich alles farblich ineinander, und als in mir der Gusto nach etwas Saurem aufkommt, führt uns Alonso mit königlicher Zielstrebigkeit an einen kleinen Stand in der Nähe des alten Convents Pedro de Claver. Dort erwartet mich eine Geschmacksentdeckung der anderen Art.
Grüne (!) Mangos, in Stifte geschnitten mit Salz und Limette. Das muss man gegessen haben um es zu lieben, selbst Finn kann die Finger nicht davon lassen. Und es geht/isst weiter... in einem kleinen Lokal an der Straße genießen wir gebackenen Fisch mit Kokosreis und Patagonias (frittierte Kochbananen). Zuvor eine Suppe mit Yukkas - einer Art Knolle, die nach Süßkartoffel und Karotte schmeckt. Plötzlich baumelt ein Korb vor unseren Gesichtern. Er landet fast direkt am Stand eines fahrenden Orangenverkäufers - der nimmt sich ein paar tausend Pesos heraus und legt dafür seine duftenden Schätze hinein. Der Korb verschwindet wieder gen Himmel.
Alonso hat einen Termin für uns vereinbart. Bei Manuel. Manuel gehört eines dieser bildschönen 500 Jahr alten Altstadthäuser und Alonso findet, wir müssen diese Haus von innen sehen. Manuel erwartet uns, und so trinken wir zum Sonnenuntergang Ron viejo auf der begrünten Patio auf gepolsterten Steinbänken mit Blick über den Placa San Diego. Rechts von uns die blitzblau ockergelbe Schule de Belles Artes, links von uns erhaschen wir einen Blick in das edle Santa Clara Hotel mit seinen rotbraunen Wänden und mattgoldenen Spiegeln und Lustern.
Manuels Haus könnte einem Elle Decorations Magazin entsprungen sein. 3 stöckig, blaue Wände, duftende uralte Balken, ein begrünter, lauschiger Innenhof verbindet alle drei Etagen. In der Mitte das offene luftige Wohnzimmer, im Kolonialstil mit Korbsesseln und quer durch den Raum eine weiße, geknüpfte Hängematte. Knarzende Holzböden. Stille. Fast. Von draußen hört man nur das Klingeln der Eisverkäufer und das Geklapper der Pferdekutschen.
Vor dem Haus wurde am Tag zuvor eine Filmszene gedreht. "Liebe in Zeiten der Cholera" von Marquez wird von Amerikanern verfilmt und alles, was Hollywood Südamerikanisches hergibt, spielt mit. Manuels Haus in Gelb mit prächtigen Balkonen in einer Nebenrolle!
Gustavo, unser Chauffeur, holt uns ab und bringt uns wieder in die Marina. Auf der Risho kommt es zur Früchteverkostung! Alonso zeigt uns nicht nur wie man diese Schönheiten isst, sonder weiß zu jeder Frucht Geschichten. Die eine erinnert ihn an den Duft in der Küche seiner Großmutter, die andere war immer seine Schuljause. Grinsend beobachtet er uns, als wir betört an den Kernen der Guanabana Frucht lutschen. Dann blickt er auf sein wunderschönes, illuminiertes Cartagena aus einer für ihn neuen Perspektive - und zwar aus der Mitte des Hafens von einem Schiff!
In den nächsten Tagen erleben wir mit unserem König noch die berühmte, heißumkämpfte Festung La Felipe, mit unheimlichen, verzweigten Geheimgängen, die unter die Lagune führen. Sehen die Statue des Feldherrn Blas, der in mehreren Schlachten nacheinander einen Arm, einen Fuß und ein Auge verlor - wird wohl nicht der Einzige gewesen sein! Und im Kloster Popa treffe ich zwar nicht auf Jesuiten, aber auf ein entzückendes Faultier.
Natürlich ist hier nicht alles wunderschön und pittoresk. Außerhalb der Altstadt taucht man ein in das Leben fernab der Touristenattraktionen. Menschen über Menschen drängen hier, es wir angeboten, gebettelt, gefeilscht. Überall laute Musik. Radfahrer mit mobilen Verkaufsläden bieten gefüllte Teigtaschen an. Eisgekühlter Saft in einer Glasbox auf Rädern, zahllose Wasserverkäufer mit lauem Wasser in kleinen Plastiktüten.
Der Abfall in den Straßen stinkt zum Himmel, die Autos fahren auf einer einspurigen Fahrbahn vierspurig. Motorradfahrer bieten ihre Dienste als Taxis an, jeder versucht ein paar Pesos in die Tasche zu kriegen. Man steht am Straßenrand und vermietet sein Handy oder versucht, mit Massageöl bewaffnet, Touristen zu entspannen. Alte Frauen sitzen vor wackeligen Tischen und verkaufen einige Lutscher und vielleicht 2 Orangen als Draufgabe. Losverkäuferinnen rufen das große Glück. Jemand setzt Peter eine Sonnenbrille auf, und ein kleiner, schmutziger Bub hält mir die leere Hand vor das Gesicht.
Ich blicke durch die vielen offenen Türen und Fenster, kahle armselige Räume, leere Sessel vor einem einsam laufenden Fernsehapparat, vor einem Haus beruhigt eine alte Frau ein schreiendes Baby. Ein Computershop, in dem ein Mann einen Bildschirm aus den 80ern repariert. Stickige, winzige Friseursalons, eine Friseurin, die aus einer take-away-Box Kuttelsuppe ist. Wir suchen ein Geschäft für Gasherde, wegen eines Ersatzteils. Jeder hilft bei der Suche. Mit Händen und Füßen und immer einem freundlichen Gruß auf den Lippen. Wir finden das Geschäft, aber zur Zeit gibt es dort nur alte Videorekorder - aber die sind dafür sehr günstig!
Wieder in der Altstadt zieht es uns zum Teatro Heredia. Spanischer Barock! Ein Schmuckkästchen mit geschnitzten Logen in Samt und Seide. Ein deutscher Chor singt Buxtehude. Danach sitzen wir noch benommen, fast erschlagen von den vielen Eindrücken in einer indisch angehauchten italienischen Bar. Die Besitzerin (vielleicht Shakiras Mutter?) spricht perfekt deutsch und gießt uns chilenischen Wein ein. Gustavo, unseren Chauffeur, haben wir schon lange heimgeschickt, also nehmen wir eine Kutsche für die Heimfahrt. Wir rumpeln durch die Gassen, der Lärm der Hufe hallt von den Wänden wider, am Placa Santa Domingo sitzen 2 schwarze Pantomimen und spielen Sklave am Sklavenmarkt. 3 Gitarristen jaulen eine alte spanische Weise.
Soviele Erlebnisse, Schattierungen, Begegnungen, Bilder - manchmal scheint mir, als lebten wir mehrere Leben gleichzeitig!
Wieder im Club Nautico. Penelope Cruz steht hinter der Bar und nickt uns freundlich zu.
Buena Noche, Amigos!
Buena Noche, Chicca!

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16.11.2006, Cartagena

Jedem Kap sein Horn

Wir hatten also die Marina-Arbeiten hinter uns gelassen und uns wieder in die schöne, große Spanish Water Lagune verlegt. Auf Curaçao. Da war's dann nach 2 Wochen wieder wie im Schrebergarten. Die Yacht vor uns ließ sich scheiden, der Schoner neben uns beherbergte einen alten Seebären mit russischer Freundin in den 20igern. Schräg neben uns ein Amerikaner, der im Stringtanga jeden Morgen seine Ankerkette überprüft, und die Holländer 3 Schiffe weiter badeten nackt im dreckigen Lagunenwasser und duschten sich dann nackt am Heck ihres Schiffes bis wirklich jeder ihre Körperausmaße kannte.
Die Sarifundi Marina, ein kleines Lokal, Treffpunkt aller Segler, die frei ankern, organisierte Bingo, Domino und Yoganachmittage und natürlich nicht zu vergessen: Montag und Donnerstag Happy Hour mit Fernsehen für die Kids. Schrebergarten Idyll pur. Es war Zeit weiterzuziehen! Aber halt!
Unser nächstes Ziel war Cartagena in Columbien. "Cartagena? Thats not a babyrace!" raunte der holländische Barmann mit blutunterlaufenen Augen. "Gefahrliches Seegebiet, da kriegen viele eins über die Hucke" Jochen , der Seebär mit russischen Connections lachte hämisch (so hörte es sich zumindest für mich an). 6 Meter Wellen, 40 Knoten Wind, Baumstammfelder, die Schiffe rammen, Gewitterstürme und natürlich zerfetzte Segel. Das alles passiert, wenn man off shore segelt. Bleibt man an der columbianischen Küste und nimmt die Chance wahr, Pausen einzulegen und bei Schlechtwetter abzuwarten, wird man ausgeraubt und vielleicht erschossen. Aha. Schöne Aussichten.
"Das Kap Horn der Karibik" zischte es aus vielen Mündern in allen Sprachen, ängstliche Blicke wurden gewechselt, Strategien überlegt, sollte der Sturm einen treffen. Ein Treibanker, nein besser 4. Ablaufen. Absaufen. Peter holte sich einstweilen die neuesten Wetter Gripfiles und sagte: "Am Donnerstag segeln wir los." Und so geschah es. 4 Segelboote verließen im Konvoi den geschützen Hafen Curaçao und machten sich auf die weite, ungewisse Reise. 350sm. Wir hatten beschlossen, die Stopps an der Küste zu wagen. Ein bekanntes Segelpärchen hatte erst wenige Monate zuvor darüber einen Fahrtenbericht geschrieben. Das klang gut und vertrauenserweckend. Außerdem waren wir zwischen Wet- und Dry-Season, die beste Zeit um den Sprung nach Cartagena zu wagen. Nichtsdestotrotz war mir mulmig zumute. Wie auch nicht? Finn war das egal, er hatte seine Freunde Yannik und Elaisa im Konvoi und das bedeutete Party bei jedem Stopp.
Im Feuerschein einer Ölraffinerie ankerten wir im Süden Arubas, und tagsdarauf scheinbar mitten im Meer an einem Steinhaufen. Eigentlich 2 Steinhaufen, verbunden mit einer Mauer. Hinter der Mauer eine Trosse an der man seine Schiffsleine befestigt und ohne Anker mit 6 anderen Schiffen dran hängt. Viel Fantasie braucht es da nicht um sich diverse Horrorszenarien auszudenken. Mir fielen in dieser Nacht unzählige Möglichkeiten ein, die Frage konzentrierte sich dann gegen 4 Uhr früh auf "Wo könnte die Trosse zuerst reißen, und welches Schiff wird als erstes am Felsen zerschellen, und wie kommt man da noch weg ohne das Tau in den Motor zu kriegen?" Süße Traüme… Los Monjes, so hieß dieser unsägliche Ort, ist übrigens bewohnt, von einem venezuelanischen Militärtrupp, 25 Soldaten, die im ewig pfeifenden Passat ihren Dienst absitzen. Willkommen in der Karibik!
Capo de Vela war die Alternative zum Steinhaufen. Eben dieses berühmt, berüchtigte Cap. Franzosen, die schon 4 Tage auf den Los Monjes auf besseres Wetter warteten winkten uns mitleidig, als wir die Leinen vom Seil lösten. Alles lieber als noch eine Nacht hier! Kaum waren die Inseln außer Sicht normalisierte sich das Wetter. Peter knurrte nur "Hab ja gesagt: typischer Düseneffekt. Alles Hysteriker!" Die Worte sollte ich in den nächsten Tagen noch öfter hören. Wir umrundeten also das Kap Horn der Karibik fast mit Spinnaker - ein Leichwindsegel. Ja fast, weil ganz trauten wir der Ruhe nicht, und nach meiner Spinnakererfahrung am Atlantik hatte ich die Nase voll, tagelang zu nähen.
Und schon nahte die nächste Gefahr! Die columbianische Küste. Five Finger Bay, ein Naturschutzgebiet, fast schaut's aus wie in den Fjorden in Norwegen, hohe, grün bewaldete Hügel, eine tiefe, friedliche Bucht, Pelikane, Fischerhütten. Ob das liebe oder böse Fischer sind? Ronaldo Garcia paddelte in seinem Einbaum zur Risho, zückte ein Päckchen Visitenkarten - alle von Yachties. Wir plauderten angeregt. Er spanisch, ich französisch, latein, italienisch. Tagsdarauf lud Ronaldo uns zur Ortsbesichtigung ein und zeigte stolz sein Haus mit David Beckham und Marilyn Monroe Posters an den Bretterwänden. "Wo schlaft der Mann denn, Mama?" fragte Finn, und Ronaldo hängte für ihn die Hängematte quer durch den Raum. Die Hälfte des langen Strandes ist eingezäunt. Warum? Ein Dottore aus Santa Martha hat sich ein Stück Nationalpark gekauft und feiert hier gerne seine Geburtstage. Er hat einen Generator im extra dafür gebauten Häuschen. Die Fischer: Gaslicht. Wer ist da jetzt der Bandit?
Wir genossen die angenehmen Tage hier, vom höchsten Berg Columbiens, einem 6000, fegen die Fallwinde herunter und zerren an der Ankerkette. Auch türmen sich riesige Gewitter in den Bergen. Natur pur. Draußen auf See null Wind. Als sich das änderte ging es weiter. Eine laute Nacht in einem Ferienort namens Rodadero. Trommelspieler und Gejohle bis in die frühen Morgenstunden. Es ist Carneval in Columbien. Übrigens das Land der schönen Frauen!
Wir bleiben an Bord - nicht nur um den Captain nicht in Versuchung zu bringen, nein, nein, am nächsten Morgen sind wir um 4 Uhr früh auf den Beinen oder besser gesagt Rümpfen. Dreaded Rio Maddalena! Ein Fluss, dreckig und unheimlich, wälzt sich ins Meer, schwemmt Baumstammfelder an und lässt bei starkem Wind die Wellen Rumba tanzen. Wie eine braune Mauer im blauen Wasser kündigt sich der Gefürchtete an. Ich kralle mich am Steuerrad fest. Peter und Finn haben Holzdienst und schauen angestrengt in die Drecksuppe. 2 Baumstämme und 3 Kokosnüsse. Das ist noch mal gutgegangen. Wir sind aber nicht mehr 4 Schiffe sondern 2. Der Konvoi hat sich ob der starken Fallböen geteilt. Die anderen warten noch ab und werden im Ferienort zur Attraktion. Eingekeilt von Tretbootfahrern und neugierigen Schwimmern, kann sich Gesche von der "Yara" nur noch mit einem "F… off!!" retten. Und sie bereut es, nicht mit uns rausgesegelt zu sein.
"Risho Maru" und die "Bess" liegen im stillen Wasser einer Bucht hinter einem Riff. Die 40 Knoten Wind, die hier blasen, standen aber nicht im Prospekt, bitte schön! Da die Bucht als anfällig für Boardings (Banditen, die einfach auf das Schiff kommen ohne zu fragen) und Robbery (Banditen, die ihren Job tun) bekannt ist, beschließen wir, Nachtwachen einzulegen. Ich mach bei dem Windgeheule ohnedies kein Auge zu. Die Schiffe wechseln alle 2 Stunden den Wachdienst. Nix passiert. Bei dem Wind würd ich aber auch nicht arbeiten gehen. In der Früh Flaute. Die einzigen, die uns quälen, sind wild um sich stechende Sandfliegen und wir flüchten.
Cartagena ist praktisch vor unsere Nase, als ein Gewitter uns endlich Wind bringt. Leider aus der falschen Richtung. Als wir die Lichter der Stadt endlich neben uns sehen, ist es stockfinstere Nacht. Herrlich, genau das, was ich liebe, wenn man in einen fremden Hafen einfährt. Auch steht in unseren Hafenunterlagen, dass diese Einfahrt Boca Grande keine Beleuchtung hat. Olli von der "Bess" mir Radar hinter uns, wir vorne mit praktisch Null Tiefgang. Die Einfahrt soll flach sein, aber kein Problem für Katamarane. Gemeinsam sind wir stark. Vor allem Peter. Er sieht die beleuchtete Einfahrt als erstes. Ja - beleuchtet! Uff! Langsam tuckern wir Richtung Marina. Jetzt erst sehe ich die wunderschöne Skyline der Stadt. Fast ein bisserl wie Manhattan. Zu unserer Rechten eine Madonna mit Kind mitten im Wasser, kitschig beleuchtet. Aus der Stadt Trommelgeräusche. Karneval. Wir sind angekommen!

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25.10.2006, Curaçao Marinatage - Hundstage

Wir sind in der Marina. Am Trockenen - on the hard. Nach einem Jahr im Wasser ein notwendiger Routine Gesamtcheck.
Es ist heiß. 35 Grad in den Kajüten. Draußen knallt die erbarmungslose Sonne vom blitzblauen karibischen Himmel. Ich wünsch mich ins kühle Norditalien. Da trugen wir Pullis und lange Hosen, um im Frühling vor eineinhalb Jahren das Schiff startklar zu machen. Unter den Seglern am Gelände der Curaçao Marina herrscht Haute Couture. Hässliche, abgetragene, verfärbte T-Shirts. Dazu fleckige, unrettbar ruinierte Shorts, unmöglich ausgebeult.
Wenigstens sind wir nicht allein am Arbeiten. Marita und Frank neben uns stehen um 5 Uhr 20 morgens auf, um ihr Deck neu zu streichen - sonst trocknet die Farbe zu früh - heißt beim ersten Pinselstrich.
Unsere lieben Freunde Gesche und Herbert von der YARA sind da. Gut für Finn, unseren Sohn. Mit seinem Freund Yannik gräbt er sich durch die Marina. Verdreckt, aber glücklich und zufrieden.
Kann man von den Erwachsenen hier kaum behaupten. Obwohl, verdreckt stimmt.
Gesche hat einen einstmals weißen Sonnenhut auf und hängt kopfüber hantierend in einer Segelkammer ihres Segelschiffs. Hochrotes Gesicht. Schweißtropfen rinnen in ihre Augen als sie kurz auftaucht. Herbert sitzt unter seinem Katamaran im Schatten und kriegt Muskelkrämpfe in den Armen. Er pinselt die Motorschrauben. Aber YARAS Antifouling ist bereits gestrichen und lässt alle hoffen, dass irgendwann auch bei einem selbst die viele Arbeit sich so schön bezahlt macht.
Mein Mann Peter macht einen Saunagang in unsere Kombüse. Ich krieg eine neue Küchenplatte. Von Peter gezimmert. Sieht wunderschön aus. Steckt soviel Arbeit und Können darin. Sägen, Schleifen, epoxieren, trocknen, wieder epoxieren, schleifen, lackieren. 2 Tage im Schweiße seines Angesichts.
Ich mache alle Handlanger Arbeiten - kommt das hier einigen Seefrauen bekannt vor?
Hab mich mal mit meiner Weltumsegler Freundin Doris von der NOMAD über diese Handlangerarbeiten unterhalten. "Es nervt!" war ihre Meinung. Stimmt. Man tut nicht wirklich was Bedeutenden, aber huscht ständig zwischen Werkstatt, Kajüte, unter dem Schiff, auf dem Schiff umher, wo ist der Hammer? Kommt schon! Ich brauch das Schleifpapier! Gleich da! Hol bitte die Schleifmaschine rauf! Bring bitte die Schleifmaschine runter! Schnell die Nutfräse! Was zum T... ist eine Nutfräse?
Und das bei 35 Grad im Schatten.
Die Hamburger in der Halberg Rassy schräg gegenüber streiten.
Sie (genervt): "Mensch, dann mach's doch alleine!"
Er (alarmiert): "Ich kann's nicht alleine machen!"
Sie (noch genervter): "So, dann lass ich's jetzt los!"
Er (fast explodierend): "Mensch, dann lass es eben los!"
Sie (fest): "Gut. Dann lass ich's jetzt los."
Er explodiert.
Man sollte nicht den Fehler begehen und jetzt glauben, die beiden mögen sich nicht. Das, was wir hier erleben, ist in der Marina normal. Ist man mehr als eine Woche hier, beginnt der Marinakoller. Zeigt sich in zynischen Gifteleien, knallenden Kajütentüren, verbissen im airconditionierten Leihauto sitzenden Ehefrauen, unanständigste Flüche von sich gebenden einst ehrbaren Kapitänen.
Auch mein Mann kennt Wörter, die mir die Schamesröte ins Gesicht treiben. Blöd ist, wenn Finn dann wissen will, was der Papa damit meint.
Es heißt ja immer, beim Segeln lernt man sich richtig kennen. Das stimmt meiner Meinung nach nur zum Teil, aber in der Marina kommt garantiert alles zu Tage. Denkt jemand nach 3 Wochen Marinaarbeiten an Scheidung, ist das nichts Besonderes. Nicht überreagieren, erstmal 3 Wochen Segeln gehen und dann weitersehen. Will wer nach 4 Wochen Marina sein Schiff verkaufen, sollte er wissen: jeder will nach 4 Wochen Marina sein Schiff verkaufen.
Wenn möglich abends die Marina verlassen. Bei uns gerade nicht möglich, da alles nur mit dem Auto zu erreichen ist und wir zur Zeit noch kein Auto haben. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als an Deck mit meinem kleinen Gaskocher ein Abendessen zu zaubern. Weil die Küche ist Baustelle. Was lerne ich also: Flexibilität, Improvisationstalent, Offen für Neues. Na bitte - so ein paar Wochen in der Marina schaffen Managerqualitäten!
Die Schweizer Sylvie und Wolfgang haben es geschafft. Ihr Gaffelsegler ist im Wasser, sie wollen morgen los. Kleiner Motortest. Nichts. Es stellt sich heraus, ein Dichtungsring hat den Geist aufgegeben. Ein Ersatzteil muss man in Europa bestellen. Wartezeit ca eine Woche. Marita und Frank lächeln ermutigend: "Seid doch froh, wir haben 4 Wochen auf den Impeller vom Wassermacher gewartet."
Ich steh beim Wasserspender der Marinaarbeiter und fülle klares, kaltes Trinkwasser in eine Flasche. Absoluter Luxus bei 35 Grad im Schatten.
Yannik und Finn spielen Fußball. Herbert ist ihr erschöpfter Aufpasser im Schatten. Unsere Hamburger haben beschlossen, ein Hotel für die Nacht zu nehmen. Gesche versucht, Farbe aus ihren Haaren zu kriegen. Peter geht duschen. Höhepunkt des Tages!
Ein ganz normaler Tag in der Marina! Und tagsdarauf... entschieden wir uns, das Unterwasserschiff komplett abzukratzen, abzuschleifen, zu epoxieren, zu grundieren und schließlich ein tropensicheres Antifouling 3 Mal aufzurollen... oder waren es doch viermal… ich weiß nicht, war alles vor einer Woche oder so... was? wo bin ich… müde... kann nicht mehr schreib bbbbbbbbb... zzzzzzzzzz.

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04.10.2006, Curaçao Wieder zu Hause und eine Reise durch Amerika

Es ist heiß. Sehr heiß. Unsere erste Nacht auf der Risho nach 2 Monaten in der Ferne. Ich wälze mich herum. Fast wünsche ich mir die New Yorker Aircondition zurück. Obwohl, mein Schnupfen mit Fieber durch Unterkühlung war unwitzig. Wälz. Wieder zu Hause. Risho riecht nach zu Hause. Wohlig, warm (heiß), gut.

Abflug nach Kalifornien am 10. August 06. Terror and Travel auf den Fernsehbildschirmen im Flugzeug. Panisches Flughafenpersonal in New York. Schlangen. Frustrierte Damen werfen volle Parfumflaschen in Abfallkörbe. Beamte schreien Unverständliches. Finn muss seine Schuhe ausziehen. Wirkt er wie ein Terrorist?
Endlich in Los Angeles. Am Flughafen suchen wir ein Car Rental. Der Chef ein kalifornischer Iraker.
Mit blauem Kleinwagen für die nächsten 4 Wochen trudeln wir bei meiner Freundin Cherie ein. Ihr Haus in North Hollywood: ein Knusperhäusschen aus dem Jahr 1937.
Im Garten unter einem Orangenbaum ein Original Trailer aus den 70ern.
Unser Quartier! Cherie ist Schauspielerin und Schauspielcoach. In ihrem Office hängt eine Dankeskarte von Mel Brooks. Und Vanessa Redgrave. Jonny Depp wurde von ihr gecoacht… "yeah Jonny is a nice guy… he always really wanted to be an actor". Cherie hängt solche Bekanntschaften nicht gern an die große Glocke. Ich schon!
Finn spielt mit ihren Hunden Lulu und Baba. Dann pflücken wir uns Orangen und trinken frischen Saft. Next! Disneyland. Unglaublich toll. Hätte nicht gedacht, dass dies über meine Lippen kommen würde. Auch Peter ist hingerissen. Und Finn? Ihm versagt sogar der Appetit! Sehr ungewöhnlich!!! Aber besser so, denn ein Hotdog kostet 7 Dollar.
Peter schmilzt beim "Peter Pan" Ride (kein Mann will erwachsen werden), ich beim Cinderella Schloss (es sind doch alle Mädchen Prinzessinen) und Finn liegt sprachlos in Mickey Mouses Armen. Nach14 Stunden(!) noch ein Feuerwerk und cut!
Wir kaufen uns ein Zelt, packen einige Decken aus unserem Trailer ein und machen uns auf unsere Kalifornien Rundreise.
Entlang der Küste, Highway 1, der Berühmte! Erste Nacht unter einer Eisenbahnbrücke. 10 Züge. Zweite Nacht unter einer Highwaybrücke. 100 Trucks.
Aber jeden Abend Lagerfeuer und den Pazifik vor der Nase. Kalt ist er, aber ruhig.
Cambria, ein kleiner Ort an der Küste, voller netter Geschäfte und netter Leute. Wir bleiben 2 Tage und alle grüßen uns bereits.
Am Abend "Lousiana Red" im Gemeindesaal. Ein berühmter Bluesmusiker. Er und seine Schwester die einzigen Schwarzen bei diesem Konzert. Und wir die einzigen Österreicher.
"Oh you are from Arnold's Country?" Man mag den Governor ganz gerne. Ein ganz Lustiger ahmt Arnolds Dialekt nach. Dass er schon lange nicht mehr so redet ist auch egal. I'll be back. Haha. Finn ist inzwischen eingeschlafen. Wir gehen.
Am nächsten Tag fahren wir ganz früh im Nebel weiter. Mit Bagels, Muffin und heißem Kaffee im Auto. American Breakfast. Wir sehen bei San Simeon dicke Elefantenrobben am Strand knotzen. Eine winkt uns zu. Cheese!
In Big Sur fahren wir durch Wald. Richtigen Wald! So wie in der Steiermark, nur der Pazifik hinter den Klippen stellt klar, wo wir sind. Grüne Wälder, tiefblaue See, blitzblauer Himmel. Besser als Disneyland! Aber dann: Die Straßen von San Francisco. Peter glaubt es nicht, "Die sind ja wirklich so steil?"
Finn will mit dem Cable Car fahren. 200 Japaner vor uns auch. Er kriegt ein Mini Cable Car als Trost und das steht jetzt auf der Risho.
Über die schöne rote Brücke nach Sausalito und wieder in die Berge.
Unser Ziel ein Campingplatz bei Stinson Beach. Wie sich herausstellt, liegt er eher nahe der Steilküste in den Bergen, 7 Meilen von Stinson Beach auf 3000 Meter Höhe. Campingplatz sehr billig, ohne Dusche, im Gehenk. Romantisch und saukalt. 15 Grad - für mich, nach einem Jahr um die 25 Grad, praktisch am Gefrierpunkt! Finn rüsselt zufrieden im Zelt und heizt für Peter und mich ein. Schön, dass wir eine tolle Campingausrüstung (in Wien) haben und kuschelig warme Fleecejacken (am Schiff).
Wieder American Breakfast am nächsten Tag. Nach dieser rauhen Nacht zeigt die Mannschaft, vor allem die Frauschaft, Ermüdungserscheinungen.
Wir fahren ins warme Inland nach Lodi, genießen einen schönen Campingplatz am Fluss. In Locke besuchen wir eine chinesische Siedlung, sieht aus wie im wilden Westen. Oder besser - wie eine chinesische Siedlung im Wilden Westen in Disneyland. Aber es ist echt!
Der Nationalpark Yosemite liegt vor uns. Wälder, Flüsse, Bären!!! Unser sehr einsamer Campingplatz liegt an einer Lichtung. In der Nacht hören wir eigenartige Knacksgeräusche. Racoons? Stinktiere? Eichkatzerl? Oder doch die großen Braunen? Im Valley besucht Peter den El Capitano, und im Indianershop krieg ich ein original indianisches Armband. Hoffe ich zumindest. Finn kriegt im Riesensupermarkt (in Amerika gibt es überall einen Riesensupermarkt, auch im Nationalpark!) einen Hiking Dude geschenkt. Bevor noch mehr Touristen einfallen zieht es uns wieder in die Wildnis. Quer durch Yosemite Richtung Süden nach Bass Lake. Abendessen mit Paul Newman. Seinem Dressing natürlich. Er macht keine Filme mehr sondern Salatdressing. Gar nicht schlecht. Vielleicht sollte Arnold sich mal bei ihm beraten lassen. Im Abendlicht flackert unser Lagerfeuer, durch die Tanne sehen wir den ruhig liegenden Bass Lake. American Dream.
American Breakfast, again. Diesmal im "Blue Bear" an der Bar. Ein riesiger Teller mit Würstel, Kartoffelpuffer und Eiern. Dazu gebutterter Toast. Finn fragt, ob das das Mittagessen ist. Überhaupt ist alles in Amerika groß.
Die Essensportionen: Am besten ist, man bestellt ein Gericht für alle, dann kann man sich den Rest immer noch im Doggy Bag mitgeben lassen.
Die Distanzen: Cherie meinte mal, gleich bei ihr ums Eck läge ein toller Supermarkt. 3 Autobahnen und 45 Minuten später kamen wir an.
Die Marinas: In der Marina del Rey bei Venice verfuhren wir uns 2 Stunden und es stellte sich heraus: wir waren aus dem ersten Komplex der 5 Komplexe nicht rausgekommen.
Langsam zog es uns wieder zu unserer Basisstation in Los Angeles. Zuvor wollten wir noch einen See in den Bergen besuchen, stellte sich als Stausee in der Wüste heraus, bei 40 Grad im Schatten - von dem es kaum welchen gab.
Wir bogen ab und landeten wieder mal am Pazifik. Kühle Brise, Lagerfeuer, Wohnmobile groß wie Garconnieren mit Gartenzaun und Blumenkästen.
Chris, ein Freund von Seglerfreunden lädt uns nach San Diego ein - zum Wellenreiten! Eingepackt in Neopren reite ich meine erste Pazifik Welle ab! Whoopie! Chris bingt uns zum Aufwärmen ins Strandhaus seiner Eltern mit Jacuzzi und köstlicher Bewirtung.
Welcome to Hollywood! Am gefürchteten Labour Day Weekend bleiben wir wegen übermäßiger Autoansammlungen im Trailer und pflanzen Bambus in Cheries Garten. Sie macht uns das traditionelle Labour Day Essen. Hamburger gegrillt, Kartoffelsalat und viel Sprite und Coke. Und dann Fernsehen. 1200 Programme. Da geh ich lieber schlafen. Grand Canyon spritzen wir - können keine Autobahnen und Autos mehr sehen. Dafür gehen wir in ein Gitarrengeschäft am Sunsetboulevard - natürlich groß. Finn und ich verirren uns und finden Peter nach einer Stunde wieder, ganz versonnen auf einer 3000 Dollar Gitarre spielen.

Fotos California (CA)

Zurück in New York.
Unsere lieben Banker haben uns wieder aufgenommen und wir helfen ihnen Umziehen!!! Sandra und Hans Peter hatten die Kündigung erhalten nachdem wir in ihrem Apartment gewohnt hatten. Hat aber angeblich nichts mit uns zu tun. Irgendwie aber doch peinlich.
Sie wohnen jetzt in Harlem. Jazz Bars um jedes Eck, afrikanische Frauen in Tracht. Am Sonntag alle wunderschön herausgeputzt für ihre vielen Kirchen. Der Friseur ums Eck hat bis 2 Uhr Früh geöffnet und spielt mit Vorliebe James Brown… I'm a Sex Machine… Spike Lee dreht einen neuen Film vor der Haustür. Ziemlicher Unterschied zum noblen Brooklyn Heights!
Vielleicht sind wir doch nicht ganz unschuldig!

Fotos New York (NY)

Und jetzt wieder am Schiff. Tut gut.
Und unsere Abenteuer in den Staaten taten auch gut. Neue Freunde zu machen und alte Bekannte zu treffen. Wälder zu sehen. Den Pazifik zu betrachten, den wir bald ersegeln werden.
Und zu wissen, uns wieder daran zu erinnern, wie wunderbar es ist, mit einem Schiff die Welt zu entdecken.
Und zu wissen, uns wieder daran zu erinnern, wie toll eine Großstadt ist und wie anstrengend und ablenkend.
Kein Fernsehen. Finn schläft schon lange. Funkelnder karibischer Sternenhimmel. Heiß. Wälz. Zu Hause.

07.08.2006, New York Pirates of the Caribbean in New York

Wir wohnen seit 2 Wochen bei waschechten New Yorkern.
Sandra, Bankerin, geboren in Linz trägt Manolo Blahniks (ja, Carries Liebling Schuhe!) und bügelt abends leidenschaftlich gerne.
Hans-Peter, Schweizer und Banker, geht um 5 Uhr 30 joggen und isst als Nachspeise Tasti Delite (Eis, das kein Eis ist, aber so schmeckt).
Abgesehen davon sind die beiden verrückt genug, Segler bei sich aufzunehmen, die sie nur vom Hören Sagen kennen.
So standen wir um 2 Uhr nachts vor ihrer Tür und wurden aufgenommen wie alte Bekannte. Sehr alte Bekannte - noch in der selben Nacht verreisten die beiden für 5 Tage um eine Silbermine in Idaho zu besichtigen und überließen uns ihre Wohnung. Da saßen wir nun in Brooklyn Heights, in einem wunderschönen Backsteinhaus mit Blick auf die Skyline Manhattens - in der Küche - die hat ungefähr die Ausmaße unseres Mittelcockpits. Am ersten Tag suchte ich das Zimmer mit der Waschmaschine und fand es nicht. Dafür schafften wir es, den Fernsehapperat und den Computer lahmzulegen, ach ja, und auch der Feuermelder ging los, als wir uns ein Steak brieten.
Wieder mal in einer Wohnung zu sein war schon seltsam, aber mitten am Timesquare zu stehen, nach einem Jahr Segeln, war zu viel. Finn taute wieder auf als wir das Toys "R" Us an der Ecke Broadway / 42nd Street entdeckten. Mit Riesenrad. Und Riesendinosaurier, der sich bewegt.
"Der is aber nicht echt,Mama,oder?"
Peter wurde wieder locker, als wir in die 46th Street bogen, zahllose Musikstores zu beiden Seiten, und Gitarren bis zum Abwinken.
Mein Herz klopfte, als in der 72. Straße der Central Park vor mir lag.
So Schön.
Wir besuchten einige Tage später Sandra und Hans-Peter im Büro im Rockefeller Center, 5th Avenue, Ecke 50. Straße. Irgendwie ließ man uns bis in den 42. Stock fahren, und als dann ein Banker im Anzug die Suiten Tür öffnete, erblickte er 3 gar schräge Gesellen. Einen braungebrannten Surfertyp mit Zopf, eine Blondine mit Sommersprossen und Flip Flops und ein dazupassendes fröhlich grinsendes Kind mit einer Johnny Depp Piratenminiatur in der Hand.
Wir starrten uns gegenseitig 5 Minuten an. Nicht feindlich, eher entgeistert oder überrumpelt, als endlich Sandra erschien und den Bann löste. Uns war das irgendwie peinlich, aber Sandra meinte "Vergiss es, die sind das von mir gewohnt!"
Dass der Strom in Queens für eine Woche ausfiel, hatte nichts mit uns zu tun - hoffe ich zumindest. Die New Yorker waren echt nett. Ob in der U-Bahn oder auf der Straße, sobald wir Zeichen von Orientierungslosigkeit aufwiesen, halfen sie freundlich aus. Sandra meinte: "Die helfen euch nur weil sie wollen, das ihr euch möglichst schnell in New York auskennt und ihnen nicht im Weg steht und den Gehsteig-Verkehr aufhaltet."
Man geht hier bei Rot über die Straße, im Kino bestellt man auf jeden Fall Small Size weil sonst trinkt man noch 2 Wochen an den 3 Litern Cola und versucht die 2 Kübeln Popcorn der Medium Size Portion frisch zu halten.
Und man trägt Dirndl Kleid und Rüscherlbluse. Gesehen am Shopping Broadway. "Thats so cool right now" grinst mich die Verkäuferin an und streicht kokett über ihren Trachtenrock.
Nach einer Woche waren wir erledigt. Sandra und Hans-Peter kümmerten sich liebevoll um uns. Ein ganzes Wochenende taten wir nichts als in der aircondition-kühlen Wohnung der New Yorker Hitzewelle (38 Grad!) zu entgehen, gingen kurz in den Zoo, dann bekochten uns die beiden mit Schweinsbraten und Vanillepudding. Als Belohnung gab's ein Video. Fast wie zu Hause. Danke, ihr beiden!
Am Montag waren wir wieder bereit für den Big Apple - ich bekam meine Broadwayshows, Peter ein Jazzconcert in Harlem und Finn das FS Schwarz - ein Spielzeuggeschäft - mehr Disneyland als Kaufhaus!
Dass das Musical aus Amerika kommt, ist mir schon klar, aber eine Vorstellung zu sehen in der Schauspieler grandiose Sänger sind und dabei auch noch ihr eigenes Orchester, ließ uns den Mund offen stehen.
Die 10 Leute auf der Bühne sangen und strichen auch noch ihre Cellis und Geigen, spielten abwechselnd Piano und Schlagwerk, und der Contra Bassist sang dann noch schnell die Arie des unglücklichen Vaters. Oder die Hauptdarstellerin lieferte auch noch so nebenbei ein Posaunensolo.
In Harlem saßen wir im schummrigen (rauchlosen) Jazzclub und genossen die Lebens- und Spielfreude der Band. Die Sängerin hatte Geburtstag und teilte die Torte dann auch noch mit dem Publikum. Peter schlug die Drogenangebote auf der Toilette aus und Finn hielt in der Wohnung eine Amerikanisch Schweizerische Nanny auf Trab.
Im Museum of Modern Art wunderte sich Finn, dass man zusammengeschweißte Autoteile als Skulptur im Museum betrachten kann, und Peter und ich grinsten über die DADA Austellung und den vielen Österreichischen Beiträgen dazu!
Nach einem Wochenende in Baltimore mit Live Baseballmatch zwischen NY Yankees und Orioles (ich weiß jetzt, was ein Inning ist!) und einer Übernachtung in einem Motel (mit Auto vor der Zimmertür) bereiten wir uns für unseren Californien Trip vor. Da werden wir bei meiner alten Freundin Cherie in LA wohnen. Sie hat einen Trailer im Garten hinter ihrem Haus für uns reserviert. Finn fragt gerade, ob er noch ein Non Sugar Zuckerl haben kann. Na klar, ich ess ja auch gerade Low Fat Blueberries und Peter genehmigt sich ein Sodium Free Sprite. Mal sehen was Californien für uns bereithält! Wir kommen!

17.07.2006, Curaçao "On the hard"

Nein, nein, nein das bedeutet nichts Unanständiges!
Wir sind aus dem Wasser, Rishomaru steht an Land in der Curaçaomarina und wird von uns gehegt und gepflegt.
Ich hänge wiedermal kopfüber in der Bilge und miste aus.
Unglaublich, ein Jahr ist vorbei und ich habe meine in Spanien erstandenen Plateauespandrillen kein einziges Mal getragen. Dafür fällt mir gerade mein 3. Paar Flip Flops von den Füßen. Eine rostige Dose Blutwurst. Ich glaube, die nehm ich nicht mit in den Pazifik. Quixqong - ein Spiel mit hübschen Holzwürfeln, aber ohne Anleitung. Seit Jahren an Bord. Vielleicht mach ich eine Kette draus oder nehm die Würfel statt Grillkohle.
Bergschuhe - zum Wandern auf Teneriffa. Waren dort wandern, aber mit Turnschuhen und auch zum Landurlaub in die USA werden wir sie nicht mitschleppen. Schlaft weiter. Die von Finn passen sowieso nicht mehr.
So wie der schicke Kinderfaserpelz vom Intersport - allein beim Gedanken an Pelz schießt mir der Schweiß aus den Poren. Uns ist heiß!!! Das hat Finn heute in der Schule geschrieben. Mir ist sonst nix eingefallen. Ab Samstag sind sowieso Schulferien!
Übrigens, wir sind auf Curaçao, eine der Niederländischen Antillen. Die ABC-Inseln - ziemlich wörtlich für Finn! Zuvor, nach unserem herrlichen Venezuela Törn, waren wir auf Bonaire.
"Kralendijk" - so heißt der Hauptort von Bonaire - übersetzt "Korallenteich". Holländisch ist doch irgendwie einfach, oder?
Auf jeden Fall, Bonaire war super! Vor allem der erste Landgang mit Besuch im "Casablanca", einem argentinischen Steakhaus. Es hat sich ausgedosenwürstelt!
Dann gabs ein gemütliches Fest am Dorfplatz mit local food, Z.B. Leguansuppe hab ich probiert - wie Hühnersuppe, wenn nicht die grob zerteilten Leguanteile plus Haut zu erkennen gewesen wären. Habs dann mit "Bollen" probiert - panierte Bällchen mit irgendwas drinn - will auch gar nicht wissen was - war aber echt gut! Alles runtergespült mit Aruba Bier - willkommen in Holland in der Karibik! Man zahlt in Gilden. Getanzt haben wir dann zur südamerikanischen Musik der heimischen Band. Am nächsten Tag rumpelten wir mit einem Pick up Truck in den Nationalpark, um Flamingos zu sehen. In einem verschlafenen Ort namens Rincon wurde auf der Straße gegrillt, nette schwarze Damen verkauften indonesischen Sates. Sag, wo waren die Holländer bitte noch überall? Wieso waren die Österreicher nirgends? Man stelle sich vor, man segelt in die Karibik und plötzlich eine österreichische Insel. Was würde einen da erwarten... nachdenk… da fällt mir nur eines ein: Kommt man hier auf diesen Inseln in das Immigrations Office - und da muss man leider hin - stechen einem die Beamten ins Auge. Sie könnten österreichische sein. Erschöpft reichen sie einem den mehrseitigen Einklarierungszettel zum Ausfüllen und verstecken dabei ihren Kugelschreiber. Sie drehen genervt die Augen über wenn man statt einem Kreuzerl bei der Frage Waffen "Ja" oder "Nein", ein Ringerl um das Nein macht.
Endlich wieder an der Luft!
Eine Woche später sind wir in Curaçao. Die Fußball WM sehen wir auf einer Großbildleinwand im einem Restaurant in Spanish Water, einer riesigen, geschützten Lagune. Segler aller Länder vereinigen sich. Franzosen fiebern, Holländer bibbern, Deutsche feiern, und 2 Osterreicher (wir) wechseln die Farbe von brasilianisch bis französisch.
Willemstad, die nette Hauptstadt, bietet uns einigen Luxus: Kinogehen, Jazzclub lauschen, frische Erdbeeren mit Schlagobers, echter Capuccino.
Und jetzt sind wir also in der Marina, die Umgebung nicht gerade lauschig, eher Industriezone. Statt Türkiswasser - Asphaltboden, Risho thront zwischen vielen anderen Schiffen, die hier für die Hurricaneseason festgeschnallt sind - jawohl festgeschnallt mit Erdankern und in den Asphalt betonierten Stützen.
He, ich dachte der letzte Hurricane wär hier vor hundert Jahren gewesen... Einer ist immer da, Hurricane, der Hund des Marina Besitzers.
Finn lässt das alles kalt. Er malt sich mit Kreide Autobahnen auf den Asphalt und spielt Unfall. RUMS steht da von ihm geschrieben. So nützlich kann Schule sein!
Ich ziehe einen muffig riechenden Sack aus der Bilge. Unser Heizstrahler.
Schweiß steht auf meiner Stirn. Ich geh duschen. Hier gibt es nämlich Süßwasserduschen - welch Verschwendung, welch herrliche, betörende,
prickelnde Verschwendung. Aber nichts könnte jetzt schöner sein, denn es ist hart "on the hard"!

Übrigens, Risho Maru hat jetzt 2 Monate Urlaub. Damit sie nicht einsam ist, bekommt sie in jeden Rumpf und in die Segelkammer Luftfeuchtigkeits Entzug Säckchen! Ahhhhh... Wir machen auf Landratten und fliegen Mitte Juli nach New York und dann weiter nach Californien. Natürlich werden wir euch weiter berichten, ob das mit den Photos klappt, werden wir erst sehen.
Heute haben wir das WM Fußballspiel beim Mc Donalds gesehen. Da wars so schön airconditiongekühlt! Vor mir beim Bestellen stand eine Dame und las mit gerunzelter Stirn in einem Mc Donalds Flyer, welcher Hamburger die höchsten Nährwerte hat. Ich hab dann doch nur den Non Fat Free Sojasin Lactose Capuccino genommen.
Amerika wir kommen!!

Und noch was... ohne unseren Webzauberer Hari gäb es hier gar nix zu lesen. Er ist und bleibt der beste. Schlagzeuger und Webmaster. Danke Hari!

Fotos

 

23.06.2006, Los Roques Die Los Roques - Schnorcheln, Surfen, Dosenfutter

Gerade überlege ich, was wir denn zu Mittag essen könnten. Fisch gibt es keinen. Obwohl hier genug schwimmen, aber die lassen sich partout nicht angeln. Inzwischen sind wir so weit weg von der Zivilisation, dass nicht mal mehr Fischer in der Nähe sind, um ihren Fang gegen Zigaretten und Bier zu tauschen. Natürlich ankern hier noch einige Segler: Mit "Yara" unsere Segelfreunde Gesche, Herbert und Yannik. Etwas weiter weg: Amerikaner - nett und distanziert, bei den Mangroven: Spanier - nackt und distanziert.
Eines haben wohl alle gemeinsam - seit 2 Wochen keinen Supermarkt gesehen. Was heisst das nun - fragt ihr?
Was man frisch gekauft hat ist weg. Wer einen Tiefkühler hat, hat vielleicht sogar noch Fleisch. Milch - die Haltbare - ist zumindest bei uns zu Ende. Butter - was ist das? Wir essen morgens frisches Brot mit Marmelade. "Schmeckt sogar gut" Finn ist bescheiden geworden, nachdem ich einmal Dosenpastete zum Frühstück aufgetischt habe. Der Kaffee mit Milchpulver ist... ist... also gut… ein Alptraum!!!!
Mittags gibt es seit einer Woche "Thunfisch-aus-der-Dose-Variationen". Die beste: Thunfisch mit Mayonnaise, Essiggurkerl plus dem letzten Futzerl Zwiebel, dazu Arepas, selbst gemachte Brötchen aus Maismehl - isst man hier in Venezuela. Satt. Am Abend: Spaghetti. Spaghetti, Spaghetti, Spaghetti, Spaghet...
Der Lohn für diese kulinarische Monotonie ist das Schnorcheln beim Riff. Als würde man in Schönbrunn ins große Aquarium hüpfen, aber ohne Haie und Raubfische - hie und da vielleicht ein klug drein blickender Barracuda. Wer "Findet Nemo" gesehen hat, kann sich vielleicht so ein Riff mit seinen Bewohnern vorstellen. Hier sieht es genau so aus. Kofferfische mit Familie, neugierig und bildhübsch, kleine gelb-blaue Feenbarsche - schnell und frech, ein Igelfisch - unheimlich und ob unseres Anblicks sich aufblasend. Grundelfische - von klein bis mini in allen Farbtönen - höchst beschäftigt zwischen den riesigen Hirnkorallen hin und her flitzend. Natürlich Dorie und ihre Freunde - die Doktorfische, nachtblau mit klugen Augen immer mindestens zu dritt, manchmal zu 20st. Und dann die majestätischen Papageienfische - in allen Farben schillernd, armlang und Korallen abknabbernd und gleich wieder rauskackend. Dazwischen Grunzer - so gross wie ein Damenschuh (Gr 37), gelb gestreift, silber-gelb gepunktete. gelb beflosst - Inspirationen für Stoffdesigner. Und die Snapper - von rot bis orange - sehr schnell und schüchtern. Schmecken gut, aber lassen sich nicht fangen - wie bereits erwähnt.
Nach dem Schnorcheln wieder "zu Hause" packt uns der Hunger und deswegen überlege ich gerade, was wir zu Mittag essen oder welche Dose wir öffnen könnten. Bin ich das, die hier schreibt? Ich, die im Reformhaus einst einkaufte? Ich, die sich Ayurveda-Rezepte einverleibte? Ich, die nur in der Not eine Tomatendose zur Hand nahm? Apropos Tomaten, Tomatenketchup mit Mayonnnaise und Oregano, ein passabler Dip für die letzte Chipspackung. Bin ich das?
Da hilft nur Ablenkung. Hier gibt es Sandbänke. Flachwasser, das bis übers Knie geht, wird ganz langsam tiefer - Ideal für Surfer und solche, die es werden wollen. Peter schlizt die Wellen und ich mich beinahe mit dem Surfbrett auf. Finn lacht und steht neben mir auf dem Surfbrett unserer Freunde - "Turnstunde!" grinst er mich frech an.
Für alle die es noch nicht wissen: Finn geht zur Schule - an Bord, im Küchenrumpf, Lehrerin: Mama. Geht sehr gut - Unterlagen und Ratschläge von Tante Andrea, Papas Schwester und ihres Zeichens super Volksschullehrerin.
Vor dem Schnorcheln: Schreiben und Rechnen. Am Nachmittag: Naturkunde am Strand. Muscheln erkennen, wie ensteht ein Riff, sind Boobies Boden- oder Baumbrüter? Keine Sorge, Peter übernimmt den Österreich-Unterricht (höchster Berg, Bundesländer, Kastanienbäume, was ist ein Fliegenpilz?)
Finns Lieblingsbuch zur Zeit: Die Fische der Karibik - Geschenk von Wolf, dem Seenomaden. Na wenn der Bua net der zweite Hans Hass wird!
Die Los Roques sind übrigens ein Inselarchipel, 70 Meilen vor der Küste Venezuelas. Kleine Inselchen hinter riesigen Riffen verstreut. Zwischen den Inseln Flachwasser, die Inseln selbst auch flach, einige Mangroven, die ein bisschen den frischen Passatwind abhalten. Überall Pelikane, Möwen, Fregattevögel und eine Insel mit einer Schildkrötenstation. Einen Hauptort gibt es, ein Ex-Fischerdorf zur Luxustouristenbleibe umgewandelt. Wenn man diesen Ort hinter sich lässt, lässt man auch Supermarkt, Obst und Gemüse zurück (nur vorhanden wenn der Versorgungsdampfer grad da war) und muss schon gegen den Passatwind aufkreuzen, um noch mal einkaufen zu gehen.
Was solls? Ich wollte die Dosenwürstchen aus Teneriffa endlich mal aufbrauchen. Übrigens scharf abgeraten mit vielen Gewürzen und dann über Spaghetti mit viel Olivenöl schmecken die gar nicht so schlecht.
Wer spricht da? Das kann nicht ich sein…

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23.06.2006, Isla Margarita Isla Margarita - Shopping and Eating

Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Alle träumen von der Isla Margarita.
Zumindest nach einer Saison in der Karibik. Billig, billiger, am billigsten. Finn entschlüpfen beim Anblick von Porlamar (der Haupttouristenort von Isla Margarita) die einzig richtigen Worte "Da is es schiach". Stimmt. Wolkenkratzer und viele unfertige Wolkenkratzer, und ein ausgebrannter Wolkenkratzer. Dazwischen kleinere kaputte Wolkenkratzer. Tja.
Am Tag nach unserer Ankunft setzen wir uns in ein Taxi und lassen uns ins Zentrum bringen. 6000 Boliviar, ca 2 Euro Fahrtkosten. Ok. Das beste aber am Taxifahren ist das Gefährt. Ein alter amerikanischer Straßenkreuzer und am Steuer: Benicio del Torro. Ehrlich!
Wir werden am Plaza Boliviar rausgelassen und stehen irgendwie mitten in einer Shoppingstreet in Los Angeles. Für alle, die noch nie in LA waren, sagen wir ca 20 Mal die Mariahilferstraße. Nach fast einem Jahr Großstadtentzug packen wir das Getümmel gar nicht. Finn spendet wieder die richtigen Worte: "Wann gemma wieder zur Risho?" Wir setzten uns auf der "Straße des 4. Mai" in eine riesige Kaffee Konditorei. Da gibt es doch tatsächlich Erdbeertörtchen. Und das beste: Frisch gepresste Säfte. Melone, Mango, Orange, Guave, Passion Fruit-Geschmacksexplosionen. Dann noch ein echt südamerikanisches Kaffeetscherl aus dem Mini Plastikbecherl und wir sind wieder bei Kräften.
Nach der eleganten Shoppingstreet durchstreifen wir jetzt das Viertel mit den billigen Ramschgeschäften. Adidas, Hilfiger, Timberland - klingt echt, ist aber gefälscht oder doch nicht? Irgendwie schauen die Modepuppen in den Schaufenstern anders als bei uns aus - haben die tatsächlich einen dicken Popo? A la J Lo?
Die Stimmung hier ist grandios. Unglaublich laute Musik aus allen Ecken - natürlich südamerikanisch, eine Frau mit einer mobilen Orangenpresse versorgt die Passanten, statt Würstelstand gibt es Buden mit Arepas - gefüllte Maistascherl. Überall uralte Ami Schlitten. So stell ich mir Kuba vor!
Als es dämmert hüpfen wir ins nächste Taxi, wenn es hier dunkel wird, wird es nämlich sehr finster...
Wir landen zum Abendessen in einer typischen Grillerei etwas außerhalb der Stadt.
Auf der Speisekarte steht: 1kg Fleisch, ein halbes oder ein viertel Kilo. Wir essen Blutwürste, die mit Zimt gewürzt sind, eine Wurst, die einem die Kehle verbrennt und ein Steak das wie Butter am Gaumen schmilzt. Dazu eine Yams Wurzel und riesige Salate. Und Polar Bier wird getrunken. Eine einheimische Band spielt so laut, dass wir uns über die Tische anschreien. Also so reden, wie man es hier gewohnt ist. Der Taxi Fahrer - Typ Mafiaboss - führt uns direkt bis zum Dinghy und wir lassen uns angefüllt reinplumpsen. Shopping and Eating. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

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07.06.2006, Los Testigos Venezuela 1. Station - Los Testigos oder Die Zeugen

Los Testigos, die ersten Inseln der spanischen Karibik, schimmern im Morgendunst. Ein Fischerboot, nicht weit von uns, ändert plötzlich seinen Kurs und fährt direkt auf uns zu. Wäre an sich nichts Aufregendes, aber wir sind in Venezuela und wir haben in den letzten Wochen viele Stories gehört. Venezuela ist kriminell, aber für Segler sicher in der Hurricane Season.
"Was wollen die von euch?" Christoph von der "Iona", die gemeinsam mit uns durch die Nacht gesegelt ist, meldet sich am Funk.
"Wahrscheinlich neugierige Fischer... hoffentlich..." Sie kommen rasch näher. Ein bisschen mulmig ist mir schon und Peter auch.
Kurz vor uns biegen sie ab und winken. Uff!
Los Testigos - übersetzt "die Zeugen(wovon wohl?)" - sind eine Handvoll kleiner Inseln, bewohnt nur von einigen Fischern. Es gibt eine Militärstation. Peter meldet sich dort und wird freudig empfangen.
Waren die Beamten nett? "Ich glaube,der Immigrationsbeamte hat mit mir geflirtet".
Über uns hunderte Fregattvögel - eine Kolonie. In unserer Ankerbucht, mit Minisandstrand, Riffen und Hügeln voller Bäume und Stangenkakteen, schauen uns die Fische neugierig an, wenn wir über die Reling blicken.
Singvögel konzertieren an Land und Krabben bevölkern die Felsen. Ein echtes Tierparadies! Wir spazieren den Strand entlang und kommen zu einigen Hütten, ein freundlicher Herr begrüßt uns - auf spanisch - und stellt uns seinen Hund vor - namens Coca Cola! Offensichtlich glaubt er, wir wollen Fisch. Aber niemand ist bei den Hütten. "Mandiana!" nickt er uns schelmisch zu.
"Adios!" versuche ich tapfer auf spanisch. Er schüttelt grinsend den Kopf und macht das Handzeichen, das wohl so etwas wie Kehle durchschneiden bedeutet.
"No No... Hata Viego... Hata Mandiana...!" Ah, ok, also nicht "Auf Nimmerwiedersehen "sondern "Bis bald" oder "Bis Morgen". Kapiert!
Stockdunkel senkt sich die Nacht über unsere kleine stille Bucht. Sehr dunkel. Ich denk wieder an die Venezuela Stories. Gut das "Iona " und "Yara" neben uns ankern und wenigstens einen kleinen Lichtschein in die Landschaft werfen.
Expedition "Sanddüne" findet am nächsten Vormittag statt. Alle schnüren sich festes Schuhwerk an die Füße (giftige Korallenschlangen soll es geben), ab in die Beiboote und feuchte 15 Minuten Fahrt die Insel entlang. Aufstieg zur "Sanddüne" (die ist auf der Windseite der Insel gelegen) per Ziegenpfad (wilde Ziegen soll es auch geben!). Zwischen mannshohen Kakteen und Steinbrocken kraxeln wir bergauf. Finn und Freund Yannik schlagen mit Ästen auf den Boden - Schlangenbeschwörer!
Endlich erklimmen wir den Hügel und blicken eine riesige Sanddüne hinunter zum Ozean. Passatwind bläst uns den Sand ins Gesicht. Rutschiger Abstieg zwischen hunderten leeren Gehäusen von Strandschnecken. Bizarre Felsen rahmen die Düne ein, die in einem kilometerlangen Sandstrand im Meer mündet.
Seltsame Spuren von Raupenfahrzeugen kommen aus dem Meer. "Schildkrötenspuren, - die haben heute Nacht ihre Eier hier abgelegt" Gut, dass Christoph regelmäßig "Universum" geschaut hat. Die Spuren enden in einem 2 Meter breiten Trichter. Einige aufgebrochene Eier, Leguane haben heute wohl hier gefrühstückt.
Wir wandern den Strand entlang, Finn und Yannik spielen Fußball mit einer angeschwemmten Kokosnuss. Riesige Gesteinsbrocken am Ende des Strandes laden ein für eine Pause. Als wir nahe beim Wasser zwischen die Felsen schauen, sehen wir schleimige, lange Schlangenkörper sich winden. Muränen!
Die Männer stürzen sich in die aufgewühlte See und "bodysurfen" die Wellen ab. Die Buben entdecken ein angeschwemmtes Schiffswrack - besser gesagt nur mehr einige Teile davon. Auf einer halb zersplitterten Planke kann man einen Schiffsnamen lesen. Es wird sehr heiß und wir klettern schwerfällig die Düne wieder hinauf. Hier sieht es aus wie in der Wüste oder am Mond oder in Universum...
Trampelpfad wieder zurück, vor einem kleinen Haus am Strand grüßen uns freundliche Einheimische. Noch mal Dinghi fahren und endlich sind alle Crews wieder "Zu Hause"!
Kurz vor Sonnenuntergang ankert hinter uns das verdächtige Fischerboot vom Vortag. Sie winken uns her. Wir fahren hin. "Cigarette?" Organisieren wir den goldbezahnten Fischern doch gerne. Sie lachen uns offen an und fragen mit Hand und Fuß, wann wir wieder kommen. Gleich! Als wir zurückkehren haben sie einen Kübel mit Fischen für uns als Dankeschön! 10 Red Snapper - echte Delikatessen!
Peter wirft unseren Ikea Griller an und alle Seglerfreunde kommen mit Reis, Kartoffelsalat und viel Hunger. Eine unerwartete "Pot" Party steigt. Jeder bringt was er hat. Die Red Snapper schmecken einfach perfekt - zart, saftig... ahhhh...
Plötzlich ruft Finn "Schauts, das Wasser leuchtet!" Als würden sich die glitzernden Sterne des Nachthimmels im Wasser spiegeln - so leuchtet es im Wasser. Seltsame, durchsichtige, leuchtende Lebewesen scheinen im nachtschwarzen Wasser zu pulsieren. Alle sind sprachlos. Was ist das?
Wir leuchten mit Taschenlampen ins Wasser und erwarten irgendetwas Unheimliches. Nein - es sind kleine Würmer, die sich zu Millionen um die Fischreste winden, die wir ins Wasser geworfen haben. Und wie auf Knopfdruck, beginnt es auch im dunklen Geäst an Land zu leuchten - dort wollen auch die schönen karibischen "Fireflies" mitmachen, bei diesem Spektakel à la André Heller!
Benommen fallen wir spätabends in unsere Kojen.
Die Los Testigos sind bezaubernd, betörend und wir sind die Zeugen dieser außergewöhnlichen Schönheit!

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25.04.2006, Antigua Wo ist Eric Clapton? - Eine Spurensuche

Begonnen hatte alles, als wir im berühmten English Harbour auf Antigua ankamen und der Barman dem zerfurchten Segler am Nebentisch erzählte, das "er" gestern dort am Einzeltisch gesessen ist.
"Er" oder im original "he" schien mir einfach höchst interessant. Wer war "er"?
Christoph, ebenfalls Segler und schon einige Tage vor Ort, klärte auf.
Er habe "ihn" schon gesehen, als "er" mit Panamahut und wallenden weißen Gewändern in der altehrwürdigen Admirals Inn ein Bierchen lüpfte und einer Steelband lauschte.
Der Stress begann.
Von Nelsons Dockyard, ein Freilichtmuseum für Seefahrtbegeisterte, hasteten wir tagsdarauf in die berühmte Marina Antigua, um "sein" Schiff zu sehen und vielleicht auch "ihn".
"Va bene" der eindeutige Name seiner überdimensionalen Motoryacht stach uns sofort ins Auge. Oder war es doch das aufgeklappte Garagenheck und die Auswahl mehrere schicker Jetskis darin und natürlich einem Dinghi in der Größe einer durchschnittlichen Monoyacht? Nichts zu sehen. Nur Crew. Oder "Diener" wie Finn zu sagen pflegt. Unruhig spazierten wir am Dock herum und wurden für den Rest des Tages dann doch durch die unglaublich schönen Yachten in der Marina abgelenkt.
Habe ich vergessen zu schreiben, dass wir mitten in der berühmten Antigua Classic Week hier eingetrudelt waren? Für alle, die nicht wissen, wie sich das anfühlt, einfach ein Classic Boats Magazin kaufen, durchblättern und sich vorstellen, man sitzt mitten drin in diesem Sammelsurium fantastischer Yachten.
"What is a Classic?" steht im diesjährigen Regattamagazin.
Man schreibt: She was built years ago, when all yachts were things of beauty and grace with fine lines and acres of canvas (viel, viel Segeltuch!).The survivors of that golden era are unmistakably classic.
Was mich wieder auf "ihn" bringt.
Eric Clapton - der Klassiker schlechthin - Wo bist du?
Ein kanadisches Ehepaar raunte uns zu, sie hätten gehört, das "er" letzten Freitag beim "Jump up" auf "Shirley Hights" gesehen worden sei, als er andächtig den Tönen der aufgeigenden Steeldrumband lauschte. "Er" liebt nämlich Steeldrums!
Da es zufällig gerade Freitag war, stürzten wir uns in das nächste Taxi, das uns zu dem berühmten Fort, 1781 gebaut von einem Herrn Thomas Shirley, brachte. Was uns dort erwartete war… na ja... sagen wir… unerwartet!
Wir lieben ja Forts - vor allem Finn wegen der Kanonen, aber das hier war nicht nur ein Fort sondern ein Fort mitten in einem "Jump up". Das wiederrum bedeutet eine riesen Grillparty mit viel Bier und vielen betrunkenen Resort Touristen, die ihre rotgebrutzelten Körper zu den Klängen der 10 köpfigen Steelband verrenken.
Mit Röntgenblicken durchsiebten wir die Massen um "ihn" zu entdecken, auch wenn wir uns kaum vorstellen konnten, dass Eric sich hier herumtreibt.
Das wäre ja wie eine traumhafte 160 Fuß J-Class Sloop unter lauter Tretbooten.
Er war nicht da. Also stiegen wir 10 km geknickt den Berg hinunter, um dann in der Marina Antigua Bar, direkt dort wo wir unser Dinghi festgebunden hatten, zu erfahren dass Eric heute abend hier einen Martini Espresso getrunken hatte. Ca vor 20 min.
Wir tranken sehnsuchtsvoll 4 Martini Espresso - und seitdem ist das Getränk dort Kult!
Am nächsten Tag kauften wir uns Proviant, weil wir zur nächsten Insel, Barbuda, segelten und am Rückweg auf der Ostseite von Antigua vorbeischauen wollten, da dort Erics Halbinsel mit dazugehörigem Traumhaus aus der Ferne zu bestaunen ist.
Einen Sack voller Zwiebel und Salat in der rechten Hand, Klopapier in der Linken, Peter mit zwei Steigen Wasser auf beiden Seiten und Finn mit Küchenrollen bewaffnet, trotteten wir vom Supermarkt zum Dinghi, als uns ein netter älterer Herr, freundlich nickend auswich. Irgendwie kam er mir bekannt vor - einer von diesen zahllosen Seglern die man immer wieder seit den Kanarischen Inseln trifft - dachte ich.
"Das war Eric Clapton" flüsterte Peter neben mir aufgeregt.
"Niemals - der war doch uralt!" presste ich entsetzt hervor. Peter grinste.
"Ein Klassiker eben!"

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27.03.2006, Martinique Über die "Gleichzeitigkeit" des Seins!

Manchmal wundere ich mich. Es ist Nachmittag, ca 13 Uhr. Die genaue Uhrzeit weiß ich nicht, denn meine Uhr ist stehengeblieben.
In Gibraltar vor 6 Monaten. Es ist Dienstag, hab ich gerade im Immigrationsbüro auf Iles de Saints erfahren, weil ich ein Arrival Formular ausfüllen muss. Wie auf jeder Karibischen Insel. Arrival und dann später Departure. Immer die gleichen Formulare und die gleichen Fragen. Aber das ist es nicht, was mich wundert. Ich sitze jetzt in der malerischen Bar "La Crique", vor mir türkis glitzerndes Wasser, Finn zählt die tellergroßen Seesterne, die am Meeresgrund orange leuchten. Drei, vier, fünf, … Peter beißt herzhaft in ein Butterbaguette mit Passionfruit Konfitüre, … sechs, sieben, ... ich schau in meine Tasse voll cremigem Cafe au Lait. ... Wahnsinn 10 Seesterne, Mama!
Ich denke ganz kurz an Wien. Dort ist es jetzt 17 Uhr. Um die Zeit steht alles am Gürtel. Gerade jetzt.
Bourg de Saints, dieser kleine französische Ort hier ist wie ein Paradies. Die Häuser aus Holz, bunt bemalt, im Garten Mangobäume, Kokospalmen, Hibiskus, schattige Veranden mit gemütlichen Korbsesseln. Blau spannt sich der Himmel über uns. Wir betrachten den kleinen Friedhof, Gräber umrahmt mit riesigen Conchmuscheln.
Wir wandern 5 min zum Strand auf der Außenseite der Mini-Insel. Sand zwischen unseren Zehen. Wann hab ich zuletzt geschlossene Schuhe getragen?
Oder Socken? In einem verwilderten tropischen Garten, ein leerstehendes Holzhaus. Weiß mit Grün. Zum dableiben, denk ich.
11 Euro bitte, sagt die Dame an der Kasse. Peter schleppt die 12 ein Literflaschen Wasser zum Dinghy. Inselpreise! Wir tuckern Richtung Risho Maru. Weiß mit Grün. Zum dableiben und weiterfahren! Wir essen Spaghetti mit knackigen Frühlingszwiebeln und frischem Thymian vom Markt. Dann ab ins blaue Wasser. Finn schwimmt allein um die Risho. In Wien ist es jetzt 19 Uhr und im Immigrationsbüro auf Iles de Saints haben die Beamten noch nie was von Osterreich gehört. Aber unsere Pässe finden sie sehr schön.

Fotos

 

27.03.2006, Martinique Die Dinghy Story

Aus dem Englischen: Dingey, dinghy: Dingi n (kleines Boot); rubber~Schlauchboot n.

So steht es im Wörterbuch und damit wäre eigentlich alles geklärt - Weit gefehlt! Ein Dinghy nur ein kleines Boot? Ha!
Wir liegen für 3 Wochen in Le Marin auf Martinique. Hier gibt es unglaublich viele Yachten. Fahrtensegeler, Chartersegler, einsame Segler, Segelboote ohne Segler. Aber niemals ohne Dinghys! Hier staunen wir nicht nur über die unglaubliche Artenvielfalt der kleinen Boote sondern auch über deren Besitzer.
Es beginnt damit, dass ich überrascht mit Segelfreundin Sam feststelle, wieviele Segler in ihren Dinghys stehen: Stehen! Irgendjemand sagt mir, das ist typisch amerikanisch, komisch, die besten Steher scheinen mir die Franzosen zu sein (Foto Der Franzose). Knapp gefolgt von den Deutschen, die aber auch beim sitzen sehr gerade wirken (Foto Die Deutschen). Die Briten pumpen hingegen erstaunlich oft noch während sie Richtung Land zusteuern ihre Dinghys auf. Was sehr kunstfertig aussieht und besonders bei der Abfahrt vom Supermarket Ponton, vollbepackt mit Einkäufen, fast olympiareif wirkt. Immer nur sitzend sehe ich James, den Iren (Foto Der Ire). Sehr gemütlich. Irgendwie ein bisschen österreichisch. Toll auch ein junges Pärchen - hintereinanderstehend. Sie vor ihm - bis es ihm zu viel wird und er sich setzt - mit wunderbarer Aussicht auf ihr Hinterteil. Vielleicht waren das Amerikaner? (Foto Aussicht mit Po) Familien mit Kindern sitzen prinzipiell. Hat wohl was mit Vorbildwirkung zu tun. Nein du darfst nicht im Dinghy stehen, der Papa sitzt ja auch! Emanzipation und Dinghy - eine kurze Geschichte. Meist steuern die Männer. Und wenn mal die Frauen dran sind, sind meist soviele Kinder an Bord, dass trotz Motor nicht mehr als Rudertempo zu erreichen ist (Foto Damencrew).
Bis auf diese heiße Biene, blond mit Tatoo, die mehrmals an unserem Schiff vorbeidüst und Peter freundlich grüßt. Im Sitzen. Naja. Ausnahmen bestätigen die Regel. (Ha! Kein Foto!)
Toll auch die Individualisten unter den Dinghybesitzern. Dinghy mit Auslegern, Glasboden und Heizung! (Foto Der Tüftler) Ich hab das dann mit dem Stehen sofort ausprobiert. Lustig. Blöd war als Peter abbremste während ich noch stand und eine gemeine Bugwelle über unsere Einkäufe schwappte. Gut war, dass nur meine Füße nass waren und nicht meine Hose. Denn Dinghybestitzer erkennt man an Land schnell.
Woran? Am nassen Popo.
In der Karibik ankert man meist frei in einer Bucht, und relativ weit weg vom Land. Gibt es einen Steg zum Anlegen, ist das super. Muss man am Strand anlegen, kann man froh sein, einen Surfer als Ehemann zu haben. Die Atlantikwelle, für Landratten ein gemütliches Geklatsche auf dem Strand, hat schon so manchen Dinghy Fahrer zum U-Boot Kapitän werden lassen. Kommt die Welle und man surft sie nicht mit Geschick und Dinghy ab, kentert auch das beste Beiboot. Alles unter Wasser, nicht gut für Fotoapparat, Handy, Lieblingssonnenbrille, Kreditkarten und gar nicht gut für Außenbordmotoren. Schlucken die mal Salzwasser gibt es meistens Ärger.
Außenbordmotoren! Je stärker desto besser. Oder ist es etwa lustig 3 Tage Knäckebrot zu essen, nur weil der Wind so böse bläst und man seinem Dinghymotor die Fahrt zum Ort nicht zutraut? Und der Duft von frischen Baguette aus der ach so fernen Dorfbäckerei einen in der Früh aus dem Bett jagt?
Schließlich schafft man es an Land. Oder zum Steg. Und da verkettet man sein Dinghy am besten mit Stahlseil und Schloß, damit es ja keiner stiehlt. Denn das passiert in der Karibik angeblich sehr oft (Foto Die Klampe). Ich glaube wesentlich öfter passiert in der Karibik, dass Dinghybesitzer einen Rum Punsch zuviel trinken. Und dass dann keiner mehr sicher ist, wer eigentlich das Dinghy festgemacht hat oder wie.
Schön auch die Geschichten, dass wiedergefundene Dinghys vom Besitzer um teures Geld zurückgekauft werden müssen, oder die Geschichte von Mascha. Mascha segelt mit ihrem Mann und 2 Kindern auf dem wunderschönen alten Segelboot "Vilona May". Sie haben 2 hölzerne Ruderboote als Dinghys, ohne Motoren, aber dafür einen kleinen Mast, den man montiert und dann eben an Land segelt. Einst sah sie ein "gestohlenes" Dinghy ins offene Meer treiben, und holte es rudernd zurück, da kein Wind vorhanden. Ruderte insgesamt eine Stunde und befestigte dann das Dinghy am Steg. Die Besitzer hatten gar nichts davon mitbekommen. Maschas Tochter Casey fand indes eine bessere Beschäftigung. Die Siebenjährige ruderte ihr rosarotes Dinghy "Primerose Mary" zur Risho Maru und holte Finn zum ersten Rendezvous seines Lebens ab. Er war begeistert (Foto Finn und Casey).
Also - verketten ist auf jeden Fall gut solange man nicht jemanden mitverkettet oder den Schlüssel des Schlosses am Schiff vergisst. Peter hat auf diese Art einen netten "sitzenden" Amerikaner kennengelernt, der so freundlich war ihn zurück zur Risho Maru zu bringen. Finn passte inzwischen auf unser fest verschlossenes Dinghy auf. Ein "Dinghywatcher" sozusagen.
"No Dinghys" ist eine Aufforderung für viele einfach kein Englisch zu verstehen.
Aufregend auch senkrecht hängende Dinghys, deren Besitzer auf den Tidenhub vergessen haben. Oder Hunde in Dinghys. Als Galionsfiguren mit dringlichem "Gassi Blick". Nicht zu vergessen vor Wut kochende Dinghy Fahrer, die verzweifelt an ihrem verstummten Außenborder herumfuchteln und langsam abtreiben, ohne Ruder an Bord zu haben (Foto No Motor!).
Aber zurück zum Steg (Foto Am Steg). Es gibt sie die Dinghy Etiquette!

Um Ärger zu vermeiden schnell ein kleiner Dinghy Benimm dich Schnell Kurs:
1. Außenborder nicht hochklappen! Außer man will das Nachbar-Dinghy aufspießen.
2. Mit Vollgas zum Steg zu fahren, erleichtert anderen gerade aus- oder einladenden Dinghybesitzern nicht gerade das Leben.
3. Sich am Ponton zu kurz an die Leiter zu hängen verhindert sicher, dass irgendjemand sonst die Leiter benützen kann.
4. Nicht Längsparken in einer Querparkzone. Wie beim Autofahren. Nimmt Platz weg!
5. "No Dinghy" - im Englisch Wörterbuch nachschauen!
6. Leinen und Kabel unter den bereits festgemachten Leinen und Kabeln
festmachen. Klingt komplizierter als es ist!

Und weil wir natürlich stolze Dinghy Besitzer sind, unser Idealdinghy für Fahrtensegler, Daten:
2 meter 30, Kunstoffboden, Material Hyperloom, angefertigt nach eigenen Wünschen in Slovenien / Novomar, Motor: 9,8 PS Tohatsu nur 24 kg Gewicht, 2-Takter (Foto Unser Dinghy)

und noch einige andere zum gustieren!
Das Alternative
Der Ferrari
Der Katamaran
Die Faltbanane
Das grün Geschürzte
Der Angeber

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02.03.2006, Martinique Mhmmmm... Martinique!

Natürlich sind wir Abenteurer, keine Frage, aber so ab und zu einen Camembert, eingelegten Fetakäse oder ganz frivol ein Gänseleberpastetchen...
Wir waren hier im Supermarkt. Im französischen Supermarkt und es war ein klein bisschen wie im Paradies.
Nicht dass wir darben. Keineswegs. Die Bordküche (kein Eigenlob! Ich zitiere den Captain) ist ausgezeichnet. Aber es fällt mir ein bisschen schwer, mich an gesalzene Butter zu gewöhnen und irgendwie ist die Karibik dann doch teuer, wenn ein Apfel ein Euro kostet.
Also dann eben Shopping in Martinique. Und nicht nur das. Cafe au lait, Baguette und so ein Croissantscherl… heaven, I am in heaven.
Und alles trifft sich hier wieder, die Franzosen vom roten Katamaran aus Teneriffa, natürlich Lloyd und Family, Uli und Gerti, die wir in Italien zuletzt trafen und Ronnie der Steirer, der allein mit seiner Nautilus die Welt erforscht.
Natürlich mieten wir mit meiner Mama im Schlepptau ein Auto und erkunden die Insel. Rein in das makabre Vulkan Museum in St. Pierre. Der Berg Mont Pelé explodierte an einem wunderschönen Morgen im Mai des Jahres 1902. In wenigen Minuten war das Klein Paris der Karibik ein Schutthaufen aus Asche. Im Museum betrachtet man eine halbgeschmolzene Kirchenglocke, ineinander verklebte Keramikteller, geschmolzene Trinkgläser und dann passiert es. Ich muss aufs Klo und das Museumsklo ist geschlossen. Mist.
Man schickt mich zu einem Kiosk und die nette Dame deutet auf einen blauen Container als ich nach "äh... toilette... où?" frage. Dann stehe ich da und werfe einen Euro ein. Nix passiert. Tür bleibt verschlossen. Aus dem Inneren des Containers hört man Spritzgeräusche. Meine Mutter gesellt sich zu mir und erklärt weltfrauisch: "Das Klo reinigt sich gerade selber." Gut manchmal die Mama in der Nähe zu haben. Endlich klickt die Tür und ich schiebe sie auf und betrete einen kleinen, desinfektionsmittelduftenden Raum. Ich schiebe die Tür ängstlich zu und durch den letzten Spalt sehe ich wie mir meine Mutter aufmunternd zunickt. Ich tu was zu tun ist und entdecke dabei ein kleines Schild "15 minutes limite…" Das ist, was ich verstehe, das heisst wer länger braucht, wird im Klo mitgereinigt.
Ich beende die Sitzung rasch und sehe hinter mir in Augenhöhe einen Spalt, darüber einen aufgemalten Wasserhahn. Ich strecke nervös eine Hand hinein, Wasser tost auf sie nieder und fast gleichzeitig heiße Luft. Die 2. Hand bleibt dreckig. Das Limit ist überschritten, die Tür klickt, ich flüchte, die Tür schliesst sich, wieder hört man die vertrauten Spritzgeräusche. Mama klopft mir auf die Schulter. Gut gemacht. Was man so alles erlebt als Abenteurerin!
Die nächste Station ist eine Rumplantage (Foto Rumplantage) mit dem ältestem Plantagenhaus der Insel. Die Deneuve hat hier einen Film gedreht, Fotos an den Wänden, ich setzte mich in einen gemütlichen Lehnstuhl und träume.(Foto Alex träumt) Die Deneuve kommt auf mich zu und fragt nach meinem Parfum. Desinfektion Nr.5. Ich erwache als Peter mir ein Glas Cocosrum unter die Nase hält. Zum Verkosten. Mon Dieu. Très bien!
Weiter geht es zu einem Surfstrand mit einigen Halbverrückten, die sich in die tosende Atlantikbrandung stürzen und die Wellen abreiten. (Foto der Weg zum Surf) Mama lässt sich nicht beeindrucken und fotographiert einen zerzausten Strandhund.
Martinique ist ein Département von Frankreich. So als wäre die Steiermark ein Bundesland von St. Lucia. Die weißen Franzosen haben hier alles fest in der Hand. Die schwarzen Franzosen sind die Dienstnehmer. Im Supermarkt, in der Bäckerei, im Museum, in der Rumplantage. Fabien, unser französischer Segelfreund erzählt von einem Bekannten, der in Martinique aufwuchs. Als dieser das erste Mal nach Paris kam, verstand er die Welt nicht mehr. Warum gibt es da weiße Anstreicher und weiße Verkäuferinnen. Was ist da passiert? Je ne sais pas.
Mont Martre erscheint hinter dem tropischen Regenwald. Träum ich wieder?
Nein, ein Original-Nachbau der berühmten Kirche, die Kerzenverkäuferin freut sich über Mamas österreichische Euros. Autriche, très belle.
Hingegen die Marktstandlerin am nächsten Tag betrachtet uns interessiert. Hat sie doch noch nie Australier gesehen. Die hübsche Pariserin, die Marinezubehör verkauft hingegen, meint taxfree können nur EU Länder bei ihr einkaufen - also Frankreich, Belgien und die Schweiz. Austria was bist du fern...
Mama stört das gar nicht, sie genießt den kitschigen Palmenstrand, die Gesellschaft unserer fröhlichen Seglerfreunde, natürlich den Rumpunsch und Finn beschließt, sie muss noch 3 Jahre dableiben.
Doch dann ist es Faschingssonntag und 4 traurige Gestalten stehen am Flughafen von St. Lucia und umarmen sich noch einmal ganz fest. In Venezuela kommt sie wieder, die abenteuerlustige Mama. Trotzdem ohne Tränen geht es nicht. Heimweh schleicht sich in unsere Seelen.
Der Zollbeamte checkt Mamas Ticket und bevor sie hinter der Only Passengers Tür verschwindet, sagt er mit sanfter Stimme zu uns allen: "Dont cry. She'll be back!"
(Familienfoto)

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15.02.2006, Grenadinen Jungle Man, Jane, Johnny - Karibik: sauteuer, aber es wirkt

Da waren wir also in Tobago. Charlotteville. Weit weg von Austria und Vienna und ganz weit weg von Europa. 3 Wochen blinkende Riesenleuchtkäfer im nächtlichen Regenwald, Pelikane die einen aus weisen Augen interessiert betrachten (was sind des für komische Vögel, yo man?) und ein Dorf, in dem nach einer Woche alle wussten wer wir sind.
Jungle Man, der Rasta am Strand. Erste Frage "You smoke?" No "You drink?" Nono "Whats the matter with you?" Ich suchte mir schuldbewusst schließlich eines seiner Schmuckstücke, gebastelt aus Pflanzenkörnern und Kokosnussschalen aus. Als ich ihm erklärte, ich komme morgen noch mal vorbei, weil ich no money dabei hab, schaute er mich aus mitleidigen Augen an, schenkte mir eine Bananenstaude und meinte: "No Problem".
Das gleiche passierte mir nicht noch mal. Zu Jane ging ich mit Geld in der Tasche.
Janes Quality Kitchen. Eine Bretterbude, Jane wunderschön mit weißer Kochhaube in der Mini Küche stehend und Roti kochend. Curry, mit Hendl und einem Fladenbrot herum. 2 Stunden Wartezeit, doch dann Geschmacksexplosionen.
Und Sylvester wurde bei ihr gefeiert, als die Sessel ausgingen, stieg ihr Göttergatte in den Pick up Truck und erschien 10 min später mit seiner Wohnzimmersitzgarnitur wieder. Rüscherl, Blumerl, Kuschel. Aber nicht lange kuschel. Kurz vor Mitternacht dröhnte uns sein Neffe mit seiner Musikanlage ins neue Jahr! Socca Musik!
Jetzt, da wir Tobago hinter uns gelassen haben um die Grenadinen zu erforschen und zügig nach St. Lucia zu segeln, wissen wir, dass wir unser Herz in Charlotteville verloren haben, irgendwo zwischen den bunten Holzhüttchen, den lachenden Menschen, den Hendln auf der staubigen Dorfstraße (und im Chicken Roti).
Flott ging es dorthin wo Johnny (Depp natürlich) als Pirat sein Unwesen trieb und wir segelten am Steg vorbei, den er im Film "Pirates of the Caribbean" so knapp verpasste und ins Wasser fiel.
Tobago Keys, wie Schwimmen in "Findet Nemo", Salt Whistle Bay. Ohne Worte. Siehe Fotos. Bequia mit der berühmten Frangipanibar und einem Markt, wo eine Ananas 12 Euro kostet.
Schließlich St. Vincent, in einer Piratenbucht, mit 3 Bars, die wir alle besuchten. Die eine wie aus einem Hollywoodpiratenfilm dekoriert, die zweite mit nur einem Tisch und 4 Sesseln und die 3. mit der schlechtesten Steeldrumband der Karibik.
Trotzdem genial. Und schießlich St. Lucia, die Schöne, die Touristische, die sehr Teure. Hier liegen wir nun in der ruhigen Rodney Bar und haben ein neues Crew Mitglied - meine Mum. Diese Schlimme schmuggelte für uns am Zoll vorbei die Mannerschnitten, herrliches Schwarzbrot, Kernöl und Milka Schoko von der Tante Frieda mitgeschickt. Für die Narrischen am Segelboot! Yoo Man!

Fotos

 

30.12.2005, Tobago

Captain's Voice

Der Atem des Ozeans
Das Schiff hebt sich, hebt sich und dann zschschschsch, hebt sich, hebt sich und dann zschschsch und irgendwann stellt sich der Rhythmus ein. 16 Tage in den Armen der Wellen.
Die erste Woche stand im Einfluss der beiden Hurricans Delta und Epsilon, die sich letztendlich doch als Tropicalstorms herausstellten. Die Schäden, die zum Beispiel Delta in der Marina Atlantico in Teneriffa anrichteten, waren hausgemacht. Die Marina war schlecht gewartet und die Schwimmstege brachen bei 65 Knoten Wind. Lag das nur am Sturm Delta? Die Angst segelt jedenfalls mit, wenn bei soviel Wetterinfo ständig von Hurricans gesprochen wird. Und dann ist da wieder dieser Rhythmus... hebt sich, hebt sich, zschschsch und wir spüren wir haben ein gutes Schiff, das uns an unser Ziel bringen kann.
Da wir schon unterhalb des 15 Breitengrades segelten brachten uns die beiden "Ungeheuer" nur schwachen Wind und so hatten wir in der ersten Woche nur Etmale zwischen 60 und 70 sm pro Tag.
Erst in der 2. Woche erreichten wir den Passatwind und das beste Etmal war 213 sm für einen Tag. Aber was bedeuten schon 2 Tage länger auf See... hebt sich, hebt sich und tschschsch...
Da gibt es noch die Squalls. Regenwolken die stärkeren Wind und Regen bringen und das Log klettert dann im Surf gerne auf 11 Knoten. Ansonsten Fische fangen, lesen, navigieren und träumen von Zielen , Geschichten und unserer Vergangenheit. In diesem Sinn... hebt sich, hebt sich, zschschsch...

Der Landfall
"Land in Sicht" welch magische Worte nach 16 Tagen auf See! Die Emotionen sind voll da und wir sind sehr, sehr glücklich und dann das Einlaufen in diese karibische Bucht. Regenwald, Palmen, Pelikane, türkises Wasser, Sandgrund - wir sind sprachlos und saugen alles auf. Die Gerüche, das Grün, das Leben. Es hat sich gelohnt diesen Weg zu nehmen. Über den Atlantik zu segeln.

Ich, Frau Lehmann und der Spinnaker
(Erkenntnisse mitten am Atlantik)
Lloyd, unser englischer Segelfreund, hat eine interessante Theorie aufgestellt. Das, was einem am Schiff die größten Probleme bereitet, spiegelt verschlüsselt wieder, was einem im Leben auch am meisten zu schaffen macht. z.B Lloyds Toilette spinnt. Sie ist immer verstopft. Was heißt das nun für ihn laut Theorie? Zwar leidet er selbst noch nicht an Verstopfung - aber irgendetwas in ihm kann nicht wirklich loslassen. Er meint, er hängt noch zu sehr an seinem Leben zu Hause in England fest und ist noch nicht bereit loszulassen.
Bei mir ist und war es immer der Spinnaker. Der Spinnaker ist ein Leicht- bzw Vorwindsegel. Meist bunt gestreift. Prachtvoll anzuschauen und hundsgemein schwer zu steuern, wenn man damit segelt.
Es gibt Leute die sagen "Bei der Atlantiküberquerung gibst du den Spinnaker rauf und 2 Wochen später wieder runter". Klingt doch wunderbar. Kein Problem für mich.
Am 2. Tag Richtung Karibik, ca 2100 sm noch zu segeln, verhängt sich unser Spinnaker im Bergesack, als Peter ihn öffnet zerreißt der halbe Spi mit einem lauten "Raaaaaatsch!!!"
Keine Katastrophe - für Peter und vermutlich hunderte andere Atlantiksegler, die nicht mal einen Spinnaker haben. Nicht so für mich.
Laut schluchzend sitze ich am Vorderdeck, die zerfransten Teile des Spis in meinen Händen und bin abgrundtief verzweifelt."Der Spi, der Spi, wir haben keinen Spi mehr, heul, heul, heul..."
Peter nimmt mich in die Arme und macht mich darauf aufmerksam, dass wir abgesehen von einem weiteren Leichtwindsegel noch zig andere Segel an Bord haben. Es nutzt nichts.
Wimmernd verkrieche ich mich in meine Koje und schwöre mir vor dem Einschlafen, diesen Spi irgendwie wieder zusammenzunähen.
Und da kommt Frau Lehmann ins Spiel. Meine Handarbeitslehrerin, die meine Riesenfersenstricksocken und zermurdelten Faltenrockversuche nie besonders schätzte. Ich musste intensiv an sie denken, als ich 2 Tage an unserem Spi nähte. Die Naht hatte Maschinenqualität. Frau Lehman wäre stolz auf mich gewesen.
Wir segeln wieder unter Spi bis zum 5. Tag. Weil wir nun keinen Bergesack mehr hatten, wurde das Bergen des 80 m2 Segels zur Herausforderung. Es kommt wie es kommen muss. Eine Bö während des Bergemanövers, der Spi landet im Wasser, kommt unter das Schiff, es gibt einen "Riesenraaaaaaatsch" und der Spi zerreißt diesmal in Längsrichtung. Ca 4 Meter. Ich packe es nicht. Stumme Verzweiflung meinerseits. Peter ist angefressen... die ganze Näherei umsonst! Ich fühle in meiner Verzweiflung nur den Drang, sofort das Segelgarn hervorzukramen und loszunähen. Was ich auch tue.
Und da passiert es. Der Atlantik beschließt Spisegeln für nicht nötig zu erachten. Der Wind frischt stark auf, wir segeln unter Vollzeug, das 2. Leichwindsegel kommt dennoch manchmal zum Einsatz. Peter montiert und zieht es so genial, das es ein passabler Spiersatz wird.
Mir fällt das alles nicht auf. Ohne auf den Wink des Ozeans zu achten, nähe ich drei Tage wie besessen am Spinnaker. Er sieht speziell aus - Frau Lehmann wäre beeindruckt.
Peter und Finn werfen sich Blicke zu und schauen mich dann mitleidig an. Meine Gedanken sind woanders.
Was bedeutet the Spi for me (laut Theory!)? Die Leichtigkeit, die Vielfarbigkeit, das Spi...nnen?
Es stellt sich heraus, dass wir den Spinnaker bis Tobago nicht mehr brauchen. Der Passatwind schiebt uns mit Fog, Genua und Gennaker Beseglung mit 7-8 Knoten in die Karibik.
Me and the Spi? Was soll das alles? Bedeutet die ganze Geschichte, ich soll nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn mal was schiefgeht? Oder, dass es immer eine Lösung gibt (wie der Peter immer sagt)?
Und als wir den ersten Schimmer der Märcheninsel Tobago am Horizont entdecken, grinst mich tatsächlich der Atlantik mit seinen gekräuselten Riesenwellen an und flüstert freundlich "Just take it easy, babe! And... relax! You crossed the atlantic sea!!!"

Finnische Betrachtungen
Also, Leute, das mit dem Atlantik ist so. Viel Wasser runderum und sonst nix. In der Früh liegen an Deck immer ganz viele fliegende Fische "aufgeschaufelt!" sagt dann der Papa.
Die Oldies waren überhaupt ein bisserl schräg während der Reise. Der Papa hat eine Verkühlung gekriegt - wie zu Hause beim Weihnachtsstress. Dabei gibt's für mich da echt nix das Stress sein könnte.
Vielleicht die Frage ob ich heute Lego oder Playmobil spielen soll? Das war echt super. Den ganzen Tag spielen und die Oldies mussten mitspielen und können jetzt auch alle Benjamin Blümchen Kassetten auswendig.
Und die Mama... das mit dem Spinnaker war lustig. Irgendwann hat sie mich gefragt, was ich denn so über eine Atlantiküberquerung sagen kann. Ich hab gesagt. Man tut spielen und nähen. Das hat sie nicht witzig gefunden. Und wenn wir Wetter gehört haben ist sie ganz nervös geworden, wenn die Wörter wie Epsilon oder so gesagt haben. Oder wenn eine graue Squall Wolke gekommen ist. Segel runter. Regnen und winden lassen. Segel wieder rauf. Die zwei sind immer herumgehupft. Ich war froh als dann dieser Passat endlich da war und sich beide ein bisserl eingekriegt haben. Eierspeis haben wir viel gegessen und Fisch. Der Papa war dann einmal beleidigt auf die Mama weil sie gesagt hat, als er einen Fisch an der Angel hatte "Nicht schon wieder..."
Sonst war eigentlich nix los. Super war, dass ich mich nicht hab duschen brauchen. Alles zu wackelig hat die Mama gesagt. Einmal, wie es heiß war, hab ich mich in ein Reindl gesetzt und gebadet. Herrlich! Aber am nächsten Tag hat die Mama besorgt meine Ohren angeschaut, weil rund um die Ohren so schwarze Flecken waren. Dann hat sie das Babyöl geholt und an mir herumgerippelt und zum Papa gesagt "Der Bua hat die ärgsten Dreckrammeln hinter den Ohren, peinlich!" Wieso peinlich - sieht mich eh keiner!
Dann hat die Mama gesagt, noch einmal Schlafen und wir sehen Land! So war es dann, die beiden waren total aufgeregt, nur weil man ganz weit weg das Tobago gesehen hat - von dem sie schon ein halbes Jahr reden. Ich wollte Lego spielen gehen, aber die Mama hat es nicht erlaubt "Du musst doch Land schauen!!" Muss ich?
War doch ganz gemütlich auf der Risho. Dann sind wir halt in diese Bucht. War schon schön. Alles so grün und ein Sandstrand. Ich war cool. Hab gesagt. Mag am Schiff bleiben. Und die Mama hat geschimpft.
Dann sind wir in das Dorf. Da rennen die Hendl auf der Straße herum. Und man kriegt Erdnussmilch zu trinken und Kokoskuchen. Die Karibiker sind alle schwarz und nett. Sie sagen "Yooo Man" statt "Hallo" und die Autos fahren auf der falschen Straßenseite. Und dann sind wir zum Strand. Und das war dann das wirklich allertollste. Ein echter Sandstrand, dahinter ein echter Dschungel, komische Vögel, die Pelikane heißen. Ich hab mich einpaniert und eine Burg gebaut. Und die Bucht heißt doch glatt Pirates Bay und früher haben die Piraten hier ihre Schätze eingegraben. Die Eltern haben an dem Tag einen Schwips gehabt und die Mama hat sogar über den Spi lachen können. Ansonsten hab ich die beiden gut im Griff. Macht euch keine Sorgen. Langsam werden sie ein bisserl cooler, ob das was mit dem Atlantik zu tun hat?

Fotos

 

18.12.2005, Atlantik

Breite: N 12°27'53
Länge: W 53°29'27

Noch 450 sm nach Tobago. Schätzen um den 22. anzukommen. An Bord alles bestens. Sind jetzt voll im Passat - düsen mit 7-9 Knoten, Wellen von hinten - der absolute surf! Hatten Bergfest - Mitte des Atlantiks - am 14. Dezember mit Champagner (lauwarm) und frischer Schokotarte!
03.12.2005, Kap Verden Von Eieruhren, Eierspeisen und natürlich den Kap Verden

Ich lerne. 24 Eier sind keinesfalls zuviel eingekauft. Die Kap Verden sind 6 Segeltage und Nächte von den Kanaren entfernt. 6 Tage nur Meer. Schluck. Der erste Segeltag ist immer hart. Alles wackelt, der Magen ist empfindlich und die erste Nacht - ich finde einfach keinen Schlaf. Peter ist schon cooler und schlummert nach seiner Schicht genüsslich in unserem Deckshaus. Und träumt von der Jagd (Foto). Ich starre in die Finsternis. Der Wind ist super, die Wellen nicht zu hoch, aber es ist einfach stockdunkel. Der Mond versteckt sich hinter den Wolken. Wir segeln in eine finstere Wand. Schluck. Schnell nehm ich meine Kopflampe und beginne zu lesen. Lieber doch nicht. Ich starre wieder auf die schwarze Wand. Nix zu sehen. Kein Licht das ein Frachter sein könnte, oder ein Segelboot oder ein Meeresmonster...aus!! Endlich Morgendämmerung.
"Mama, Lulu!" der Finn ist wach geworden. Ab in die Kombüse zum Früstückmachen und das Unglaubliche passiert - ich verspüre Gusto nach einer deftigen Eierspeis. Ich, die doch am liebsten ein Kipferl in den Milchkaffee taucht. Zwiebel, Tomaten, viel Salz, Pfeffer, ein bisserl Chilli und Eier - ein Butterbrot dazu - wir futtern. 6 Tage mal 4 ist gleich 24 Eier. Passt genau.
Eieruhren. Das spießigste vom Spießigsten. Zumindest für mich. Zwei hab ich, auf Anraten einer Freundin und Seenomadin (Danke Doris !), besorgt. Beide sind aus kratzfestem Plasik, métalliséfarben und campinggeschirr-rot. Sehr hübsch. Und wozu? In der 3. Nacht weiß ich es. Ich habe meine Wache und kann die Augen kaum offen halten.
Schwarze Nacht- aber jetzt über mir der unglaublichste Sternenhimmel. Venus leuchtet uns den Weg. Orion klebt ganz komisch schräg am Himmel. Alle Sternbilder sind am falschen Platz. Oder an einem anderen - so wie wir auch!
Und jetzt die Eieruhren. Beide auf 10 min gestellt, noch ein schneller Rundblick. Augen zu. Schnarch. Rrrrring! Wo bin ich? Wie bitte? Was? Ach so - ok. Sorgfältiger Rundblick, alles klar.10 min und schnarch. Rrrrring! Klingt hart. Ist es aber nicht. Man gewöhnt sich an alles. Kollegin Ellen Mac Arthur kommt ja auch mit dem berühmten 10 Minutenschlaf aus.
Und dann im Morgenlicht - die Kap Verden. Schroffe Felsgebirge, die Sonne glüht.
Ein Felskoloß mit aufsitzendem Leuchtturm zeigt uns den Hafen von Mindelo auf San Vincente. In der Hafenbucht einige Fahrtensegler, aber vor allem riesige rostige Frachter und ein Schiffswrack (Foto). Die Stadt wirkt fremd und abweisend. Fabrikschlote, eine Entsalzungsanlage. Da kreuzt uns ein kleines Fischerboot, 2 Kap Verdianer grinsen uns an und zeigen uns den Viktory Daumen. Dankbar winken wir zurück. So hat uns noch nie ein Land empfangen!
Wir ankern und beäugen die Stadt aus sicherer Entfernung. Wild. Wir beschließen den restlichen Tag an Deck zu bleiben, weil zu müde, zu erschöpft etc - was wir wirklich fühlen ist, dass wir Zeit brauchen um diese ungewohnten Eindrücke zu verdauen. Am nächsten Morgen am Strand empfängt uns George mit Wollmütze am Kopf. Er ist unser Schlauchboot Aufpasser - hat er beschlossen! Ok. No Problem (Foto).
Wir wandern durch die Stadt. Es ist schön hier. Nicht schön schön, aber trashig schön. Frauen mit Bananen am Kopf. Ein Mann zeigt uns stolz sein rostiges Fahrrad - er hat es aus Frankreich geschickt bekommen. Die Marktfrau mit dem Goldzahn erklärt, wie man Mandioka Wurzeln zubereitet. Ein Verrückter vor einem Straßencafe rollt Zitronen auf der Straße und schleckt sie da ab. Viele jungen Mädchen sind bildhübsch und strahlen - gekleidet wie Jennifer Lopez.
Über dem Schreibtisch des Immigrations Beamten das Portrait des Präsidenten der Kap Verden (mit schwarzer Sonnenbrille und Blumenhemd). Nur das Internetcafé - wie überall.
Man hat uns gewarnt vor Mindelo. Zuviele Bettler, lästige Kinder, Räuber - und wir? Wir treffen auf freundliche Menschen und eine ungewöhnliche Stadt. Die Armut ist wirklich bedrückend, aber am Abend plotzlich tönt Trommelmusik vom Ort zu unserem Ankerplatz. Laut, rhythmisch, wild, junge Menschen jubeln und tanzen. Ein Fest, das Freude bringt.
PS Apropos Eier:
Wir waren schon weit weg von den Kanaren als "Delta" stürmte. Weil, na ja... wie soll ich sagen... ich denke weil der Captain das Wetter einfach in den Eiern hat!

Fotos

 

23.11.2005, La Gomera

Noch zwei Tage und dann geht es ab auf die Kap Verden. La Gomera ist total schön - hier kann man Wandern, Radeln, Schwimmen und die Landschaft ist auch im November eine Mix aus Palmenhainen, Bananenstauden, Orangenbäumen, Lorbeerwald und Kiefer. Traumhaft schön!

Vorweihnachtliche Grüße von Finn
(nicht aus dem Hollandmarkt, sondern neben der Straße entdeckt)

13.11.2005, Santa Cruz de Tenerife Abschied von Teneriffa

Santa Cruz de Tenerife. Im Reiseführer steht, die Touristen werden vor den Toren der Stadt wegen der Industrieviertel abgeschreckt. Man wird hier, wenn man von Süden mit dem Auto in die Stadt einfährt, von einem Ikea begrüßt. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Nichts wie rein, die Fleischbällchen gehören verkostet. Man fühlt sie wie in der SCS. Bis auf den Blick vom Parkplatz. Der geht direkt auf den Atlantik. Nachdem wir die schönen, neuen "Sven" Sitzpolster eingepackt haben und für Weihnachten in der Karibik Elchkerzerl und Geschenkpapier gekauft haben, geht es zurück in den Hafen. Wieder kommen Heimatgefühle auf. Wir stecken im Stau. Wie auf der Tangente nur rechts von uns - der Atlantik.
Am Steg verschwindet Finn mit den kleinen Französinnen (siehe Fotos) zum Piratenspielen, Peter und ich versuchen sämtliche Einkäufe zu verstauen. Da zum Beispiel merke ich, dass ich mich seit unserer Abreise aus Österreich bereits verändert habe. Ich, die doch alles gerne in schöne Alte Gläser, Blechdosen aus England oder antike Keramiktopferl verschloss, bin jetzt Spezialistin für Plastikboxen in allen Größen. Für Interessierte: Die mit dem Clik Clak Verschluss sind die besten. Clik. Kakerlackensicher. Wasserundurchlässig. Stoßsicher. Clak.
Apropos "Stauen"! Früher (vor wenigen Monaten) kannte ich das auf Vorrat kaufen nicht, wollte es auch nicht! Jetzt befinden sich in unserem Schiff ca 30 Tomatensugodosen, 3 Boxen Pasta aller Art, 2 Boxen Süßwerk, 450 Liter Wasser, 40 Liter Haltbarmilch (...das war eine Fehlkalkulation, da wir die ersten 20 Liter super verstaut und vergessen hatten). Ich habe Rhabarber in der Dose, 20 Liter Olivenöl sind fein säuberlich neben der Box mit den Cornflakes und Müslis geschlichtet. Andres, ein befreundeter Segler hat mir Blutwurst in der Dose geschenkt. Wie die 5 Dosen Oliven mit Anchovisfüllung schmecken, werden wir erst herausfinden. Die Beeren-Marmelade hier ist ein Traum. 10 Gläser. Das aus Österreich eingeschmuggelte Vollkornmehl wartet in 10 (Plastik) Dosen auf seine Bestimmung, und auch Peters Schokoladensammlung ist nicht zu verachten (scheint aber täglich weniger zu werden... komisch), und und und...
Der Atlantik schwappt gegen die Kaimauern, während ich kopfüber in der Bilge hänge und versuche alles nach System mit einer Stauliste in der Hand einzuschlichten. Bin das noch ich?
Aber Teneriffa hat noch mehr zu bieten als schwedische Einrichtungshäuser. Wir waren hier im Wald spazieren und haben Schwammerl gefunden. Hier riecht es nach Moos und nasser Erde und doch, blickt man den Berg hinab, sieht man nicht die Salzach, sondern - den Atlantik.
Dank mehrmaliger Empfehlungen fanden wir uns im Thor Heyerdhal Museum wieder und bestaunten die Kon Tiki, ein Schiff aus Binsen mit dem Kollege Heyerdhal über den Atlantik nach Barbados segelte. Irgendwie aufbauend.
Letzten Sonntag saßen wir dann an der wilden Nordküste Teneriffas in einem deutschen Café, lasen "Die Zeit" und aßen Allerheiligenstriezel. Brauchtum muss einfach ab und zu sein. Und (siehe Foto) auch hier kann man dem Atlantik nicht davonlaufen!
Zurück zum Steg: Heute sind die Franzosen abgefahren. Annabel und Fabien mit ihren vier Kindern im knallroten Katamaran. Alle haben sich versammelt um zu winken, innige Umarmungen, Wangenküsse, Gelächter, Geblödel, die Leinen werden gelöst - noch ein Familienfoto und "Adieu"! Finn stellt die gefürchtete Frage "Sehen wir sie jetzt nie wieder?" Zwei Wochen haben wir mit ihnen verbracht, gegenseitig ausgeholfen, uns beim Wäschewaschen geneckt, viel Piraten gespielt, gegenseitig Abendessen gekocht, Französisch gelernt, Familienfotos betrachtet. Ich weiß jetzt, dass Annabels Mutter eine Schönheit war und Annabel und ihre 2 Schwestern die Ferien als Kinder immer in der Bretagne verbrachten. Wie der heute 18 jährige Sohn Hugo als Baby aussah und dass die Exfrau des Bruders von Annabel Pfeife rauchte. Ich blicke zum roten Katamaran und sehe, dass Annabel sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischt. Auch mich drückt es - nach nur zwei Wochen. Ob wir sie wieder sehen? Vielleicht, in der Karibik, Paris oder Wien. Bon Vent!
Wir sind die nächsten, die die Leinen lösen. Kurs Kap Verden. Auf zu neuen Abenteuern!

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19.10.2005, Teneriffa Unter Verrückten

Gebt es zu! Einige von euch glauben, dass wir verrückt sind! Irrtum! Kommet hierher nach Teneriffa, an unseren Schwimmsteg und staunet:
Am Ende des Stegs liegt eine Broa - ein 12 Meter langes Schiff mit einem Ausleger - das ist ein kleineres unbewohntes Stück Schiff, befestigt am großen Rumpf, das sozusagen die Balance hält. Nun ist eine Broa vielleicht in diesen Gefilden ungewöhnlich, aber diese hier mit 5 spargeldürren Franzosen an Bord sprengt den Rahmen des Ungewöhnlichen. Es gibt keinen Mast. Das Schiff wird von den 5 Bretonen mit 5 Windsurfsegeln gesegelt und zwar demnächst über den Atlantik! (http://transat.equitenergie.free.fr)
Eines Tages jedoch blickt Kapitän Pete in aller Früh aus der Kajüte und traut seinen Augen nicht. Uns gegenüber, gut festgemacht, liegt ein Atlantikruderboot!!! 7 Meter lang, 700 kg schwer. Darin ein völlig erschöpfter Brite, der 2 Monate von Cadiz nach Teneriffa gerudert ist (G E R U D E R T !!!). Das sind immerhin ca. 700 Seemeilen. Wir warten jetzt jeden Tag darauf, dass einer geschwommen kommt! Atlantik in 5 Wochen Kraulen bezwungen...
Also so verrückt fühlen wir uns gar nicht mehr, da ist immer noch diese französische Familie, die mit 5 Kindern im Alter von 1-8 Jahren mit einer Monoyacht in See sticht, oder diese riesige, alte Motoryacht, die angeblich einem englischen Bankräuber namens Pix gehört hat, neben uns die Iren, die ein Jahr Zeit haben über den Atlantik zu segeln und wieder zurück und sich für jede Insel 4 Tage nehmen, Guido vom Alukatamaran, der unseren Computer repariert und zu seinem Haus auf Tobago segelt, Andres, der super kocht und Filme produziert, Lloyd der bei der Navy war und jetzt den besten Apfelkuchen der Welt bäckt, Kevin der Schiffe überstellt und am Sonntag schnell mal über den Atlantik segelt um einige Wochen später ein anderes Schiff von Kroatien nach St. Lucia in der Karibik zu überstellen,... und und und... wir verrückt? Aber nicht doch...

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02.10.2005, Lanzarote

Breite: N 28°49.525'
Länge: W 13°48.808'

Begegnungen im Atlantik

Begegnung mit keinem Seeungeheuer
Die Straße von Gibraltar - viele Seefahrer glaubten, nach dieser Meerenge gäbe es nur mehr das Nichts oder einen großen Abgrund, der einen in die Tiefe und ins Verderben reißen würde. Hatten wir doch schon mal diese Strömungen und Seeungeheuer, die von den Bergen mörderische Wind fegen lassen...
Nervös verlassen wir 3 Stunden nach high tide Gibraltar City, vor uns die verrückten Holländer, hinter uns die freundlichen Franzosen. Zusammen sind wir stark!
Wir haben Glück - Große Wellen, mäßig Wind, die Strömung trägt uns nach Tarifa, Spinnaker hinauf - ein blauer Atlantik mit sanfter Brise begrüßt uns!
Geschafft!

Begegnung mit einer Dorade
Am nächsten Morgen bläst der Wind aus Süd - genau dort wollen wir aber hin!
Die Holländer tauchen in Sichtweite in die Wellen ein und gemeinsam kreuzen wir vor uns hin. Per Funk machen wir uns Mut und Rene, der Holländer, umschreibt das mühselige Geschaukel mit "Well it's not really comfortable, but we are ok!"
Well, we too....
Endlich dreht der Wind und plötzlich ein seltsames Klingeln. Peter und ich schauen uns erschrocken an, ist irgendwas abgebrochen oder zerrissen?
Finn hat des Rätsels Lösung "Ein Fisch, ein Fisch... die Angel, schauts, schauts!!!"
Wir ziehen unseren ersten Fisch an Bord! (groß! Beweisfoto liegt bei)
Finn wünscht sich Fischstäbchen - und bekommt sie - einfach köstlich!

Unheimliche nächtliche Begegnung
2. Nacht am Atlantik. Nachtwache. Es stinkt. Es stinkt nach Schweinestall. Komisch. Alles hätte ich erwartet, aber das... Plötzlich in der Ferne Lichter, die rasch näher kommen - sehr rasch - ich weck' lieber den Captain... Peter beleuchtet die Segel mit einem Scheinwerfer und versucht das Schiff per Funk zu kontaktieren.
Es meldet sich ein netter Japaner. Ja, er sieht uns am Radar und er transportiert lebende Schweine!

Begegnung mit alten Freunden
Schnattern, quicken, pfeifen, lachende Mäuler, pfiffige Knopfaugen, sie springen, sie toben zwischen den Rümpfen, drehen sich im Wasser, grinsen uns verspielt und voller Lebensfreude an... Wer kann sagen wer ich bin? Vielleicht ein... ?
Freuen uns über Antworten im Gästebuch!

Begegnung im Schrebergarten
Lanzarote vom Atlantik umspült, eine faszinierende Vulkanlandschaft, weiß-grüne Häuser in erstarrtes Lavagestein gebaut von Cesar Manrique. Fische zum Trocknen auf Wäscheleinen mit Wäscheklammern befestigt, Mojo-Sossen, die einem die Schweißperlen auf die Stirne treiben. Weinstöcke in Mulden aus Lavasand gepflanzt, überleben nur durch die Nachtfeuchte und spenden helle Trauben für Roséweine. Wellenreiter, die über hawaiähnliche Wogen absurfen. Eingestürzte Vulkankegel, Hitze nur wenige Meter unter der Erde, die Fleischspieße innerhalb kürzester Zeit fertiggaren lässt. Doramas, ein Honiglikör, der einem seltsame Träume beschert und dann... ein bißchen Schrebergarten. Wie bitte? Jawohl, nach unseren täglichen Ausflügen mit dem Auto kommen wir jeden Abend in die Marina und werden am Steg wie alte Bekannte begrüßt. "How was your day?" "Mensch, Finn haste die Albinokrebse gesehen?" "Hey Alex, how was the shopping?" "Peter, alles beim Ship Chandler gefunden?" "Allo! Allo!" Die freundlichen Franzosen sind auch wieder da! "Bonjour... see you later... baba."

Fotos

 

12.09.2005, Gibraltar

Breite: N 36°08'946"
Länge: W 005°21'315"

Endlich haben wir "the Rock" umrundet und sind in Gibraltar. Der Europapoint, der südlichste Punkt Europas, war nicht leicht zu runden, weil wir gewaltigen Gegenwind hatten und die Strömung... na servas... Jetzt liegen wir in der Marina Bay, der Seglertreff für alle, die ins Mittelmeer rein oder auf den Atlantik raus wollen. Die geschlossene Sheppard Marina zeugt davon, dass auch viele hier hängen bleiben: verwahrloste Schiffe und so mancher Seelenverkäufer.
Unsere Ankunft fiel mit dem Nationalfeiertag der Gibraltarianer zusammen. Warum hier gefeiert wurde, erklärte uns ein britischer Spanier, mit englisch-spanischem Akzent: "We dont want to be part of Spain, we are our own! For 300 Years now! So what?" Wir genossen die Rocktalente von Gibraltar, die einfach unglaublich gut waren. Jetzt genießen wir die very britishe "Mainstreet", futtern Fish and Chips, essen Cookies mit Mintgeschmack und bestaunten an die hundert Pickle-Soßen im "Safeway" Supermarket.
Wir kennen uns jetzt aus mit Nelson und Wellington, haben die berühmten Affen bestaunt und ich konnte mal wieder auf einer Bühne stehen in der überwältigenden St. Michaels Cave, in der, umrahmt von gigantischen Tropfsteinen, noch heute Theatervorstellungen und Konzerte stattfinden. Oh it's lovely!,isn't it?
Wir treffen hier auf Segler, die wir schon in Italien und Spanien trafen und die auch Richtung Karibik segeln, und müssen unserer Abende genau planen, da man ja überall auf einen Drink eingeladen ist und selber einlädt. Hier die Holländer aus Sardinien, dort die Franzosen aus St. Pietro, da dieses nette Paar aus Südafrika (er Wiener, sie Schweizerin!!!), alles wird betratscht, ausgetauscht, beraten (Lorbeerblätter in Mehl gegen lästige Insekten, Wetternachrichten auf Weather online, günstig Wimpernfärben in der Mainstreet, zu teurer Diesel bei der Tankstelle and so on...) Es ist einfach herrlich! Die Marina wird zum Dorf! Und doch kreisen alle Gespräche vor allem darum, wann der beste Zeitpunkt ist um auf den Atlantik zu gehen.!

Captain's Voice:

Gibraltar, 12.September 2005
Es ist Zeit, die Reise durchs Mittelmeer Revue passieren zu lassen. 1880 sm von der Stella Marina bis Gibraltar. Ich möchte über die Veränderungen, die wir selbst durchliefen berichten.
Ich habe einen Zopf, damit mir das Haar nicht ins Gesicht weht und mein Körper ist 10 Kilo los. Meine Muskeln sind wieder dort wo sie hingehören.
Gereifte Seemannschaft und sicherer auf längeren Etappen, wir hatten so eine gute Vorbereitung für den Atlantik. Erstaunlich ist, daß plötzlich hundert Seemeilen keine Distanz mehr ist.
Die Risho Maru wird täglich verändert, da ein Block, dort eine zusätzliche Leine, hier eine Verstärkung und noch ein bequemes Platzerl mehr.
So merkt man, dass dein Boot dein Zuhause geworden ist. Und stolz präsentiert man es anderen Fahrtenseglern und beachtet mit interessierten Augen, ob an deren Schiff nicht etwas zu entdecken ist, das ich selbst für unser Schiff als Verbesserung installieren könnte.
Alexandra hat aus meiner Sicht auch so eine Veränderung hinter sich. Sie sieht aus wie aus dem Fitness Center entlaufen und hat ihre Angst vor Stürmen ein wenig abgebaut. Der Grund hierfür ist sicher , das sie sich mehr mit Navigation, Wetter und Seemannschaft auseinandergesetzt hat. Sie ist eine sehr gute Seglerin geworden.
Und die Liebe?
Wir sind uns sehr nahe und genießen die viele Zeit die wir zusammensein können. Finn ist ein aufgeweckter, interessierter Bub geworden. Seine Babyzüge legt er immer mehr ab. Einerseits schade, aber doch schön, dass wir immer mehr einen Jungen reifen sehen, der auch mit viel Freude am Segeln teilnimmt. Die Eindrücke, die er bekommt sind sehr intensiv für ihn und wir sind sicher, diese Reise wird für sein Leben prägend sein.
Ich bin sehr froh , daß wir in unseren neuen Lebensabschnitt gestartet sind.
So long
Skipper Pete

Fotos

 

30.08.2005, Spanien, Aquadulce/Almeria

Breite: N 31° 48 ' 88''
Länge: W 2° 33' 68''

Mahon, Menorca gefiel uns so gut, dass wir erst eine Woche später nach Mallorca segelten. Palma überraschte uns mit seiner wunderschönen Innenstadt. Obgleich die Touristenmeile hässlich war, waren wir begeistert, da an der Mole gegenüber an die 100 klassische Holzboote lagen (Baujahr zw. 1875 und 1968). Die 20. Trofeo "Almirante Conde Barcelona" fand gerade statt und der Captain war von den Socken und konnte sich nicht losreissen. Die restliche Crew ging inzwischen Eisessen und zahlte fuer 2 Tüteneis 11 Euro (Schluck!). In einer Badebucht auf Mallorca warteten wir auf den richtigen Wind nach Ibiza. Und Ibiza war: naja Ibiza halt... mit super Wind flüchteten wir gen die spanische Festlanküste. Dort liefen wir in Cartagena ein, das allerhübscheste Wahrzeichen der Stadt: ein U-Boot in einem Springbrunnen. Irgendwie sehr schräg, aber doch viel spanischer als Ibiza. In Almeria stellte die Skipperin um 4 Uhr in der Früh einen Rekord im "auf die 2 Meter hohe Industriehafenmole Klettern" auf. Der Captain verteilte sofort eine Dienstgraderhöhung. Jetzt liegen wir im Yachthafen von Aquadulce unter einer Felswand, die von mehreren Baggern ausgehöhlt wird - wild romantisch! Der Wind ist uns wohlgesonnen und wir nähern uns zügig Gibraltar.

WAS UNS ZUR ZEIT AN BORD WICHTIG IST
Peter:
- Angelleine ausbringen (fuer allfälligen Thunfischfang)
- Nutellaglas (X-Large)
- George Clooney Kapperl (Sonnenschutz-Outfit à la George in "Der Sturm")
- Buchtip: Rocco Schamoni "Dorfpunks"
Alex:
- Sonnenbrille (gegen allfällige Augenfältchen)
- Galleteros rusticos (köstliches Spanisches Knabbergebäck für Nachtfahrten)
- Wetterbericht (und bei anrollendem Tief hilft dann nur mehr der berühmte Wintertee aus Mutter Harings Garten)
- Buchtip: M. Kneale "Englische Passagiere"
Finn:
- Lego,Cornflakes, Smarties, Kasettenrekorder
- Papas Seeräubergeschichten, Mamas Marienkäferstories
- Buchtip: "Der kleine Rabe lernt Englisch"

14.08.2005, Spanien, Menorca, Naturhafen Mahon Ola! Wir sind auf den Balearen!
Italien haben wir gründlich verabschiedet und zwar auf St. Pietro, einem Eiland bei Sardinien. Viel Wind hat uns im sicheren Hafen von Carloforte für 5 Tage festgehalten. Mit uns an der Mole: freundliche Franzosen mit Rotweinflasche unter dem Arm (aben sie fir mich einen Turöffner?), unsere Segelfreunde Kudi und Andi (unterwegs mit der "Uhuru" auf der gleichen Route) und last but not least unsere bezaubernden Flitterwöchner Dave (Bruder von Alex) und Synnova (frischvermählte steirische Irin) Diese beiden durften gleich ihre Seefestigkeit beweisen bei der Überfahrt zu den Balearen.(Scirocco, der Wüstenwind zauberte roten Sand aufs Deck!) Ein Walfisch begleitete uns kurzfristig und Bruder Dave fing eine Brasse, die gerade noch in die Pfanne passte! Apropos Pfanne: In der Kombüse matchten sich Irland gegen Österreich, das Ergebnis: kulinarische Höhenfluege! Spaghetti Putanesca, Curry mit Hühnerfleisch und Kichererbsen, zarte Brasse in Olivenöl und Kräutern, sahnige Bechamelkartoffel mit Thymian und Myhrte aus Sardinien und endlich die unvergesslichen Penne Amatriciana der Skipperin (Rezept siehe unten). Jetzt sind wir in Mahon auf Menorca, einem riesigen Naturhafen an der SO Küste. Wir fuehlen uns sehr wohl unter den liebenswürdigen und relaxten Spaniern! Viva Espagna!
PENNE AMATRICIANA:
Ordentlich viel Olivenöl heiß werden lassen, 1 geschnittene Zwiebel anbruzeln, 2 handvoll gewürfelter Pancetta Speck, weiterbruzeln, dann dazu 2 Dosen Pomodoro, Oregano, Salz,1 Chilischote (trocken), Pfeffer... köcheln lassen während man die Penne rigate kocht! Dann alles zusammenmischen, mit Parmesan bestreuen und bissl frischer Petersil! Mama Mia! Eure PAFs

28.07.2005, Sardinien, Cagliari

Breite: 39° 12.081' N
Länge: 09° 07.543' E

Wir sind ja schon öfter auf den Spuren von Odysseus gesegelt (wo war der eigentlich nicht?), aber die Straße von Messina dürfte ihn auch ziemlich beeindruckt haben. Auch wir trafen auf die Seeungeheuer Scilla und Charybdis. Scilla (12 Beine, 6 Hälse, greuliche Köpfe) knallte uns von den Bergen einen 6-7 NW Wind auf die Nase und Charybdis (eine Art Riesenqualle) sorgte für eklige Strömungen und Kabbelwasser, sodass wir zeitweise rückwärts segelten! So trugen uns die Winde nach Taormina an der Ostküste Siziliens. Am nächsten Tag 5 Uhr Tagwache, die Skipperin brummelte so grantig wie der schmauchende Ätna ueber ihrem Haupt. Schließlich landeten wir doch im flautigen Tyrrhenischen Meer und auf der ersten liparischen Insel, Vulcano. Auch genannt die Schwefelige...stink!

Und dann die Überfahrt nach Sardinien (2 Tage, 2 Nächte auf See!) mit unserem "Franzl". Wer ist der? Um den hätte uns Kollege Odysseus beneidet. Unsere Windsteueranlage "Franzl" nahm Risho beim Steuer und brachte uns sicher und gemütlich nach Sardinien. Fazit: 2 Bücher ausgelesen, 30 Legofähren gebaut, Maniküre erledigt,...

Wir durchwandern zur Zeit Cagliari und der Kapitän besteht darauf, dieses nette Cafe immer wieder aufzusuchen. Warum? Ja, die Jazzmusik, die nette Einrichtung, das köstliche Essen, der Wein ... warum wirklich?... Die bildschöne Kellnerin - wusste ich es doch, aber Mädls, auch die Sarden sind nicht gerade zu verachten! SO LONG!

15.07.2005, Rocella

Breite: 38° 19.666' N
Länge: 16° 26.033' E

Wir klappern die italienische Ostküste ab. Bari um 4:30 morgens erreicht. Stadtgeruch zwischen Abgasen, faulem Gemüse, Pinienduft schon Meilen vor der Küste wahrgenommen. Todmüde am nächsten Tag durch Bari geschleppt und waren hingerissen. Tolle Menschen, alte Gemäuer, moderne Geschäfte Versace, Gucci, Calvin Klein. Krasser Gegensatz im Hafen. Am Kai springen Kinder in das stinkende Hafenwasser, zur Krönung des Spaßes werfen sie zwei Säcke mit Müll in das Wasser und tauchen dazwischen begeistert auf. Seltsam. Einfahrt in Brindisi zur Abenddämmerung. Finn blickt fassungslos auf riesige Tanker, beleuchtete Fähren, einen offenen Flugzeughangar plus Jet. Nächstes Flugzeug begegnet uns in Form eines Wasserflugzeugs im engen Hafen von Santa Maria di Leuca. Es kommt uns am Wasser hopsend entgegen und hebt kurz vor unserem Bug ab. Alex erleidet eine kurze Panikattacke... In Leuca treffen wir die ersten Fahrtensegler. Hugh und Mimi, zwei Briten, die auf ihrer Motoryacht leben. Hugh ist Fruitfarmer und begeisteter Hobbypilot, Mimi geht in die Kajüte weinen weil sie so "homesick" ist. Dann nette Schweden, beide geschieden, haben sich vor 6 Jahren kennengelernt und lieben ihre chaotische Yacht. Finn meint: "Ganz schöner Sauhaufen da" und bekommt von Susan eine Legofigur geschenkt (gut, dass ihr Deutsch nicht besonders gut ist...) Alle empfehlen uns Rocella und die Pizza dort und das Internetcafe. Da sind wir jetzt! Bald gehts weiter richtung westliches Mittelmeer. Ahoi!

07.07.2005, Brindisi

Breite: 41° 08.73' N
Länge: 17° 06.13' E

Cafe Latte, Tramezzini, bella ragazzi, mir san in Italia in Brindisi!

29.06.2005, Split

Breite: 43° 31.40' N
Länge: 16° 24.50' E

Italien und Istrien liegen hinter uns. Wir segeln durch die inneren Inseln der Kornati... hunderte Inseln und Inselchen um uns... Sit, Zut, Piskera, Kurba Vela, Levrnaka, Lavsa, besonders interessant sind die volkstümlichen Namen für die Inselchen (freie Übersetzung: Ball, Hutmacher, Korb, Toter Mann, Nackter, Lüstling, Kleiner Mangold, Furz, Weiberarsch, Hur... (Zensur!). Bordalltag setzt ein, Alex boatmade bread (Spezialrezept auf Anfrage). Erster Sachunterricht für Finn (Der Feigenbaum). Kapitän Pete wuselt an Bord herum und findet immer was zu tun! Split ist wunderschön! Nächstes Ziel Dubrovnik und dann Brindisi!

21.06.2005

Breite: 45° 45.97' N
Länge: 13° 04.68' E

Halleluja! Sind gestartet! Alle Systeme arbeiten gut. PAF sticht in See, Südwind, Kreuzkurs, Kurs auf Kroatien, over.

08.04.2005

Breite: 48° 14.00' N
Länge: 16° 19.48' E

Peter, Alexandra und Finn bereiten in Wien das große Abenteuer vor...

Route der Risho Maru
21.06.2005 - 15.08.2009

 

Frequently asked questions

1. Wie habt ihr das mit der Schulpflicht bei Finn gelöst?
2. Wie geht's Finn jetzt in der Schule?
3. Würdet ihr mit demselben Schiff wieder fahren?
4. Hattet ihr schweres Wetter?
5. Gab es wirklich gefährliche Situationen?
6. Wie habt ihr euch bei Nachtfahrten organisiert?
7. Segelt ihr immer allein?
8. Wie geht's euch jetzt in Wien?
9. Würdet ihr die Reise nochmals machen?
10. Wo war es am schönsten?
 
1. Wie habt ihr das mit der Schulpflicht bei Finn gelöst?
Vor der Abreise ging ich zum Bezirkschulrat. Der meinte, Finn würde bei seiner Rückkehr seinem Alter entsprechend eingestuft.
Dank meiner Schwägerin Andrea - ihres Zeichens Volkschullehrerin - hatte ich sämtliche Schulbücher der Grundschule. Andrea kam dann 2 Mal auf Besuch und "prüfte", ob Finn eh ordentlich unterrichtet wurde!
Ich arbeitete mit Finn ca 3 Stunden pro Tag. Deutsch, Schreiben, Lesen, Rechnen nach Lehrplan. Hab das wirklich konsequent eingehalten, was natürlich nicht immer leicht war. Bei Überfahrten gab es "Schule light" mit Asterix Lesen und ein bisserl Einmaleins. Dafür machten wir aber auch keine Ferien. Englisch hat Finn ganz einfach durch die tägliche Kommunikation mit anderen Seglern gelernt. Wir haben überall Museen, Konzerte, Theater und diverse andere Kulturveranstaltungen besucht. Das macht er bis heute sehr gerne! Gitarreunterricht hatte er bei Peter.
Andrea ging dann ca ein halbes Jahr vor unserer Heimkehr zum Schulrat und ließ Finn in eine Volkschule einschreiben. Eine Woche vor Schulbeginn lernten wir die Direktorin kennen (zufällig eine Seglerin!) und die meinte, Finn solle, seinem Alter entsprechend, die 4 A besuchen. Mal sehen wie es ihm ginge! Ich muss wirklich sagen, alle vom Bezirksschulrat über die Direktorin bis zur Lehrerin waren begeistert von unserer Reise und haben Finn gerne aufgenommen.
2. Wie geht's Finn jetzt in der Schule?
Nach knapp einem Monat können wir sagen, Finn fühlt sich sehr wohl, er mag seine Lehrerin sehr und geht wirklich gerne in die Schule. Hat sich gut in die Klassengemeinschaft eingegliedert. Das ist doch die Hauptsache, oder? Viele glauben, er tut sich schwer mit dem Stillsitzen, weil er ja nie in einer Schule war. Ich denke, Seglerkinder können sehr gut still sitzen, immerhin kann man am Schiff bei tagelangen Überfahrten auch nicht dauernd herumrennen. Er hat gelernt, sich allein zu beschäftigen und jetzt lernt er, sich auch mit ordentlichem Trubel rundherum zu konzentrieren und nicht ablenken zu lassen. Und er genießt seinen eigenen Kosmos abseits der Eltern!
3. Würdet ihr mit demselben Schiff wieder fahren?
100 Prozent ja. Rishomaru ist ein simples, sicheres, schnelles Schiff. Wir hatten keine Probleme, egal bei welcher Wetterlage und mussten auch keine großen Investitionen während der Reise tätigen. Besonders auf der Passatroute bewährt sich ein Katamaran, weil die Schiffsbewegungen sehr angenehm sind.
4. Hattet ihr schweres Wetter?
Einmal kamen wir in ein fettes Tief von Neuseeland nach Neukaledonien. Da drehten wir zum ersten und einzigen Mal in all den Jahren bei. Und das klappte wirklich gut.
Ansonsten wächst man in das Segeln auf den Ozeanen hinein. Was einem im Mittelmeer vor Jahren noch als Starkwind schien, relativiert sich auf einer Weltumsegelung.
Natürlich ist es manchmal rauh gewesen, aber die Wetterinformationen sind wirklich ausgezeichnet und es muss schon sehr blöd hergehen, wenn man trotzdem in einen schweren Sturm kommt.
Kurz vielleicht zu den Ankerplätzen: die sind in den Tropen wirklich ausgezeichnet - Sand! Der Anker hält perfekt (hatten einen Bügelanker) und eine mit Seglern überfüllte Bucht ist absolut selten.
5. Gab es wirklich gefährliche Situationen?
Als wir in Indonesien auf das Riff fuhren, hatten wir einige Stunden Angst, das Schiff zu verlieren. Aber Risho hat auch das super weggesteckt.
Und der Golf von Aden ist wirklich sehr nervenaufreibend. Wir fuhren im Konvoi und hatten keinerlei gefährliche Situationen, aber dort segelt die Angst schon mit.
6. Wie habt ihr euch bei Nachtfahrten organisiert?
Peter und ich wechselten uns im 3 Stunden Rhythmus ab. Der jeweilige Wachgänger hatte zusätzlich noch Eieruhren in 10 min Einheiten. Die ersten Tage sind sehr hart, aber dann gewöhnt man sich daran und es geht gut.
7. Segelt ihr immer allein?
Ganz und gar nicht. Auf der üblichen Passatroute sind jedes Jahr mehrere hundert Segelboote unterwegs. Bald hat man seinen Freundeskreis und es kommen immer wieder Leute dazu.
Man trifft sich am nächsten Ankerplatz, man segelt gemeinsam, wenn man will.
Auch haben wir uns bei Überfahrten (Atlantik, Pazifik) in SSB Funkrunden organisiert.
Ein oder zweimal am Tag trifft man sich per Funk, gibt seine Position durch und tratscht ein bisschen.
So entsteht ein Sicherheitsnetz und es tut gut zu wissen, nicht allein draußen zu sein.
Wer will kann natürlich abseits der Route ganz allein Segeln.
8. Wie geht's euch jetzt in Wien?
Das schönste ist, Familie und Freunde wieder so nah zu sein. Auch genießen wir unsere Wohnung sehr.
Hart ist, dass wir keinen Horizont sehen und deswegen gehen wir viel in den Wald oder auf den Berg.
Die schlechte Luft macht unserem gereinigten Organismus zu schaffen. Hab seit 2 Wochen Halsweh!
Und das Tempo der Stadt ist ziemlich stressig.
Und die Zeit rast.
Durch unsere Reise hat sich unser Weltbild verändert und wir hinterfragen so manche Errungenschaften und angeblichen Notwendigkeiten der westlichen Zivilisation!
Der weiße Mann irrt manchmal gewaltig...
9. Würdet ihr die Reise nochmals machen?
Brasilien, Honduras, Belize, mhmmmmm... tja, da gibt es doch einiges, das wir noch nicht gesehen haben...
Lasst uns jetzt mal ankommen in Österreich! Mal sehen was die Zukunft bringt!
10. Wo war es am schönsten?
Sagen wir die Südsee, und dort Fatu Hiva in den Marchesas im Abendlicht nach fast 3 Wochen auf See. Die Marchesas, ein Paradies.
Und Neuseeland, zum dortbleiben.
Und Vanuatu, die Menschen, die Kinder!
Und Kolumbien, das Gewurl,
und Venezuela, die Strände,
und Italien, der Kaffee - sorry können uns nicht entscheiden...